Laufgemeinschaft der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung e.V.

Als ich im vergangenen Jahr auf den 100. Marathon zusteuerte, wann und wo der stattfinden sollte, stand schon fest – da fehlte mir plötzlich noch einer. Ich dachte: kein Problem, da ist ja noch das lange Osterwochende frei, um den zu laufen. Doch, weit gefehlt – in ganz Deutschland findent da kein Marathon statt – wirklich KEINER?

Doch, ich fand Einen – den kleinen Berliner Vollmondmarathon; die Osteredition, veranstaltet von Frank-Ulrich Etzrodt. Der findet übrigens tagsüber statt – anderes als sein größerer Bruder im Sommer, der tatsächlich in einer Vollmondnacht gelaufen wird.

Ostern1Da mir dieser Lauf im vergangenen Jahr wirklich sehr gut gefallen hat, wollte ich gerne auch 2017 daran teilnehmen. Ich hatte Glück, denn obwohl bereits  60 Starter angemeldet waren - da ist normalerweise die Grenze, ließ mich der Etze, wie er von allen Freunden genannt wird, noch mitlaufen. Auch für meinen Lauffreund aus München, Manfred Kranz fand sich noch eine Start-Nr.

Allerdings hatte ich auch einen kleinen Vorteil - der Etze hat lange Jahre samt seiner Frau Elfriede in Franken gewohnt - von daher kennt er die "außerordentlichen Vorzüge" von fränkischen Bratwürsten und Bier - vorzugsweise von kleinen, aber feinen Brauereien. Darauf freut er sich schon - auch im letzten Jahr fand er daran großen Gefallen .... und so erfüllte ich Ihm gerne diesen Wunsch.

Auch den Namen "Vollmond-Marathon" hat er aus dem Fränkischen mitgebracht - er ist gesetzlich geschützt und wurde vor vielen Jahren für die Veranstaltung im Nürnberger Umland genutzt, bei dem die Wolfshöher Brauerei, sie braut ein Vollmondbier, der Hauptsponsor war. Den Lauf gibt's schon lange nicht meht und so hat sich der Etze den Namen vom damaligen Veranstalter gesichert.

So viel zur Vorgeschichte:

Ich fahre am am Karfreitagmorgen um 6:30 in Nürnberg mit dem Fernreisebus los - eine halbe Stunde zuvor hatte ich meine Nachtschicht beendet - geschlafen wurde nun eben im Bus, da blieben gute 5 Stunden Zeit. Etwa zur etwa selben Zeit fuhr in München auch der Manfred los - und so sind wir am Nachmittag beide in unserem Berliner Hotel.

Da auch in Berlin am Karfreitag die City relativ leer war, gab es nicht viel zu sehen, so gingen wir nur etwas spazieren und abschließend zum Abendessen - im Hotelzimmer trafen wir die letzten Vorbereitungen für den Marathon.

Am Samstag gingen wir ausgeruht zum Frühstück, um dann anschließend mit U-Bahn bzw Bus zur Bernauer Straße zu fahren, dort war die Kleingartenanlage HoKa III am Hohenzollernkanal, wo im Vereinsheim der Treffpunkt war. Hier befand sich dier Startnummernausgabe, wir konnten uns umziehen und ein kleines Briefing fand dort ebenfalls statt, bei dem die Markierungen und VP's vorgestellt wurden. Ich wurde freudig vom Veranstalter begrüßt und übergab ihm meine fränkischen Mitbringsel.

Wir liefen auch diesmal wieder für einen guten Zweck, der Erlös des Laufs kam dem Stationären Hospiz Oberhavel in Oranienburg zugute.

Ostern3

Der Start um 10Uhr rückt näher - leider auch bedrohlich dunkle Wolken, als wir die 1.000m zur Startlinie an der Mäckeritzbrücke geführt werden - genau jetzt beginnt es zu regnen. Selbst der Startschuß fällt dem dann heftigen Nass zum Opfer - nur ein leises "Klick" ist zu hören - doch bei dem kleinen Läuferfeld spielte das keine große Rolle.

Die Wege waren gut befestigt oder asphaltiert und so machte der Regen auf dem Untergrund keine Probleme, zumal er dann auch etwas nachließ und zwischenzeitlich sogar aufhörte. Die Markierungen waren gut zu sehen. Für mich war die Strecke ja nicht komplett unbekannt, denn ich kannte sie nicht nur vom vergangen Oster-Marathon. Einen Teil der Strecke läuft man auch beim Mauerweglauf, an dem ich bereits zweimal teilgenommen hatte. Er ist für mich einer der besten Läufe in Deutschland (Organisation und Streckenführung sind einmalig) - auch heuer am 2. August-Wochenende werde ich wieder bei den legendären 100Meilen dabei sein.

Bei Sonnenschein würden nun Wassersportler den Tegeler See bevölkern, Spaziergänger unsere Wege kreuzen und die Ufercafes wären voll - so sind nur einige Verwegene unterwegs, in einem Cafe konnte ich eine größere Menge beim Frühstücks-Brunch beobachten. Doch ich hatte anderes im Sinn - mit einer Pace von 5 - 5:15min pro KM war ich unterwegs - dem Wetter entsprechend perfekt angezogen. Eine Regenjacke brauchte ich bei "zurückhaltenden Regen" nicht und die Temperatur - so um die 8Grad hatte ich vorher richtig eingeschätzt. So liefen nur wenige Schnelle vor mir - an den VP's wurde mir berichtet, ich sei momentan der 7. oder 8. Läufer.

Ein Grundprinzip hatte uns der Etze mit auf den Weg gegeben: wenn das Wasser (der Tegeler See) links von Euch liegt, seid Ihr richtig. So war es auch die meiste Zeit. Immer wieder überliefen wir die tollsten Brückengebilde, bei besseren Wetter wäre ein toller Ausblick garantiert. Gelegentlich gab es doch ein paar Spaziergänger, die nachfragen, was wir denn hier am Ostersamstag tun. Die Antwort "Marathonlaufen" wird mit viel Erstaunen zu Kenntnis genommen, doch die Start-Nr. unterstrich meine Aussage und wirkte sehr glaubhaft.

Über die Halbinsel Konradshöhe und das ehemalige Fischerdorf Heiligensee ging es zur ehemaligen innerdeutschen Grenze - bei Hennigsdorf wurde die Havel überquert und wir erreichten den alten Hafen. Entlang der Havel erreichten wir die sogenannten Wasserstadtbrücken. Nun waren wir schon wieder am Hohenzollernkanal; es ging noch über den Saatwinkler Steg  und schon waren wir wieder in der Gartenkolonie.

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Meine Pace hatte nur geringfügig gelitten und so hatte ich noch ein paar Läufer eingeholt - am KM41 gab es noch eine angekündigte Überraschung - den ersten 25 Läufern wurde ein kleines Fähnchen mit dem Berliner Bären überreicht. Mit dieser machte ich mich auf dem letzten KM .... nun genau genommen ist es ein klein wenig mehr - Etze hat uns die kleine Überlänge erkärt - wir laufen genau 42,29km.

Ich wurde am Vereinsheim von der Zeitnahme (das macht natürlich Etze selbst) begrüßt - erreichte sogar noch Platz 6 in einer Zeit von 03:40:35.

Ich verpflegte mich und genieße ein Vollmond-Bier, unterhielt mich mit Etze und Elfriede, als der Regen nochmals richtig zuschlug - die armen Läufer, die noch unterwegs sind, erwischte es voll. Darunter wart auch Manfred; es dauerte noch eine Weile bis er ankam. Eine Unaufmerksamkeit hatte ihn nochmals auf den Anfang der Strecke laufen lassen und bis er es bemerkte, dauerte es wohl eine Weile. So kam er etwas durchnässt erst mit 5:50 ins Ziel. Doch seiner guten Laune tut das keinen Abbruch - immerhin ist er nicht Letzter geworden, wie er feststellt. Auch er genoss die freundschaftliche und sympathische Atmosphäre.

Wir zogen uns um, plauderten noch ein wenig, dann wurden wir von einem Läufer sogar noch bis zur U-Bahn gefahren. Mangels Duschgelegenheit im Vereinsheim taten wir das anschließend im gemütlichen Hotelzimmer und ließen den Abend in einem typisch Berliner Lokal ausklingen - das Essen ist hervorragend und reichlich. Manfred und ich tauschten unsere Laufpläne bis zum gemeinsamen Deutschlandlauf aus und spazierten durchs nächtliche Berlin ins Hotel zurück. Dabei entdeckten wir einen Fitnessraum, den wir sogleich am nächsten Tag vor dem Frühstück zum Auslaufen (Laufband), Crosstrainer und sonstiger Gymnastik nutzen.

Nach einem kleinen Flohmarktbesuch ging es wieder auf die Heimfahrt mit dem Fernbus - ein gelungener Oster-Berlin-Ausflug. Ich werde wohl auch im nächsten Jahr beim Etze an Ostern vorbeilaufen.

Ergebnisse:

6.Platz Roland Krauss; LG Ultralauf; 1962; 1.M55; 03:40:35

43.Platz Manfred Kranz; long way; 1968; 6.M45; 05:50:35

Zu den Fotos:

- Die Veranstalter: Etze und Elfriede eingerahmt von Manfred und Roland

- Am Start: statt lauten Startschuss gab es heftigen Regen

- Kurz vorm Ziel am Hohenzollernkanal mit Berliner Fähnchen

Text: Roland Krauss, Fotos: Roland Krauss und Ulrich Etzrodt, 21.4.2017