Laufgemeinschaft der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung e.V.

Termine

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30.3.2019
DM 50km, Störitz

14.4.2019
6h, Mörfelden

25.-28.04.2019
Trainingslager, Zierenberg

8.6.2019
DM Ultratrail, Reichweiler

24./25.8.2019
DM 24h BUF, Bottrop

21.9.2019
100km, Kandel

(tw nicht offiziell)

 

Kilometerspiel:

Unser 1. Team in der 1. Liga

 

Unser 2. Team in der 5. Liga

 

2018 Plakat B 

Der BUF 2018 zeichnete sich aus durch:

- Die 30. DM über 24h und mit 150 Ergebnisse die größte Meisterschaft in dieser Disziplin

- Mit 180 Finishern laut DUV-Statistik der größte 24-Lauf in Deutschland 2018, Nr 4. in der Welt

- 5 Streckenrekorde (24h Männer/Frauen, 12h Männer/Frauen, 6h Frauen

- 3 Deutsche Besteleistungen (12h M80, 24h W35, 24h W80)

- viele persönliche Bestleistungen und erfolgreiche Debuts

- bestes Wetter

- ....

Schön, dass ihr alle da wart!

Ausschreibung 2018

Bericht: Neues vom BUF vom 7.8.2018

Bericht: Vorbericht vom 28.8.2018

Veranstaltungsbericht: Gelungene 24h DM in Bottrop vom 3.9.2018 mit allen Ergebnissen

LG Ultralauf-Bericht: Erfüllte Träume beim BUF vom 6.9.2018 mit Bildergalerien

 

24.09.2018, Michael Irrgang

Do, 25.4. bis So, 28.4.2019 Trainingslager

In der Woche nach Ostern planen wir wieder ein Trainingslager. Es wird wie immer offen für alle Interessierten sein mit einem Preisnachlass für LG Ultralauf- und DUV-Mitglieder. Inhaltlich richtet sich die Veranstaltung an fortgeschrittene Läuferinnen und Läufer, die die Feinheiten eines leistungsorientierten Trainings erfahren möchten. Eine ähnliche Veranstaltung gab es 2016 mit dem Schwerpunkt 24h-Lauf mit dem Co-Referenten Florian Reus.

13 Dreisprung

Diesmal soll der Schwerpunkt auf den 100km liegen, allerdings wird auch der 24h-Lauf nicht zu kurz kommen. Methodisch wird es eine übliche Mischung aus Theorie und Praxis geben, wobei die Schwerpunkte diesmal auf Tempotraining und Athletiktraining liegen. Geplant sind ebenfalls Vorträge, bzw. Diskussionen im Bereich der Psychologie und spannende Laufberichte. Ein Trainingslager ist gleichermaßen anstrengend, lehrreich wie auch unterhaltsam. Einen Einblick bekommt man, wenn man sich die Berichte der letzten Veranstaltungen anschaut.

2016 Für Fortgeschrittene in Bartholomä

2017 Grundlagen & Trail in Hinterstein

24.8./25.8. BUF mit 6h-, 100km- und 24h-Lauf

Auch im nächsten Jahr werden wir wieder mit unserem Partner Adler-Langlauf Bottrop unser Botropper Ultralauf Festival BUF ausrichten. Dabei wird es ein paar Veränderungen und Verbesserungen im Detail geben. Statt des 12h-Laufes planen wir einen 100km-Lauf mit einem Zeitlimit von 15 Stunden, der am Samstag um 19 Uhr gestartet wird. Auch werden wir in sehr begrenztem Maße wieder Staffeln zulassen, voraussichtlich 10 Staffeln für 24h mit max 10 Teilnehmer.

Nach einigen, positiven Vorgesprächen werden wir uns bewerben, auch in 2019 die Deutschen Meisterschaften im 24h-Lauf auszurichten. Das Besondere daran ist, dass diese Meisterschaft höchstwahrscheinlich von der DLV veranstaltet wird, die 3 von 4 Meisterschaften von der DUV übernehmen könnte und zwar die, zu denen es auf internationaler Ebene Anschlussmeisterschaften, sprich Europa- und Weltmeisterschaften, gibt.

Das hat ein paar größere Änderungen für die Ausrichter und Teilnehmer zur Folge, beispielsweise die Teilnahmeberechtigung. Sollte der Schwenk zum DLV kommen, so wird die Startpasspflicht eingeführt, d.h. Teilnehmer der Meisterschaft müssen zwingend für ihren Leichtathletik-Verein starten und einen Startpass haben.

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2017 hatten wir im offenen 24h-Lauf 180 „Finisher“, also Teilnehmer mit einem Ergebnis von über 40 km, und bei der Meisterschaft 153 Einträge in der DUV-Statistik. Davon sind 31 nicht für einen Verein gestartet und davon haben 10 Teilnehmer sogar in ihren jeweiligen Altersklassen einen Podestplatz erreicht. Die wären also im nächsten Jahr alle nicht mehr dabei, sollten sie nicht einem Verein beitreten. Allerdings wird es beim BUF auch in 2019 einen offenen 24h-Lauf geben, zu dem jeder startberechtigt ist, der das Mindestalter hat.

Mit diesen Teilnehmerzahlen sind wir übrigens mit großem Abstand die teilnehmerstärkste Meisterschaft im 24h und die 180 Einträge im offenen Lauf bedeuten Platz 1 in Deutschland und Platz 4 in der Welt der teilnehmerstärksten 24h-Läufe in 2018. Merkt euch bitte schon einmal den Termin. Die Ausschreibung können wir leider erst veröffentlichen, wenn eine Entscheidung bezüglich der Meisterschaft gefallen ist.

Text und Bilder: Michael Irrgang, 20.09.2018

Präziser gesagt: Weltmeister im 100Km-Lauf in der M65!

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Svety Martin na Muri in Kroatien – das also ist der Ort in den ich reisen musste, um meinen bisher größten Erfolg als Läufer zu erleben. Seit Monaten hatte ich darauf hin trainiert, war in meinen Gedanken immer wieder schon mal auf der Strecke, baute kleinere Wettkämpfe in die Vorbereitung ein, bestritt sie aus dem vollen Training, denn alles war auf diesen 8.September ausgerichtet.

Die Reise war nervenaufreibend, denn keinen einzigen meiner geplanten Anschlussflüge habe ich bekommen – der Gipfel: 10 Stunden Aufenthalt auf dem Flughafen Frankfurt! So viel Zeit wollte ich bei weitem nicht für meinen Lauf benötigen!

Positiver Nebeneffekt: Ein Buch habe ich in der Zeit von A bis Z durchgeschmökert, den neuen Roman von Christoph Hein „Verwirrung“!

Nachts um 2 Uhr lag ich dann endlich im Bett – aber Nachtschlaf vor einem bedeutenden Wettkampf wird ja sowieso überbewertet! Und zum Glück war ich ja schon einen Tag vor dem Lauf angereist!

Der Lauf

Ungewöhnlich war die Streckenführung schon. Es gab eine Einführungsrunde von 2,5 Km und dann ging es 13 Mal über 7,5 Km, eine Pendelstrecke, so dass man das Läuferfeld immer wieder beobachten konnte, aber es war auch für einen 100Km-Lauf ziemlich profiliert. Das sollte mich aber nicht schrecken, denn solches Profil laufe ich zuhause rund um Nossen ja immer!

7 Uhr war der Start angesetzt – es war mild, man brauchte keine Jacke oder ähnliches vorher über dem Laufshirt. Als Hauptkonkurrenten hatte ich über die DUV-Datenbank einen Franzosen ausgemacht. Im Startblock begrüßte mich dann noch ein Spanier – mit den beiden würde ich mich wohl um die Medaillen streiten. Aber was kann nicht alles passieren auf 100 Km – zum Glück dachte ich an diesem Tag kein einziges Mal an mein Desaster in Biel.

Es ging ganz locker los, schon bald konnte man frei laufen und ohne jede Anstrengung war ich immer etwas schneller als eigentlich geplant. Schon am Ende der ersten langen Runde kam für mich der vorhersehbare Dixistop – wieder auf der Strecke sah ich meinen Franzosen 20 – 30 Meter vor mir. Bei einem kurzen Wortwechsel mit Marion Braun meinte sie, der wäre kein Problem für mich! Marion musste leider später wegen Muskelfaserriß aufgeben. Aber ihr Mann Wolfgang erlief sich trotz Problemen in der M60 Weltmeisterschaftssilber!

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Schnell hatte ich den Franzosen auch wieder überholt und lief mein Rennen.

Mit anderen deutschen Läufern wurden aufmunternde Blickkontakte gewechselt, es lief sich schön!

In der zweiten Runde war dann plötzlich mein Spanier neben mir. Er atmete zwar ziemlich laut, aber manche Läufer laufen eben so, und ich ließ ihn auch etwa 20 Meter davoneilen. Mein Tempo war gut, immer noch etwas schneller als gedacht, geplant oder was auch immer. Mein Tempo zu laufen, ganz auf mich konzentriert, das scheint mir immer mehr meine Stärke zu sein. Und es kam auch so wie gehofft, auf dem Rückweg am steilsten Anstieg hatte ich den Spanier schon wieder ein- und überholt. Eine Runde später fast an derselben Stelle rief mir ein Mannschaftskamerad zu „Der Spanier geht!“ Am Ende der 100 Km hatte ich ihn zweimal überrundet!

Ich lief also meine Runden, ab Km 25 in jeder Runde ein Gel verdrückt und an der Wende nach knapp 4 Km ein paar Schluck Iso! Da etwa bei Km 60 die Sonne herauskam wurde es deutlich wärmer, also zusätzlich Wasser getrunken und über den Kopf! Aber selbst zu dem Zeitpunkt fühlte ich mich noch gut und fit, obwohl ja immer wieder gesagt wird, ab Km 60 wird es schwer. Bei mir war das an diesem Tag so zwischen 75 und 80, da gingen die Kilometerzeiten mächtig in den Keller, aber eigentlich ging es mir gut. Einen Gehversuch an einer etwas steileren Stelle gab ich schnell wieder auf, denn Traben war angenehmer für die Muskeln. Inzwischen hatte ich auch meinen Franzosen überrundet – ich konnte also ganz gelassen sein, musste nur durchlaufen, ins Ziel kommen und wäre der Sieger! Aber immer noch knapp 3 Mal 7,5 Km – was kann da alles passieren?!

Es passierte nichts mehr! Ich lief das letzte Mal durch die lange überdachte Verpflegungsgasse und den kleinen Anstieg zu Start und Ziel hinauf – war da und habe wohl erst einmal nichts gedacht, nur mein Magen gab einiges an Flüssigkeit im hohen Bogen von sich. War es das Iso, die Gels oder eine Mischung aus beiden?

WMA100 HD330Einfach geschafft! Im wahrsten Sinne der Wortes!

Die Momente am Abend bei der Abschlussveranstaltung auf dem Siegerpodest waren grandios – welch ein Gefühl! Ich hatte einen Gipfel erklommen!

Leider wurden für die Senioren keine Hymnen gespielt. Da wäre dieser Moment noch viel länger gewesen!

Im Grunde fühle ich mich ja über die 100 Km immer noch als Lehrling. Doch jetzt bin ich Weltmeister! Wie sagen Sportler so oft im Interview nach einem erfolgreichen Wettkampf „Ich habe das noch gar nicht realisiert!“ Und das ist wirklich keine Floskel, das weiß ich jetzt.

Bei mir begann diese innere Freude, Genugtuung, Stolz, Zufriedenheit oder was auch immer als ich endlich wieder zuhause in meinem eigenen Bett lag!

Einen Traum habe ich mir erfüllt, aber Läufer sollen ja immer noch vorn blicken. Daran halte ich mich bei jedem Wettkampf und jetzt auch – der neue Traum ist in meinem Kopf schon im Visier! 2019!

Text: Hans-Dieter Jancker, Bilder: Norbert Madry, 17.9.2018

Medaille LGUJ2Am 13.10. findet in Troisdorf ein Landschaftslauf anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Vereins LG Ultralauf statt. Die Strecke ist ein Rundkurs von etwa 3,8 km Länge, weist etwa 60 Höhenmeter aus und liegt in der Wahner Heide nahe am Aggerstadion.

Wettkämpfe

1. 50km-Wettkampf, max 50 Teilnehmer

2. Gästelauf, in Summe mit den Wettkampfläufern max 100 Teilnehmer. Gastläufer können die Wertung des Wettkampfes kommen, falls sie 50km laufen und um 10 Uhr starten.

Ablauf

10:00 Uhr Start der Wettkampfläufer. Die Gastläufer können jederzeit starten.

16:00 Uhr Siegerehrung der Wettkampfläufer. Alle bis dahin angekommenen Läufer erhalten dabei ihre Urkunde und Medaille. Später beendende Läufer bekommen nach Zieleinlauf ihre Medaille und Urkunde. Die Gastläufer bekommen ihre Urkunde und Medaille sofort nach ihrem individuellen Rennende.

17:00 Zielschluss für alle Teilnehmer.

Ehrungen

Die schnellsten 3 Läuferinnen und Läufer im 50km-Wettkampf erhalten einen Pokal. Alle Teilnehmer erhalten eine Urkunde und Erinnerungsmedaille.

Da dieser Lauf einmaig sein wird, sind ein Eintrag in der DUV-Statistik und die Medaille sicher etwas Besonderes.

Preise660

Startnummern

Bringt euch bitte eure Startnummer selber mit. Beispielsweise eine vom ersten Marathon, von dem schönsten, schwersten Ultralauf oder eine, die besonders hübsch ist.

Zeitnahme und Rundenzählung

Die Zeitnahme erfolgt manuell durch den Veranstalter und euch selbst. Es gibt nur eine Bruttozeit. Zählt die Runden bitte selbst. Im Ziel müsst ihr beweisen, dass ihr die 13 Runden oder auch weniger wirklich gelaufen seid. Dazu reicht bei einer Uhr mit GPS die Längenangabe oder die Zwischenzeiten der Runden oder ein Bürge, mit dem ihr zusammengelaufen seid.

Anfahrt

Adresse für Autofahrer: Aggerstadion Troisdorf, Taubengasse 201, 53840 Troisdorf Dort gibt es auch die Umkleiden, Duschen, Toiletten, Startnummernausgabe.

Mit dem öffentlichen Nahverkehr kann man vom Bahnhof Troisdorf mit dem BUS Linie 506 (alle 60 Minuten) bis Stettiner Straße und dann 550m Fußweg oder mit der Linie 503 (Alle 15 Minuten, Richtung Siegburg) bis Elsenplatz und dann 1,3 km Fußweg.

Anmeldung

Bitte wenn möglich Online anmelden und im Vorfeld 20 Euro bezahlen oder sofern Startplätze frei sind, ist auch für 25 Euro eine Nachmeldung vor Ort möglich.

Die ausrichtenden Vereine Troisdorfer LG und LG Ultralauf freuen sich auf euch.

Links: zur Ausschreibung, zur Online-Anmeldung

Text und Grafiken; Michael Irrgang, Preise vom Lieferant, 15.09.2018

Bernau A1

Doppeldecker innerhalb von 7 Tagen … zwei mal 24h: Bottrop und Bernau (bei Berlin). Nicht nur die beiden Anfangsbuchstaben der Wettkampforte sind gemeinsam, sondern auch das Zeitfenster und der Charme der Menschen, die dort leben. In Brandenburg wird Braunkohle in der Lausitz bzw. Kalk in Rüdersdorf über Tage gefördert und in Bottrop Steinkohle unter Tage: „Glück auf!“ – det kennen wa ooch. Während der Brandenburger über einen rauhen Charme verfügt, so sagen die Menschen im Ruhrpott mit Offenheit frei heraus, was sie denken und fühlen -die Berliner würden jetzt sagen: „Mit Herz und Schnauze“. So fühlte ich mich, gleich nach der Ankunft, in Bottrop irgendwie wohl, obgleich ich im Land Brandenburg wohne und wie bei Ultras üblich: die Fahrt wurde mir von einem lieben Kollegen erleichtert – ich wurde in Hannover eingesammelt und hingebracht. Wir sind Individualsportler in Gemeinschaft, eigentlich eine große Familie und keene einsamen Mohikaner: Staffeln und Mannschaftswertungen schliessen die Einzelwertung nicht aus und so ist Vieles in Gemeinschaft möglich, was ein Einzelner niemals hinkriegen würde.

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Bilder aus Bottrop

Würde man mir sagen: „Laufe bitte 100 km in 1km Runden um Deinen Wohnblock herum“, dann würde ich sagen: „Du hast ja wohl nen Vogel.“ Ist man aber auf Wettkampf, na denn kann man sojar 125 oder 200 Runden rumpesen, Hauptsache et sind die richtjen Leute dabei, die Verpflegung stimmt und wenn det Wetter schön ist? Na, denn kann man über sich hinauswachsen.

Angekommen – Zelt aufgestellt – Sichtung: wo ist hier was? Wer ist da? Mit wem kann man quatschen und sich austauschen? Wie ist denn das hier organisiert? Wo muss ich hin? Wo kriegt man hier Startunterlagen?

Ja, es wurde einem in Bottrop von den Organisatoren einfach gemacht, sich zurecht zu finden und es war so schön durchdacht, also rumzumaulen hatte ick schon mal nüscht. Ich habe mir angesehen, wo der Tetraeder ist und den schönen Rosengarten im Park – für die visuelle Abwechslung war auch gesorgt.

Was ist die Schwierigkeit bei einem 24h Lauf? Die Runden klingen erst mal einfach: 1,2 km bzw. in Bernau 1,6 km. Kiesschotter, Staub, … aber es gibt enge Stellen, wo man aufpassen muss, leichte unmerkliche Steigungen, die man im ersten Moment nicht bemerkt, die sich von selbst ab Runde 40 bemerkbar machen. Man läuft ständig am Zelt vorbei und die Matratze ruft einem bei fortgeschrittener Stunde zu: „Ich bin weich, ausruhen ist so schön.“ Und ich sage mir dann: „Nein – DANKE – ich laufe weiter.“ Das Zelt entwickelt magische Kräfte und so sieht man sich nach Kolleginnen und Kollegen um, denen es genauso geht, die genauso leiden, die auch all den Verlockungen stand halten müssen: die schönen Sitzgelegenheiten im Park, am Teamzelt oder dem hervorragenden Verpflegungsstand mit all den Leckereien, die man auch so wunderbar durcheinander schnabulieren kann und sich fest-stehen kann, weil sich Leute Gedanken gemacht haben, da Sachen hinzustellen, damit im Bauch nicht die Feuerwerksexplosion de luxe entsteht. Eigentlich ist man angetreten um eine sportliche Leistung abzuliefern und der Sport dient dazu, nicht die Kalorien zählen zu müssen, wenn alljährlich Weihnachten und die Adventszeit mit schönen Delikatessen der Marke Hüftgold näher rücken, doch wenn es nicht die kleinen Wehwehchen gäbe, die man so hat: Müdigkeit, „Durststrecken“ (man kommt nicht so voran wie man gerne möchte), Blasen an den Füssen, Schwere des Körpers, … .

Wie kommt man dazu, gleich 2 Läufe in einer Woche zu „planen“? Die Deutschen Meisterschaften sind „Pflicht“ und wenn ein Lauf fast vor der eigenen Haustüre stattfindet, da wollte ich „dabei sein“. Liest man sich meine Leistungen durch: Bottrop 123 km und Bernau 101 km, so denkt man sich – „Hmh, Durchschnitt!“ In der Summe sind es aber 224 km in einer Woche. Die persönliche Organisation, die dahinter steckt mit all dem Aufwand, den man als Ultraläuferin so kennt. Meine persönliche Herausforderung bestand darin, dass ich 2 lange Ultraläufe noch nie in einer Woche ausprobiert hatte, ob ich es überhaupt kann und es geht!!! Wie Ultras so schön sagen: „Hundert gehen immer!“ 2 Nächte kaum zu schlafen, denn in Bottrop hatte ich 1,5 h Pause gemacht und in Bernau 3h; wenn man von Bottrop noch Blasen an den Füßen hat und der Körper noch müde ist (nein, keine Schmerzen, aber einfach nur etwas „schlapp“), wenn man weiss, dass man für eine Aktion bereits viel Kraft und Energie gelassen hat, dann in einer zweiten Veranstaltung sich aufzuraffen und zu sagen: „Hey, das schaffe ich!“ Nachts ging mir in Bernau irgendwann das quietsch gelbe Licht der aufgehangenen Neonröhren auf den Keks oder wenn die Dunkelheit (wie in Bottrop) einem die Energie wegnimmt, man sich nur noch nach dem Morgengrauen sehnt, dass die Sonne aufgeht und die Energie wieder freigesetzt wird - das ist die Herausforderung – nämlich standhaft zu bleiben und zu sagen: „Trotz und alledem – ick loof.“ Dann helfen einem die lieben Kolleginnen und Kollegen, die einem nette Sätze zurufen, die einem sich zu einem gesellen und einen sprichwörtlich begleiten. Und worin bestand meine Motivation? Weihnachten rückt näher und somit die Kalorienbomben. Für die äußeren Motivationsanreize sorgen dann die Mitmenschen: ein freundliches Lächeln, bewundernde Blicke, manchmal sagen sie auch (wie in Bernau): „Habt ihr nüscht Besseret zu tun als hier zu loofen? Ihr seid doch bekloppt.“ Det is ne wunderbare Vorlage für mich zu sagen: „Nee, nur normale Verrückte und nicht verrückter als alle, die täglich ins Fitness Studio rennen. Wir bewegen uns an der frischen Luft und haben Spass.“ Beim Schwimmen kann man sich nicht unterhalten, fürs Gerätturnen bin ich mit 1.70 m zu groß und Ultras versuchen mit einem positiven Gemüt Herausforderungen mit einem Augenzwinkern anzunehmen.

In Bottrop hatte LG Ultralauf einen großen Stand aufgebaut, ich hatte viele, viele Laufkameraden aus dem eigenen Laufclub, … in Bernau waren aber andere Laufclubs dabei, wie beispielsweise LG Mauerweg, also hat man auch da gleich Anschluss gefunden. Überhaupt: Ultras sind ein plappriges Volk und da ist es sehr wichtig, dabei zu sein. Beim Zeltaufbau und Abbau hilft einem auch immer jemand – man muss nur fragend gucken.

Man kann gar nicht sagen, was „leichter“ ist – ob Bottrop oder Bernau, weil der Charakter der Veranstaltung, die eines 24h Laufes gleich ist und dennoch hätten die beiden Veranstaltungen nicht unterschiedlicher sein können: Bottrop mit leistungsstarken Läuferinnen und Läufern aus ganz Deutschland, wo ich mich geehrt fühlte überhaupt teilnehmen zu dürfen. Der Start um 12 Uhr, … kennt man. Überaus glücklich kehrte ich mit dem dritten Platz in der Mannschaftswertung nach Hause zurück. Ein Wettkampf, wo man viel von erfahrenen Leuten lernen und sich abgucken kann: Laufstil, Timeline, gepflegte Konversationsthemen und trotz des Wettkampf Feelings hegen wir keine Ressentiments gegeneinander. Ganz im Gegenteil: das Bonmot ist stets die Freundlichkeit und die Hilfsbereitschaft. Wir tauschen uns aus über unsere Erlebnisse, wo man sich als Nächstes anmelden könnte, wo es „schön“ ist. Eine unglaubliche Toleranz, auch wenn „gewandert“ wird – man muss in Bewegung bleiben, man weiss, wenn die Problemchen kommen (und bei einem 24h Lauf kommt immer etwas, wo man Hilfe benötigt): „Da sind Andere – die helfen mir – ich bin nicht alleine“ und trotzdem kann man die magischen Momente finden, wo man ganz bei sich ist, wo man im Flow laufen kann, wo der Moment eine unendliche Weite bekommt und wo man sich in der Gemeinschaft unterstützt fühlt.

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Bilder aus Bernau

Ist die Kurve in Bottrop, die fast einer „Kehre“ gleicht, leichter als die enge Stelle an einer Stadtmauer, wenn links der Graben ist und rechts det grobe Kopfsteinpflaster ist? Zwischendurch hätte ich in Bernau losheulen können, weil eine Fussblase am Hacken aufgeplatzt ist, durch den späten Start um 14 Uhr, hatte ich bei Einbruch der Dunkelheit wenig km und linker Hand, als ich auf dem Stadtwall lief, befand sich der Friedhof – da denkt man über die Endlichkeit des Lebens nach, über das Sein im Augenblick und welches Geschenk es ist, leben zu dürfen, gesund zu sein – Carpe Diem. In Bottrop fand ich es sehr nett, dass im Park auch nachts noch Leute da waren, doch in Bernau sorgten die Staffeln für reichlich Action (rund 7500 Runden wurden von allen zusammen gelaufen) und man musste sich gut koordinieren um an den engen Stellen oder an der Rampe (eigentlich versteckten sich darunter Treppen, die mit einer Holzrampe überdeckt wurden) niemanden zu behindern. Während in Bottrop die Mannschaftskameraden für Aufmunterung sorgten, so waren es in Bernau die die Kinderchen in den Staffeln, die einen mit großen Augen ansahen und sagten: „Hey, Du da! Kannst Du mich mitnehmen?“ Und klar, da nimmt man ein Kindchen an der Hand und spätestens nach der nächsten Kurve sind die Knirpse verschwunden, weil Kinder eine unglaubliche Energie haben. Man ist immer präsent und gefordert, egal wie müde man ist: muss aufpassen, dass man nicht umknickt, denn jeder Ultralauf hat seine eigenen Herausforderungen und mein Gedankengang war nachts, als klar war, dass ich in meiner Altersklasse in Bernau den ersten Platz erreichen würde: „Wie kriege ich mit Fussblasen und Müdigkeit 100 km hin?“ Ich spürte schon, dass ich ein paar km in der letzten Woche hinter mir hatte. Warum 100 km? Na, weil ick ohne diese dreistellige Zahl nicht aufs Treppchen wollte. Da habe ich meinen Stolz und Ehrgeiz. Die Schnellste bin ich nicht, aber war in mir noch so ein Funken, der mich antrieb, dass ich als Ultraläuferin bitteschön mit Würde und Stil die 100 km in 24 h zu laufen oder zu habe, noch dazu im Flachland – es ist kein Traillauf. Da sind außerdem all jene Leute, die einen wahren Organisationsmarathon hinter sich haben, nicht mehr Schlaf abbekommen und keine Medaille in Aussicht haben, all die Zuschauer (die sich die Füße in den Bauch stehen), die Leute am Verpflegungsstand (die Wespenstiche kassieren) – für all diese Leute muss man doch wenigstens seinen Körper in Bewegung setzen um zu zeigen, dass sich ihre Mühe gelohnt hat. All die Momente der Einsamkeit aus dem Training verfliegen, wenn man merkt: „Hey, es geht doch – es läuft, … irgendwie, die km läppern sich zusammen.“ Am Ende solcher Veranstaltungen blicke ich an mir runter – eingestaubt, verschwitzt – die Kleidung sieht aus als würde keine Waschmaschine der Welt dies jemals wieder sauber kriegen und auch die negativen Gedanken, die sich manchmal vorneweg einschleichen: „Was tust du da? Hast Du Dich angemeldet? In welchem geistigen Zustand warst Du da?“ All das ist vergessen – ich blicke auf die Urkunde und finde die Zahl unglaublich: DREISTELLIG!!! Meine zwei Beine können dreistellige Kilometerzahlen laufen – ist das nicht wunderbar???? Welch ein Wunder, wie ein Körper das bewerkstelligen kann und wie ein kleines Kind, freue ich mich, wenn es dann – wie in Bernau oder Bottrop dazu führt, dass ich mit auf das Podest darf.

Ich war in Bottrop und Bernau dabei und ich fühle mich um die Erfahrungen bereichert, gleichzeitig freue ich mich auf weitere Veranstaltungen und welchen Leuten ich begegne. Das Laufen ist eine sehr bereichernde und schöne Beschäftigung.

2019 wird es diesen Lauf in der 24h Fassung aus Kostengründen (zu wenig Anmeldungen) nicht mehr geben, nur noch 12 h oder 6 h und ich hoffe, dass sich Viele anmelden werden, damit der Lauf erhalten bleibt.

Text Elisabeth Ploch, Bilder: Michael Irrgang (Bottrop), Elisabeth Ploch, 14.9.2018

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