Laufgemeinschaft der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung e.V.
Einmal um den See rum oder "Was einfach klingt ist manchmal doch etwas komplizierter!"
Als Schüler war es super einfach, da lief ich in langen schwarzen Baumwollhosen, das war in den 60ern, in meiner Geburtstadt Grevesmühlen/Mecklenburg um den Vielbecker See, rund 2,5 Km, herrlich! Längste Trainingsstrecke damals waren 10 Km.
Viel später folgte der Tollensesee – Marathon. Und ich war doch ziemlich überrascht von den nicht zu unterschätzenden Hügeln in Mecklenburg.
Ultra - See - Premiere war rund um die Müritz (2010), wohl an die 72 Km, lief bei Hitze prima, wäre fast noch aufs Podest gerannt, aber so ein richtiger Ultra war ich eben noch nicht, also auf dem Schlußkilometer total platt und verkackt.
Wunderschön ist die Runde um den Ratzeburger See, 26 Km etwa, da war ich sogar schon zweimal – Besonderheit: Die Strecke verläuft über die ehemalige innerdeutsche Grenze und war so erstmalig 1990 laufbar! Leider zum 1.Advent meist mit Mistwetter!
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Nun also 2019 ein neuer Versuch – diesmal stand der Plauer See auf dem Plan: Fishermanstrail – Winteredition!
Mit 80 Teilnehmern war die familiäre Veranstaltung ausgebucht, und das zu Recht! Von der Pastaparty mit Briefing am Vorabend in der Fischerei, über die Laufstrecke bis zum Wetter und Fischessen am Abend nach dem Lauf (war ich ausließ) passte alles!
Es war zwar eisig kalt am Start um 8 Uhr, aber sonnig, bei leichtem Wind, trotzdem habe ich außer den Handschuhen nichts ausgezogen auf der langen Strecke! Laufrucksack mit Getränk, Notfallfolie, Handy etc. waren Pflicht – gut so, denn so einfach ist das eben doch nicht rund um einen ziemlich zerklüfteten See. 56 sollte die Strecke lang sein – ich habe es immerhin dank zwei Verläufen auf 61,5 Km geschafft, längeres Laufvergnügen für das gleiche Geld!
Natürlich hat das etwas Zeit, Tempo und Nerven gekostet, aber es war insgesamt so schön, über Trails, insgesamt ziemlich flach, mit zwei fiesen Treppen, durch herrliche Buchenwälder zu laufen. Natürlich wäre ich ohne Umwege noch weiter vorn gelandet, aber das Ergebnis ist sowieso zweitrangig. Ich bin wohl gerade dabei, Wettkämpfe als Training anzusehen und zu genießen!
Das alkoholfreie Erdinger im Ziel war köstlich, nach Dusche, einer Tasse Kaffee und etwas Kirschkuchen ging es mit Urkunde und Finishermedaille in Form eines Hecht-Blinkers gen Heimat.
Eine sehr empfehlenswerte Veranstaltung – und meine bisher originellste Medaille!
Im September gibt es übrigens die Sommeredition des Fishermanstrails!
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Vereinskollegin Steffi Reuter war auch am Start und hat ebenfalls einen Bericht geschrieben, den ihr hier lesen könnt.
Text Hans-Dieter Jancker, die Bilder sind mit freundlicher Genehmigung vom Veranstalter, 28.02.2019

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Der Fishermanstrail ist ein Traillauf um den Plauer See herum.

Zweimal im Jahr findet der Lauf statt. Es gibt die Sommer Edition und die Winter Edition.

FTBFür mich war es am 23.02 der dritte Start in Alt Schwerin und ich hatte mich schon relativ früh wieder angemeldet. In der recht günstigen Startgebühr sind einige Leistungen enthalten: Pastaparty am Vorabend, Frühstück für alle Läufer am Veranstaltungstag, Medaillen, Finishertasse, Urkunde und 4 VP auf der Strecke! Begleiter können sich auch für kleines Geld zur Fishermansparty anmelden, was sehr praktisch ist. Diese findet am Abend nach dem Lauf statt mit Fischessen und Lagerfeuer, wenn es witterungsbedingt möglich ist.

Auf der Webseite konnte man sich den GPS-Track herunterladen und die Strecke ist in der Ausschreibung auch sehr gut mit Worten und Bildern beschrieben. Diese hatte ich mir abfotografiert. Unterwegs finden sich ausreichend Pfeile, die den Weg kennzeichnen. Ich kannte die Strecke ja größtenteils schon, bin also ohne Verlaufen gut durchgekommen. Nur das letzte Stück kannte ich noch nicht, denn in diesem Jahr gab es eine Streckenänderung. Die Strecke war 5 km länger und es wurden einige Kilometer Radweg durch einen Waldweg ersetzt, denn der Radweg war bei der 51 km Strecke auf den letzten km und war ewig lang. Das zerrt natürlich. Es gab dann vor ein paar Monaten eine Umfrage bzgl Strecke und die Mehrheit wollte natürlich mehr Trail und weniger Straße laufen. Gut so!

Ich bin wie viele andere Läufer erst am Starttag angereist. Die Woche war wieder sehr stressig auf Arbeit und irgendwas war dann auch immer. Also nur wenig ausgeruht. Am Vorabend bin ich aber schon nach Mecklenburg zu meiner Mutter gefahren, so dass ich Samstag nur noch ca 1,5 h Fahrtzeit hatte. Abends früh schlafen gegangen, den Wecker auf 4 Uhr gestellt und ab zwölf Uhr nachts dann x-mal auf die Uhr geguckt. Also, alles wie immer vor einem Lauf. Ich habe mich dann in Ruhe fertig gemacht und bin kurz nach fünf losgefahren. Auf den ersten km Fahrt war ich noch guter Dinge, fühlte mich fit und hab mich auf die Runde gefreut. Dann kam die Müdigkeit beim Fahren in der Dunkelheit wieder durch. Aber irgendwann wurde es auch hell und Alt Schwerin kam näher.

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Ich bin auf einen tollen Sonnenaufgang zugefahren. Und als ich im Startbereich ankam, bin ich auch erstmal zum Steg und hab ein paar Fotos gemacht. Es war wieder sehr kalt, aber zum Glück nicht ganz so eisig wie im letzten Jahr. Da war der See gefroren und es wehte ein eisiger Wind, fast während der gesamten Laufzeit. Das blieb uns dies Jahr erspart, wobei minus fünf Grad vor dem Start auch nicht gerade kuschelig gewesen sind. Bin dann erstmal zum Fischer ins Fischhaus rein. Dort herrschte schon reger Betrieb. Viele Läufer saßen beim Frühstück. Ich habe dann meine Unterlagen abgeholt und mit eins zwei Läufern ein paar Worte gewechselt. Irgendwen trifft man ja immer. Die Zeit bis zum Start um 8 Uhr verging recht schnell. Man möchte dann einfach nur noch loslaufen.

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Kurz vor acht war noch der Läufer-Fototermin und dann ging es halb erfroren auch schon los 🏃‍♀️ Die Strecke verläuft fast komplett um den See herum. Verlaufen kann man sich (eigentlich) nicht. Die Pfeile weisen den Weg und man ist selten ganz allein auf der Strecke. Die 9 km bis zum ersten VP verliefen recht zügig. Beim VP kurz warmen Tee getrunken und dann bin ich auch gleich weiter. Bis zum zweiten VP bei ca 23 km war es nun ein längerer Weg. Bin dann aber auch langsamer gelaufen als am Anfang. Zeitweise war es am See richtig kalt, lief man aber direkt in der Sonne, war das einfach nur schön, am See zu laufen. Im Wald gab es noch kein grün, aber die Wege waren gut zu laufen und nicht matschig. Nach ca 2,5 h bin ich beim 2. VP angekommen – bei den Angelteichen. Dort habe ich mich etwas länger aufgehalten. Direkt in der Sonne war es herrlich warm. 😁

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Nach einer kleinen Verstärkung ging es dann aber auch schon weiter. Diesmal lief es nach dem VP besser als sonst, bestimmte Teilstücke empfand ich als weniger schwer. Bin aber im gemütlichen Tempo weiter, wusste ich doch, dass noch mehr als 30 km vor mir lagen. Bei ca 37/38 km kam dann der 3.VP. Drei Läufer saßen dort und haben gemütlich Pause gemacht. Hinsetzen wollte ich mich nicht, denn dann kommt man noch schwerer in die Gänge. Es gab Kuchen – den konnte ich natürlich nicht ignorieren. Hab mir ein großes Stück genommen, meine Trinkflasche nochmal aufgefüllt und bin dann wieder los. Den Kuchen habe ich unterwegs gegessen. Das schnelle Gehen war auf jeden Fall besser, als lange beim VP zu verweilen. So ging es dann km um km weiter. Manchmal war es zäh, zeitweise kamen da schon Gedanken: was machst du hier? Noch 19 km usw. Aber diese Gedanken waren kurzweilig. Hatte zwischendurch auch ganz gute Unterhaltung, so dass ich ab und zu auch mal herzhaft lachen musste. Bei km 46 kam dann der letzte VP. Leider gab es keinen warmen Tee mehr. Da meinte jemand, Cola ist heute richtig gefragt. Ich bin ja immer vorsichtig bei sowas, aber diesmal hab ich einen Becher getrunken. Was soll ich sagen, danach war die Müdigkeit verflogen, die Beine nicht mehr ganz so schwer und es waren nur noch 10 km zu laufen. Aufgrund der Streckenänderung ging es dann auch kurze Zeit später wieder in den Wald. Das war genau mein Ding. Das Laufen fiel mir dann wieder deutlich leichter. Ein Blick auf die Uhr und ich hab gedacht, vielleicht schaffst du es unter 7 Stunden. Ich hatte dann „meine drei Begleiter“ hinter mir gelassen und bin einfach nur gelaufen. Herrlich 🌲🌳😁 Die letzten 2.5 km lief man dann wieder direkt am See. Eins zwei kleine Durchhänger hatte ich noch, aber das Ziel war so nah. Also Zähne zusammenbeißen und weitermachen. Die Uhr blieb stehen bei 6:58 😁. Im Ziel wird man persönlich empfangen. Man wird auch gleich fotografiert, umarmt, beglückwünscht und man bekommt eine schöne Medaille und Urkunde. Ja und dann …. Setzt man sich erstmal hin und trinkt ein Erdinger und freut sich. Das war auch gleichzeitig meine bisher längste Distanz, die ich gelaufen bin. 😁

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Auch wenn ich nicht zu den schnellsten Läufern gehöre, so bin ich doch immer mit Begeisterung dabei und genieße nebenbei noch die Landschaft. Wie hat damals eine Läuferin zu mir gesagt: hier zählt das Erlebnis und nicht das Ergebnis!!!

Der Fishermanstrail ist eine schöne und gut organisierte Laufveranstaltung, man merkt einfach, dass alle mit Herz dabei sind, egal ob Läufer oder Orga-Team. Es gibt dort ja einige „Wiederholungstäter“.

Im September findet die Sommer Edition statt. Ich denke, dann bin ich wieder mit dabei 🏃‍♀️

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Text: Steffi Reuter, Bilder Steffi Reuter, Veranstalter 28.02.2019

Bericht von Vereinskollege Hans-Dieter Jancker: hier kklicken

 

Die Unwägbarkeiten eines 24h-Laufes machen diese Wettkämpfe oft zu einem unvorhersehbaren Abenteuer, denn es gibt Krisen, Katastrophen, aber in seltenen Fällen auch ungeahnte Glücksmomente. Der Wettkampf lebt vom Umgehen mit Unvorhergesehenem und der gegenseitigen Hilfe. Von allem gab es reichlich bei der 12. Endurance 24h in Espoo.

Ende Februar findet in Espoo, ein direkt an Helsinki angrenzender Ort, ein international besetzter 24h-Lauf in einer Halle statt. Für meine Trainerausbildung hatte ich als Hausarbeit etwas zum Training für den 24h-Lauf sowie zur speziellen Situation der Wettkampf-Betreuung geschrieben. Konkret sollte ich einen Sportler auf einen Wettkampf vorbereiten und dort begleiten und so kam es, dass Fabian Benz mit mir nach Helsinki fuhr.

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Am Vortag hatten wir etwas Zeit, uns die Sehenswürdigkeiten der Stadt anzuschauen und der Dom, als eines der Wahrzeichen der finnischen Hauptstadt, stand natürlich mit auf dem Programm.

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Die Stadt präsentiert sich modern und sehr sportlich. Fast jeder Park hat Fitnessgeräte und im Hafen gab es ein Schwimm- und Saunazentrum, bei dem einige nicht nur im linken, beheizten Becken schwammen, sondern auch im rechten.

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Am Wettkampftag reisten wir frühzeitig zum Gelände an, um unseren Tisch einzurichten und uns mit der Infrastruktur vertraut zu machen. Die Laufstrecke hatte etwa die Ausmaße einer Stadionrunde und lag in der ersten Etage eines riesigen Sportzentrums. Auf der einen Längsseite waren die Tische der Eigenverpflegung, auf der anderen konnte man herunter auf ca 5 Spielfelder schauen, wo überwiegend Hockey gespielt wurde.

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Es gab einen großzügigen Verpflegungsbereich, der alles Nötige im Angebot hatte, zweimal sogar Nudeln mit verschiedenen Soßen und am Morgen Haferbrei.

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Die Laufstrecke war überwiegend sehr hell und gut zu laufen. Auch das Überholen in den Kurven war kein Problem.

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Mit einem Chip, den die Läufer am Fuß befestigten, wurden elektronisch die Rundenzeiten erfasst, auf dessen Basis an einem Bildschirm informative Zwischenergebnisse den Läufern angezeigt wurden. In dem Bereich war auch gute und laute Musik zu hören, die sehr motivierend war. In der anderen Kurve war ein riesiger Fitnessbereich mit hunderten von verschiedenen Geräten einsehbar, der am Samstagnachmittag und -abend auch reichlich genutzt wurde.

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Alle 6 Stunden gab es einen stimmungsvollen Richtungswechsel.

Doch nun zum Rennen selbst.

Damit mir während des Rennens nicht langweilig werden würde und ich die Möglichkeit hätte, Fabian auch auf der Runde zu begleiten, kaufte ich mir auch eine Startnummer. Insbesondere in den schwierigen, letzten 6 Stunden wollte ich ihn ziehen. Das würde allerdings einen Reinfall geben können, denn meine Form war schlecht. In Rodgau habe ich beispielsweise mit Mühe 35km geschafft und beim Grüngürtellauf ging ab der Marathondistanz ein ungewollter Kampf los und je nach Szenario war durchaus ein für mich nicht machbares Tempo vorgesehen.

Meine Idee war daher, mich die ersten 18 Stunden zu schonen, um später Fabians Tempo halten zu können. So lief ich ab und zu mit Fabian im Höllentempo eine Runde, begnügte mich ansonsten mit ganz gemütlichem Gehen und Traben, machte einige Fotos und beobachtete das Rennen im Internet, wo ein super Live-Ergebnisdient eingerichtet war, welches wieder einige abenteuerliche Taktikversuche zeigte, die überwiegend grandios scheiterten.

Da Fabian das geplante Tempo perfekt traf und sich super vorbereitet hatte, war die Betreuung recht einfach. Doch völlig unerwartet traten sehr früh Magenprobleme auf, doch all die vielen probierten Maßnahmen konnten den Rennabbruch nicht verhindern. Das war natürlich bitter für ihn. Das Training, die Vorbereitung, der Rahmen stimmte, auch die Tempo- und Ernährungstaktik passten und waren im Training dutzende Mal validiert. Er rannte als ein Test erst letzten Monat in Senftenberg in der Halle einen Tag 100km und am nächsten die 50km – ohne Schwierigkeiten! Doch diesmal gingen bei km 60 die Probleme los und Stunden später bei guten 70 km war Schluss. Später ist er dann die fehlenden Runden bis 100km noch gegangen. Respekt!

Da mir die Strecke und die Veranstaltung gefiel, einigten wir uns, nachdem er gut versorgt war, darauf, dass ich nun mein Rennen würde laufen können. Wir wechselten einfach unsere Rollen: ich lief – er betreute. Insgeheim hatte ich mir 100km an dem Wochenende vorgenommen, hätte mir aufgrund meiner Form im Idealfall 130 km zugetraut und wollte jetzt einfach einmal loslaufen und schauen, was passieren würde. Nach den ersten 6 Stunden hatte ich etwa einen Marathon auf dem Zähler und nach 8 Stunden 55 km. In der Platzierung hatte ich mich im Feld von 125 Startern in diesem Zeitraum von Platz 111 auf 107 vorgearbeitet.

Meine ursprüngliche Planung sah eher so aus, dass ich dachte, die kühle Nacht untätig zu sein und hatte nur ein langärmeliges Shirt und eine ¾ lange Laufhose mit. Das war keine gute Wahl, denn es war in die Halle sehr warm. Es bedarf kaum einer Erwähnung, dass ich der einzige im „Winteroutfit“ war, aber ich mag es ja kuschelig. Nun rannte ich in meinem Tempo los und konnte sogar viele Leute überholen. Aber so gut sich das alles anfühlte - ich musste mir meine bescheidenden Kräfte gut einteilen und legte von Anfang an regelmäßig Gehabschnitte ein.

Doch es half nichts, nach 12 Stunden war ich stehend ko. Ich musste mich hinlegen und dachte kurz über ein Rennende nach.

Hel A8Aber warum? Wegen Müdigkeit beendet man kein Rennen und so nahm ich mein Rennen nach einer längeren Pause wieder auf. Und in einer Negativ-Rekordzeit von 13:33 Stunden konnte ich die 100km schließlich vollmachen. Anfangs waren meine Gehabschnitte kurz, später wurden sie immer länger, aber ich wollte aktiv auf der Strecke bleiben. Immer, wenn ich gar nicht mehr laufen konnte, habe ich mich hingesetzt oder hingelegt und ausgeruht. Obwohl ich in der zweiten Rennhälfte durchgehend ziemlich platt war, war der vorzeitige Ausstieg aus der Fülle der Optionen gestrichen und ich versuchte konsequent von Stunde zu Stunde die beste Taktik zu finden, um möglichst viele Kilometer zu sammeln. Fabian informierte mich regelmäßig über den interessanten Rennverlauf an der Spitze und über meine Platzierung und motivierte mich dabei so gut es ging. Ich hatte das erste Renndrittel annähernd verschlafen und war nun wirklich nicht schnell unterwegs, aber konnte meine Position im Feld der Langpausierer und Dauerwanderer stetig verbessern. Plötzlich wurde ich auf Platz 79 geführt und ein paar Stunden später sogar auf Platz 50. Irgendwie war ich im Rennen drin, wollte das Maximum rausholen, auch wenn es dazu notwendig war, jeglichen Ansatz von Vernunft zu unterdrücken. Regelmäßig schossen mir Gedanken über die Sinnlosigkeit des Vorhabens ins Bewusstsein. Wenn alles gut ging, würde ich 150km schaffen, vielleicht sogar 160km, falls ich wirklich 24h auf der Strecke bleiben könnte. Möglicherweise würde ich dafür als Kosten tagelang Muskelkater haben, wochenlang nicht mehr laufen können und die ganze Saison gefährden, wenn ich hier mein Limit überschreiten würde, was ich bereits seit Stunden praktizierte. Und das ganze für ein lachhaft schlechtes Ergebnis.

Aber plötzlich kam der Moment, in dem mir zwei Dinge glasklar wurden. Der wichtigste Punkt ist, dass sich die Leistung nicht über die Zahl der gelaufenen Kilometer oder die Platzierung definiert, sondern ausschließlich aus dem Grad, wie sehr man sich bemüht hat. Und der andere war Fabian. Unausgesprochen sind wir einen Pakt eingegangen, einer betreut, der andere läuft; mit dem Ziel, dass der Läufer die maximale Strecke schafft. Ok, der Rollentausch nach 8 Stunden war nicht vorgesehen, aber solange ich laufen würde, hatten wir beide eine Aufgabe und das Hiersein einen Sinn. Wir waren ein Team und aus der Bindung entwickelten wir Stärke. Hätte ich frühzeitig, aus welchen Gründen auch immer, das Rennen beendet, so hätten wir beide uns für den Rest des Wochenendes gegenseitig bemitleidet. Also musste ich weiter. Und es ging ja auch weiter. Komischerweise ging das Laufen sogar, allerdings hatte phasenweise nach 10 Metern der Puls einen gefühlten Maximalwert erreicht und nach 50m war Schluss. Aber mit dem häufigen Wechseln von Gehen und Laufen war ich deutlich schneller als die meisten im Feld.

Lange hält man diese Art von Intervalltraining allerdings nicht durch und so gab es kurz vor Schluss die Optionen, noch einmal eine längere Pause zu machen oder die restliche Zeit zu wandern. Da ich bereits im Rennen zur Genüge die Gelegenheit hatte, zu erkennen, dass, wenn ich in meinem Zustand wanderte, das eher anstrengend als erholsam und darüber hinaus langsam war, beschloss ich, ca 3,5h vor dem Rennende noch einmal eine längere Pause einzulegen. Wir hatten ausgerechnet, wann ich spätestens aufbrechen müsste, um die 100 Meilen nicht zu gefährden, aber erstaunlicherweise kam ich recht erholt aus der Pause und konnte sogar ein paar schnelle Kilometer hinlegen. Doch das Strohfeuer war schnell erloschen, die Laufpausen wurden immer kürzer und schließlich musste ich die letzten 15 Minuten gehen, glücklich wissend, mit über 165km eine nicht für möglich gehaltene Leistung geschafft zu haben.

Dieser Lauf war für mich der kurioseste und von der Renneinteilung schwierigste 24er, den ich je gelaufen bin. In der Ergebnisliste werde ich mit etwa 166km auf Platz 30 geführt, aber diese Zahlen sind nur Nebensächlichkeiten am Rande eines großartigen Wochenendes in Finnland.

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Die für Fabian und mich schwer erkämpft Medaille.

Text: Michael Irrgang, Bilder: Fabian Benz, Michael Irrgang, 25.02.2019

„Susanne kann richtig schnell laufen“, schwärmt Franz Holzleitner, der diesmal nur als Zuschauer in die Leichtathletikhalle in Geisingen kam, wo zum 4. Mal auf einer 200m Bahn ein Halbmarathon und Marathon ausgerichtet wurde.

HM Susanne

Susanne Gölz hat es sich nicht nehmen lassen, ihren im Vorjahr gewonnenen Titel zu verteidigen. Mit 1:25h gewann sie mit großem Vorsprung und ließ nur 3 Männer vor sich. „Der Lauf passte perfekt in die Vorbereitung auf Marburg“, erklärte Susanne zu ihrem Start, die in 2 Wochen nach dem guten Ergebnis in Rodgau noch einmal über 50 km starten wird und mit dem gelungenen Formtest einmal mehr ihre fantastische Form bestätigte.

In der Ergebnisliste des Marathons befindet sich auch Klaus Mantel, der sogar 211 Runden zurücklegte und dabei mit einer Zeit von 3:45h seine Altersklasse gewann.

Text: Michael Irrgang, Bilder: Franz Holzleitner, 19.02.2019

Am Sonntag fand in Köln auf dem 63km langen, gut markierten Rundwanderweg durch Köln der Grüngürtelultra statt, welcher vom Kölnpfad-Orgateam Thorsten Klenke und Thomas Eller erwartungsgemäß perfekt organisiert wurde. Selbst beim Wetter hatten die beiden sich nicht lumpen lassen und die Läufer mit gefühlten 20 Grad und wärmer versorgt. Der Bericht hätte 10 verschiedene Schlagzeilen verdient, von „Perfekte Veranstaltung“, „Großes Familientreffen“, „tolle Vereinserfolge“, „viele stolze Gesichter“ und viele Varianten von „Ein Ultra im Februar ist ganz schön hart".

Von uns hatten sich über 20 Starter gemeldet und kurz vor dem Briefing kam es zu folgendem Gruppenbild.

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Von links: Patrc Wurmbach, Matthias Kröling, Stephan Finster, Dietmar Rosenau, Alex Hertzel, Rita Nowottny-Hupka (vorne), Stefan Gartz, Carmen Tautges, Andreas Rösler, Kerstin Konrad, Stefan Henscheid (hinten), Katja Dasbach, Michael Wiesner, Bine Scheerer, Mario Luther, Matthias Heinle, Michael Irrgang, Andreas Häußler und Anna Nowak.

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Vor dem Start konnte ich unser neues Mitglied Stefan Gartz kennenlernen.

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Obwohl diese drei Herren allesamt schon sehr erfahren sind, kann man beim Start stets eine Mischung aus Vorfreude und Anspannung sehen. Andreas Rösler, Dietmar Rosenau und Michael Wiesner kurz vor dem Start.

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Unterwegs habe ich außer diesem Foto, welches entstand, als ich ein kurzes Stück mit Stefan Henscheid lief, keine weiteren Fotos gemacht, obwohl es an Motiven nicht mangelte, denn ich musste mich doch etwas konzentrieren, dass meine Kräfte nicht vor dem Track endeten.

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Obwohl ich beinahe ewig brauchte, war der Lauf auch aufgrund meiner netten Gesellschaft relativ schnell rum, so kam ich mit Engelbert und Frank ko und glücklich ins Ziel und saß nur wenige Sekunden später im Gras bei Alex Hertzel, der sich über einen unerwarteten zweiten Platz freuen konnte.

G1 06 Carm Bine

Carmen Tautges wollte ob ihrer Form zuerst überhaupt gar nicht starten, zeigte aber bei gefälligem Sonnenstein eine starke Leistung und konnte sich im Ziel über das Finishergeschenk in Form einer individuell angefertigen Kachel freuen. Bine Scheerer konnte verletzungsbedingt leider nicht starten. Viel Respekt gebührt ihrer Entscheidung, trotzdem zu kommen und sich als Helferin zur Verfügung zu stellen.

G1 05 Siegerehrung

Alex und Thorsten bei der Siegerehrung. Genau weiß ich nicht mehr, was Thorsten in dieser Situation sagte. Möglicherweise deutete er an, wie groß der Preis im nächsten Jahr wird.

Ein besonderes Highlight aus Vereinssicht war das erfolgreiche Abschneiden der Frauen. Anna Nowak konnte die Frauenwertung gewinnen und Katja Dasbach wurde als Dritte geehrt. Es gäbe noch vieles zu berichten von den kleinen und großen Erlebnissen auf und neben der Strecke, Facebook ist voll von Berichten zufriedener Teilnehmer. Insgesamt ist der Lauf eine absolute Top-Empfehlung.

Da Podestplätze immer etwas ganz Besonderes sind, freue ich mich sehr, dass Anna und Katja zu dem Lauf einen kleinen Bericht geschrieben haben.

Mein Einstand bei der LG Ultralauf - Bericht von Anna Nowak

Seit Dezember bin ich nun Mitglied in der LG Ultralauf - jetzt hatte ich zum ersten Mal Gelegenheit für meinen neuen Verein zu starten und das sogar mit einem sehr erfreulichen Ende.

G1 AnnaAber von vorn: Auf dem Programm stand der 2. G1 Grüngürtelultra in Köln. Für mich hieß das 63 km durch den äußeren Grüngürtel als Trainingslauf für den diesjährigen JUNUT. Die Wetteraussichten waren prächtig. 16 Grad und Sonne satt und das Mitte Februar. Zeit für kurze Hose und Zwiebelschalen-T-Shirt-Prinzip. Nachdem ich die ersten LG Ultralauf Mitglieder kennen gelernt und mich mit LG-Bekleidung eingedeckt hatte, ging es schon auf die Strecke. Ich lief den Rundkurs rechtsrum. (Bei der Anmeldung musste man sich entscheiden, ob man rechtsrum oder linksrum laufen will. Keine Ahnung, warum die Entscheidung auf rechtsrum fiel). Nachdem wir eine kurze Zeit am Rhein entlangliefen, entfernte sich schon bald eine große Gruppe Läufer und ich war für wenige Meter alleine unterwegs. Kurz habe ich darüber nachgedacht ein wenig Musik zu hören, bis ich hinter mir Schritte hörte. Mein Mitläufer Matthias hatte zu mir aufgeschlossen und wir kamen ins Gespräch. Ich erfuhr, dass er schon als zweiter Mann den G1 gefinished hatte, was mich kurzzeitig in Panik versetzte. Mit einer 5:30er Pace war ich eigentlich zu schnell unterwegs, aber da wir ganz gut miteinander unterwegs sein konnten, hielt ich das Tempo bei - und es lief erstaunlich gut. Praktischerweise hatte er den Track auf seine Uhr geladen, sodass wir uns während der gemeinsamen Laufzeit nur an wenigen Stellen verlaufen haben.

Nach vielen Gesprächsstunden wartete der einzige Verpflegungspunkt nach knapp der Hälfte der Strecke auf uns. Schnell die Wasserflaschen aufgefüllt und einige Snacks verdrückt und weiter ging es im Laufschritt Richtung Ziel. Die zweite Streckenhälfte war deutlich grüner als die erste, die eher urbanen Großstadtcharme hatte, um es freundlich auszudrücken. Nach knapp 45 Kilometer schloss eine kleine Gruppe Läufer zu uns auf und so liefen wir zunächst zu sechst weiter. Nach einigen Kilometer hatte ich dann Matthias verloren und etwas weiter musste ich dann auch die anderen ziehen lassen. Mittlerweile waren die Beine müde, die Knie schmerzten und das Ende war nicht so richtig in Sicht. Kurz vor der letzten Brückenüberquerung, kam dann aber Matthias doch nochmal von hinten angeeilt und hat mich mit motivierenden Worten ins Ziel gebracht. Das ist im Übrigen der Grund warum ich unseren Sport so mag. Man trifft einfach immer nette Leute, mit denen man gemeinsam Läufe bestreiten, Quatschen, Lachen und sich quälen kann.

Der letzte Kilometer war der härteste des gesamten Laufs - aber auch der war natürlich irgendwann vorbei. Und dann die Überraschung: Ich habe tatsächlich als erste Frau das Ziel erreicht in einer Zeit von 6:10 Stunden - damit bin ich mehr als zufrieden.

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Der Gewinn: Neben einem schönen Pokal einen Startplatz für das nächste Jahr. Ich komme also wieder und freue mich auf viele schöne Laufkilometer und spannende Läufer-Geschichten.

G1 Grüngürtel Ultra in Köln - Bericht von Katja Dasbach

G1 KatjaWenn der Wecker sonntags zu unchristlichen Zeiten klingelt und man trotzdem leichtfüßig aus dem Bett hüpft, kann das nur einen Grund haben: irgendwo gibt es eine Strecke, die dringend gelaufen werden möchte.

Für mich hieß es letztes Wochenende bereits zum zweiten Mal „auf zum G1 Grüngürtel Ultra“ nach Köln.

Es war ein großes „Hallo“ in der Dreifachturnhalle in Köln-Mülheim. Thorsten Klenke und Thomas Eller ließen es an Nichts fehlen und hatten sogar ein Frühstücksbuffett für uns bereitgestellt.

Bevor es zum Start ging, habe ich mich noch bei Michaela mit einem LG-Ultralauf Outfit eingedeckt.

Nach einem kurzen Briefing durch Thorsten vor der Tür wurden wir auf die 63km entlassen.

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Nur wenige hundert Meter später trennte sich bereits der Läuferpulk, da die eine Hälfte den Grüngürtel rechtsherum und die andere Hälfte linksherum zu laufen hatte.

Ich sortierte mich tempomäßig deutlich zu ambitioniert ein. Es war mir zwar bereits bei den ersten Schritten klar, doch die nette Gesellschaft und die guten Gespräche ließen jegliche Vernunft verstummen. Ab Kilometer 29 wurde es richtig interessant, denn nun kamen uns die „Linksherum-Läufer“ entgegen. Kurz drauf erreichten wir den VP bei Kilometer 32. Hier war alles aufgetischt, was sich das Läuferherz so wünscht. Gut gelaunte Helfer versorgten uns und schickten uns mit netten Worten auf die zweite Hälfte der Runde.

Bei Kilometer 42 kam es wie es kommen musste, das zu hohe Anfangstempo rächte sich und ich musste den netten Trupp um mich herum ziehen lassen. Ein Halbmarathon fehlte mir noch bis zum Ziel. Mittlerweile hatte die Sonne die Luft ordentlich erwärmt und mir ging die Flüssigkeit aus. Doch redenden Menschen kann geholfen werde. Ein netter Spaziergänger füllte mir auf meine Frage hin mein Soft Flask mit Wasser und weiter ging es Richtung Ziel. An einer der unzähligen roten Ampeln wurde ich noch vom Meldeläufer und Stephan eingesammelt, kurz flammte die Hoffnung in mir auf, dass ich mich da nochmal dranhängen könne. Nun ja, konnte ich nicht. Aber irgendwie näherte ich mich dann doch der lang ersehnten Mülheimer Brücke und damit gleichzeitig den letzten Metern bis zum Ziel. Als Thorsten mich dort in Empfang nahm und mir eröffnete, dass ich die drittplatzierte Frau sei, setzte dies einem perfekten Tag das Sahnehäubchen auf. Nach dem Duschen habe ich meine Batterien an der üppigen Zielverpflegung aufgeladen, alle Einlaufenden mit herzlichem Applaus willkommen geheißen und noch einige richtig tolle Stunden in netter Gesellschaft verbracht.

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Text: Michael Irrgang, Anna Nowak, Katja Dasbach, Bilder: Michael Irrgang, Carmen Tautges, Katja Dasbach, 18.02.2019

 

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