Laufgemeinschaft der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung e.V.

KonradVogl

239 km – 7.500 Höhenmeter – non stop

Bei einem der längsten non Stop Trailläufe in Deutschland, dem Jurasteig Ultratrail kurz JUNUT 239 km, war der Ultraläufer Konrad Vogl aus Reichling unterwegs. Er stellte sich mit insgesamt 90 weiteren Startern aus 9 Nationen dieser unglaublichen Herausforderung. Die Teilnehmer hatten etwas mehr als 2 Tage – maximal 54 Stunden Zeit, den Jurasteig mit einer Länge von 239 km und kumulierten 7.500 Höhenmetern zu bewältigen.

Normalerweise wird dieser Rundkurs in 12 Tagesetappen erwandert. Das Läuferfeld wurde anhand der persönlichen Laufleistungen durch den Veranstalter im Herbst 2017 eingeladen. Unter riesigem Applaus der zahlreichen Zuschauer erfolgte Punkt 9 Uhr der Startschuss auf dem Markplatz von Dietfurt im Altmühltal bei angenehmen Temperaturen. Die Teilnehmer mussten 12 VPs (Versorgungspunkte) während des Rennens anlaufen. Weiterhin erfolgt die Kontrolle der vorgegebenen Laufstrecke mittels GPS-Tracker. Somit konnte die Rennleitung sowie der interessierte Zuschauer im Internet jeden Läufer verfolgen. Zur Orientierung auf der Strecke dienten den Läufern, die angebrachten „Jurasteigplaketten „ an den Bäumen sowie das persönliche GPS Gerät, auf welchem man sich die Route herunterladen musste. Die Strecke führte größtenteils über Pfade, Schluchten und Waldwege.

Nach den VPs in Riedenburg. und Kelheim ist in Matting nach 78,5 km und 2655 Höhenmeter der erste cut off VP erreicht. Hier ist auch die erste Gepäckaufbewahrung (Drop- Bag). Nachdem Vogl die Vorräte aufgefüllt und sich kleidungstechnisch fertig für die erste Nacht gemacht hat, wurden die Läufer in Kleingruppen in völliger Dunkelheit mit dem Rettungsboot der Freiwilligen Feuerwehr über die Donau geschifft. Weiter ging es nun in der um den Gefrierpunkt kalten Nacht über die VPs Schönhofen, Pielenhofen, Dallackenried nach Schmidmühlen, wo sich nach gelaufenen 138,5 km und 4.800 Höhenmetern der zweite cut off VP befand. Vogl traf dort in den Morgenstunden ein. „ Dieser VP war für mich wahnsinnig wichtig, nachdem ich hier warmes Essen und reichlich warme Getränke aufnehmen konnte. Nach ca. 24 Stunden Laufzeit ist es wichtig seine Energie reichlich nachzufüllen. Nachdem für den Tag sehr warme Temperaturen angekündigt waren, musste sich Vogl am VP noch Kleidungs- und Versorgungstechnisch auf die anstehende Tagesetappe vorbereiten.


Über Hohenburg ging es nach Kastl. Hier befand sich auch das Ziel für die Läufer, welche sich für die 170 km ( Bambinistrecke) gemeldet hatten. Für Vogl auf der Langstrecke bedeutete dieser VP einen weiteren cut off Punkt mit Gepäckaufbewahrung. Mit der entsprechenden Kleidung und Stirnlampe ausgerüstet ging es nun in die gefürchtete zweite Nacht. „ In der zweiten Nacht ist man dann schon über 36 Stunden unterwegs und vernimmt immer mehr diese zunehmende Müdigkeit. Der Körper springt nun in die Reserve, die Füße und Muskeln werden verkrampfter. Die schmerzenden Fußsohlen ignoriert man“. Weiter geht es über Habsberg nach Deining. Die zweite Nacht wirkt auf die Läufer noch kälter und anstrengender. Vogl berichtet: „ Ich habe angefangen zu halluzinieren, sah Bänke, wo gar keine waren, Tiere, Gebäude, Gesichter im Nebel, mein Kopf spielte Märchenland. Mit Kopfrechnen versuchte ich mich wach zu halten, irgendwie, pikste mir ab und an selbst in die Haut um wach zu bleiben“. Nach 202 km und 7.000 Höhenmeter war der letzte cut off VP auf der Strecke – Deining erreicht. An diesem VP wurde Vogl darüber informiert, dass derzeit nur noch 35 Läufer in der Wertung sind- der Rest ist bereits ausgestiegen.

Nach einer Menge an Kaffee und Schmalz- und Nutellabroten geht Vogl auf die 21,1 km zum letzten VP nach Holnstein. „Aufgrund der Müdigkeit habe ich mich auf diesem Teil um 5 km verlaufen – dies war ein absoluter Horror und Tiefpunkt. Da würde man am liebsten aufhören und nur noch schlafen“ Vogl verpflegte sich jedoch am VP ein letztes mal, und motiviert sich, Auch die VP-Betreuer motivieren ihn mit den Aussagen, dass er sehr gut dabei ist, und mit zu den besten gehört - bevor es auf die letzten 16 km nach Dietfurt ins Ziel geht. Nach 48:49 Stunden erreichte er in Dietfurt als 13 ter der Gesamtwertung von 30 Finishern und Platz 3 in der AK das Ziel. Der Ausfall von 60 Läufern und somit 2 Drittel des Starterfeldes zeigt, welche Anforderungen an die Akteure gestellt wurden.

„Bei dem Lauf habe ich mir immer wieder vorgesagt: Hör nicht auf wenn es weh tut, hör auf wenn du im Ziel bist“.

Foto: Jasmin Vogl Text: Margit Messelhäuser und Dominik Wimmer 25.04.2018

 

Schlamm, Matsch und wunderbare Landschaften – Guido und Claudia beim Devon Coast to Coast

 

Über das Osterwochenende ging es für uns ins englische Devon zu einen 4-Tages Etappenlauf der mit täglich circa 42km und 1000 Höhenmetern von der Süd- zur Nordküste das Land durchquerte. Da wir Ende Mai acht Tage in Schottland die Highlands durchqueren werden, sahen wir das als optimale Gelegenheit für einen kleine Form und ‚Kit-Check‘. Jeden Tag ging es von einer Base (ein wunderschöner Campingplatz im Süden Devons) mit Shuttlebussen zu den jeweiligen Startorten und von den Zielen wieder zurück, wir überlegten kurz das Campingangebot wahrzunehmen, aber die Jahreszeit und die damit zu erwarteten Temperaturen überzeugten uns dann doch in ein kleines Bed&Breakfast zu gehen. Wie sich herausstellen sollte, war dies eine der besten Entscheidungen die wir treffen konnten.

 

Der Devon Coast to Coast wurde dieses Jahr zum ersten Mal durchgeführt, und sollte Großteils auf einem gut markierten Wanderweg (‚The 2 Moor Way‘) durch das Land führen. Ein GPX Track wurde zur Verfügung gestellt um selber zu navigieren, falls nötig. Ich (Guido) empfehle hier wärmstens den Track zu nutzen und vorher zu Kontrollieren ob er auch auf dem jeweiligen Gerät vorhanden ist. Auf meiner Uhr war nur ein Teil von 4 und zwar der letzte. Somit war die Navigation für mich dann doch eine Herausforderung, da teilweise auf vielen km keine Kennzeichnung des Wanderweges vorhanden war. Wie sich wahrscheinlich noch einige erinnern war der März 2018 nicht durch wunderschönes Frühlingswetter gekennzeichnet sondern eher durch winterlich kaltes und nasses Wetter. Als Claudia am Donnerstag vor in Hamburg aufstand um zum Flughafen zu fahren, erwachte sie zu 10 cm Neuschnee. Dieser blieb uns in Devon zum Glück erspart, aber auf den Wegen stand man teilweise mehr als knöcheltief im Schlamm der von den vielen Regenfällen kam.

 

Am 1. Tag war uns das Wetter relativ wohlgesonnen und wir starteten direkt am Strand (mehr Stein als Sand) in einem Ort namens Wembury. Traillaufen in England ist dadurch gekennzeichnet, dass die viele der Wanderwege wirklich querfeldein und durchaus immer wieder über Wiesen oder Äcker gehen, die zu den jeweiligen Bauernhöfen gehören. Es gibt dann an den Zäunen immer eine kleine Leiter um über den Zaun zu klettern und dann muss man sehen, wo es auf der anderen Seite der Wiese wieder ‚raus‘ geht. (Die Briten geben die Bezeichnung Trail noch aus, auch wenn schon lange keinerlei Weg mehr zu erkennen ist) Nach dem Start ging es für die ersten 21km (bis Ivybridge) relativ gemäßigt los, wir überquerten zwar einige Wiesen, hatten aber auch ein paar Strassenabschnitte, die wir laufen durften, so vergingen die ersten km sehr schnell. Dank der relativ großzügigen cut-off Zeit von jeweils 12 Stunden/Tag, kristallisierte sich schnell heraus dass von den knapp 70 Teilnehmern einige angetreten waren um dieses Event zu wandern und nur circa 50% der Teilnehmer die Strecke laufen wollten. Nach der Verplegungsstation in Ivybridge führte uns die Strecke dann das erste Mal in eines der Hochmoore (Dartmoor), der Weg schlängelte sich circa 15 km bergauf und bergab auf kleinen Schotterwegen, die teilweise mehr als Knöcheltief unter Wasser standen, durch das wunderschöne Hochmoor von Devon. Für diese 15 km sahen wir ausser ein paar anderen Läufern, die wir überholten, nichts außer wilden Pferden und Schafen. Ein langgezogener Downhill brachte uns dann fast bis ins Ziel, als kurze Überraschung auf dem letzten km noch ein sehr steiler Anstieg, der uns fast verzweifeln liess, und dann kamen wir nach 45 km und 6 Stunden in der kleinen Townhall an, Guido als dritter Mann und ich als 1. Frau.

 

 

 

Während wir am ersten Tag noch relativ gutes Wetter hatten, war der Wetterbericht für Tag 2 deutlich kälter und nasser. Wir versuchten möglichst schnell zu starten, da die Strecke sehr bald in einen Singletrail übergehen würde. Der Wetterbericht hatte wohl einige Läufer vergrault, da das Starterfeld an diesem Tag schon deutlich kleiner war. Ein irritierender Wegweiser nach circa 2 km führte dazu, dass wir falsch abbogen und mit uns einige der Läufer von Tag 1, die das mit der Navigation unterschätzt und beschlossen hatten uns an Tag 2 zu folgen. Nach ein paar Umwegen und querfeldeinlaufen hatten wir dann doch die richtige Strecke erreicht und konnten das Läuferfeld von hinten aufräumen. Nach circa 10 km kam der ersten Wiesenabschnitt, der uns fast knietief um Matsch versinken ließ. Nun, da die Füße jetzt eh wieder nass waren brauchten wir die die restlichen 30km den Pfützen nicht mehr auszuweichen, also Vollgas durch die Pampe, genauso wie früher… Da an unserem 2. Tag auch die non-stop Läufer starteten, war die Logistik des Veranstalters etwas überfordert; VP1 war noch nicht aufgebaut als wir ankamen und bereits hier wurde Cola zur Mangelware. Nach VP1, kam ein weiteres Hochmoor und hier wurde die GPS-Navigation nun wirklich hilfreich, denn eine Ausschilderung gab es nicht. Ich (Guido) hatte in der Nacht Probleme mit Husten und ein bisschen Temperatur und beschloss irgendwann etwas langsamer zu machen und Claudia ziehen zu lassen. Infolge dessen irrte ich jetzt ein wenig Planlos durch das Moor, da ich den Track nicht auf der Uhr hatte. Verlaufen war vorprogrammiert. Im dichten Regen sah ich in weiter Ferne einige Läufer, das war dann mein Anhaltspunkt um wieder auf den rechten Weg zu finden. Leider habe ich hier einiges an Zeit verloren.

 

Der Regen kam nun senkrecht und ging, als wir langsam höher kamen, in Graupel über. An VP2, überlegte ich, Claudia, auch sogar kurz aufzugeben, so gefroren hatte ich schon lange nicht mehr, aber die Vorstellung nun nass erst einmal in einem kalten Bus zu sitzen, bis diese VP abgebaut wurde, war noch weniger erbaulich, so dass ich weiterlief. Als ich dann circa 3 km weiter das erste Mal in ein Moorloch fiel und dann auch noch komplett nasse Beine hatte, bereute ich diese Entscheidung schon fast wieder. Zum Glück ging es dann für die letzten 10 km wieder über Strassen und Wiesen und nach 40 km kamen wir mit etwas Abstand in unserem Zielort an, an dem wir zwar noch über eine Stunde auf unsere Dropbags warten mussten, aber dafür unglaublich leckers vegetarisches Chilli und Kuchen bekamen. An diesem Tag abends waren wir sehr glücklich in unserer Unterkunft unter eine warme Dusche und anschliessend in ein warmes Bett klettern zu können. Unsere wunderbare B&B Gastgeberin steckte an diesem Tag sogar unsere Wäsche in die Waschmaschine, so dass wir wieder saubere Laufsachen hatten.

 

 

 

An Tag 3 sahen wir sogar die Sonne, unser Ostergeschenk, und hatten wieder mehr laufbare Passagen. Dies war der Tag an dem wir mehrere der non-stop Läufer/Wanderer überholten. Unglaublich diese 170km non-stop zu machen, vor allem bei diesen Wetterbedingungen.

 

Tag 4 fühlte sich teilweise wieder an wie Tag 2, Wind, Regen, ein Hochmoor, Claudia und Guido versinken beide mit einem Bein in einem Moorloch – was für ein unangenehmes Gefühl auf einmal zu sinken und keinen Grund zu finden….. ! Alle Läufer hatten am 4. Tag keinen grossen Elan mehr Bestzeiten zu laufen und wir 3 schnellsten Frauen liefen zusammen (solange mich niemand überholte, hatte ich die Gesamtwertung gewonnen). Guido hatte eine sehr nette Gruppe Läufer getroffen, die er mitzog. Im Norden von Devon wurde die Landschaft dann etwas sanfter, welliger und es gab ein paar wunderschöne Singletrails und lange Wiesen/Querfeldein Abschnitte am Fluss (ja, die Wiese war streckenweise sehr nass) zu Laufen.  Der Zieleinlauf in Lynmouth ist schon etwas Außergewöhnliches. Wir werden quasi von einem steilen Single Trail „ausgespuckt“ direkt in den Ort hinein, durchqueren diesen noch ca. 300m, schüttelt dann der Statue „The Walker“ von Richard Graham direkt am Meer die Hand und bekommen eine wunderschöne Medaille umgehängt. Umziehmöglichkeiten und etwas zu essen bekommen wir in dem direkt gegenüberliegenden Restaurant.

 

Als erste Frau, hätte ich für nächstes Jahr einen Freistart gewonnen…. Sehr gerne würden wir diesen Lauf nochmal machen, aber dann vielleicht mit mehr Sonne und etwas weniger Schlamm?

 

 

 

 

 

 Text und Bilder von Claudia Lederer 24.04.2018 

Am 21./22. April fand in Wiehl die Premiere von „Die 24h von Oberberg“ statt. Im Angebot gab es auch 6 der 12 Stunden sowie ein Staffelwettbewerb. Da der Lauf „vor meiner Haustür“ stattfand, war also nur noch die Frage, wie lange ich wohl laufen möchte. Eigentlich wollte ich in einer passablen Form sein und eigentlich als Frühjahrshöhepunkt den Wibolt bewältigen.

Aber es kommt ja oft anders, als man es sich in schönen Momenten überlegt: Der Wilbot ist abgesagt und meine Form eine peinliche Katastrophe. Fahre ich jetzt nur nach Wiehl, um ein paar Leute zu treffen oder auch um „irgendetwas zu leisten“? So ganz war mir das nicht klar. Zum ersten Mal überhaupt nahm ich mir sogar eine Luftmatratze und einen Schlafsack mit, um mir die leicht hilflose Situation wie in Gotha zu ersparen, als ich nicht darauf vorbereitet war, nachts abzubrechen.

Bereits am Freitag kam Christel Kunze nach Troisdorf und wir verbrachten einen schönen Abend bei einer Mini-Pastaparty. Am Samstag fuhren wir dann bereits recht früh zum Veranstaltungsgelände und rasch ist der Pavillon mit dem Nötigsten ausgestattet.

Wiehl 0

Thorsten Stelter aus Düsseldorf und Mario Luther aus Köln nutzten ebenfalls die regionale Nähe zu einem Trainingslauf für anstehende Wettkämpfe.

Die „Hundeknochenrunde“ ging an einem Ende um einen Sportplatz, dann ca 1,5km über einen Weg, schließlich durch einen gut besuchten Park um einen See und den gleichen Weg wieder zurück. Die Strecke war so halb im Halbschatten und halb in der Sonne, gefühlt wurde man die ganze Zeit gebraten bei Temperaturen von über 30 Grad. So richtig gut zu laufen war die Strecke auch nicht, denn es gab einige Brücken mit giftigen Rampen, sowie zahlreiche Stolperfallen; die Beleuchtung war überwiegend ausreichend, aber halt nicht durchgängig, so dass die meisten Teilnehmer nachts mit Stirnlampe liefen. Aber eins hatte die Strecke: Sie war sehr abwechslungsreich, landschaftlich schön und im gut belebten Park spielten zahlreiche Kinder & Jugendliche und viele Grills verbreiteten einen typischen Geruch. Die Kinderwagen- und Rollatorschieber, Radfahrer und Fußgänger ließen das lange Begegnungsstück manchmal recht eng erscheinen, was die 6h-Läufer, die in höherem Tempo unterwegs waren, vermutlich etwas störte, aber für mich war das völlig ok.

Wiehl 0B

Der Start erfolgte kurz nach 12 Uhr. Die ersten Runden verliefen recht gemütlich. Nach 3 Runden wurde ich auf der 2,5km-Runde das erste Mal von Bernhard Munz überrundet, der in der Mittagshitze ein fluchtartiges Tempo anschlug. Die ersten Runden lief ich mit Thorsten Stelter (im folgenden Bild rechts), den ich ewig schon nicht mehr getroffen hatte.

Wiehl 1

Er berichtete von der Absicht vor der eigentlich TorTour de Ruhr von der Mündung zur Quelle zu laufen!

Der Vorteil von wenig Training ist, dass man immer recht ausgeruht am Start steht. Doch schon nach etwa 12 bis 15 km fing ich an, alle „Berge“ wandernd zu erklimmen. So richtig erholsam war das aber auch nicht und schon nach drei Stunden musste ich mir Gedanken machen, wie ich das Rennen taktisch gestalten sollte, um ggf. durch die Nacht zu kommen. Die Beine waren jetzt schon schwer und die Rundenzeiten bestenfalls mittelmäßig. Die Hitze zog regelrecht Energie aus dem Körper. Mit Trinken und Kühlen kam ich noch ganz gut über die Runden, aber irgendwie war das ganze fürchterlich anstrengend.

Wiehl 2

3 Stunden nach dem 24h-Lauf wurde der 6h-Lauf gestartet. Für die LG Ultralauf waren Dirk Minnebusch, Fabian Benz und Jonathan Gakstatter am Start und belegten am Ende die Plätze 2, 4 und 6. Auch sie hatten mit der Strecke und Hitze zu kämpfen, haben sich aber bemerkenswert tapfer durchgebissen.

Bereits zu sehr früher Stunde fühlte ich mich schon ziemlich „fertig“ und so beschloss ich, nach 30 km mich erst einmal 10 Minuten auf einen Stuhl zu setzen, um mich auszuruhen. Diese Pausen habe ich dann etwa alle 15 bis 20 km regelmäßig eingelegt. Die Pausen waren einerseits für mich notwendig, andererseits im Nachhinein betrachtet vielleicht meine Rettung, denn ich konnte so doch immer wieder runterkühlen und immer wieder gut anlaufen. Ein Spruch trat für mich sicher nicht zu: bei mir flogen heute weder die Kilometer noch die Stunden dahin - es war alles unglaublich zäh und anstrengend: 85km in 10 Stunden, 100 km in exakt 12 Stunden hatte ich mit dieser Taktik geschafft.

Um 18 Uhr wurde der 12h-Lauf gestartet, so dass über drei Stunden Läufer aller Disziplinen auf der Strecke waren – das war schon recht voll, zumal wieder einige recht hektisch starteten. Kurz vor Sonnenuntergang waren dann die 6h-Läufer fertig und es wurde etwas leerer. In der Nacht entvölkerte sich sowohl die Strecke als auch der Park weiter Stunde um Stunde. Einige hatten ihren Wettkampf wohl beendet, andere für ein paar Schlafstunden unterbrochen.

Nach meiner 125km-Pause traf ich Mario Luther und wir wanderten zusammen 2 Runden, also 5 Kilometer. Dabei diskutierten wir Minimalziele und den Wert dessen.

Mario war bereits in den ersten Stunden gestürzt und hatte sich ein paar Prellungen zugezogen. Eigentlich hatten wir uns diesen Lauf beide etwas anders vorgestellt; nicht so anstrengend, nicht so schwer. Mein Körper fuhr seit Stunden auf Reserve und so beschlossen wir beide den Lauf baldigst zu beenden. Jedes griechische Drama hat eine Peripetie, den Wendepunkt, bei dem sich ein Schicksal entscheidet, es um Glück oder Unglück, Leben und Tod geht. Das war in diesem Rennen irgendwann am Ende der Nacht bei km 130. Der Zeitnehmer Christian Pflügler informierte mich, dass ich nicht aussteigen solle, weil ich doch an Position drei liegen würde? Zuerst wollte ich es nicht glauben, da ich ja seit 12 Stunden nur noch rumgurke und dann war es mir gleichgültig, ob ich den Podesplatz verliere. Aber irgendwie entwickelte sich das Gespräch in eine völlig falsche Richtung.

Am Ende siegte die Leidenschaft über die Vorsicht und ich wollte mich für den Rest des Rennens anstrengen. Es folgten meine vermutlich 25 schnellsten Kilometer, Sitzpausen gab es bis zum Ende keine einzige mehr und ich lief so gut es irgendwie noch ging. Meinen Vorsprung hatte ich mittlerweile von 2 auf 4 Runden ausgebaut – passieren konnte da nichts mehr, aber nun galt es, noch möglichst viele Kilometer zu sammeln. Schnell war ich nicht mehr aber ohne Pause unterwegs und so schaffte schließlich die 180km-Marke und noch eine Runde und noch etwas. Mit 183,4 km bin ich am Ende sehr zufrieden. Ich hätte gar nicht gedacht, dass ich das aufgrund meines geringen Trainings überhaupt kann, zumal Wetter und Strecke sicher alles andere als optimal war. Wolfgang Schwerk, einer von wenigen ganz, ganz Großen in der Ultralaufszene und dieses Mal am Ende zweitplatziert, meinte, er hätte mich noch nie so kämpfen sehen. Ja, so entspannt wie er konnte ich mir leider nicht meine Kilometer erlaufen.

Mario Luther wurde von meinem Motivationsschub angesteckt und lief die geplanten 102,3 km. Vereinsmitglied Christian Pflügler kümmerte sich bestens um die Zeitmessung und nutzte eine Pause für ein paar Laufrunden. Wieder einmal beeindruckend war die Leistung von Christel Kunzel. In vorbildlicher Weise arrangiert sie sich mit dem Wetter und der Strecke und setzt Stunde um Stunde die Füße voreinander. Als Walkerin gemeldet erreichte sie eine beeindruckende Leistung.

Wiehl 4

Viele Teilnehmer nutzten die Veranstaltung für einen submaximalen Trainingslauf, doch die 6 Erstplatzierten sicher nicht. Wolfgang Schwerk lief taktisch wahrscheinlich das beste Rennen aller Starter, konnte seine Erfahrung ausspielen und erreichte am Ende 187,7 km. Bernhard Munz zeigte einerseits sein großes Talent, teilte sich das Rennen dennoch vermutlich nicht optimal ein und gewann letztendlich überlegen mit 202,2km Gesamtlänge. Elke Link-Holtermann teilte sich ihre Ressourcen mit Pausen und Gehabschnitten sehr gut ein und erreichte 132,9 km. Die Siegerin Steffi Makiola lief 180,5 km, hatte dabei noch nachts geschlafen; war umgeknickt und konnte die letzte Stunde nur noch mit improvisierten Krücken gehen – unvorstellbar dieser Kampfgeist und diese Leistung. Wilma Dierx hatte sich vier Marathon mit Schlafpause vorgenommen und auch umgesetzt. Die letzte Runde drehte sie noch einmal mächtig auf und konnte so 169,8 km erzielen.

Unter dem Strich kann man Oliver Witzke als Veranstalter und seine Mitorganisatoren und Helfern viel Lob und Dank aussprechen. Die Teilnahme hat wirklich Spaß gemacht und ich bin froh, dass Christian in mir den Ehrgeiz geweckt hat. Mein Rennen war sicher nicht gleichmäßig, aber sicher ganz nah am Maximalen, wozu ich an diesem Tag in der Lage war. Und das vermittelt stets ein gutes Gefühl.

Wiehl 3

Und wenn es dann mit einem Pokal belohnt wird, umso besser. Viele Pokale habe ich in meiner guten Zeit nicht gewonnen, aber in meinem „zweiten Läuferleben“ schon gar nicht. Daher habe ich mich über diesen Preis sehr gefreut.

Ergebniss 24h-Lauf: In der Ergebnisliste stehen 46 Männer 25 Frauen

Platz

Name

Jahrg.

m/w

Verein

Gesamt

1. Bernhard Munz 1962 M TV Kempten 202,18
2. Wolfgang Schwerk 1957 M SCMT 187,7
3. Michael Irrgang 1967 M LG Ultralauf 183,39
20. Thorsten Stelter 1978 M Laufstil Düsseldorf 102,34
21. Mario Luther 1962 M LG Ultralauf 102,34
46. Christian Pflügler 1967 M 6h-Lauf-Münster 17,48
1. Stefanie Makiola 1982 W Ultrafriesen e.V. 180,5
2. Wilma Dierx 1967 W Aart Stigter 169,84
3. Elke Link-Holtermann 1969 W TuS Breckerfeld 132,94
23. Christel Kunze 1937 W LG Ultralauf 47,43

 12h-Lauf: In der Ergebnisliste stehen 23 Männer 7 Frauen

Platz

Name

Jahrg.

m/w

Verein

Gesamt

1. Adam Hetmanski 1972 M L.V Marathon Mülheim 129,07
15. Axel Densing 1967 M LG ULtralauf 75,03
1. Antje Krause 1972 W Ultra Sport Club Marburg 118,39

 6h-Lauf: In der Ergebnisliste stehen 26 Männer 6 Frauen

Platz

Name

Jahrg.

m/w

Verein

Gesamt

1. Robert Etter 1972 M Gerbersport 71,82
2. Fabian Benz 1987 M LG Ultralauf 63,41
3. Jochen Grefe 1967 M Feuerwehr Altena 60,41
4. Jonathan Gakstatter 1992 M LG Ultralauf 58,22
6. Dirk Minnebusch 1972 M LT Bittermark Dortmund / LG Ultralauf 57,29
1. Dunja Plesnik 1977 W TuS Breckerfeld 57,62

 Text: Michael Irrgang, Bilder Michael Irrgang, Fabian Benz, 23.04.2018

 

Abbildung: These shoes are made for running

„Super Lauf“, „schöne Zeit“, „Zimmer 109 – bestes Zimmer“, „einfach nur geil“ – dies ist nur eine Auswahl an Kommentaren, mit denen wir – auf den Bettkanten unseres 8er-Zimmers in der Jugendherberge Solingen-Burg sitzend – auf die vergangenen Tage zurückblicken. Hinter uns liegen fünf Tage Laufen pur im Bergischen Land, hinter uns liegt die Erstaustragung des Etappenlaufs „ Die Bergischen 5“.

 

Doch beginnen wir mal von vorn.

Bereits in den Jahren 2009, 2010, 2011 und 2013 gab es schon Etappenläufe im Bergischen Land, die unser Verein, die LG DUV und stellvertretend dafür vor allem Wolfgang Olbrich, organisiert hatte (für Statistikfans: http://statistik.d-u-v.org/eventdetail.php?event=13567). Gelaufen wurde damals auf den bestens markierten Rundwanderwege um die Städte Solingen, Remscheid, Wipperfürth, Kürten und Lindlar, an fünf Tagen kam man damals auf 299 km.

 

Der spätestens durch den letztjährig veranstalteten Deutschlandlauf bekannte Veranstalter Oliver Witzke aus Solingen hat die Idee für einen Etappenlauf im Bergischen Land wiederentdeckt und in seinem Sinne modifiziert. Die nun ausgeschriebenen „Bergischen 5“ gab es in den Ausführungen „Erwachsenenrunde“ und „Kindergartenrunde“ (kein Spaß, stand so sogar auf den Startnummern). Für die längere Variante sollten insgesamt 275 km mit 6400 HM absolviert werden, die kürzere Variante (ja genau, die „Kindergartenrunde“ ist hiermit gemeint) ergab eine Streckenlänge von 167 km und 4000 HM. Gelaufen wurde nicht nur auf Rundwanderwegen, sondern es gab immer reichlich einsame und wunderschöne Trampelpfade. Start-, Ziel-, Dreh- und Angelpunkt war die Jugendherberge in Solingen-Burg, oberhalb des bekannten Schlosses Burg.


Samstag, 07. April: Anreise

Nach einem nicht enden wollenden Winter zeigte der Frühling  bei unserer Ankunft an der Jugendherberge sein freundliches Gesicht: Sonne pur! Nun hieß es erstmal Startnummern abholen und Zimmer beziehen. Bereits in Rheine hatte Dirk die wunderbare Idee, alle LG-Ultraläufer in ein Zimmer zusammenzupferchen. Dieses Anliegen ergab großen Zuspruch und nach und nach tingelten alle ein:  Fabian Benz, der erst zwei Wochen zuvor beim Etappenlauf auf den Pfälzer Berglandtrails den zweiten Platz belegt hatte, möchte bei den „Bergischen 5“ Kilometer für anstehende Aufgaben sammeln (24h-Lauf in Basel, Spartathlon).

Für Volker Greis sind Wochen mit Umfängen jenseits der 200 km nichts Besonderes. Er nutzt die „Bergischen 5“ als Training und um herauszufinden, ob diese Spielart des Ultralaufs nicht genau sein Ding sein könnte.

Raimund Slabon ist der mit Abstand der erfahrenste Läufer aus unserer Runde und möchte bei den „Bergischen 5“ Kilometer für die anstehende TorTour de Ruhr schrubben.

Dirk Minnebusch hat bereits erst am Osterwochenende die Feiertage dazu genutzt, mit seinem selbst gebauten Lastenwagen einen privaten Etappenlauf in der Eifel zu machen. Von daher begnügt er sich mit der „Kindergartenrunde“.

Für mich selbst ist es der erste Etappenlauf und ich bin mir unsicher, ob und wie ich diesen gerade mit dem bisher nicht optimal gelaufenen Training in diesem Jahr verkraften werde.

Neben uns fünf LG Ultraläufern haben wir noch Sven Winkelmann „adoptiert“ und in unser Zimmer 109 aufgenommen. Sven und Raimund kennen sich von unzähligen Läufen und sind dann auch jeden einzelnen Km der „Bergischen 5“ gemeinsam gelaufen.

Im Anschluss an die harmonische Bettenverteilung gingen wir zunächst erstmal ein bisschen die Gegend erkunden und aßen im Schloss Burg ein erstes Eis – traumhafter Start.

Vor dem Abendessen fanden alle Läuferinnen und Läufer wieder zusammen, um sich von Oli begrüßen und briefen zu lassen. Das Helferteam wurde vorgestellt und bekam den ersten großen Applaus. Auch das Team der Jugendherberge war nicht untätig geblieben und tischte bereits Salate und Kartoffeln und Grillgut auf. Wir konnten das erste Abendessen in der Sonne genießen und so manches alkoholfreie Weizenbier dabei vernichten.

Gegen 22 Uhr war in unserem Zimmer dann auch schon Feierabend. Ich selbst war so aufgeregt und hatte gleichzeitig die Nächte davor so gut geschlafen, dass ich in der ersten Nacht nur ganz wenig geschlafen und die allermeiste Zeit geruht habe.

Sonntag, 08. April: 1. Etappe über 50 km

Am Sonntag ging es zum Warmwerden los mit einer Etappe über 50 km und etwa +/- 780 HM für die „Erwachsenen“ (aus unserem Zimmer Fabi, Volker, Raimund, Sven, ich). Für die „Kindergartenrunde“ standen 31 km auf dem Programm. Der Start war auf 7 Uhr angesetzt.

Alle waren froh, dass es endlich los ging und um 5:30 Uhr waren daher bereits alle schon hellwach. Der Ablauf sollte sich nun jeden Morgen gleichen: aufstehen, Morgentoilette, frühstücken, fertig machen, Briefing und ab. Jede und jeder entwickelt dabei eigene Routinen und ich stellte schon am zweiten Morgen fest, wie gut mir der immer gleiche Ablauf und die Sicherheit gebenden Strukturen tun. Dazu trug mit großer Gewissheit auch das hervorragende Frühstücksbuffet der Jugendherberge bei. Die Leiterin Denise Balke-Kircher zeigte während der gesamten Veranstaltung eine große Aufopferungsbereitschaft. Mussten wir Läuferinnen und Läufer auch früh aufstehen, sie war garantiert immer die Erste auf den Beinen und brühte schon Kaffee auf, als sich noch so mancher von uns im Bett wieder umdrehte.

Vor dem Start mussten sich die Läuferinnen und Läufer in Listen eintragen, um ihre Teilnahme zu bekunden. Um zehn vor sieben erläuterte Oli uns Feinheiten zur Tagesetappe und dann ging es auch schon pünktlich los. Am ersten und am fünften Tag sollte der Start für die „Erwachsenen- und Kindergartenrunde“ jeweils gleichzeitig um 7 Uhr sein, an den übrigen drei Tagen sollten die „Erwachsenen“ schon um 6 Uhr starten. Jeden Tag führte Oli die Gruppe 1-2 km an, um sie aus dem Örtchen heraus bis zu dem Punkt der jeweiligen Tagesstrecke zu eskortieren, an dem dann die Markierung begann. Für mich war dieses Einrollen immer ganz angenehm, man blieb noch beisammen und konnte ein bisschen mit anderen über Befindlichkeiten, Erwartungen und Herausforderungen quatschen. 

Textfeld: Abbildung 2: Einzeletappenläufer Dietmar Rosenau sondiert Wegstrecke durchs wunderschöne Eifgental.C:\Users\Matthias\Desktop\Matthias\Matthias\Fotos\Fotos\Laufen\Bergische5 '18\Eifgental.JPGNun ging es etwa 4,5 km über Trails und Wirtschaftswege schon mächtig auf und ab bis zur Balkantrasse. Dieser sollten wir etwa weitere 15 km immer leicht bergab folgen. Der zweite Teil dieser Runde war anspruchsvoller, aber auch schöner. Wir liefen talaufwärts auf tollen Pfaden und im frühlingserwachten Wald immer schön rauf, rauf, rauf das Eifgental hinauf. Mit fortschreitender Tageszeit zeigte sich auch immer häufiger die Sonne, bis die Wolken zur Mittagszeit gänzlich verschwunden waren. Es wurde richtig warm, ein erster Vorgeschmack auf kommende Sommertage. Auf den Trails war einiges los, viele Wanderer und Mountainbiker genossen die sonntägliche Erholung. 

Wertung der 1. Etappe (50 km / 31 km)

Tagesplatz

Name

Zeit

1

Fabian Benz

4:41:00

2

Volker Greis

4:48:00

6

Sven Winkelmann

5:40:00

6

Raimund Slabon

5:40:00

18

Matthias Kröling

6:25:51

4

Dirk Minnebusch

3:40:00

Nach KM 45 mussten wir leider den schönen Wanderweg verlassen und folgten der Markierung durch Siedlungen und entlang Straßen bis zur Jugendherberge zurück. Während Fabi und Volker diese, sowie Raimund und Sven diese Etappe jeweils zusammen liefen, war ich die meiste Zeit über allein unterwegs. Volker musste nur wenige Km vor dem Ziel Fabi ziehen lassen und seine Speicher mittels einer Cola an einer Tankstelle wieder auffüllen. Auch für Dirk ist der Tag sehr gut gelaufen, er war direkt oben mit dabei.

 

Textfeld: Abbildung 3: Führungstrio auf der ersten Etappe: Volker Greis, Eik Bergmann, Fabian Benz (Foto von Carsten Brake).C:\Users\Matthias\Desktop\Matthias\Matthias\Fotos\Fotos\Laufen\Bergische5 '18\Volker und Fabi_1.jpgDie enorme Geschwindigkeit von Volker und Fabi führte dazu, dass sie noch vor 12 Uhr im Ziel waren und somit noch über sechs Stunden Zeit bis zum Abendessen verblieben. Dirk war ja sogar schon vor 11 Uhr wieder im Ziel. Also machten die Jungs sich auf ins nächste Restaurant, um direkt etwas für die Energiespeicher zu tun.

Dieser Lauf war für die allermeisten Läuferinnen und Läufer bereits am frühen Nachmittag eingetütet, sodass noch viel Zeit für’s Füßehochlegen und Weizenbiertrinken in herrlicher Vorsommerluft übrig blieb. Zum Abendessen gab es Bolognese Lasagne mit Salat und auch für Abendprogramm war gesorgt: die Trailrunner Laura Mathiaszyk und Carsten Brake begeisterten ein interessiertes Publikum mit ihrem Multimediavortrag über einen Etappenlauf in Nepal. Im Anschluss daran zeigte Carsten den Anwesenden die Bilder des Tages, da er nicht laufend, aber fotografierend unterwegs auf den Pfaden war.

Mich beeindruckte, was danach geschah: Sobald der Vortrag vorbei war und die Fotos gezeigt waren, leerte sich der Saal augenblicklich. Bereits um 21 Uhr waren nur noch vereinzelte Gestalten unterwegs, die meisten suchten sofort das Bett auf. In Anbetracht der Tatsache, dass noch 225 km vor uns lagen, war das auch keine schlechte Idee.

Montag, 09. April: 2. Etappe über 60 km

Bereits um 4:30 Uhr (uhhh…) klingelte der Wecker und die morgendliche Routine nahm ihren Lauf. Eine kurze, repräsentative Umfrage in unserem Zimmer 109 ergab, dass 6 von 6 Läufern sich gut fühlten und keine nennenswerten Belastungs- oder Ermüdungserscheinungen aufzählen konnten. Top!

Heute ging es für die „Erwachsenen“ auf den Wanderweg „Rund um Remscheid“, besser bekannt als Röngtenweg. Der wurde zwar in entgegengesetzter Richtung absolviert, beinhaltete aber immer noch etwa 1370 HM. Für Dirk galt es immerhin 36 km und 900 HM zu bewältigen.

 

Textfeld: Abbildung 4: Morning has broken - Sonnenaufgang über den Gipfeln.C:\Users\Matthias\Desktop\Matthias\Matthias\Fotos\Fotos\Laufen\Bergische5 '18\Morning has broken.JPGBeim Start um 6 Uhr war es noch dunkel, sodass die „Erwachsenen“ Stirnlampen mitnehmen sollten, die man aber an der ersten Verpflegung abgeben konnte. Womit wir bei einem schönen Thema wären: die Verpflegung. Stände gab ziemlich zuverlässig genau alle 10 km und während es am ersten VP nur Wasser und Bananen gab (was völlig ausreichte), waren alle übrigen Tische mit diversen Speisen überladen: Salatgurke, Paprika, Tomaten, Äpfel, Mandarinen, Weintrauben, Erdnüsse, Kartoffelchips, Salzstangen, Studentenfutter, Weingummi, Kekse, verschiedene Schokoriegel, Waffeln, Minisalami, Frikadellen. Dazu oft noch Kartoffeln, Eier und frisch belegte Brote. Zu trinken gab es Apfelschorle, Cola und bestes bergisches Leitungswasser. Läuferherz, was willst du mehr! Das waren wirklich Verpflegungspunkte, auf die wir uns immer freuen konnten. Und das lag nicht nur an der hervorragenden Verpflegung, sondern vielmehr noch an den gutgelaunten und wirklich professionellen Helferinnen und Helfern. Oli kann sich wirklich glücklich schätzen (und das sagte er selbst jeden Tag), solche erfahrenen und professionellen Helferinnen und Helfer zu haben. Ohne euch wäre das alles nicht möglich gewesen, vielen Dank dafür!

Diese Etappe kam fast komplett ohne Markierung aus, da beinahe die gesamte Runde über dem „R“ im Kreis gefolgt werden konnte. Was mich und meinen Mitläufer Werner Falk nicht davon abhielt, uns einmal kurz zu verlaufen, da wir eine Änderung zwischen Markierung und Track nicht bemerkt hatten. Auch auf dieser Etappe liefen Fabi und Volker munter schwatzend voraus und schon bald konnte ihnen keiner mehr folgen. Sie waren so gut drauf und unterhielten sich so gut, dass sie den Ausstieg aus dem Rundweg und damit den Zubringer zu unserer Jugendherberge verpassten (auch wenn die Markierung dort ausreichend war). Durch die insgesamt vier Extrakilometer büßten sie ihre Führung buchstäblich auf den letzten Metern ein. Was die beiden aber sehr sympathisch macht, ist, dass dieser Umweg sie nur kurz erzürnte und sie im Nachhinein umso mehr selbst darüber lachen konnten. Außerdem war die Motivation für den nächsten Tag so bereits gesichert.  

Wertung der 2. Etappe (60 km / 36 km)

Tagesplatz

Name

Zeit

2

Fabian Benz

6:20:26

2

Volker Greis

6:20:26

5

Sven Winkelmann

7:00:53

5

Raimund Slabon

7:00:53

16

Matthias Kröling

7:51:08

1

Dirk Minnebusch

4:14:17

Auch bei Dirk auf der „Kindergartenrunde“ lief es super. Dort fand sich auf der zweiten Etappe eine 5er-Gruppe, die gemeinsam in Führung liegend das Ziel erreichte.

 

Textfeld: Abbildung 5: Besuch beim Sportwart. Danke, Martina und Michael, für eure spontane Gastfreundschaft.C:\Users\Matthias\Desktop\Matthias\Matthias\Fotos\Fotos\Laufen\Bergische5 '18\besuch in troisdorf.jpg

Im Ziel wartete Dirk schon auf mich und fragte mich, ob es mir etwas ausmachen würde, mich fix zu duschen und umzuziehen. Gemeinsam wollten wir nach Troisdorf zu Martina und Michael fahren, um uns dort eine LG Ultralauf-Fahne abzuholen. Und weil wir schon mal da waren, könnte man dort doch auch gleich zu Abend essen. Eine halbe Stunde später saßen wir im Auto und fuhren – mit kurzem Umweg über einen Grillimbiss am Supermarkt – Richtung Troisdorf. Dort gab es ein großes Hallo und wir erfuhren bei Kaffee und Keksen von Michael alles rund um die 50km-DUV-DM in Ebershausen, die wir ja alle am vergangenen Tag verpasst hatten. Im Anschluss daran ging es von der Terrasse ins Haus zum Abendessen. Martina hatte für uns einen Haufen Nudeln mit Fleischsauce gekocht, dazu gab es sehr leckeren Salat und abschließend noch einen deftigen Nachtisch. Vielen Dank Martina, das war echt ganz große Klasse, du hast einen großen Anteil am Abschneiden des nächsten Tages! Zum Schluss schauten wir uns einen kurzen Film an über die 2009er-Ausgabe des Etappenlaufs im Bergischen Land und konnten uns schon mal ein paar Bilder der morgigen Etappe ansehen. Dann ging’s wieder zurück nach Solingen – ach nee, die Fahne! Fast hätten wir sie vergessen, was eigentlich der Anlass dieser kurzen Reise war. Also schnell eingepackt und zurückgedüst. Als wir in der Jugendherberge ankamen, waren schon wieder alle im Begriff, sich für die Nacht fertig zu machen. Es gab auch an diesem Abend einen Vortrag über den 100km Lauf der Tortour de Ruhr, den wir aber wie das Abendessen verpasst hatten. Schnell in’s Bett, denn morgen wartete die Königsetappe, der Klingenpfadlauf.

Dienstag, 10. April: 3. Etappe über 70 km

„Wenn es uns nur nach der dritten Etappe so gut geht wie jetzt, dann packen wir auch den ganzen Lauf“, haben Marina Micic, einer Mitläuferin auf der Erwachsenenrunde, und ich uns gedacht. Tja, aber diese dritte Etappe auf dem Klingenpfad mit seinen 70 km und über 1700 HM will auch erstmal gemeistert werden.

Der Start ist für uns wieder um 6 Uhr morgens, also wieder mit Stirnlampe. Die ersten vier Km sind identisch mit gestern, dann heißt es aber, einer anderen Markierung zu folgen. Heute ist weiß die Farbe der Wahl. Am ersten Tag sind wir grün-gelben Sprühkreidepfeilen gefolgt, am zweiten Tag waren diese rosa. Für uns Läuferinnen und Läufer ist es sehr gut, sich nur auf eine Farbe konzentrieren zu müssen (und sich auch darauf verlassen zu können). Verschiedene Farben sind außerdem notwendig, da sich Streckenabschnitte teilweise gleichen und so Missverständnissen vorgebeugt wird.

 

Textfeld: Abbildung 6: Von allen Seiten und Höhen durchlaufen: die Müngstener Brücke.C:\Users\Matthias\Desktop\Matthias\Matthias\Fotos\Fotos\Laufen\Bergische5 '18\Müngstener Brücke.JPGDer Lauf ist kaum eine Stunde alt, da fährt mir ein Schmerz in den rechten Fuß. Genauer gesagt sticht es auf der Haut in der rechten Fußbeuge. Hm, was könnte das sein? Ich halte an und schnüre mir den Schuh auf. Der ist nun so locker, dass ich bei Bergabpassagen echt aufpassen muss, nicht umzuknicken. Bereits zum zweiten Mal in zwei Tagen laufen wir unter der Müngstener Brücke durch, es ist ein schöner Tag.

Überhaupt kann ich auch mal was zum Wetter sagen: Wir haben unglaubliches Glück während der ganzen fünf Tage. War es am ersten Tag noch sonnig, dafür die Etappe kurz, sind die Tage zwei bis vier eher bewölkt und mild bei Temperaturen um 15 bis 17°C. Mit anderen Worten – perfektes Laufwetter! Keine bösen Aprilüberraschungen, kein Hagel, keine knallige Sonne, nur am vierten Tag ein bisschen Nieselregen. Am fünften Tag kommt passend zur Siegerehrung die Sonne wieder hervor und schenkt uns einen wirklich würdigen Abschluss.

Die ersten 20 km bis zum zweiten VP laufe ich allein. Es geht ständig rauf und runter, na, das kann ja was werden. Meine Stimmung kippt etwas, denn mein Fuß wird nicht besser. Am 2. VP beschließe ich solange zu warten, bis die nächsten Läufer kommen, damit ich nicht mehr allein loslaufen muss. Tatsächlich kommt direkt nach mir eine 4er-Gruppe angetrabt, unter anderem mit Monika Lux und Werner Falk. Mit Werner bin ich ja bereits gestern wunderbar zusammen gelaufen, das Tempo hatte stets gepasst. Ich schließe mich den anderen an, wir traben nun zu fünft weiter. Es geht nun erstmal längere Zeit bergab und – oh Wunder – seit ich in Gesellschaft laufe und mich mehr ablenken kann, spüre ich den Fuß erstmal nicht mehr. Die nächsten 10, 15 Kilometer laufen (bzw. gehen) sich fast geräuschlos. Es gibt fast nur ebenes Gelände und daher die Möglichkeit, auch mal längere Zeit am Stück laufen zu können. Irgendwann meldet sich mein Fuß wieder und bei etwa Km 55 im wirklich schönen Örtchen Balkhausen spüre ich aus heiterem Himmel einen Stich, als ob mir jemand was Spitzes in den Fuß gerammt hätte. Oh nein, bitte nicht! Vor Schrecken gehe ich erstmal ein paar Schritte und es ist ja auch nicht mehr weit bis zum nächsten VP, also Zähne zusammenbeißen und weiter. Tatsächlich werden auf den letzten 12 km der Strecke nun noch mal sehr viele Höhenmeter gemacht. Anstatt auf dem gefälligen, breiten Rundwanderweg mit dem eingekreisten „S“ zu bleiben, schickt uns Olis Markierung immer wieder in darüber gelegene Pfade. Hier können wir nicht nur einige Sturmschäden bewundern, sondern müssen sich auch irgendwie überwinden und uns zwischen umgeknickten Bäumen und Ästen hindurchschlängeln.

Wir sind seit KM 30 nur noch zu dritt unterwegs und ich bin Monika und Werner sehr dankbar für die Begleitung. Meine Laune ist absolut im Keller. Bergauf und Marschieren ist besser für meinen Fuß, hier finde ich Zeit und Ablenkung, um Oli für dessen Streckenwahl zu beschimpfen. Bergab spüre ich den Schmerz so deutlich, dass ich keine Worte mehr machen kann und einfach nur vorwärts kommen möchte. Mit meinen beiden Mitstreitern rede ich schon länger kein Wort mehr, sie haben aber auch ein gutes Gespür für die Situation und lassen mich in Ruhe.

Irgendwann haben wir auch die letzte Wasserstation bei Km 64 passiert und jetzt kann es wirklich nicht mehr weit sein. Die Läufer von heute sind ja alle top ausgestattet mit GPS und wir unterbieten uns jetzt gegenseitig mit noch zu bewältigenden Kilo- und Höhenmetern. Noch einmal ganz runter und wieder rauf und dann der letzte Anstieg, ein Blick auf die Uhr: Wir können es noch unter 10 Stunden schaffen! Die Schmerzen sind nun vergessen und ich marschiere mit großen Schritten den letzten Anstieg hoch. Ein besonders schöner Moment ist für mich „die Ruhe vor dem Sturm“, die letzten paar Hundertmeter vor dem Zieleinlauf. Wir klopfen uns gegenseitig auf die Schulter und 

 

Wertung der 3. Etappe (70 km / 46 km)

Tagesplatz

Name

Zeit

1

Fabian Benz

7:29:25

1

Volker Greis

7:29:25

5

Sven Winkelmann

8:44:15

5

Raimund Slabon

8:44:15

17

Matthias Kröling

9:57:50

2

Dirk Minnebusch

5:48:12

bedanken uns beieinander für die miteinander geteilten Stunden auf der Strecke. Es ist schön, 10 Stunden laufen zu können, zu dürfen, sie überhaupt zu bewältigen. Aber noch schöner macht es die Gemeinschaft, in der man Höhen und Tiefen miteinander teilt. Auf diesem Wege dafür auch noch einmal herzlichen Dank an Monika und Werner!


Die Freude über die absolvierte Etappe währt nur kurz, die Sorge um den Fuß nimmt immer mehr Raum ein. Wie war das noch mal – schafft man den dritten Tag, schafft man auch den gesamten Lauf? Werde ich überhaupt morgen weiterlaufen können? Schnell ins Zimmer und dann duschen. Ich bin heute auch so müde und kaputt, das kenne ich so gar nicht. Andererseits kann ich das auch alles gar nicht kennen, da ich noch nie vorher in meinem Leben drei Ultras an drei aufeinanderfolgenden Tagen gelaufen bin.

Nach dem Duschen berichte ich den anderen Jungs von meinem Fuß. Der ist mittlerweile auf dem Spann und auch am Fußknöchel geschwollen und rot geworden. Das letzte Mal, dass ich die Vorläufersymptome eines shinsssssshin splints, des Schienbeinkantensyndroms hatte, war, als ich die Umfänge beim Laufen von 5 auf 10 km gesteigert hatte. Interessant, dass dieses Problem der Überbelastung in allen Stadien des Trainings auftreten kann. Während ich ein bisschen Voltaren drauf schmiere, um die Entzündung zu kühlen, kümmern sich die Jungs sich fürsorglich um mich auf vielfache Weise. Fabi, der Sportmediziner, berichtet von seinem Schwarzwaldlauf und dass er diese Probleme dort auch am dritten Tag hatte. Man könnte dort unten nichts kaputt machen, sie Sehne würde so schnell nicht reißen. Vor allem gelte es, mit dem Schmerz fertig zu werden. Raimund unterhält mich mit der ein oder anderen Horrorgeschichte, was er bei sich oder bei anderen bezüglich shin splints schon so alles erlebt und gesehen hat. Das amüsiert mich tatsächlich, da es bei mir noch längst nicht so schlimm ist, was gleichzeitig eine Motivation dafür ist, morgen wieder anzulaufen. Nachdem ich in der Küche nach Kühlungsmitteln gefragt hatte und man mir einen backsteinählichen Kühlakku gab, fährt Dirk direkt zur Tankstelle, um mir einen 2-Kilo-Beutel crushed ice zu besorgen. Der ist für meine Zwecke Textfeld: Abbildung 7: Flagge zeigen in unserem Zimmer 109.C:\Users\Matthias\Desktop\Matthias\Matthias\Fotos\Fotos\Laufen\Bergische5 '18\Flagge zeigen.JPGwesentlich besser geeignet und ich lege die Füße bis zum Abendessen hoch.

 

Tatsächlich hat es nicht nur mich erwischt, wie ich beim Essen erfahre. Marina erzählt, dass sie bereits gestern Probleme mit Entzündungen und Schwellungen ihres linken Fußes gehabt hat. Ich gebe ihr eine gute Portion meiner Eiswürfel ab und wir sitzen den restlichen Abend am Empfang und kühlen unsere Füße. Dann verbünden wir uns für den nächsten Tag und wollen diesen gemeinsam angehen und durchstehen.

Bei Fabi und Volker lief es diesmal wieder ziemlich rund, sie haben dem gestrigen Sieger eine halbe Stunde abgenommen und liegen nun beide wieder vorn in der Gesamtwertung. Auch Raimund und Sven sind gut durchgekommen, auch wenn die Beine verständlicherweise ein wenig schwerer waren als am Tag zuvor. Bei Dirk lief es super. Er ist in der Männerwertung Führender mit genau 1 Minute Vorsprung. Seine Taktik für die kommenden Tage lautet daher: Einfach dran bleiben an der Spitzengruppe und bereit sein für den Moment, in dem sich jemand aus dem Staub machen will.

Mittwoch, 11. April: 4. Etappe über 50 km

Ich wache auf und wackel vorsichtig mit dem rechten Fuß – gut. Ich stehe auf und gehe vorsichtig ein paar Schritte – okay. Es könnte also was werden…

Bereits gestern beim Abendessen hat Oli verkündet, dass die Startzeit der heutigen Etappe um eine Stunde nach hinten verlegt wird. Das bedeutet für die „Erwachsenen“ Start um 7 Uhr zur 50km-Etappe mit fast 1600 HM. Also etwa 20 km weniger als gestern, zum Ausgleich dafür kaum weniger Textfeld: Abbildung 8: Zeinehmer Patrick hat den Finger schon auf der Stoppuhr, Racedirektor Oli mit den letzten Ansagen vor dem Start.C:\Users\Matthias\Desktop\Matthias\Matthias\Fotos\Fotos\Laufen\Bergische5 '18\Oli und Patrick.JPGHöhenmeter. Juhu.

Werner und ich hatten uns gestern lose verabredet, es heute noch einmal miteinander zu versuchen, aber ich weise ihn daraufhin, dass ich aufgrund meiner Verletzung auf jeden Fall langsamer machen werde. Stattdessen wollen Marina und ich das jetzt zunächst gemeinsam angehen.

Während der gesamten Veranstaltung gibt es ein Zeitlimit von 12 min/km, welches ab dem ersten Km gilt. Das heißt, es gilt 5 Kilometer pro Stunde zu schaffen. Klingt beim Lesen wahrscheinlich lächerlich großzügig, aber an diesem Tag habe ich das erste Mal angefangen zu rechnen. Wenn ich nämlich gar nicht laufen kann, sondern gezwungen bin zu gehen, dann bin ich auf keinen Fall schneller als 6 km/h. Mit Steigungen und VPs könnte es vielleicht eng werden.

Umso größer ist meine Freude, als es auf den ersten Km erstmal bergab geht und auch einige flache Asphaltstrecken dabei sind. Was sagt eigentlich der Fuß? – Nix. Das will ich gar nicht groß hinterfragen, sondern lieber weiterlaufen. Die Strecke heute ist besonders schön, aber dafür auch besonders profiliert. Wir laufen die meiste Zeit auf hochgelegenen Trampelpfaden, genießen herrliche Ausblicke in nebelverhangene Täler und auf diverse Flusse und Flüsschen. Es geht manchmal steil rauf und steil hinab. Beispielsweise sollen wir einmal den behaglichen Weg verlassen und uns links in den Wald schlagen. Bloß dass da kein Weg ist, auch keiner sein kann, weil die Steigung bei über 50% liegt. Unverkennbar sind aber auch hier Olis Markierungen, an die ich mich schon ganz gut gewöhnt habe. Also rauf, rauf, rauf.

Marina und ich laufen noch zusammen, doch während es mir gut geht und ich meinen Fuß nicht spüre, kann ich an ihren Schritten sehen, wie schwer ihr das Laufen fällt. Und so gehen wir immer öfter. Nach gut 25 km sind wir fast ausschließlich im Geh-Modus unterwegs. Ich bin mir unsicher, was ich tun soll. Auf keinen Fall möchte ich Marina allein lassen und dann nachher von ihr hören, dass sie ausgestiegen sei. Aber ich kann auch nicht viel länger ihr Tempo halten, das ist für mich sehr zermürbend. Nachdem sie mir versprochen hat, auch die zweite Hälfte noch durchzuziehen, setze ich mich dann ab.

Der Rest ist schnell erzählt. Es läuft einfach. Ich kann viel laufen, auch leichte Bergaufpassagen und komme gut voran. Im Flachen mache ich ein für mich gutes Tempo von 6:05 bis 6:10 min/km. Wo bleibt denn eigentlich Werner, mit dem würde ich jetzt doch gern noch zusammen laufen. Als ich schon den Weg zum Schloss in Burg hochgestapft bin, sehe ich in gerade um die Ecke biegen. Ihn kann ich also nicht mehr einholen, aber ich habe doch einiges an Geschwindigkeit aufgenommen. Im Ziel bin ich einfach nur glücklich, dass mein Fuß nicht einmal gemuckt hat.

Wertung der 4. Etappe (50 km / 25 km)

Tagesplatz

Name

Zeit

1

Fabian Benz

5:04:19

1

Volker Greis

5:04:19

4

Sven Winkelmann

6:15:26

4

Raimund Slabon

6:15:26

19

Matthias Kröling

7:21:28

1

Dirk Minnebusch

3:11:40

Tolle Strecke, angenehmes Laufwetter mit ein paar Tropfen zwischendurch, aber ansonsten alles bestens. Aber die größte Freude des Tages ist für mich zu sehen, dass Marina ins Ziel kommt. Yes! Es ist wirklich erstaunlich, wie sehr Läuferinnen und Läufer bei so einer Veranstaltung mitfiebern und sich füreinander freuen. Ich beginne zu spüren, wie enorm dieser Gemeinschaftsaspekt, dieses Zusammenhalten gegen alle Widrigkeiten, beim Deutschlandlauf gewesen sein muss, wo man immerhin drei Wochen zusammen unterwegs ist.

An diesem Tag sind alle gut drauf: Es ist geschafft und auch einen weiteren Tag werden wir noch schaffen, klar doch!

Nach dem Abendessen gibt es ein besonderes Schmankerl: Günter Liegmann, seines Zeichens Bezwinger des letztjährigen DLL, ist angereist und nimmt uns mit auf seine Reise quer durch Deutschland. Anhand vieler Fotos, einigen Anekdoten und nicht zuletzt aufgrund seines trockenen Humors ist dieser Vortrag sehr unterhaltsam. Bei so manchen Leuten scheint er auf besondere Neugierde zu treffen…mal sehen, was da noch kommt.

Sobald das letzte Wort gesprochen ist, leert sich der Saal schneller als man „Etappenlauf“ buchstabieren kann und alle Beteiligten suchen ihr Heil und ihre Ruhe in den schmalen Betten ihrer Mehrbettzimmer.

Donnerstag, 12. April: 5. Etappe über 36 km

Ähnlich wie am ersten Tag sind die meisten bereits vor dem Wecker wach. Es scheint, als könnten es alle kaum erwarten, endlich die letzte Etappe in Angriff zu nehmen. Heute ist um 7 Uhr Start für die Kindergarten- und Erwachsenenrunde.

Dann ist Briefing. Oli beichtet uns, dass aufgrund von höherer Gewalt (also Baustellen usw) es nicht gelungen ist, eine 45km-Runde zu markieren. Es laufen also alle Läuferinnen und Läufer beider Varianten 36 km, was für die einen 9 km weniger und für die anderen 5 km mehr ist.

 

Textfeld: Abbildung 9: Kurz nach dem Start zur letzten Etappe - natürlich erstmal bergauf.C:\Users\Matthias\Desktop\Matthias\Matthias\Fotos\Fotos\Laufen\Bergische5 '18\Start letzte Etappe.JPGHm. Einerseits passt’s schon, andererseits auch ein bisschen schade (ich zähle ja heimlich mit…). Aber nun erstmal los. Vor allem für die Versehrten unter uns ist die Streckenverkürzung ein echtes Geschenk. Marina hatte noch beim Frühstück überlegt, ob sie überhaupt starten sollte und ließ sich dann von Volkers guten Argumenten überzeugen („Erstmal los. Ein bisschen laufen oder halt gehen. Wenn’s nicht klappt, kann man ja schon nach 10 km beim ersten VP aussteigen. Vielleicht klappt es ja doch, dann weiter zum zweiten VP. Und immer weiter in kleinen Schritten.“). Der Countdown zur letzten Etappe wird heruntergezählt, dann ab in den Wald. Was sagt mein Fuß? Schon wieder nix. Super! Werner und ich laufen wieder zusammen und wir kommen gut in Fahrt. Dann berichtet Werner mit, dass heute bei ihm die linke Fußbeuge schmerzt. Oh Mist! Na glücklicherweise ist es die letzte Etappe. Wir laufen die ersten 20 km zusammen und das gar nicht mal so langsam, teilweise Km unter 6 min/km. Dann will Werner es ruhiger angehen lassen, weil ich mich aber gut fühle, will ich vorwärts machen.

Vielleicht hängt das auch damit zusammen, dass Sven gestern mitgeteilt hat, dass Volker und ich vor der letzten Etappe geschlagene 3 min Vorsprung in der Teamwertung vor ihm und seinem Mitläufer Karsten hatten. Drei Minuten sind auf bisherigen 230 Kilometern gar nicht mal so viel. Einerseits bin ich ja froh, wenn ich das hier gesund über die Bühne bringen kann. Andererseits ist es ja aber auch ein Wettkampf.

Und dann packt es mich und ich beginne, ein Rennen zu laufen. Ich halte nur 1 Minute am nächsten VP und dann geht’s weiter. Läufer einsammeln. Die Idee, Läuferinnen und Läufer zu überholen, bereitet mir eine große Vorfreude. Ich laufe nun fast alle Steigungen und den Rest sowieso. Schon ist die Führungsgruppe der „Kindergartenrunde“ im Blick und dann auch schon überholt. Dirk wünscht mir alles Gute, fragt, ob ich noch Salz brauche, aber da bin ich schon wieder weg. Die downhills laufe ich mit einem Tempo von 5:05 bis 5:15 min/km und sammle einen nach dem anderen ein. Dann der letzte VP – es gibt Sekt und Erdbeeren – und ich habe tatsächlich Sven und Raimund eingeholt. Danke, Sven, für deinen verblüfften Gesichtsausdruck, schon allein das war die ganze Aktion wert. Meinen Beinen merke ich nichts an, meinem Fuß geht es gut und so laufe ich einfach schnell weiter. Nur noch zwei Hügel, noch einer…und schon biege ich auf die Zielgerade ein. Volker springt mir ebenfalls

Wertung der 5. Etappe (36 km / 36 km)

Tagesplatz

Name

Zeit

1

Fabian Benz

3:23:23

1

Volker Greis

3:23:23

5

Matthias Kröling

4:02:54

6

Sven Winkelmann

4:06:05

6

Raimund Slabon

4:06:05

1

Dirk Minnebusch

4:21:12

verblüfft entgegen, schreit mich jubelnd an, dass die Teamwertung nun im Sack sei und übergibt mir dir LG Ultralauf-Fahne.

Im Ziel überlege ich kurz, ob ich aufhören soll. Aber Oli sagt, ich könnte jetzt immer noch voll machen. Also los. Zurück zum letzten VP und dann ein zweites Mal ins Ziel, dann müsste ich die 45 km im Sack haben. Vor lauter Begeisterung vergesse ich zunächst mal, meine Uhr wieder zu starten, sodass ich doch noch ein paar Schleifen mehr werde drehen müssen. Der Lauf nun zurück ist einfach wunderbar. Es kommen immer wieder Leute entgegen, die sich freuen, es bald geschafft zu haben. Für einige ist es zugegebenermaßen auch verwirrend, dass ihnen Läufer mit Startnummern entgegenkommen. Ein Mitläufer und ich rufen schon immer aus der Ferne, dass sie richtig sind und bloß weiterlaufen sollen.

Dann komme ich ein zweites Mal am letzten VP an und laufe noch ein Stück weiter zurück. Es freut mich total, dort Marina den Trail runterkommen zu sehen. Wie cool, sie wird es schaffen! Da ich sowieso zurück muss und es überhaupt nicht mehr eilig habe, nur noch die Km vollkriegen muss, bleibe ich bei ihr und wir absolvieren ihre letzten Km gemeinsam.

Dann ist es geschafft.

Abschluss und Fazit

Was am Ende folgt, ist einfach nur schön. Zur Siegerehrung kommt die Sonne raus, es ist schön warm. Oli spendiert eine Runde Kaffee und Kuchen als Entschädigung für den Fauxpas mit der Unter- bzw. Überdistanz auf der letzten Etappe, auch wenn ihm da keiner böse war.

 

Textfeld: Abbildung 10: Fette Beute!C:\Users\Matthias\Desktop\Matthias\Matthias\Fotos\Fotos\Laufen\Bergische5 '18\Sieger.JPGAlle sitzen draußen und sind zufrieden. Geehrt werden alle Anwesenden: Ob Kindergartenrunde oder Erwachsenenrunde, ob Gesamtrunde-Bezwinger oder Fast-Gesamtrunde-Bezwinger. Die LG Ultralauf schneidet fantastisch ab: Erster (Fabi) und zweiter (Volker) Platz auf der „großen“ Runde, sowie erster Platz (Dirk) auf der „kleinen“ Runde. Zudem gibt es für Volker und mich noch den Sieg in der Teamwertung. Dass von vier gestarteten Teams es nur zwei in die Wertung schaffen und es hier auch nur deswegen so spannend blieb, weil der schnelle Volker mit dem langsamen Matthias ein Team bildeten, wollen wir hier mal nur am Rande erwähnen ;-)

Richtig spannend wurde es noch einmal bei der Verlosung eines Freistarts für den halben Deutschlandlauf im kommenden Jahr. Fabi und Volker hatten sich bereits im Vorfeld so geeinigt: Sollte einer von Beiden den Freistart gewinnen, würde der andere nachziehen und beide würden aus dem halben den ganzen DLL machen. Oli rief nun alle auf, die es sich überhaupt vorstellen können, nächstes Jahr mit dabei zu sein und ein gutes Dutzend tapferer Recken stand auf (von uns: Volker, Fabi und auch Rai -> aha, erwischt, das erzählen wir mal nicht weiter). Dann wurden Zettelchen gezogen und - - leider kein Losglück für die LG Ultralauf. Dem Teufel noch mal von der Schippe gesprungen.

Die wichtigste Ehrung erfolgte gegen Ende: Wir bedankten uns recht herzlich bei allen Helferinnen und Helfer aus dem Betreuungsteam und von der Jugendherberge. So ein Lauf ist nicht zu realisieren ohne die unermüdliche Hilfe von vielen fleißigen, zuverlässigen und doch immer entspannten und zuversichtlichen Menschen. DANKE!!! Danke Oli dir für die gesamte Veranstaltung, in die du viel Herzblut reingesteckt hast. Natürlich kann man immer noch irgendwas verbessern, aber das wichtigste war vorhanden: eine gute Gemeinschaft und viel Spaß. Ich war das erste Mal bei einem deiner Läufe und komme garantiert wieder. Super Sache!

Was bleibt nun also von dieser Klassenfahrt?

Bisher konnte ich Mehrtagesveranstaltungen nichts abgewinnen, weil ich den Reiz dahinter nicht verstand. Nun hat sich das für mich komplett gewandelt. Oli fasste seine Motivation für die Organisation solcher Veranstaltungen so zusammen: „Es macht mir unheimlich viel Spaß, Leute zusammenzubringen, sie eine Gemeinschaft erleben zu lassen und zu sehen, dass alle Spaß haben.“

Das kann ich nur so unterstreichen. Nicht nur durch die kleinen Zimmer in der Jugendherberge rücken alle zusammen. Man hilft sich gegenseitig bei Schwierigkeiten, läuft gemeinsam durch Höhen und Tiefen und erfreut sich ungemein am Kampfgeist der Anderen. Jeder passte auf den anderen auf, litt mit und jubelte im Ziel.

So eine Gemeinschaft kann es nur bei Mehrtagesveranstaltungen geben, auf denen man sich richtig kennenlernen kann. Ich bin froh und dankbar, Teil dieser Gemeinschaft gewesen zu sein. Liebes Zimmer 109, lieber Sven, Dirk, Fabi, Volker, Rai – mit euch jederzeit gerne wieder!

Es ist dann zwar auch schön, wieder zu Hause zu sein, aber ich verspüre ein kleines Loch – irgendetwas fehlt. Mir fehlen die Leute, die Gemeinschaft. Mir fehlen die vielen einsamen Pfade durch nebeligen Wald und die saftigen Wiesen mit den Schafen und Eseln. Mir fehlen das Laufen, das Durchhalten und das Ankommen. Mir fehlt sogar ein bisschen das frühe Aufstehen und die einfach Übersicht des vorstrukturierten Tagesablaufs: run, eat, sleep, repeat.

So bleibt eigentlich nur die Frage: Was kommt als Nächstes?

 

Text und Bilder von Matthias Kröling

  

C:\Users\Matthias\Desktop\Matthias\Matthias\Fotos\Fotos\Laufen\Bergische5 '18\Fabi.jpgTextfeld: Abbildung 11: Der Sieger der "Kindergartenrunde" über 172km und 4000 HM in einer Gesamtzeit von 21:15:51 ist Dirk Minnebusch.C:\Users\Matthias\Desktop\Matthias\Matthias\Fotos\Fotos\Laufen\Bergische5 '18\Bergische 5 Dirk 2018.jpg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Textfeld: Abbildung 12: Der Sieger der "Erwachsenenrunde" über schließlich 266 km und 6200 HM in einer Gesamtzeit von  26:58:33 ist Fabian Benz.

 

Textfeld: Abbildung 13: Volker und ich gewannen die Dream-teamwertung. Was man nicht sieht: 275 km vorher hatte ich tatsächlich noch mehr Bauch.C:\Users\Matthias\Desktop\Matthias\Matthias\Fotos\Fotos\Laufen\Bergische5 '18\Siegerehrung_2_bearbeitet.jpgC:\Users\Matthias\Desktop\Matthias\Matthias\Fotos\Fotos\Laufen\Bergische5 '18\Raimund.jpg

 

 

 

 

 

 

 

Textfeld: Abbildung 14: Rai lief die ganze Veranstaltung gemeinsam mit Sven. Ihre Routine und Schnelligkeit brachte die beiden auf einen hervorragenden 6. Gesamtplatz.Textfeld: Abbildung 15: Tolle Gemeinschaft, gute Laune, klasse Ergebnisse: LG Ultralauf bei den Bergischen 5!