Laufgemeinschaft der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung e.V.

Die Bundesligasaison endet am kommenden Samstag mit der Deutschen Meisterschaft über 50 km in Schwäbisch Gmünd. Drei Mannschaften haben gute Aussichten den begehrten Titel „Mannschaft des Tages“ zu erhalten.

SG V1

Bereits an der Zugspitze gab es das gleiche Dreierduell zwischen LG Allgäu/Kempten, LG Nord Berlin und LG Ultralauf und nach den aktuellen Meldezahlen scheint sich dieser Dreikampf zu wiederholen. Während bei Männermannschaften damals Kempten überragend auf Platz 1 und 2 und damit vor LG Ultralauf und LG Nord lag, gewann LG Ultralauf bei den Frauen. Das Bild zeigt ein Teil der Läufer der erfolgreichen Mannschaften beim ZUT.

Auch in der Endabrechnung lag damals Kempten vor LG Ultralauf und den Berlinern. Aber die Strecke in Schwäbisch Gmünd ist deutlich kürzer und technisch nicht so anspruchsvoll wie damals an der Zugspitze. Auch ist das Berliner Team viel größer und sehr gut besetzt, weil es nämlich um mehr als den Tagessieg geht. Zwischen LG Ultralauf und LG Nord Berlin entscheidet sich am Samstag, wer die diesjährige Bundesligasaison gewinnt. LG Nord Berlin liegt aussichtsreich vorne, aber der Abstand kann noch aufgeholt werden. Kempten kann sich durch einen Erfolg noch vom siebten Platz auf den dritten schieben – vorausgesetzt, sie schneiden deutlich besser ab, als die aktuell vor ihnen platzierten Vereine.

Die größten Teams im beeindruckend großen Starterfeld stellen neben uns LG Nord Berlin und DJK Schwäbisch Gmünd, etwas weniger haben LG Allgäu Kempten, AST Süßen und die LC Blueliner. Der Veranstalter rechnet noch mit vielen Nachmeldungen und in Summe über 500 Startern!

Viele Starter eines Teams helfen, sind aber nicht entscheidend, um in der Endabrechnung der Bundesliga-Tageswertung vorne zu stehen. Nach einem komplizierten Punktesystem werden Einzel- und Mannschaftsergebnisse in Punkte bewertet und diese addiert, wobei es für die Männer- und Frauenmannschaften die meisten Punkte gibt. Weitere Wertungskategorien sind die Mannschaften 50+, in der nur Läuferinnen und Läufer gezählt werden, die in den Altersklasse MW50 oder höher starten. In der Gesamtwertung bekommen die besten 6 Männer und Frauen Punkte und in den Altersklassen die besten 3.

Um in der Tageswertung vorne zu sein, muss man etwa zwei Mannschaften TOP 3 platziert haben, dazu einige AK-Punkte einsammeln und entweder über die Gesamtwertung oder der 50+-Mannschaft weitere Punkte einfahren. Ohne sehr gute Mannschaften geht da nichts.

Die Laufpartner haben mit Martin Ahlburg und Almut Dreßler zwei Top-Favoriten am Start, die günstigstenfalls beide gewinnen! Das bringt jeweils 6 Punkte für den Gesamtsieg und 3 Punkte für den Sieg in der Altersklasse und in Summe 18 Punkte. Das könnte für Platz 4 in der Tageswertung reichen, mehr aber nicht, denn vorne sind mit Kempten, LG Nord und LG Ultralauf drei Vereine, die alle drei sowohl eine starke Männer-, Männer 50+- und Frauenmannschaft haben. Nach den aktuellen Anmeldungen sehe ich bei beiden Männermannschaften Kempten vorne, weswegen sie für mich auch der Favorit für die Tageswertung sind. Berlin hat mit Patricia Rolle, Katrin Grigalat und insbesondere Frank Merrbach drei Läufer am Start, die in der Gesamtwertung auf das Podest laufen und eine solide Basis für ihre Mannschaften bilden können.

SG V2

Unsere erfolgreichen Frauen aus Grainau, Claudia Lederer, Sylvia Faller und Katharina Bey werden auch in Schwäbisch Gmünd am Start stehen, sind aber im Vergleich zu den Mannschaften aus Berlin und Kempten eher Außenseiter.

Auch wenn uns ein paar Spezialisten fehlen, ist unser Team sehr stark vertreten und wir hoffen, in drei Mannschaftswettbewerbe einen Podestplatz zu erzielen. Meine Vermutung ist, dass bei den Mannschafts-Wettbewerben Männer, Männer 50+ und Frauen jeweils die Mannschaften Allgäu, Berlin und wir die Podestplätze unter sich ausmachen und die Reihenfolge entscheidend für die Tageswertung ist. Bei dem Wettbewerb Frauenmannschaft 50+ hat nur LG Nord Berlin eine Mannschaft, da unsere voraussichtlich nicht zustande kommt. Alle drei Vereine haben Stärken und keine Schwächen. Kempten bei den Männern, Berlin bei den Frauen, wir haben traditionell die beste zweite Mannschaft und bekommen einige Punkte in den Altersklassen. Alle drei Teams wurden nebenbei angemerkt bereits schon einmal in dieser Saison "Mannschaft des Tages".

SG V3Das Endresultat lässt sich kaum abschätzen, zumal es ja noch ein paar Unbekannte in der Rechnung gibt. So werden sicher nicht alle gemeldeten Läufer starten und dafür noch einige Leute nachmelden. Im Bereich der Einzelleistung erschwert das große Teilnehmerfeld jegliche Prognose, so gibt es in Summe 67 Starter in der AK M50, in der M45 sind es mit 59 unwesentlich weniger. Bei den Frauen gibt es in den gleichen Altersgruppen 20 und 19 Starterinnen.

Silke Stutzke vom Ultrateam der LG Nord Berlin nach 2016 den Pokal in Empfang, den sich der Verein durch den Gewinn der ersten Saison der Ultramarathon-Bundesliga verdiente. Aktuell führen die Berliner mit einem einzigen Wertungspunkt. Sollte sich LG Ultralauf vor den Berliner platzieren, so hat LG Ultralauf dieses Jahr gewonnen!

 

Der aktuelle Stand in der Ultramarathon-Bundesliga:

Platz Verein Punkte
1 LG Nord Berlin Ultrateam 89
2 LG Ultralauf 88
3 LG Mauerweg Berlin e.V. 40
4 Ultra Sport Club Marburg 40
5 SV Schwindegg 34
6 LC Blueliner 30
7 LG Allgäu/Kempten 27

Sollte Kempten mindestens dritter Verein der Tageswertung werden, würde der Verein dafür 18 Punkte bekommen und auf Platz 3 springen, falls die anderen Vereine nur wenige Wertungspunkte bekommen. Marburg ist gar nicht vertreten, Schwindegg nur mit einer kleinen Männermannschaft und Aussicht auf ein paar AK-Punkte.

Die Mauerwegläufer haben 8 Starter gemeldet, davon eine Männer- und eine Frauenmannschaft. Das bringt schon einmal ein paar sichere "Rohpunkte"! Wesentlich stärker ist allerdings das Team LC Blueliner einzuschätzen, immerhin 10 Starter, 2 Männermannschaften, eine Männer 50+ und eine Frauenmannschaft.

Aber es gibt viele Mannschaften, genauer 36 Männermannschaften, 13 Männer50+-Mannschaft, 10 Frauenmannschaften und eine Frauen50+-Mannschaft. Und dann gibt es ja auch noch Vereine mit sehr guten Einzelstartern, wie z.B. Die Laufpartner. Ich schätze, dass DJK Schwäbisch Gmünd die besten Chancen auf Platz 4 der Tageswertung hat und Die Laufpartner und die Blueliner folgen. In der Bundesligaendabrechnung wird vermutlich Kempten auf Platz 3 vorrücken vor den Bluelinern und den Mauerwegläufern aus Berlin. Aber, ob die Tabelle wirklich noch einmal komplett umgekrempelt wird? Lauter Spekulation! Am Samstagabend wissen wir mehr. Es wird einen spannenden Wettkampf geben und in der Folge eine spannende Auswertung. Da von der DUV angekündigt wurde, dass es für die besten 6 Vereine Geldpreise zu gewinnen gibt, geht es für die meisten Vereine noch um etwas!

Text und Bilder: Michael Irrgang, 17.10.2017

Südtirol Ultra Skyrace (121 km, 7.554 HM) - The most extreme Experience in the Alps Extremberglauf entlang der Hufeisentour in den Sarntaler Alpen

001 Suedtirol Ultra Skyrace StreckeIm Sommer 2015 machten wir Urlaub in Oberbozen, Südtirol. Wir waren in der nahen Umgebung wandern und dabei sind mir seltsame Schilder aufgefallen, die ich näher inspizieren musste. Es waren Hinweisschilder des Südtirol Ultra Skyrace - ich informierte mich und da ließ mich ein Gedanke nicht mehr los!

Schon lange habe ich jetzt daraufhin gefiebert, im Winter eine längere Trainingspause und anschließend reduziert trainiert wegen Leistenproblemen, im Juni dann eine Daumenverletzung mit 3-wöchiger Krankschreibung. Die Vorbereitung war also alles andere als optimal. Aber die Wochen vor dem Lauf gingen dann ganz gut, einige längere Trainings-Bergläufe mit Höhenmetern waren dann doch noch drin.

Bereits am Donnerstag ging’s nach Andrian, einem Vorort von Bozen. Am Freitag, 28.07.2017 konnte man tagsüber seine Startunterlagen holen, ab 17:00 Uhr gab’s Pastaparty, wo ich Laufkollegen Klaus Matthee (Teilnehmer des 10. DUV-Trainingslagers in Hinterstein kennen ihn) traf. Übrigens sind auch bei Massenversorgung die italienischen Pasta einfach lecker!

005 35525636433 e9b067ff2a o Startbereich

18:00 Uhr begann das verpflichtende Briefing, Start war pünktlich um 20:00 am zentralen Waltherplatz in Bozen, Zeitlimit: 40 Stunden für die 5. Auflage des SUSR. Vorher konnten Dropbags für das Pennser Joch (die Hälfte der Strecke) und das Ziel (mit Duschen, Massage etc.) abgegeben werden und beim Einlass zum Startbereich fand noch wie inzwischen üblich eine stichprobenartige Kontrolle der Pflichtausrüstung statt.

007 35525520123 d3b6b38839 o Start

Durch Bozen war der Weg gesäumt von Zuschauern, die uns Läufer freudig anfeuerten. Am Stadtrand ging’s dann gleich einmal heftig ansteigend (20% Steigung) Richtung Oberbozen, die ersten 1.000 HM wurden so auf den ersten 7 km schon mal absolviert. Hier, beim ersten VP, waren nochmals viele Zuseher, Freunde und Familienmitglieder einiger Läufer. Die Dämmerung war jetzt schon fast in die Nacht übergegangen, so wurde es Zeit, die Stirnlampe aufzusetzen und die Ärmlinge hoch zu ziehen.

012 35616841053 db440c805a o PenserJoch1

Weitere 1.000 HM galt es bis zum nächsten VP zu überwinden. Das Rittner Horn (19 km, 2.080 HM) war trotz der Höhenmeter noch auf einfachen Wegen zu erreichen. Hier war sogar ein 2. Zelt mit Heizung aufgebaut, welches ich aber nur kurz besichtigte, nach kurzer Verpflegung lief ich gleich weiter. Bis hierher kannte ich die Gegend von 2015 bei Tageslicht, nun ging es in unbekannte Gefilde, die ausgezeichnete Streckenmarkierung und die Lichter der Läufer vor mir wiesen mir weiter den Weg. Die ersten alpinen Kostproben gab es dann beim Aufstieg zur Sarner Scharte (2.460), inklusive teilweiser Seilsicherung, die aber nicht wirklich notwendig war. Plötzlich war in der Entfernung ein heller Lichtfleck erkennbar, der zunehmend größer wurde. Der nächste Verpflegungspunkt nahte. Das Totenkirchl (30 km, 2.763 HM) war in der Nacht und im Nebel gar nicht als Kapelle erkennbar. Die Überdachung davor prägte in der Nacht das Bild, umrahmt von Holzgeländer. Hier nahm ich gerne warmen Tee etwas Brot und Wurst zu mir. Die Flüssigkeitsvorräte wurden ebenfalls aufgefüllt, damit es zügig weitergehen kann. Noch ein wenig weiter aufwärts. Plötzlich fehlte die Orientierung. Der Nebel hatte nochmals deutlich zugenommen und die nächste Markierung war nicht zu finden. Wieder ein paar Schritte zurück, in diesem Moment war ich alleine. Die Stirnlampe auf maximale Lichtstärke - und tatsächlich ließ sich im Nebel ein kleines reflektierendes Etwas erahnen. Nach ein paar weiteren solcher „Suchaktionen“ ging's wieder etwas abwärts und damit auch aus dem Nebel heraus. Der weitere Weg über die Stöfflhütte bis zum VP4 Schutzhaus Latzfonser Kreuz (39 km, 3.011) verlief relativ unspektakulär. Dankbar nahm die warme Brühe an, inzwischen war es 04:00 Uhr und noch dunkel, aber die Dämmerung würde nicht mehr lange auf sich warten lassen. Ca. 40 Kilometer und 3.000 Höhenmeter in 8 Stunden, das heißt ca. 2 Stunden für 10 Kilometer.

Bei einer Entfernung von 121 Kilometer könnte ich vielleicht noch bei Tageslicht wieder in Bozen ankommen. Frisch gestärkt sollte es zügig weitergehen. Aber jetzt wurde es für mich richtig ungemütlich und anstrengend. Fast die ganze Strecke ging über Geröll- und Schotterhänge. Kaum ein wirklich schön zu laufendes Stück Weg. Immer konzentriert auf den nächsten Schritt merkte ich doch auch ein wenig die Müdigkeit. Bei der Flaggerschartenhütte (50 km, 3.706 HM) wartete die nächste Verpflegung. Die war auch dringend nötig, es war schön kurz etwas zu rasten, sich zu stärken, andere Menschen um sich zu haben. Bis zum Penser Joch (2.211) sollte es ja nicht so weit sein, nochmals 9 Kilometer, dann wäre die Hälfte der Strecke (und mehr als die Hälfte der Höhenmeter) ja schon geschafft.

013 36286796561 3d620a4a62 o PenserJoch2Aber die Strecke dorthin ging genauso weiter wie die letzten 10 Kilometer: hauptsächlich Geröll und Schotter - so mühsam! Gegen 10:30 Uhr erreichte ich dann endlich das Penser Joch (59 km, 4.205 HM). Über 6 Stunden für die letzten 20 Kilometer, das waren ja tolle Aussichten für den weiteren Verlauf der Veranstaltung. Naja, ich habe etwas Pasta gegessen, ein alkoholfreies Bier getrunken, nebenbei die Socken, Schuhe und das Leiberl gewechselt. Ein Blasenpflaster habe ich dabei auch noch vorsorglich an einer gereizten Stelle am Fuß angebracht und alles gut geschmiert. Mit der Powerbank aus dem Dropbag habe ich während des ca. halbstündigen Aufenthaltes auch noch die Akkus von Handy und Stirnlampe nachgeladen. Einige andere Läufer haben sich hier aus dem Rennen verabschiedet. Nach ca. einer halben Stunde fühlte ich mich doch wieder etwas gestärkt, es war ja noch nicht mal Mittag - weiter ging’s mit neuer Kraft und frischem Mut.

018 35589782784 26d3636b10 o Ebenbergalm1

Der nächste Gipfel wartete auf mich, dann sollte es erstmal steil abwärts gehen bevor die letzten beiden ordentlichen Anstiege auf mich lauerten. Tja, was soll ich sagen, ratet mal den Namen des nächsten Gipfels??? Gerölljoch - GERÖLLJOCH!!! Dazu braucht es nicht mehr Worte - alles klar? Vom Gipfel des Gerölljochs (2.557) ging es jedenfalls ziemlich steil abwärts. Meine Beine wollten nicht mehr laufen, mehrmals versuchte ich es, aber das schnelle Gehen wollte nur im allerletzten Abschnitt talabwärts wieder in Laufen übergehen. Mehrere Läufer holten mich ein und waren schon bald weit vor mir. Ich nahm etwas von meiner Reserveverpflegung aus dem Rucksack zu mir, vielleicht hatte ich doch zu wenig Kalorien zu mir genommen, irgendwann habe ich kein Gespür mehr dafür, ob ich noch etwas brauche oder nicht, Kalorien zählen ist mir gänzlich unmöglich.

Unten im Tal setzte ich mich dann kurz auf eine Bank, trank noch etwas, schmierte gereizte Stellen nach und besann mich auf den weiteren Weg. Über die Hälfte hatte ich inzwischen hinter mir (an Höhenmetern sowieso), das Zeitlimit war noch weit weg. Nun gut, die zweite Nacht wartete auf mich, aber das sollte jetzt auch nicht ein ernsthaftes Hindernis sein - also: pack mers, weiter geht’s!

019 36256593332 0094ba0049 o Ebenbergalm2

Irgendwann kam dann die Ebenbergalm (72 km, 4.959 HM) in Sicht, von oben wurde eifrig gewunken und angefeiert. Noch schnell um eine Kurve und dann steht da das nächste Verpflegungszelt. Wieder klare Brühe für mich und Cola. Habe ich den ganzen Lauf noch nicht getrunken, aber jetzt war es eine richtige Wohltat! Bisher war es ziemlich bewölkt gewesen, die letzten Kilometer zeigte sich die Sonne aber immer öfter und jetzt hatte ich doch ziemlich Durst (obwohl mein Vorrat noch nicht leer war). Wieder Flüssigkeit auch in den Flaschen nachgefüllt und auffi geht’s. Ich konnte mich einer Gruppe anschließen, die vor Eintritt der Nacht den letzten Gipfel überwunden haben wollte - auch mein Wunsch! Bis kurz vor dem Gipfel des Alpler Nieder (2.624) konnte ich mithalten, dann verlor ich aber zunehmend den Anschluss. Aber der vorletzte Gipfel war geschafft! Eigentlich gar nicht so schwer. Jetzt wieder etwas abwärts, nächster VP und dann letzter Gipfel! … dachte ich.

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Nein, es ging nicht gleich wieder abwärts. Erst noch etwas direkt oben am Grad entlang und dann… Ein Stück Fixseil entlang einer steil abfallenden Wand ohne Weg - aber am Ende des Seils weiter Markierungen des Laufes. Also irgendwie entlang hangeln, mit den Füßen kleine Vorsprünge suchen und mit den verschwitzen Händen gut am Seil anhalten. Dann ging es doch noch abwärts. Aber mir graute vor dem letzten Gipfel. Beim Briefing hieß es, dass hier das gefährlichste Stück auf uns warten sollte - hoffentlich doch noch im Hellen. Erstaunlicherweise konnte ich doch auch wieder laufen, zumindest abwärts. Der Weg wurde zunehmend zu einem Wanderweg, auf und ab, Wurzeln, Stock und Stein - aber doch immer einfacher und insgesamt abwärts. Dann plötzlich tauchten mehrere Hütten vor mir auf, bei einer Hütte ein Zelt, Menschen - es war die Hirzer Hütte (83 km, 6.024 HM). VP vor dem letzten steil ansteigenden und - so vorgewarnt - schwierigsten Teil der Strecke. Ca. 18:30 Uhr angekommen, zügig verpflegt und aufgefüllt, schnell sollte es weiter gehen, noch war es hell, es könnte sich bei Tageslicht der letzte Gipfel (Hirzer/Obere Scharte, 2.698) noch ausgehen.

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Über den Jägersteig ging es steil aufwärts, bald wurde ich überholt. Die nächste Zweiergruppe schloss auf. Sie wollten aber nicht überholen und so blieben wir gemeinsam zusammen, ein Italiener und ein Südtiroler, der hier zu Hause ist. Von ferne nahte uns im Rücken eine Gewitterfront und wir hofften, dass sie im Tal hängen bleibe. Bis zum Gipfel (hier wieder im oberen Bereich über Geröllfelder) und auch wieder abwärts schafften wir es noch beim letzten Tageslicht - die Gewitterfront folgte uns. Im Tal holte uns dann bald erst der Regen und dann auch das Gewitter ein. Nach einem kurzen Gespräch mit einem Streckenposten der Bergwacht und dessen Rücksprache mit der Rennleitung setzten wir unseren Weg fort. Es regnete nicht stark und das Gewitter ließ glücklicherweise immer mehr nach. Die zweite Nacht hatte begonnen, wieder war von der Landschaft nicht viel zu sehen, nur das Gestrüpp und die feuchten Flechten leuchteten wie Silber. Das Licht und die Gedanken auf den Weg fokussiert setzten wir unseren Weg fort. Zwischen Kratzbergsee und Meraner Hütte wurde unser italiensicher Kollege dann schneller und setzte sich ab, der Südtiroler und ich blieben zusammen bis zum Ziel, das allerdings noch mit Hindernissen auf uns wartete. Richtung Meraner Hütte konnten wir uns zunächst noch gut orientieren, ein hölzernes Hinweisschild zeigte uns, dass wir bald dort wären.

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Da sich der Weg aber endlos zog zweifelte mein südtiroler Begleiter langsam, ob wir noch auf dem richtigen Pfad wären. Schließlich setzte wieder starker Regen, kalter Wind und dichter Nebel ein und die Orientierung ging uns komplett verloren! Aus der dichten Nebelsuppe tauchte ein weiterer Läufer auf, dessen GPS-Gerät aber leider auch keine Hilfe war. Wir tasteten uns langsam vorwärts, mehr dem Gespür des Einheimischen trauend als wirklich sicher die Richtung wissend. Plötzlich tauchte vor uns ein Gebäude auf - die Bergstation der Seilbahn zur Meraner Hütte. Auch hier war wieder die Bergwacht stationiert und ein Helfer konnte uns bestätigen, dass wir auf dem richtigen Weg waren. Weiter abwärts tastend wurde der Nebel etwas lichter, so dass wir uns wieder besser orientieren konnten und freuten, als wir endlich die Meraner Hütte (96 km, 1.960 HM) erreichten. Hier war ein großes Hallo, dann mein Begleiter kannte die dortigen Betreuer. Wir wärmten uns kurz mit Suppe und Tee und setzten dann zu zweit den Weg wieder fort, unserer weiterer Begleiter wollte sich noch etwas länger erholen. Obwohl der restliche Weg bekannt war, hatten wir wegen des Nebels immer wieder Probleme, die Markierungen zu finden und uns zu orientieren. Plötzlich war es taghell und dann ein explosionsartiger Donnerschlag. Wir beide erschraken fast zu Tode. Auf freier Strecke ohne Bäume oder Unterstellmöglichkeiten forcierten wir das Tempo! Schließlich kamen wir den Bereich der Stoanarnen Mandeln - die Gegend kenne ich wieder. Aufgeschichtete Steine, die hier seit Ewigkeiten stehen prägen das Bild. Es ging weiter abwärts, immer noch Nebel, die Sicht reichte gerade von einer Markierung zur nächsten. Zum Glück nahm der Baumbestand zu und die Angst, direkt vom Blitz getroffen zu werden ab. Beim Möltner Kaser (104 km, 1.806 HM) dann das nächste Hallo. Hier versorgten wir uns aber nur kurz und wollten gleich weiter. Die Wege wurden langsam breiter und mehr zu Spazierwegen, so dass uns das Laufen wieder leichter fiel und wir sogar noch ein paar Kollegen vor uns überholen konnten. Es begann schon wieder langsam zu dämmern, als ich plötzlich von enormer Müdigkeit übermannt wurde. Dank meines Begleiters konnte ich aber trotzdem weiterlaufen und so erreichten wir Jenesien (116 km, 1.089 HM) dann bei Tagesanbruch. Kurz nochmals etwas getrunken und gegessen und schon wieder weiter abwärts, dem wartenden Ziel entgegen. Aber was für ein Weg noch - steil abwärts auf einer Asphaltstraße (ich glaube mit 35% Gefälle!). Das ging zum Schluss nochmals ordentlich in die Knie, 800 Höhenmeter auf ca. 4 Kilometer. Das allerletzte Stück ging dann entlang der Talfer auf Asphalt.

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Gemeinsam liefen wir dem Ziel entgegen und wären noch beinahe in die falsche Richtung über die Ziellinie gelaufen. Im letzten Moment war noch mal eine Wende eingeplant. Erschöpft, aber überglücklich nahmen wir unsere Medaillen und Finisher-Shirts entgegen. 34.53:13,0 Stunden war ich unterwegs gewesen, 121 km und 7.551 HM hatte ich bewältigt, 2 Nächte hintereinander laufend durch die Nacht.

031 IMG 3508Das war absolut mein härtester Ultratrail. Vor dem Start glaubt ich noch, dass 40 Stunden Zeitlimit locker reichten sollten - im Ziel war ich froh über den Puffer. Der Sieger Daniel Jung aus Südtirol war mit 18:33.12,9 fast halb so lange wie ich unterwegs. Aber die DNF-Quote mit 47% war hoch. 103 von 179 (57%) Männern und 11 von 22 (50%) Frauen erreichten letztendlich das Ziel in der Wertung.

Der SUSR (http://www.suedtirol-ultraskyrace.it/de/) ist ein liebevoll organisierter Lauf mit einigen Unterdistanzen, die aber zu anderen Zeiten gestartet werden als die Maximaldistanz mit 121 km, so dass ein „Umstieg“ auf eine kürzere Distanz nicht möglich ist. Die Strecke ist ausgezeichnet markiert (bei dichtem Nebel hätten auch Markierungsdistanzen von 10 Metern nicht ausgereicht) aber anspruchsvoll. Die Verpflegung ist ausreichend, die Betreuer überall sehr freundlich und extrem hilfsbereit. Im Anschluss an den Lauf machten wir hier noch eine gute Woche Urlaub und waren dann auch wandern, zum Teil auch auf Streckenabschnitten des Laufes, die ich nur in der Nacht erlebt hatte.

Erstaunt hatte mich im Nachhinein, wie sehr die Dunkelheit die Wahrnehmung einschränkt. Am meisten ist mir das beim Totenkirchl aufgefallen, wo ich erst nach mehrmaligem Nachschauen glauben konnte, dass ich hier vor einigen Nächten bei Dunkelheit und Nebel schon einmal gewesen war.

Text und Bilder: MartinKurz und Veranstalter, 16.10.2017

Philipp Reiter wurde mit einer Zeit von 19:23 Zweiter und Klaus Matthee 20. mit einer Laufzeit von 20:07.

 

logoDer 35. Spartathlon geht von Athen (Akropolis) nach Sparta und fand am 29./30.09.2017 statt. Der Spartathlon ist nicht irgendein Lauf, auch nicht irgendein Ultralauf. Andere Rennen mögen härter, länger oder noch schwieriger sein, aber für mich und viele andere ist er die Krone des Ultralaufens - vergleichbar mit dem Ironman in Hawaii. Ich komme ja aus der Rother Gegend, selbsternanntes "Home of Triathlon", hier wurde diese Sportart in Deutschland groß und bekannt. Hier erträumen sich manche eine Teilnahme beim Hawaii-Ironman. Sowohl für den Ironman als auch den Spartathlon muss man sich qualifizieren. Hier gibt es hohe Kriterien, die man erfüllen muss, um dabei sein zu können und doch ist es noch keine Garantie auf einen Startplatz. Wobei ich die Qualli über 100km unter 10Std für relativ wenig aussagekräftig erachte, schon eher 180km Mindestleistung bei 24Std-Lauf - aber das ist nur meine persönliche Meinung.

Bereits im letzten Jahr hatte ich mich qualifiziert und durfte teilnehmen, doch einige Wochen zuvor erlitt ich einen Ermüdungsbruch im Kreuzbein, setzte 2-3 Wochen mit Training aus und nachdem ich an beiden Wochenenden zuvor jeweils fast schmerzfrei einen Marathon laufen konnte, versuchte ich es eben.... *Tja*, was ist schon so ein Marathon, gegenüber einem fast 6-fachen durch's heiße Griechenland. Ich musste also 2016 bei 102Km raus und hatte in diesem Jahr natürlich eine ganz besondere Rechnung offen! Ja doch, ich machte mir schon Druck!

Damit sind wir schon bei Kennzahlen: 36Std Zeitlimit für 246,8Km mit ca 3.000HM und dem Sangas-Pass als "kleinem Trailstück" durch die Nacht. Es gibt sehr strenge Cut-Off's, die sehr rigoros angewendet werden. Immerhin gibt es komfortablerweise insgesamt 76 Checkpoints an der Strecke, also ist der Abstand üblicherweise locker machbar.

SP 01Rechts: Zurechtlegen der Laufsachen und Sachen für Dropbacks

Zum Startplatz (es gibt 35 für deutsche Starter) kommt gleich die Übernachtung im deutschen Mannschaftshotel hinzu, für die Zeit von Mittwoch bis Dienstag mit Verpflegung zahlt man 520.- Euro pro Person. Falls man Supporter dabei hat, die einen auf der Strecke begleiten und auch im Hotel wohnen, kommt pro Person, der gleiche Betrag hinzu. Ich finde ein fairer Preis, um den Flug muss man sich selbst kümmern.

Im Flieger von München nach Athen traf ich schon den ersten deutschen Teilnehmer, wie im vergangenen Jahr war Ralf Giese (aus der Gegend um Ingolstadt) mit im gleichen Flieger. Als erfahrener Teilnehmer, kannte er die Wege am Flughafen zum Bus, der uns zum Hotel brachte ganz gut.

So waren wir am frühen Nachmittag an unserem Hotel, wurden ins gleiche Zimmer einquartiert und marschierten anschließend gleich zum Hotel Fenix, wenige hundert Meter entfernt, um unsere Unterlagen abzuholen. Dort konnten am nächsten Morgen die Dropbags abgegeben werden (theoretisch an ca 70 Checkpoints) und das Briefing in englischer Sprache findet dort auch morgen Nachmittag statt. Schon kurz darauf geht es zum Abendessen und es sind fast alle deutschen Läufer eingetroffen. Leider fehlen einige verletzungsbedingt, so auch Holger Hedelt vom LG Ultralauf-Team, mit dem ich vor einigen Monaten noch beim Deutschlandlauf viele Tage gemeinsam unterwegs gewesen bin.

So besteht das Team von LG Ultralauf aus:

Stefan Daum (auch Teilnehmer beim Deutschlandlauf) - seine 3.Teilnahme

Peter Hübner - seine 1.Teilnahme

Florian Bachmaier - seine 1.Teilnahme (steht unserem Team sehr nahe und ist Trainingspartner von Peter Hübner)

und ich bin noch dabei: Roland Krauss - zweite Teilnahme, jedoch 2016 DNF

Viele weitere Bekannte sind mit dabei, auch Andreas Schulze, ein weiterer Deutschlandlauf-Teilnehmer, den ich dort kennengelernt habe. Viele voller gespannter Erwartung, mache sind doch schon "alte Sparathlon-Hasen" mit z.T. viel mehr als 5 Teilnahmen.

Am folgenden Tag, nach dem Frühstück geben die meisten Ihre Dropbags ab, einige machen bei einer Studie mit, die einen Medizin-Vorabcheck beinhaltet, so vergeht der Tag bis zum Briefing (in englischer Sprache) schnell. Bei dieser Veranstaltung gibt es kaum Neues, es werden so mache Regeln für die Supporter erklärt, denn überall auf der Strecke und an allen Checkpoints darf nicht betreut werden, sondern nur an ausgewählten; natürlich dürfen sich die Läufer nicht in die Begleitfahrzeuge setzen, unabhängig davon, ob nun gefahren wird oder nicht. Peter und Florian hören aufmerksam zu, denn sie werden betreut von Uschi (die Frau von Peter) und Heike (Freundin vom Florian). Gemeinsam werden sie im Mietwagen immer wieder an der Strecke auftauchen, um die beiden Debütanten – sie wollen die Strecke gemeinsam laufen - zu versorgen. Zum Schluss wird noch kurz auf das Wetter eingegangen. Glücklicherweise bleibt die große Hitze aus, viele Wolken und nur für den Bereich Korinth ist mäßiger Regen angesagt - das Wetter scheint uns wohlgesonnen.

Am Abend nochmals Essen und letzte Vorbereitungen für das große Rennen; der Bus wird uns zeitig am Hotel abholen und zum Start zur Akropolis hochfahren. Der Startschuss fällt um 7Uhr.

Beim schnellen Frühstück ist es sehr laut und die Hektik nimmt zu - kein Wunder bei dem, was uns bevor steht.

SP 02

Am Startplatz auf der Akropolis herrscht eifriges Treiben, viele Betreuer sind dabei, es wird fotografiert, was das Handy/Foto hergibt und sich gegenseitig viel Glück gewünscht. Trotzdem gelingt es unserem Betreuer von der DUV, Ralf Simon einen Teil des Teams zu versammeln und ein Foto zu schießen. Er wird uns immer wieder auf der Strecke mit seinem Fotoapparat begleiten, anfeuern, ein wenig betreuen, sowie mach guten Tipp für den Rennverlauf bereithalten.

Pünktlich geht es los und erst mal locker bergab, runter von der Akropolis. Anschließend hat die Athener Polizei alle Hände voll zu tun, um zum Teil wildgewordenen Autofahrer zu bändigen, die es nicht erwarten können, bis das noch eng geschlossene Läuferfeld die Straßen passiert hat . Es gibt aber auch viele Passanten, die wissen, wer hier langläuft und uns ehrfürchtig und begeistert anfeuern. Im Stadtgebiet gibt es nur kleinere Wasserstationen als CP und als wir langsam den Stadtrand erreichen, wird schnell klar: Athen liegt in einem Talkessel, früher für schlimmen Smog bekannt - nun bedeutet es, wir müssen raus aus Athen und ständig leicht bergauf laufen. Wir werden nur noch gelegentlich von der Polizei begleitet und müssen immer mehr selbst mit den Straßenverkehrsbedingungen zurechtkommen. Immer wieder laufen wir auf mehrspurigen Ausfallstraßen auf dem Standstreifen entlang. Da ist es eine schöne Abwechslung durch einen Vorort mit Wohnhäusern zu laufen. Als kleines Highlight (ich kannte es ja schon vom Vorjahr) laufen wir an einer Schule vorbei, die Schüler haben wohl extra frei und stehen dichtgedrängt an der Laufstrecke. Da wird angefeuert, viel Begeisterung und Hände, die einem zum Abklatschen entgegengestreckt werden – KLASSE!

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Peter und Florian unterwegs

Doch nach ca 30km haben wir ein Industriegebiet erreicht. Hier dominiert Petrochemie und damit liegt Benzingeruch in der Luft und zwar so heftig, dass man kaum tief einzuatmen wagt. Hierbei muss gesagt werden, die Spartathlon-Laufstrecke führt definitiv nicht nur an tollen Straßen durchs Land. Von dieser Vorstellung muss man sich befreien. Selbst die Küstenstrecken und Wege durchs Hinterland sind zum Teil sehr vermüllt und öde. An solchen Wegen in Meeresnähe geht es Richtung Korinth, immer wieder auf und ab, links das Meer, rechts etwas höher liegt die Autobahn und manchmal ist auch die Bahnstrecke erkennbar. Hier freue ich mich über den wolkenverhangenen Himmel, vergangenes Jahr hatte die sengende Sonne hier freie Bahn.

Ich habe keine Probleme mit dem Cut-Off, laufe je nach Profil zwischen 6-7min/km und möglichst kräftesparend. Das erste große Zwischenziel nach 81Km ist Korinth, dafür ist eine maximale Laufzeit von 9:30 Std festgelegt. Doch ca 8km vorher gab es eine derart absurde Konstellation, ich kann nur den Kopf schütteln. Wir laufen etwa einen langen Km an einer riesigen und lauten Raffinerie vorbei, Geruch noch schlimmer als vorhin …. und direkt an der Haupteinfahrt zum Firmengelände dachte man wohl sei genau der richtige Platz für den nächsten Checkpoint. Für mich ein Grund, genau diese Verpflegung zu meiden, dann doch lieber mal mich am Trinkgurt bedienen. Hier habe ich auch noch jede Menge Gels und andere Notwendigkeiten verstaut. Nachgefüllt wird an meinen 7 Dropbags, wo ich auch gelegentlich Wechselschuhe und Klamotten, Isogetränk bzw Dosenbier deponiert habe.

Wir überqueren den Kanal von Korinth, eine wirklich beeindruckende Wasserstraße und kurz danach ist der große CP erreicht. Hier ist natürlich eine Zeitmatte ausgelegt, aber auch umfangreiche Verpflegung wird angeboten. Ich bediene mich an Reis und Nudeln, fülle auch Getränke nach und genau hier schließt Stefan Daum auf mich auf und läuft dann weiter nach vorne. Es sieht gut aus wie er unterwegs ist, nach 80Km scheint er keinerlei Probleme zu haben – ich wünsche ihm alles Gute bis ins Ziel. Als ich nach 12min weiterlaufe, checke ich die Cut-Off, eine gute Stunde habe ich Vorsprung, doch ich hätte gerne etwas mehr, ohne jetzt zu überpacen.

Sp 04

Als ich auf die 100km-Marke zulaufe, wird es „spannend" für mich – hier bin letztes Jahr ausgestiegen, die Schmerzen im Kreuzbein (Hüfte und Rücken) wurden immer heftiger. Ich hatte meinen Dropbag (mit Nachtausrüstung) dort an einem größeren CP deponiert und nahm das dann zum Anlass, genau dort aufzuhören. Ich wäre auch nimmer viel weiter gekommen. Doch diesmal wollte ich genau diesen CP „überlaufen", also nur ganz kurzer Stopp und weiter, die Nachtausrüstung war dann eben eine Station später deponiert. So hatte ich mich ein wenig überlistet und hatte beim Umziehen (Jacke und Armlinge, Kopflampe, usw) das gute Gefühl, ich bin nun schon weiter gelaufen, wie im vergangenen Jahr – gut so!

Nach mehreren Km über Landstraßen in der Dämmerung ging es eine langgezogene Steigung hoch – es wird Zeit das Licht einzuschalten. Ich laufe auf die nächste größere Stadt Nemea zu, die nach 123Km erreicht ist, aber erst nach dem Ende der Steigung kommt, so kann ich es also rollen lassen. So langsam beschleicht mich dieses Einsamkeitsgefühl auf der Landstraße dorthin und ich bin froh, als ich den großen CP erreiche, hier herrscht doch Betriebsamkeit und etwas Essen und abwechslungsreiches Trinken (der erste Kaffee tut gut) sorgt auch für Abwechslung. Auch hier treffe ich wieder auf Ralf Simon, der mich von der Fehleinschätzung bewahrt, der Sangas-Pass stünde bald bevor und sich auch sonst rührend um mich kümmert – danke Ralf!

Als ich wieder loslaufe bemerke ich, der Abstand zum Cut-Off hat sich doch erheblich vergrößert, beträgt mittlerweile etwas über 1,5Std, das beruhigt etwas. Woher der Hintergedanke, der Sangas-Pass wäre spätestens bei Km150 erreicht, kam – das ist mir bis heute ein Rätsel. Sowas nennt man wohl „Wettkampf-Blindheit", oder so ähnlich.

Nun geht es also erstmal weiter über nächtliche Landstraßen, ein Stück ungemütlicher Schotterweg ist auch dabei, noch ohne nennenswerte Steigungen. Die Vorahnung auf den Pass mit seinen Schwierigkeiten hält mich wach und gibt mir Spannung. Der nächste größere Ort heißt Lyrkia. Hier möchte ich mich nochmals etwas stärken (auch mit Kaffee) bevor es dann so langsam Richtung Berg geht. Schon als ich dort einlaufe, spüre ich die ersten Regentropfen, nur ganz leicht und ich denke mir nichts weiter dabei. Mein Abstand zum Cut-Off ist um weitere 10min gewachsen, mit gutem Gefühl geht es Richtung Mountain Base.

Auf den Weg dorthin wird der Anstieg schleichend etwas größer, dann geht es in diese Kehren über und wird immer steiler – noch schlimmer ist, der Regen wird immer intensiver und ein ungutes Gefühl steigt in mir auf, wenn ich daran denke, bald kommt dieses unwegsame Gelände.

Als ich bei 160Km die Base erreiche, regnet es heftig, am CP der eigentlich nur aus einer kleinen Holzhütte und einem völlig durchnässten Pavillon besteht, habe ich einen Dropbag deponiert. Ich überlege kurz, ob ich mir eine andere Jacke überziehen soll, entscheide mich aber dagegen, da ich mich noch halbwegs geschützt fühle. Ich hole mir nur die Gels, eine Ersatz-Taschenlampe und eine Dose Bier heraus. Leider ist die Tasche kaum vor dem Regen geschützt und auch schon sehr nass. Also ein paar Schluck Bier, kurz auf dem glitschigen Stuhl gesetzt und die Steinchen aus den Schuhen geholt …. und weiter geht’s – ich habe schon genügend Zeit hier verloren. Hier gäbe es auch ohne nebliger, tiefschwarzer Nacht nicht viel zu sehen. Im Hintergrund ist die Autobahnauffahrt hell erleuchtet, mehr ist hier nicht. Für uns geht es nach ein paar hundert Metern in den Trail-Modus. Mit Flatterbändern und gelegentlichen Reflektoren und Blinklichtern, sowie diversen Farbpfeilen werden wir gelotst. Sehr langsam bin ich in den Steilstücken unterwegs, die mir alle Aufmerksamkeit abverlangen; es wird mühsam, die Beine sind schwer. Ich bleibe auch mal an einzelnen Steinen hängen, die talwärts purzeln. Ich gucke hinterher und die Aussicht erschaudert mich. Ein Fehltritt hier kann lebensgefährlich sein. Gelegentlich steht mal ein Helfer, der sicherlich auch nur noch registrieren könnte, falls jemand abstürzt; wirklich helfen könnte er sicherlich nicht. Ich versuche meine Kräfte zu bündeln, um diesen glitschigen, steinigen und steilen Trail hinter mich zu lassen, ohne mich zu übernehmen. Die Sicht wird immer eingeschränkter. Durch dichte Nebelschwaden, diesiges Regenwetter und stockdunkle Nacht (nicht der kleinste Mondschimmer ist durch die dicke Bewölkung zu sehen) strahlt auch die beste Stirnlampe nicht hell genug. Der kalte Wind macht mir auch zu schaffen, doch klettern hält ja warm. Nach schier unendlichem Aufstieg ist irgendwann die Spitze erreicht, dort steht auch ein einsamer Pavillon als CP, der Wind pfeift hier sehr ungemütlich und ich sehe zu, dass ich ohne Stopp weiterkomme. Doch auch abwärts ist es nicht viel einfacher, die Sicht ist unbefriedigend und anfangs ist es weiterhin sehr unwegsam. Doch es ist weniger kräftezehrend und dann ist der Weg tatsächlich etwas ausgebaut – ich wage es und nehme Tempo auf, nicht ganz ungefährlich, doch ich wähne meine Schutzengel bei mir. So kommt es, dass ich immer mutiger bergab laufe. Gefahrloses Überholen ist immer wieder möglich, auch wenn ich das Gefühl nicht los werde, die Überholten zeigen mir den Vogel. Ich gefährde keine Mitläufer und auf dem KM bergab lasse ich sicherlich 15-20 Läufer hinter mir – es rollt einfach. Am Fuße des Berges liegt Nestani bei 171Km, hier verpflege ich mich wieder etwas länger und anschließend geht es weiter Richtung Tegea.

Nachdem nun die Anspannung „Sangas-Pass" überwunden ist, fällt doch die Anspannung und Aufmerksamkeit ab und Müdigkeit macht sich breit. Ich spüre wie ich langsamer werde, versuche verzweifelt dagegen anzukämpfen. An Steigungen gehe ich und das bekommt mir nicht, wie ich schon bei 24Std-Läufen und dergleichen erleben musste. Im Gehen schlafe ich ein, bin kurz weg – wenn ich im Straßengraben plötzlich einen Stein spüre, oder der Ast eines Straßenbaums mich streift, zucke ich zusammen und ich versuche eben wach zu bleiben, zumindest langsam zu laufen. Meist beginnt an der nächsten Steigung das „grausame Spiel" von vorn. Immer wieder rufen mal Läufer von hinten: „Are you okay?" wenn ich Ausfallschritte mache oder die Straße fast quere. So geht das wohl eine zeitlang. Wie lange kann ich kaum bestimmen, da ich in diesem Moment das Zeitgefühl verloren habe. Zu diesem Zeitpunkt rechne ich damit, dass Peter und Florian auf mich aufschließen, aber es passiert nicht.

Irgendwann retten mich zwei unschöne Umstände vor schlimmeren Zuständen, die Strecke wird etwas anspruchsvoller und meine Stirnlampe machte erste Ausfallerscheinungen. Ich habe ja mit einer kleinen (leuchtstarken) Taschenlampe Ersatz dabei, aber der Ärger über den vorzeitigen Akkuausfall der Kopflampe macht mich wach – dankbar freue ich mich letztendlich darüber und versuche etwas zu beschleunigen, was mich automatisch wacher werden lässt. Zudem wird sicherlich demnächst die Morgendämmerung einsetzen und das sollte der größten Müdigkeit ein Ende bereiten.

Beim nächsten großen CP in Tegea (195km) greife ich gierig nach Kaffee – und ja, der tut richtig gut! Es gelingt mir kleinere Kraftreserven zu mobilisieren, doch die Aussicht auf weitere mind. 50km macht die Zuversicht nicht gerade riesig. Doch es keimt die Hoffnung langsam auf, heute könnte ich es schaffen – es ist zu schaffen – wenn nicht jetzt und hier, wann dann!

Sp 05

So trabe ich dahin und versuche nicht zu viel an Tempo zu verlieren, sofern man noch von Tempo reden kann. Wir kommen nach vielen Km an die berüchtigte Schnellstraße, auf dem Standstreifen laufen wir einer schier unglaublich langen Steigung entgegen. Nicht, dass es extrem steil wäre, doch der Ausblick ist zermürbend. Ich versuche positive Aspekte in den Vordergrund zu stellen, die Nacht ist vorbei und das Ziel kommt näher, zudem kann ich immer noch Energie aufnehmen, mit meiner neuen Sorte Gels habe ich Glück. Bereits z.T. beim Deutschlandlauf habe ich sie erprobt. Früher war es undenkbar nach 15-20Std Laufen noch Gels (genussvoll) in größeren Mengen zu mir zu nehmen. Mit den Neuen ist das kein Problem, ich muss sie nicht zwanghaft runterwürgen. Selbst kurz vor Sparta nehme ich noch eins zu mir, und es wirkt immer noch schnell und gut.

Mir fällt ein Japaner auf, der öfter mal ins Torkeln/ Trudeln kommt – auf der Straße läuft er fast in den Autoverkehr, er scheint am Ende seiner Kräfte zu sein. Ein Landsmann kümmert sich um Ihn. Später entdecke ich ihn an einem CP, er wird verarztet, es scheint so, als sei er auf den Hinterkopf gefallen, die Platzwunde blutet heftig. Auch andere Läufer(innen) kommen in Grenzbereiche, die Kräfte sind am Ende – kein Wunder wir sind fast 30Std auf den Beinen. Doch ich ziehe daraus für mich optimistische Zeichen, denn ich bin zwar müde und die Kräfte gehen auch zur Neige, doch ich bin sehr zuversichtlich die „verbleibenden Körner“ werden mich nach Sparta bringen.

Als an einem größeren CP, ein Rastplatz an der Schnellstraße, Uschi und Heike auftauchen, sie erwarten Ihre Partner in ca 50min (ich dachte, sie sind kurz hinter mir), werde ich mit den Worten begrüßt: diesmal schaffst du das Roland – soweit ist es nimmer. Bei aller meiner Vorsicht und Skepsis, lasse ich mich trotzdem zu dem Satz hinreißen: „Ich würde es mir selbst nicht verzeihen können, wenn ich das Ding jetzt noch herschenke“ – für meine Verhältnisse sind das sehr gewagte Worte – doch es zeigt die Zuversicht, die sich zu diesem Zeitpunkt in mir breit macht. Doch nachdem ich meinen Dropbag geplündert habe, verabschiede und bedanke ich mich – nun will ich den Worten Taten folgen lassen. Ich habe schon einiges von meinem Vorsprung zum Cut-Off verloren, es ist aber immer noch mehr als eine Std Vorsprung. Also weiter so……

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Stefan auf der Strecke

Irgendwann ist die Steigung der Schnellstraße zu Ende, ich hatte fast nicht mehr daran glauben können. Nun geht es doch großzügig bergab und später wechseln Steigung und Gefälle öfter mal. Ich bin mir zwar nicht mehr hundertprozentig sicher, meine Erinnerung hat mir schon einen Streich gespielt – im Hinterkopf ist noch: Die letzten 20km geht es definitiv bergab, so ist das dann auch….

Jetzt heißt es einfach noch durchhalten, soviel wie möglich laufen, wenig gehen, so lautet meine Devise für die letzten 20Km. Als wir die Schnellstraße verlassen und wir auf Sparta zulaufen, sehe ich plötzlich wieder viel mehr Läufer in meiner Umgebung, auch ihnen sieht man an, sie wollen einfach nur noch in Sparta ankommen .... irgendwie. Immerhin sehe ich es als Abwechslung, dass hier wieder viele Läufer zu beobachten sind - es weckt sogar ein klein wenig Rest-Ehrgeiz in mir. So überlaufe ich einige von ihnen, die Rest-Km an den CP scheinen einfach nicht weniger zu werden, Sparta ist noch nicht in Sicht. Gefühlte Stunden später taucht endlich der CP72 auf. Er liegt an einer Shell-Tankstelle genau 10Km vor dem Ziel. Ich freue mich über meine Voraussicht, hier noch einen letzten kleinen Dropbag platziert zu haben. Das "Supporter-Team" von Peter und Florian unterstützt mich tatkräftig, packt meine Gels aus, reicht mir das alkoholfreie Bier und eine Salztablette werfe ich noch ein. Tatsächlich laufe ich nach kurzer Zeit wieder los und freue mich über das vorletzte Gel, unglaublich, dass ich das jetzt noch so gut vertrage - wieder ein kleines Stückchen Optimismus für die letzten Km. Und diese haben es wirklich in sich - ich kann kaum glauben, dass es so ewig dauern kann, ich bekomme das Gefühl wir umrunden Sparta ein paar Mal, bevor wir endlich hineinlaufen dürfen. Da ich ohne Handy bzw Foto laufe, beschließe ich, wenn wir ca 500m vor dem Ziel am Hotel vorbeilaufen, werde ich schnell an die Rezeption gehen, um aus meiner dort deponierten Reisetasche mein Handy zu holen. Es wird sich schon jemand finden, der ein paar Fotos machen kann. Fast wie eine Fata Morgana taucht der Stadtrand von Sparta vor mir auf, die ersten Passanten applaudieren, jubeln mir zu, immer öfter hupen die Autos - dann der letzte CP vor dem Ziel, theoretisch reicht es hier in der Zielzeit von 36Std anzukommen, es wird niemand mehr auf den letzten 2,5Km aus dem Rennen genommen, früher war das wohl anders und es sollen sich regelrechte Dramen auf den letzten Straßen in Sparta abgespielt haben. Für mich ist es hier und heute total entspannt. Ich genieße die Anerkennung/Bewunderung durch die Leute auf der Straße. Auch von den Terrassen, Balkonen und aus den Fenstern jubeln und klatschen die Leute, die Begeisterung springt natürlich über und ich mag kaum mehr laufen, lieber gehen, um dieses Hochgefühl länger zu erleben. Wir biegen in die Innenstadt ein, dort vorne unser Hotel (ich weiß das noch vom vergangenen Jahr), ich laufe schnell rein, fummle an meiner Tasche bis ich das Handy parat habe - der Mann an der Rezeption nickt mir wohlwollend zu und klopft mir zum Abschied auf die Schultern, schon bin ich auf der Allee, die direkt zur Statue führt .... nur noch wenige hundert Meter. Das Zuschauerspalier wird immer dichter und lauter, ich entdecke Uschi und Heike, gebe das Handy zum Fotografieren weiter und jetzt bricht es aus mir heraus - ich feuere die Zuschauer an ..... und bekomme das hundertfach zurück, das ist einfach ein geiles Gefühl.

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Ich erreiche die Treppenstufen zur Statue, ein paar Schritte und mein Traum ist in Erfüllung gegangen - voller Demut und Dankbarkeit, den Tränen nahe, küsse ich die Füße von Pheidippides (34:55 Std). Ich bin total überwältigt , das Laufjahr mit seinen vielen Entbehrungen, Trainings-Km, unglaublich viele Wettkämpfe, ein nicht ganz kompletter Deutschlandlauf, zwei Deutsche Mannschaftsmeisterschaften (mit dem 50+Team) - und natürlich das DNF aus dem vergangenen Jahr: all DAS wirkt in Sekunden auf mich ein. Mein Körper ist ein Regenerationswunder und ohne Kreuzbeinbruch kann ich am "Fast-Ende" des Laufjahres noch einen Spartathlon finishen. Als ich meine Trophäen und Gratulation erhalte wird mir fast schwindlig. Der nächste Finisher kommt die Treppen hoch, ich gehe zur Seite und muss meine Freude, meine Erleichterung aus mir herausjubeln!!

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Ich werde an den Rand geführt, wo man sich auf Stühlen niederlassen kann, hier werden die Laufschuhe und Socken ausgezogen, die Füße gewaschen, dabei sehe ich erst, was mich zwar gequält hat, doch vor lauter Endorphine habe ich es kann gespürt - eine riesige Blase an der rechten großen Zehe. Sie wird medizinisch versorgt, aufgestochen und leergesaugt. Sogar ein Bier bekomme ich zu trinken und ich spüre wie mein Kreislauf herunterfährt. Die Schuhe und Socken fein säuberlich verpackt mit Stofflatschen an den Füßen gehe ich nochmals rüber zum Zieleinlauf - genau pünktlich, jetzt kommen Peter und Florian ins Ziel (35:10 Std). Wir feiern und beglückwünschen uns gegenseitig. Als Ihre Ehrung vorbei ist, machen wir noch einige Fotos zusammen, überglücklich und freudestrunken.

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Stefan Daum hat seinen dritten Spartathlon-Finish geschafft (33:34 Std) nach 2013 und 2016 ist er wieder überglücklich ins Ziel gekommen - welch bravouröse Leistung - ich freue mich wirklich sehr mit Ihm. Auf dem Deutschlandlauf haben wir uns über 19 Tagendoch etwas näher kennengelernt. Bereits 1-2 Tage später verrät er mir, er will es auch im nächsten Jahr wieder wissen. Er ist erst 43Jahre alt, da kann er noch viele Spartathlons finishen - viel Glück dabei!

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Als erste deutsche Läufer(in) ist Antje Krause ins Ziel gekommen (28:13) Std. Ich habe sie schon bei vielen Wettkämpfen erlebt, doch es ist auch für sie ungewöhnlich, dass sie vor allen deutschen Männern ins Ziel kommt. Sie beendet damit eine phantastische Saison!

Eine halbe Stunde später kam Dietmar Göbel ins Ziel, als dritter Deutscher folgte Harald Menzel auch mit einer Zeit von unter 30 Std.

Bei Einbruch der Dunkelheit, das Rennen ist längst offiziell beendet, gehe ich langsam zum Hotel. Ich frage noch wie lange man Abendessen kann. Kein Problem, ich bekomme einen Bon und kann erst mal in Ruhe einchecken und Duschen gehen. Das tue ich voller Genuss, welch Wohltat nun eine heiße Dusche - die Müdigkeit, aber auch der Hunger melden sich in mir. Bald sitze ich beim Essen und es wundert mich, dass sich mein Körper erstmal mit einer "normalen Portion" zufrieden gibt. Ich unterhalte mich im Restaurant mit einigen Läufern und Betreuern und trinke noch zwei Bierchen, dann übermannt mich fast der Schlaf. Voll Erschöpfung schlafe ich 5-6Std durch, doch als ich um 5:20Uhr mal zur Toilette muss, kann ich anschließend nicht mehr einschlafen, mich holen die Ereignisse der Vortage ein. Ich habe das Gefühl ich schwebe 10cm über dem Bett. Mir ist es egal, dass ich nimmer schlafen kann, ich genieße es, dehne mich aus, strecke meine Gliedmaßen und irgendwann gehe ich dann mit einem Bärenhunger zum Frühstücksbuffet.

An diesem Tag steht noch die Abholung der Rest-Dropbags in einer nahen Turnhalle, Mittagessen mit Bürgermeister von Sparta (dabei bekommt jeder eine Tüte voll griechischer Präsente überreicht) und die Rückreise nach Athen mit dem Bus, auf dem Programm. Bei der Busfahrt wird vielen der Umfang der Laufstrecke erst bewusst, sie führt immer wieder nahe der Autobahn vorbei, die wir befahren, auch der Sangas-Pass ist zu sehen. Zum Abendessen sind wir wieder in unserem Athener Hotel. Zum Essen habe ich fast nur Salat auf dem Teller, dann verschwinde ich schnell auf's Zimmer und hole Schlaf nach.

Sp 12

Am Montag fahr ich gegen Mittag in die Athener Altstadt, ein wenig bummeln, nach einigen Stunden, muss ich zurück, um mich umzuziehen es geht zur großen Ehrungs-Zeremonie des Sparathlons. Das zieht sich in die Länge bis alle Finisher einzeln aufgerufen werden und ihnen ihre Urkunde überreicht wird. Das Gefühl auch wirklich dazu zu gehören genieße ich besonderes - das hat natürlich im vergangenen Jahr gefehlt. Danach wird das riesige Buffet eröffnet und zum Abschluss gibt es noch 1-2Std Disco. Dann geht es schon zurück zum Hotel. Ich verabschiede mich von den Läufern, denn ich muss am Folgetag bereits am frühen Morgen zum Flughafen aufbrechen, da mein Flug nach München bereits um 8:30 Uhr startet. Als ich in München ankomme, mit dem Bus weiter nach Nürnberg fahre, genieße ich die Feiertagsruhe in Deutschland (Tag der Deutschen Einheit). Am Mittwoch muss ich bereits wieder zur Arbeit und werde auch wieder vorsichtig ins Lauftraining einsteigen.

Als ich diese Zeilen hier schreibe, habe ich bereits die Goldenen Meilen von Schwabach (ein Halbmarathon) absolviert, ganz gemütlich, ohne Zeitvorgabe - ich wollte eben gerne bei meinem "Lauf vor der Haustüre" dabei sein, da ich oft auf den Wegen dieses Laufs trainiere. Da in der Lokalpresse bereits der Artikel zu meinem Spartathlon-Finish veröffentlicht war, muss ich natürlich viele Fragen und Auskünfte zu diesem ganz besonderen Ultra geben - ich tue es bereitwillig und dabei wird mir vieles erst nach und nach bewusst!

Text: Roland Krauss, Fotos: Roland Krauss und Ralf Simon (DUV), 13.10.2017

And Treppen 5

It is not the mountain we conquert, but ourselves

So lautet das Motto des Wilhelminaberg Trappen Marathon in Landgraaf, welcher als härtester (Treppen) Marathon in den Niederladen gilt.

Zur Auswahl stehen die folgenden Disziplinen: 5 Km, 10 Km, Halbmarathon, Marathon und „Last Man Standing“. Bei der Königsdisziplin „Last Man Standing“ ist es das Ziel, innerhalb von 9 Stunden so viele Runden wie möglich zu schaffen.

Dabei besteht eine Runde aus 1100m Länge (davon 900m z.T. steil abwärtslaufen), 508 Treppenstufen auf der längsten Treppe in den Niederlanden und 80+ Hm.

Der Start für die Disziplin „Last Man Standing“ und Marathon (38 Runden) erfolgte um 10 Uhr an der Spitze der Treppe. Alle anderen Distanzen wurden nach und nach zu späteren Zeitpunkten gestartet. Hier oben erfolgte auch die Rundenzählung, Verpflegung Station, Erste Hilfe und Massage. Die Umkleiden, Duschen befanden sich ca. 1 Km vom Start entfern im Tal.

And Treppen 12

Das Rennen:

Nach dem pünktlichen Start um 10 Uhr, ging es erst mal steil den Berg über asphaltierte und gepflasterte Wege, über eine aufgebaute Brücke über die Treppe nach unten, wo ein ca. 100 m flacher Weg zum Fuß der Treppe führte. Der Streckenverlauf ähnelt somit einer 8. Dann kommt das schönste Stück der Runde: 508 Treppenstufen rauf zum Start/Ziel. Leider fing es kurz nach dem Start an zu regnen und es wurde auch noch sehr windig und kühl.

Da es hier mein erster Start war, konnte ich meine Leistung nicht genau einschätzen, wollte aber mindestens 55 Runden schaffen. Der Streckenrekord liegt bei 59 Runden.

And Treppen 4

Die ersten 5 Runden lief ich erst mal relativ locker an, um die Strecke besser kennen zu lernen. Danach zog ich das Tempo bis auf eine Rundenzeit von 8:30-8:45min an und fühlte mich dabei noch sehr gut. So vergingen die ersten 4 Stunden relativ schnell, bemerkte aber langsam wie sich beim runterlaufen ein starkes Ziehen im unteren Rücken (ISG) bemerkbar machte und wurde immer langsamer. Als Ausgleich versuchte ich dafür die Treppe immer schneller hochzukommen, was auch relativ schmerzfrei funktioniert hat.

Nach ca. 4:45 Stunden war dann plötzlich Schluss mit lustig, und das Ziehen im Rücken strahlte richtig fies in den Po aus, so dass ich den Berg nur noch runter gehen konnten. An diesem Punkt, hatte ich mir vorgenommen, nur die 38 Runden voll zu machen, um damit in die Marathon-Wertung zu kommen. Da fehlten mir noch 3 Runden...

Was ich aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, war, dass ich auf dem 1.Platz lag, was mir dann im Start/Zielbereich mitgeteilt wurde. Hier wurde zwar auch ein Monitor mit den Zwischenergebnissen aufgestellt, aber da schaute ich nur selten drauf, da er aufgrund der Witterung nicht immer in Betrieb gewesen ist.

F..k war mein Gedanke. Jetzt kannst du doch nicht aufhören! Aber weiterlaufen geht auch nicht mehr richtig. Was soll ich machen?? Erst mal etwas länger an der Verpflegungsstation bedienen. Die Auswahl war wirklich sehr gut. Es gab ISO, Wasser, Cola, warmer Tee, salziges Gebäck, verschiedenes Weingummi, Kekse, Nüsse, Obst, Rosinen, Schokoriegel, Mäusespeck (sehr lecker), und und und…. Also wirklich für jeden Geschmack was dabei.. Ich habe meistens Kartoffeln mit Salz von einem Treppenlauffreund Kollegen gegessen.

And Treppen 6

Danach erst mal ausgiebig meinen Rücken gedehnt und Übungen zur Lockerung der ISG Schmerzen durchgeführt. Mein Plan war es jetzt, solange weiterzumachen, bis es vielleicht noch aufs Treppchen unter den Top 3 reichen würde. Der aktuell Zweitplatzierte hatte zu diesem Zeitpunkt zwei Runden Rückstand auf mich. Also bin ich langsam wieder los und es lief zur Überraschung jede Runde wieder besser mit ganz gut erträglichen Schmerzen. Ich konnte sogar die letzten 90min wieder in meinem Anfangstempo von 9min/Runde laufen.

Nach der 57. Runde und 8:54 Stunden, brauchte ich nicht mehr in die nächste Runde zu starten, da ich bereits 4 Runden Vorsprung auf den zweiten hatte!

Überglücklich, aber auch ziemlich fertig wartete ich noch die letzten 6min im Ziel ab…SIEG!

LAST MAN STANDING 2017 mit:

- 57 Runden - 62,7 Km - 28956 Treppenstufen aufwärts - 4560 +Hm

And Treppen 1

Fazit:

Eine sehr gut organisierte Veranstaltung mit Top Verpflegung und sehr netten Helfern. Ich werde auf jeden Fall 2018 wiederkommen, und versuchen den Streckenrekord von 59 Runden zu knacken.

…nächstes Ziel ist wieder die Weltmeisterschafft im Treppenhaus Marathon am 17.02.18 in Hannover. Diesmal werde ich mich dort nicht mit dem 6.Platz zufrieden geben ;-)

Text André Weinand, Bilder: Veranstalter (mit freundlicher Genehmigung), 10.10.2017