Laufgemeinschaft der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung e.V.

Albania 2017 – The Hidden Treasure,  Etappenlauf 210 Km, 8000Hm+, 6 Etappen

Vom 10.09 bis 15.09.2017 habe ich am ersten, jemals in Albanien durchgeführten Ultra-Etappenlauf teilgenommen. Ein echtes Erlebnis in einem Land mit freundlichen, netten Menschen und unerschlossenen Landschaften!

Von diesen facettenreichen Landschaften haben wir in 6 Etappen 210 km mit 8000 positiven Höhenmetern laufend „genießen“ dürfen. Albanien ist das Land, welches erst vor wenigen Jahren für Besucher und Touristen geöffnet wurde. Bis auf die Küstenregionen, die Hauptstadt Tirana sowie einigen wenigen Orten ist dort erst sehr wenig erschlossen. Da unser Lauf weit im Landesinneren startete, haben wir viel von den nicht erschlossenen Regionen sehen können.

Ich bin bereits am Donnerstag, den 7.9 angereist, um mich ein wenig zu akklimatisieren, aber auch um mir die Hauptstadt Tirana anzuschauen. Es sind bereits einige andere Teilnehmer eingetroffen. Der Rest trudelte dann im Laufe des Freitags ein. Da dies mein fünfter Lauf mit dem Veranstalter Global-Limits war, kannte ich bereits einen Großteil der Läufer. Es war ein fröhliches Wiedersehen und man hatte sich viel zu erzählen.

Nach dem Race-Check-In mit Ausrüstungskontrolle etc. fand am Abend das Begrüßungsdinner im Hotel statt. Nach dem Frühstück am nächsten Morgen ging es dann in einer ca. 3 stündigen Busfahrt ins Landesinnere, zum ersten Camp in der Burgruine von Berat (Weltkulturerbe).

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Die Zelte waren mitten in dem Innenhof aufgebaut. Leider regnete es ein wenig. Nachdem wir uns eingerichtet hatten, haben wir uns natürlich noch die Burganlage angeschaut. Die Nacht war unruhig (trotz Ohrstöpseln), da natürlich die Schnarcher zuerst einschlafen!

Sonntag, Etappe 1, 38km, 1300hm

Zum Start ging es hinunter auf die Promenade der Stadt. Hier wurden wir dann von offizieller Seite Albaniens begrüßt. Danach sang eine Kinder-Gesangsgruppe die Nationalhymne. Noch ein paar Fotos, dann wurde durch die Bürgermeisterin von Berat das Rennen gestartet. Ein toller, anstrengender, erfahrungs- und erlebnisreicher Lauf begann.

Die ersten 18 km ging es neben einem Flussbett nur leicht, aber ständig bergauf. (Ihr kennt das…, man kann die Steigung nicht sehen, aber man spürt sie, weil die Beine immer schwerer werden!) Dann ging es aber auch steiler bergauf. Insgesamt waren es etwas über 1300hm. Mit der Temperatur von 33-34 Grad hatten einige schon ganz schön zu kämpfen. Für mich als „Schön-Wetter-Läufer“ gerade richtig, aber die Höhenmeter machten mir „Flachländer“ ganz schön zu schaffen. Das heutige Ziel war eine Dorfschule in der auch übernachtet wurde. In dem 150m entferntem Dorf (7 Häuser, zwei davon „Gaststätten“) gab es Cola und auch Bier! Welch ein Genuss! Wir schliefen zu zehnt in einem Klassenraum, ein Glück ohne „Schnarcher“.

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Montag, Etappe 2: 36,6km , ca. 1200hm+ / 1600hm-

Heute sollte es noch in wenig wärmer werden. Der Start erfolgte um 7 Uhr, als es noch angenehm kühl war. Es galt einen schon einen weithin sichtbaren Bergsattel zu überqueren. Zunächst ging es auf Schotterwegen ca. 7 km leicht auf und ab. Dann ging es weiter auf Singletrails bergauf Richtung Bergpass. Es wurde kontinuierlich wärmer und es wehte uns ein zunehmend stärker werdender Wind entgegen.

Die Landschaft war einfach toll! Weiter ging es auf technisch recht anspruchsvollen Singletrails bergab bis zum nächsten Checkpunkt in einem kleinen Dorf. Dann ging es über Schotterstraßen weiter bergab, insgesamt fast 1500hm auf 12km.

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Im Tal angekommen liefen wir ein Stück an einer Straße entlang. Mittlerweile war es über 36 Grad! Nach Überquerung einer Brücke ging es „gefühlt“ ewig (2km) über eine Straße steil hinauf. Die Hitze war mörderisch. Zu Glück war gleich am Ziel auch ein kleines Geschäft. Den ersten Liter Cola inhalierte ich, später das Bier genoss ich.

Übernachtet wurde heute bei Familien im Dorf. Wir schliefen zu zehnt, verteilt auf Wohn- und Schlafzimmer, bei einem sehr netten älteren Ehepaar. Dort durften wir auch die Dusche benutzen. Frisch gewaschen ist man gleich ein neuer Mensch. Die Hitze des Tages wurde dann am Abend durch ein gewaltiges Sommergewitter beendet. Waagerecht „fallenden“ Regen sieht man doch eher selten. Große Teile der Nacht regnete es. Zum Glück lagen wir im Trockenen.

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Dienstag, Etappe 3: 54,8km, ca. 2100hm+ / 2200hm-

Heute stand die längste Etappe auf dem Programm. Auf den ersten 18 Kilometern waren knapp 1000 Höhenmeter zu überwinden. Durch den Regen der letzten Nacht war es extrem schwül und der Boden war entsprechend aufgeweicht und rutschig. Aber die Strecke war genial (fast komplett Single-Trails)!

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Es ging durch sehr einsame Landschaft in der es keinerlei Straßen gab.

t3 4Vereinzelt wohnten hier Menschen (Hirtenfamilien) die sich nur zu Fuß oder per Lastpferd und Esel versorgen können. Das meckern der Ziegen und Schafe war immer weithin zu hören. Die teilweise sehr steilen Anstiege machten mir als „Flachländer“ mal wieder mächtig zu schaffen. Oben angekommen ging es dann 17km über eine einsame Schotterpiste kontinuierlich bergauf und bergab weiter bis zum Checkpoint 4. Dieser war in einem kleinen Dorf, in der es eine Kneipe gab. Hier versorgte ich mich erst mal mit Cola. (Zwei Dosen sofort und zwei weitere in den Rucksack für später). Einfach köstlich, zumal die Sonne, seitdem ich die Schotterpiste erreicht hatte, gnadenlos vom Himmel schien. Weiter ging es nun bergab. Die Berge rückten immer mehr zusammen und der Weg führte für einige Kilometer durch ein schmales Tal an einem reißenden Fluss vorbei! Eine tolle Landschaft und ein wunderbares Gefühl hier laufen zu können und zu dürfen. Noch einmal ging es bergauf, aber oben angekommen, konnte man schon das heutige Ziel sehen. Die letzten 7 Kilometer führten dann hinunter bis an einen See, an dem unser heutiges Camp lag.

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Mittwoch, Etappe 4: 38,7km, ca. 1900hm+ / 2100hm-

t4 1Die heutige Etappe begann mit acht flachen Kilometern bis zu einer kleinen Stadt. Was dann kam, war für mich, auch rückblickend, der anstrengendste und nervenraubenste Teil der gesamten Woche.

1100 Höhenmeter über 9 Kilometer nur bergauf über einen Trail mit oft sehr lockerem Gestein, das ständig unter mir wegrutschte. Ich hätte wohl heulen können, als ich endlich oben war. Aber die Aussicht, die sich hier oben bot, macht schnell alles Leid vergessen!

Das Mittelmeer und am Horizont die Insel Korfu boten einen wunderbaren Anblick. Die nächsten 12 km ging es nun ebenso steil wieder herunter, aber zum Glück über eine Schotterstraße.

Der nächste Checkpoint lag in dem Bergdorf „Lazarat“, welches vor einigen Jahren wegen seines Drogenanbaus traurige Berühmtheit erlangte.

Danach folgte noch einmal ein Anstieg, allerdings zum Glück über schöne abwechslungsreiche Single-Trails, die gut zu laufen waren.

Von oben konnte man das Camp bereits in ca. 5 km Entfernung liegen sehen.

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Die Zelte waren heute innerhalb eines alten mesopotamischen Klosters aufgebaut, eine tolle Kulisse! Kurz vorher führte der Weg noch durch ein Dorf mit einigen Restaurants. In einem habe ich mich erst mal mit Cola und Bier fürs Camp versorgt. Ca. 500m vom Kloster entfernt floss ein breiter Bach in dem wir uns ausgiebig abkühlen und waschen konnten. Danach ein Bier und es geht einem wieder richtig gut!

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Donnerstag, Etappe 5: 43,2Km ca. 1500hm+ / 1500hm-

Und schon stand die letzte lange Etappe an. Von den heute zu bewältigenden 1500 positiven Höhenmeter konzentrierten sich leider knapp 800 auf einer Länge von 4 km. Doch zunächst ging es 4km über eine Straße erst langsam, dann steiler hinauf zu einem Dorf. Dann weiter über Singletrails leicht bergab bis zum ersten Checkpoint bei Kilometer 11. Die Strecke zog sich dann weiter durch relativ flaches Grasland unterbrochen immer wieder von bewaldeten Hügeln mit tollen Trails. Nach 20 km kamen einige Siedlungen und eine Schotterstraße begann. Nach einem scharfen Rechtsknick ging es in direkter Richtung auf eine Bergkette zu. Am Fuße der Berge war der dritte Checkpoint. Nun ging es im Zick-Zack immer steiler bergauf. Permanent meinte man, dass es nicht mehr weit sein könne bis nach oben. Aber dann kam die nächste Kehre.

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Ohne die perfekte Streckenmarkierung wären wir da, glaube ich, nie hochgekommen. Ich ließ es langsam angehen und erreichte dann endlich die Bergspitze. Es war mittlerweile auch wieder ganz schön warm geworden und manch anderem machte das auch ganz schön zu schaffen. Ich fühlte mich in der Hitze durchaus wohl und genoss die nun folgenden letzten Kilometer: 7 km downhill und die letzten 3km flach bis ins Ziel.

Fast während des gesamten downhills hatte man freien Blick auf das glitzernde Wasser der Adria und die Insel Korfu. Einfach wunderschön! Das heutige Ziel lag in einem Dorf, wo die Zelte auf dem Sportplatz aufgebaut waren. Zwei geschäftstüchtige Jungs verkauften Cola und andere Limonade sowie Bier. Ein Angebot, das alle gerne annahmen. Am Abend waren wir zu einem Folklorefest und zum Essen eingeladen. Die Veranstaltung fand extra wegen uns statt. Das gesamte Dorf war auf den Beinen! Es wurde gesungen, getanzt und ein super leckeres Essen aufgetischt. Wir fühlten uns sehr geehrt und sind auch heute wieder von der albanischen Bevölkerung begeistert, die uns ganze Woche schon so freundlich begegnete.

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Freitag, Etappe 6: 15 km ca. 100hm+ / 100hm-

und Finish Die letzte Etappe wird sehr früh gestartet und ist wie immer bei Global Limits sehr kurz, damit man vor den Besucherströmen im jeweiligen Ziel ist (immer ein Weltkulturerbe). Das Ziel unseres Laufes in Albanien ist das antike Amphitheater des Weltkulturerbes von Butrint. Gestartet wurde in drei Gruppen. Ich startete in der mittleren. Es ging recht schnell auf der flachen Strecke voran. Alle rannten sehr schnell, obwohl die Ergebnisse und Platzierungen schon ziemlich feststanden. Es ging zunächst 9 km durch Felder, bis wir ans Mittelmeer kamen.

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Nach 2 km an der Küste ging es weiter für 1,5 km an einem Kanal entlang bis zu einer Fähre. Für die Wartezeit und die Überfahrt wurde die Zeit gestoppt. Dann ging es direkt hinein in den Park des Weltkulturerbes von Butrint. Die Strecke verlief einmal am Rand des Parks entlang und dann über Treppen und historischen Wegen hinein in das antike Amphitheater! Hier war der finale Zieleinlauf und alle wurden mit großem Jubel und Applaus begrüßt.

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Nachdem alle im Ziel waren, hatten wir noch Gelegenheit, uns diese antike Stätte näher anzusehen. Gegen 11 Uhr ging es ins Hotel, wo wir nach dem Check-In die Dusche genossen. Die Siegerehrung fand abends im Rahmen eines Dinners statt. Für jeden Finisher gab es eine Steintafel als Präsent.

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Fazit

Zusammenfassend war es wieder eine gelungene Veranstaltung von Global-Limits. Insbesondere, da der Lauf das erste Mal stattfand und noch dazu der erste Ultramarathon in Albanien überhaupt war, passte alles erstaunlich gut. Er war wieder eine super Organisation. Vielen Dank an Stefan Betzelt und sein Team! Allen Gerüchten zum Trotze, die es in Deutschland über Albanien so gibt, ich habe mich zu keinem Zeitpunkt unsicher, unwohl oder gar bedroht gefühlt. Dieses gilt sowohl für die Hauptstadt Tirana, als auch für die Gegend in der wir unterwegs waren! Wie oben schon beschrieben waren uns gegenüber die Albaner immer freundlich, nett und hilfsbereit. Den Lauf kann ich uneingeschränkt weiterempfehlen, weise aber auf die nicht zu verachtenden Höhenmeter und die taffen Trails hin. Die Strecken sind wie immer bei Global-Limits perfekt markiert, sodass ein Verlaufen eigentlich unmöglich ist.

Text: Dietmar Rosenau, Bilder: Dietmar Rosenau und Veranstalter, 2.11.2017

Ein Video gibt es ebenfalls von diesem Event: Link