Laufgemeinschaft der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung e.V.

Silver IAU Label 2020Laut DUV-Kalender ist der 24h-Lauf beim BUF zurzeit die einzige Veranstaltung in Deutschland mit dem IAU-Silber-Label! Die IAU ist der Ultralauf-Weltverband und zertifiziert nach bestimmten Regeln Veranstaltungen. Mindestens ein Bronzelabel ist erforderlich, damit die Ergebnisse bestenlistenfähig sind als Voraussetzung zur Anerkennung von internationalen Rekorden.

In Bottrop wurden beim BUF schon einige Male nationale und internationale Bestleistungen erzielt und alle wurden anerkannt. Und auch dieses Jahr hoffen wir wieder auf leistungsstarke Altersklassenläufer. Die absolute Spitze wird vermutlich eher bei der 24h-EM oder der 100km-WM starten, die im gleichen Monat stattfinden.

DLV GL GL WW RGB 2020Die Strecke im Batenbrockpark in Bottrop eignet sich gut für hohe Leistungen, da sie flach und schön zu laufen ist, wie die Rückmeldungen der Teilnehmer und die Ergebnisse der Vorjahre eindrucksvoll belegen. Weiterhin sorgt die gute Stimmung für eine motivierende Wettkampfatmosphäre.

Das Besondere an dem 24h-Lauf sind außerdem die bestenlistenfähigen 100km und 100 Meilen-Zwischenzeiten.

Bestenlistenfähige 100-Meilenläufe gibt es kaum in Deutschland und so überrascht die Jahresbestenliste 2019 nicht.

100mi 2019

Eine Neuerung in diesem Jahr ist die Einführung der Team-Wertung beim 24h-Lauf, bei der Männer und Frauen gemeinsam in einem Dreierteam gewertet werden.

Was auch immer eure Motivation zur Teilnahme ist, wir freuen uns auf euer Kommen.

Mehr Informationen zum BUF: Link

Logo: IAU, Bild von der DUV-Statistik, Text: Michael Irrgang, 18.01.2020

 

TU72 ist keine Flugnummer, sondern die Abkürzung von "Taunusultra 72km" und benennt einen Lauf, den Bert Kirchner mit Freunden seit ein paar Jahren im Januar organisiert. Es geht immerhin ein paar Berge rauf wie runter, so dass sich über 2.100 Höhenmeter addieren. „Stellt euch auf Winter ein“, warnt die Ausschreibung. Wünschte ich mir zum Zeitpunkt der Anmeldung den Schnee, so hoffte ich, je näher der Tag kam, aufgrund meiner Form auf sonniges Frühlingswetter.

Ich reiste bereits am Freitag an, erlebte bei netten Gesprächen einen wunderbaren Abend und nächtigte wie die meisten in der Jugendherberge Oberreifenberg.

Morgens gab es ein kurzes Briefing und ab ging die Gruppe von ca 25 Läuferinnen und Läufern, die sich für die lange Strecke entschieden hatten. Man könnte auch kürzer laufen, aber warum sollte man?

Die erste Überraschung gab es nach 200 Metern, bzw. nach 5 Metern im Anstieg zum ersten Hügel als mein Stock plötzlich kaputt ging. Nun, in all den Jahren sind mir die Dinger echt ins Herz und an die Hand gewachsen und ich fragte mich ernsthaft, wie ich denn nun die Berge hochkommen sollte. Viele Optionen gab es nicht, also zusammenlegen, am Rucksack befestigen und mit einem Stock weiter. Das Praktische daran war, dass ich für mein GPS-Gerät nun eine Hand freihatte. Insgesamt ging das Laufen und Navigieren erstaunlich gut.

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Der Start erfolgte um 8 Uhr bei etwa 1 Grad. Es dauerte nicht lange, dann lugte Sonne hinter dem Horizont her und bot im Nebel teilweise fantastische Fotomotive.

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Warum die Bärenhöhle, unser zweites Naturhighlight so heißt, erklärt sich von selbst, wenn man da einmal reinschaut.

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Wir waren auf dem Limeserlebnisweg unterwegs, wo es einiges zu bestaunen gab. An diesen Fragespielchen habe ich viel Zeit verloren, weil ich ja an keinem Schild vorbeigehen kann, ohne mal kurz zu schauen, wie die Antwort so lautet.

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Die Sonne schien, windstill war es – besser kann man es Mitte Januar kaum treffen.

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Der Blick in die weite Landschaft lässt einen aber auch erstaunen. Gewiss galt die Region früher als schneesicher, aber so grün, wie die Wiesen aussehen, haben sie in dieser Saison wahrscheinlich noch keine Flocken gesehen. Im Hintergrund erkennt man am Turm auf dem Gipfel den Feldberg, in dessen unmittelbarer Nähe die Jugendherberge als Ziel auf uns wartet.

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Plötzlich laufe ich auf Vereinskollege Erich Strack auf, mit dem ich anschließend einige, kurzweilige Kilometer verbrachte.

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Der Römerturm auf irgendeinem der zahlreichen zu überquerenden Gipfel bot die Kulisse für den letzten Versorgungspunkt. Auch hier reichten motivierte Helfer Speisen und Getränke. Obwohl es wieder sehr nett war, zog es mich doch nach kurzer Zeit weiter. Die Sonne war verschwunden, die Bewölkung hatte zugenommen, es war merklich kälter – oder schien es nur, weil ich langsamer wurde? – und dem Tageslicht hatte die letzte Stunde geschlagen.

Noch 17 Kilometer mit ein paar knackigen Anstiegen waren zu bewältigen, die gegen Ende der Runde allerdings zu einer echten Herausforderung wurden.

Aber irgendwann waren auch die geschafft und es gab Glückwünsche und Applaus. Hatte ich die letzten Wochen doch immer wieder Probleme mit meinem Fuß, bzw. Knöchel, so kam ich heute ohne Probleme durch. 70km gehen im Januar ganz gut und haben die ganze Zeit über Spaß gemacht.

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Am Vorabend und Frühstück konnte ich Vereinsmitglied Colin Keuker-Sample näher kennenlernen und im Ziel habe ich mich noch kurz mit unserem Mitglied Michael Frenz unterhalten, der längst geduscht und in Aufbruchsstimmung war, um die gestrige Pizzeria ein zweites Mal zu beehren.

Ein rundum gelungener Tag bei einer sehr empfehlenswerten, kleinen Veranstaltung.

Text und Bilder: Michael Irrgang, 14.1.2020

 

SUN 110 : (Winter-) Sonnwendultralauf um den Neusiedlersee am 21.12.2019

SUN1Die erste Austragung dieses Winterultras sollte die erste Bewährungsprobe für mein etwa zwei Monate zuvor operiertes rechtes Knie werden.

Hatte ich im ersten Halbjahr 2019 alle langen Läufe inklusive dem 48 Std.-Lauf in Gols mit 204 Kilometern gelenktechnisch sehr gut überstanden, gab mir der Downhill im Rahmen des lokalen Landkreislauf (Sprint-)Staffel- Wettbewerbes (5,9 km) im Nachbarort den Rest:

Mit sehr starken Schmerzen und einer massiven Knieschwellung konnte ich kaum noch zurück in meinen Heimatort joggen.

In den nächsten Wochen konnte ich nur sehr langsam und unter Schmerzen ein paar Kilometer laufen. Die langen, bis zu 15 Stunden umfassenden, Arbeitstage in der Praxis gestalteten sich ebenso als Herausforderung.

Ein MRT, das im August erfolgte, brachte dann den strukturellen Schaden bildgebend zum Vorschein:

Knochenmarködem im Unterschenkelkopf, aktivierte Arthrose und nicht mehr konfigurierbarer Meniskus. Auf deutsch: der Meniskus hing am Unterschenkelkopf nach unten, im hinteren Bereich war ein Lappeneinriss. Da wäre eigentlich absolute Bewegungspause und Entlastung angesagt gewesen.

Was aber jetzt tun?

Nach Konsultation mit zwei Ärzten, entschied ich mich zur OP. Die entstandenen Schäden würden beim Weiterlaufen weitere, größere Schädigungen, bis zum vollständigen Knorpelabrieb nach sich ziehen.

Am 16.10.2019 erfolgte dann die Arthroskopie: Freie Knorpelstückchen und soweit notwendig der Meniskus wurden entferntentfernt. Der laut MRT „kleine Lappeneinriss im Hinterhorn“ war laut Operateur ein doch zwei Zentimeter großer Lappenriss gewesen.

Die zwei geplanten 48 Std.-Läufe im zweiten Halbjahr sagte ich natürlich ab.

Circa zwei Wochen dauert es, bis der Körper die Kochsalzlösung im operierten Knie abgebaut und die original Gelenkflüssigkeit, die den Knorpel ernährt, wieder aufgebaut ist.

Bis dahin waren „nur“ tägliche Lymphdrainage (eine Woche lang), Stoßwellentherapie und sanfte Übungen angesagt. Nach sechzehn Tagen, am 01.11.2019, nahm ich das moderate Training wieder auf. Bis zur ersten Dezemberwoche konnte der lange Lauf der Woche bereits wieder auf 40 km erweitert werden. Dann wieder drei Wochen regeneratives Training mit viel Muskel- und Gelenkpflege in Form von Massageanwendungen.

Der Organisator des SUN 110 Christian Stolowitz, versicherte mir, dass das Zeitlimit von 20 Stunden in meiner Situation nicht gilt und ich so laufen sollte, wie das Knie es zulässt und ich jederzeit aufhören kann, wenn die Gesundheit/Kondition es nicht mehr zulässt. Er würde mich auf Handyanruf jederzeit „bergen“. Also alles im Einklang mit den persönlichen Rahmenbedingungen.

Vierzehn von achtzehn angemeldeten Läufern starteten am Sonnwendsamstag um fünf Uhr in der Früh in Eisenstadt.

Das Wetter war wärmer als erwartet, ein „Jungspund“ lief sogar in kurzer Hose.

Das Feld war bald aus meinem Blickfeld entschwunden. Ich lief oder besser gesagt trottete einsam durch die Nacht.

Zum Morgen hin erreichte ich nach St. Margerethen den Neusiedlersee. Hier eröffnete sich ein weites Morgendämmerungspanorama der ganzen pannonischen Ebene über den See hinaus in Richtung Ungarn. Wunderbar anzuschauen.

Am Grenzübergang nach Ungarn bei Mörbisch, die erste Labestelle. Nicht nur die Thermoskanne wurde aufgefüllt, sondern ich konnte auch einen kurzen Plausch mit den netten, gut gelaunten Supportern führen. Gefühlt waren die restlichen Läufer Stunden voraus. Tatsächlich betrug der Abstand zum letzten Läufer doch nur zehn Minuten. Ich trieb also das Feld nur mit relativ geringem Rückstand vor mir her

Die nächsten Stunden in Ungarn waren geprägt von Hundegebell in den Dörfern und einem Auf und Ab durch Weinberge. Insgesamt noch sehr abwechslungsreich. Allerdings wusste ich ja von der Burgenland Extrem Tour 2018, dass die langen Geraden erst vor der Grenze und dann wieder im Verlauf über Apetlon, Illmitz und Podersdorf kommen.

Inzwischen hatte es zu regnen begonnen. Das störte anfangs nicht. Es wurde dann erst später, mit fallenden Temperaturen und zunehmenden Wind in der Nacht lästig. Sehr bald lief ich wieder in der Dunkelheit. Das war dann schon interessant bis herausfordernd. Stundenlang nur der Lichtkegel der Stirnlampe, der Regen und sonst nichts. Der Ultralauf als Lektion mit sich selber auszukommen.

Ist unsereins ja das restliche Jahr permanent irgendwelchen Reizen ausgesetzt, ist das Laufen um den Neusiedlersee zu dieser Jahreszeit genau das Gegenteil. Das Fehlen von äußerlichen Reizen. Wem das nicht gefällt, ist hier fehl am Platz und wird es als öde und langweilig empfinden.

Für alle anderen bietet sich die Chance, die wirklichen Dinge des Lebens zu reflektieren oder/und seinen Geist auf Wanderschaft zu schicken.

Für mich war dann gegen 21 Uhr Schluss. Meine Widerstandsfähigkeit war durch das wenige Training in den letzten Monaten noch nicht aufgebaut. Mein Laufstil noch „unrund“. Faszinierend war, dass das rechte operierte Knie keinerlei Probleme machte. Der kompensatorische Laufstil sorgte aber für Schmerzen und Krämpfe in diversen anderen Bereichen, so dass ich beschloss, kurz vor Neusiedl mit 90 Kilometern in den Beinen den Lauf zu beenden, bevor irgendwelche ernsthaften Schäden entstehen würden.

Die guten Helfer an der Labe in Neusiedl fuhren mich zum Zielort der historischen Kellergasse in Purbach. In einem urigen Weinkeller bestand Christian darauf, mir die Finishermedaille umzuhängen. Er war der Meinung, ich hätte mir die, unter diesen Umständen, absolut verdient.

Der SUN 110 hat einen ganz eigenen Charme. Eine kleine Veranstaltung mit familiärem Charakter in einer fantastischen Landschaft. Das nächste Mal findet der Lauf wieder in fünf Jahren statt, wenn die Wintersonnwende wieder auf einen Samstag fällt.

Für mich persönlich ist es ein DNF, dass sich nicht als ein DNF anfühlt. Ich freue mich über gelaufene 90 Kilometer. Das operierte Knie hat seine „Feuerprobe“ bestanden und ich kann jetzt weiter an der Normalisierung meines Laufstiles arbeiten.

Vorsorglich hatte ich mich auch für die große „Traditionsveranstaltung „Burgenland Extrem Tour“ Ende Januar angemeldet. So war dies quasi jetzt der letzte lange Lauf vor der nächsten Seeumrundung mit 120 km. Fünf Wochen sollten ausreichen, die Muskeln und Gelenke zu pflegen und gut ausgeruht in den ersten Ultra des neuen Jahres zu gehen.

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Abschließend kann ich natürlich vor so kurzen Läufen, wie dem lokalen Landkreislauf nur warnen. Vielleicht sollte man den kurzen, schnellen Läufen so einen Warnhinweis verpassen: „Kurzes, schnelles Laufen v.a. bergab gefährdet Ihre Gesundheit!

Bilder vom geschwollenen Kniegelenk und Aufnahmen von zerstörtem Meniskus kann ich hierfür gerne zu Verfügung stellen.

Text: Oliver Rupprecht, Bilder mit freundlicher Genehmigung von Thomas Zsulits, 13.01.2020

 

Am vergangenen Wochenende lud Präsident Christian Mohr zur Klausurtagung nach Hamburg ein. Nicht nur das komplette Präsidium folgte dem Aufruf auch einige Mitglieder nutzten das Wochenende zum Hamburg-Kurztrip. Zunächst wurde sich in großer Runde bei Kaffee und Kuchen sowie beim Abendessen über aktuelles ausgetauscht. Beeindruckend wie vertraut der Umgang untereinander doch ist.

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Grosse Runde beim Abendessen am Freitag.

Bereits am Freitag begannen wir nach dem Abendessen mit dem geschäftlichen Teil. Die Agenda war umfangreich und diese galt es bis Samstagmittag abzuarbeiten. Ebenfalls eingeladen war unser Mitglied Klaus Haake. Klaus hatte bereits im Vorfeld seine Bereitschaft zur Mitarbeit im Präsidium signalisiert und brachte sich gleich mit viel Sachverstand in die Tagung mit ein. Ausgiebig diskutierten wir über die Neuaufstellung des Präsidiums. Michaela Kirchner (Vizepräsidentin) und Alexander Lauterbach (Rechtswart) werden sich bei der Mitgliederversammlung in Marburg (29.02.2020) nicht wieder zur Wahl stellen und aus dem Präsidium ausscheiden. Des Weiteren wird sich Christian nicht mehr als Präsident zur Wahl stellen.

Bild2Sehr erfreulich ist, dass Klaus für die Wahl des neuen Präsidenten kandidieren wird. Wir sind überzeugt, dass Klaus mit seiner sportlichen Vita und seiner Fachkompetenz eine große Bereicherung für das Präsidium ist und mit ihm die weitere positive Entwicklung des Vereins fortgesetzt wird. (Dies gilt natürlich vorbehaltlich der Zustimmung der Mitglieder). Über die weiteren Gesprächsinhalte werden wir die Mitglieder mit dem nächsten Newsletter sowie auf der Mitgliederversammlung informieren.

Bild rechts: Kurz vorm Start zur 30 Kilometerrunde herrscht gute Laune, denn ...

Kein Treffen ohne gemeinsamen Lauf: Traditionell laden wir nach der Tagung auch die Mitglieder aus der Region zum gemeinsamen Lauf und Abendessen ein. Einige reisten dafür auch von weit her an. Christian zeigte der 13köpfigen Laufgruppe auf einer 30 Kilometer Runde sein Laufrevier.

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... es hatte rechtzeitig zu regnen aufgehört. Christian zeigt wo's lang geht.

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Anfangs blieb die Gruppe noch zusammen. Volker Greis, Christian und Helmut Schöne (von links) führen die Gruppe an.

Der erste Teil der Strecke führte überwiegend auf Deichstraßen durch die Vier- und Marschlande im Osten Hamburgs. Wir Ultraläufer benötigen auf so einer kleinen Runde ja eigentlich keine Verpflegung.

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Läuferbuffet bei Kilometer 18: Bei der Auswahl sagte kaum einer nein.

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Katrin Tüg-Hilbert und Alexander Lauterbach hatten nach der Pause immer noch Lust zu laufen.

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Bild links: Da waren die Schuhe noch sauber ...

Dennoch freuten sich alle Läufer über den aufgebauten Verpflegungsstand nach ca. 18 Kilometern unserer "Engel" Anke Siemers, Cathrin Haake und Martina Stumpf-Irrgang. Gut gestärkt ging es dann für den Schluss durch das Naturschutzgebiet "Boberger Niederung".

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Guido und Evi Piehlmeier sowie Katrin haben sichtlich Spaß. Kein Wunder bei der herrlichen Landschaft.

Vielen Dank an alle Teilnehmer für dieses tolle und motivierende Wochenende. 

Text: Christian Mohr, Bilder Michael Irrgang, Martina Stumpf-Irrgang, 12.01.2020

 

Anfang des Jahres habe ich kaum geahnt, dass 2019 mein „Frankreichjahr“ werden würde. Nach dem CCC im August und dem Festival des Templiers (Link zum Bericht) hatte ich bereits im Frühjahr für den „La SaintéLyon“ gemeldet. Hierbei handelt es sich um einen Ultra Trail, der jedes Jahr Ende November nachts von Sainte Étienne nach Lyon führt. Dieser bei uns kaum bekannte Lauf stellt einige Superlative auf:

  • Es handelt sich m.W. nach um den drittgrößten Ultra Trail in Frankreich (nach UTMB und Festival des Templiers) mit bis zu 7.500 Starten auf der Hauptstrecke. Zzgl. etwa noch einmal so vielen Läufern über 44, 23 und 12 Kilometer sowie diversen Staffeln auf der langen Strecke. Neu dazu ist in diesem Jahr der LyonSaintéLyon mit 152 km gekommen.
  • Es ist einer der ältesten mir bekannten Ultraläufe und wurde dieses Jahr zum 66.(!) Mal durchgeführt.
  • Es ist der längste Crosslauf, an dem ich je teilgenommen habe. 😊

Als bekennender Nachtläufer faszinierten mich von Anfang die Bilder von unendlichen Läuferketten mit Stirnlampen. Vom Orientierungslaufen kannte ich entsprechende Bilder von Staffelwettbewerben in Skandinavien, aber was ich bei diesem Lauf „geboten“ bekam, übertraf alles.

Ich reise beruflich viel und hatte im Frühjahr noch eine Menge Meilen, mit dem ich mir für das Wochenende einen Flug nach Lyon gönnte. Ich kam am frühen Nachmittag in der Metropole an der Rhône an und begab mich zur Halle Tony Garnier, einem Veranstaltungszentrum, das neben dem Ziel auch eine umfangreiche Ultra Trail Messe beherbergte. Ich wollte gerne noch etwas von der Region bei Licht sehen und fuhr deshalb nach Empfang der Startnummer mit einem der bereit gestellten Busse zum Start nach St. Étienne, etwa eine Stunde entfernt. Dort erwarte uns Läufer wie auch schon in Lyon eine Leibesvisitation und Kontrolle des Gepäcks, ein inzwischen in Frankreich verbreitetes Prozedere bei großen Menschenansammlungen. In einer Messehalle suchte man sich ein Plätzchen um die Zeit bis zum Start (es war jetzt noch gut 7 Stunden) zu überbrücken. 

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Eine Halle voller Läufer …

Nach der Pastaparty versuchten die meisten Läufer noch etwas zu schlafen oder wenigstens zu ruhen. Dies fiel aber zumindest mir aufgrund des hohen Geräuschpegels sehr schwer. Als ich dann gegen 22.30 Uhr mein Gepäck für den Rücktransport abgab (tolle Logistik!), war ich schon recht müde, da seit 7.00 Uhr auf den Beinen.

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Abgabe des Gepäcks (hier nur eine Hälfte der Gepäck-LKWs)

Gestartet wurde ab 23.30 Uhr im 10 Minuten Rhythmus, leider war ich erst in der 4. Welle um 0.00 Uhr dabei. Nach mir gab es dann noch drei weitere Wellen. Für uns Läufer waren die ersten drei Kilometer auf Stadtautobahnen und Ausfallstraßen gesperrt, alle Kreuzungen waren zum Leidwesen der Nachtschwärmer gesperrt. Mit dem Verlassen der Straßen bei Kilometer 3 setzte dann auch pünktlich der für die Nacht vorausgesagte Regen ein. Die Wettervorhersage war sehr eindeutig, es wurde eine der regenreichsten Nächte meines Lebens. Gab es anfangs noch das eine oder andere Dorf mit begeisterten und anfeuernden Zuschauern, ging es bald in die „Montagne Lyonaise“, die Lyoner Berge mit Höhen zwischen 300 und 800 Metern und aus Straßen wurde Wege und Pfade.

Durch den starken und unaufhörlichen Regen und dank tausenden Läufern vor mir wurden aus Wegen und Pfaden Schlammpisten. An den zahlreichen An- und Abstiegen wurde die dünnen Erdschichten vom darunter liegenden Fels weggespült und quälten sich als Schlammlawinen die Abhänge hinab. Beim ersten Verpflegungspunkt bei ca. Kilometer 18 glich der Lauf eher einem SwimmRun als einem Ultralauf. Es fiel mir recht schwer, das Verpflegungszelt und die Wärme zu verlassen und wieder hinaus in den Regen zu starten, wusste ich doch auch, dass nun der längste Anstieg der insgesamt weit über 2000 Hm auf mich wartete. Eine schöne Abwechslung waren alle paar Kilometer große Feuer, die an den Feldern brannten und wo (oft im „Nichts“) Partys gefeiert wurden und zusätzlich Motivation und Trost von den Zuschauern, die sich dort versammelt hatten, gespendet wurde.

Die folgenden Stunden waren mit das schwierigste, was ich je gelaufen bin: Schlamm, steile Anstiege und technisch schwierige Downhills, dazwischen immer wieder Läufer, die mit diesen Schwierigkeiten und dem Schlaf zu kämpfen hatten, so dass man nur schlecht in einen Laufrhythmus kam. An den Verpflegungspunkten blieb ich nur kurz, wurde es durch die Nässe doch nun auch ziemlich kalt. Gegen halb acht dämmerste es so langsam und man musste sich nun nicht permanent auf den Lichtkegel der eigenen Stirnlampe konzentrieren. Für ein paar Kilometer konnte ich plötzlich auch wieder recht frei laufen und ich sah mein Zeitziel (zwischen 10 und 11 Stunden) in Reichweite. Doch zu früh gefreut. Zwar gab es keine langen Anstiege mehr, doch dafür ein permanentes Auf und Ab durch Felder und Wälder. Einzelne Abschnitte waren nicht mehr begehbar, teilweise schlitterte man die Abhänge hinab.

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An Laufen war hier nicht zu denken …

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Die Ärmste vor mir hatte sich erst zwei km vorher komplett umgezogen …

Nur gut, dass ich trotz Schlafmangel jederzeit konzentriert und hellwach war und weder fiel, noch stürzte. Lyons Stadtzentrum schon im Blick folgte nun noch eine fiese Schleife, natürlich wieder durch stark verschlammte Abschnitte. Aber nach gut 11,5 Stunden ging es die letzten Höhenmeter über Treppen hinab zur Rhône. Hier konnte ich endlich noch ‚mal auf den letzten zwei Kilometern aufdrehen und nach knapp 12 Stunden ins Ziel innerhalb der Halle Tony Garnier laufen.

 

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Dank Geländer schaffte es dann doch jeder die ca. 100 Hm hinunter zur Rhône 😊

SL6Hier gab es dann Duschen, das eigene Gepäck und auch etwas zu Essen. Für letzteres nahm ich mir wie schon die ganzen letzten Stundenkeine Zeit, ich musste ja noch meinen Flieger erreichen. Im Flugzeug bekam ich dann wenigstens ein paar Minuten Schlaf bevor ich nach ca. 40 Stunden auf den Beinen wieder zuhause ankam. Und dort hatte ich dann auch endlich wieder Appetit.

Fazit: Eine interessante Strecke, ein toller Nachtlauf und eine spannende Herausforderung. Aber bedingt durch den Regen und dem damit verbundenen Schlamm (geschätzt ca. zwei Drittel der Strecke) muss ich mir das nicht noch einmal antun. 😉

Text und Fotos: Jens Kruse, 28.12.2019

 

 

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