Laufgemeinschaft der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung e.V.

Text und Bilder: Michael Irrgang, 18.10.2020

„Schön, dass ihr den Lauf ausgerichtet habt. Gelungenes Hygienekonzept. Klasse Organisation. Sehr schöne, abwechslungsreiche, anspruchsvolle Strecke. DANKE.“ Das Feedback der Teilnehmer war herzlich und überwältigend. Selbst Mitte der Woche hing die Ausrichtung am dünnen Faden und oft haben wir uns in den letzten Tagen und Wochen gefragt, ob eine Absage unter wenigen schlechten Optionen nicht die Beste ist.

Letztendlich fanden wir Lösungen, die erlaubt, verantwortbar und mit unseren Wünschen vereinbar waren. Und so konnte am Donnerstagabend verkündet werden: Der Lauf findet statt!

Markierung

Am Freitag wurde noch schnell der Track geprüft und die Strecke an unübersichtlichen Stellen markiert. Grundsätzlich war der etwa 68km lange Wanderweg auf dem Frankfurter Grüngürtel gut markiert, aber auch schnelle Läufer sollten keine Zeit durch Weg-suchen verlieren und niemand sollte sich verlaufen, was natürlich trotzdem einigen gelang.

Startnummernausgabe

Die Startnummernausgabe verlief entspannt. Wer wollte, konnte eine Tasche zur Aufbewahrung abgeben.

Faehre

In drei Gruppen brachte die Fähre die Starter auf die andere Seite des Mains, was schon etwas Besonderes, wenngleich Unspektakuläres war.

Zeichen

Rennleiter Klaus Haake erläuterte im kurzen Briefing, wie die Markierung des Wanderweges aussah, an denen sich die Läufer die nächsten Stunden orientieren sollten.

Start

Über 70 Läufer starteten an der Fähre zur 68km-Runde. Dabei gab es drei Startgruppen, zum einen um Gruppenbildung etwas zu reduzieren und zum anderen, um den Leistungsschwächeren etwas mehr Zeit zu gewähren, denn die Strecke mit vielen Trailabschnitten und über 500 Höhenmetern hatte es durchaus in sich.

Pokale

In der letzten Gruppe starteten die Schnellen und tatsächlich lieferten sich die späteren Gewinner einen harten Kampf um die Pokale.

Frankfurt

Beim Überqueren des Mains bot sich den Teilnehmern ein toller Anblick auf die Skyline von Frankfurt. Die Strecke bot unvermutet viel Wald, wenig Straße und Ampeln. Nach der Brücke ging es ein Stück durch die Stadt, bevor es ebenfalls unvermutet den langen und anspruchsvollen Lohrberg hochging. Auch von dort oben boten sich immer wieder schöne Anblicke auf die Stadt, bevor der nächste Versorgungspunkt kam.

VP

Unterwegs wurden die Läuferinnen und Läufer an drei größeren Versorgungspunkten gut versorgt. Dabei gab es wenig Unverpacktes und alle Getränke wurden in der Regel in Mehrwegflaschen angereicht. AM VP in Bergen-Enkheim gab es außerdem warmen Tee, der gerne genommen wurde, denn für viele kam das Angebot nach einer kurzen Regenphase und nach dem Aufstieg zum Lohrberg genau zum rechten Zeitpunkt.

Sascha Dehling und René Strosny lieferten sich ein hartes, sehr schnelles Rennen, was schließlich Sascha, der für die LG Mauerweg Berlin startet, für sich entscheiden konnte. Im Ziel tauschten sie freundschaftlich ihre Erlebnisse aus und warteten auf die nächsten Zieleinläufer.

Ehrung M

Yannik Weber komplettierte das Siegerpodest und konnte den verdienten Pokal in Empfang nehmen.

Zieleinlauf Rebecca

Als erste Frau kam Rebecca Lenger ins Ziel. Das neue Vereinsmitglied der LG Ultralauf ließ es sich trotz ihres Geburtstages nicht nehmen, am FGGU zu starten und gewann deutlich.

Ehrung F

Platz 2 belegte die Frankfurterin Nadine Stillger vor Rita Nowottny-Hupka.

Zieleinlauf

So nach und nach kamen immer mehr Läuferinnen und Läufer ins Ziel. Hier laufen Stefan Daum und Holger Hedelt, beide von der LG Ultralauf, ihre letzten Meter des Wettkampfes. Für einige Teilnehmer war es nach ganz langer Wettkampfpause wieder ein Finish für einige andere der erste Ultralauf überhaupt. Im Ziel konnte sich jeder über eine gute Leistung freuen und sich ausgiebig an der umfassenden Zielverpflegung widmen.

Neben der ganzen Runde über den gesamten Frankfurter Grüngürtelwanderweg konnte man auch 53km laufen. Diese Strecke, die eigentlich für die langsameren Teilnehmer gedacht war, boten wir kurzfristig auch für schnelle Teilnehmer an, denn es hatten sich einige, schnelle Marathonläufer und -läuferinnen angemeldet, die diesen Lauf als Ersatz für den ausgefallenen Frankfurt-Marathon nutzen wollten.

53K Start

Um 11 Uhr starteten die schnellen 53km-Läufer, unter ihnen, ganz rechts, die spätere Siegerin Anna Baum und der Sieger der Männer Marc Schoeler; beide vom Verein Spiridon Frankfurt.

Wenn man den FGGU mit einem City-Marathon vergleicht, stellt man mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten fest. Wobei in der längeren Streckenlänge gar nicht die Hauptschwierigkeit besteht. Die Verpflegung ist seltener, aber besser, es gibt wechselnde Untergründe mit einem richtigen Berg, die Renndauer ist deutlich länger und die Wegfindung ist Teil der Aufgabe.

Und die Kultur ist anders. Über Tempi, Zeiten und Zwischenzeiten spricht man im Ziel eher nicht, sondern tauscht Erlebtes und Eindrücke aus. „Die Saat ist gesät, einige werden wohl demnächst häufiger Ultras laufen“, meinte mit Lothar Esser einer der Betreuer von Spiridon und hofft auf eine Wiederholung der Veranstaltung. Trotz der durchweg positiven Resonanz ist eine Wiederholung nicht vorgesehen, aber ausgeschlossen ist das auch nicht.

Letztendlich sind wir froh und dankbar, dass viele Helfer durch ihren engagierten Einsatz den geplanten Ablauf sicherstellen konnten und dazu beitrugen, dass alles so gut geklappt hat.

Mit den Ergebnissen dauert es noch ein wenig und auch Fotos werden in Kürze veröffentlicht.

Vielen Dank an alle Beteiligte für ihre Teilnahme und Unterstützung!

 

Text und Foto: Michael Irrgang, 15.10.2020

Stand jetzt findet der 1. Frankfurter Grüngürtelultralauf statt. Teilnehmer werden bei gutem Herbstwetter 68km oder 53 km auf dem Frankfurter Grüngürtelwanderweg laufen können. Wir sind eher eine kleine Veranstaltung, halten uns an die gängigen Infektionsvermeidungsregeln, haben für die Versorgungspunkte, im Startbereich und im Ziel vernünftige Konzepte und waren die ganze Zeit recht zuversichtlich, dass wir den Lauf ausrichten können, aber der Zweifel bleibt und manchmal fragten wir uns schon, ob eine Absage nicht der einfachere Weg wäre.

Preise

Darum geht es. Wer zumindest startet, bekommt im Ziel eine Teilnehmermedaille, wer eine der beiden Strecken erfolgreich beendet, erhält eine Urkunde und einige werden sicher versuchen, einen Podestplatz zu erlaufen und einen schönen Pokal zu gewinnen. Auf den ersten Blick ist kein klarer Favorit auszumachen, zumindest ist kein Kaderathlet dabei. Einige Läufer laufen ihren ersten Ultra, quasi als Ersatz für den abgesagten Frankfurt-Marathon. Diese gut trainierten Läufer sorgen immer wieder für positive Überraschungen in der Ultralaufszene, aber die Strecke hat es durchaus in sich und ist mit einem Marathonlauf überhaupt nicht zu vergleichen. Die Pokale gibt es nur auf der 68km-Strecke zu gewinnen und die hat ca 550 Höhenmeter und ist kein schneller Asphalt, sondern halt Wanderweg.

Etwa 8,5 Stunden stehen den Läuferinnen und Läufern zur Verfügung, die spätestens um 9 Uhr an der Fähre in Höchst starten. Unterwegs können sich die Teilnehmer an drei Versorgungsstellen stärken und im Ziel gibt es dann zwar keine Party, aber eine Zielverpflegung sowie die Medaille und Urkunde.

Wem die lange Strecke zu lang ist, für den gibt es auch eine 53km lange Strecke mit zwei Startzeiten. Langsame Läufer starten um 10 Uhr und haben damit 7,5 Stunden Zeit, die schnellen Läufer starten genau 1 Stunde später.

Wer kurz entschlossen nochnachmelden will, kann dies übrigens noch heute tun. Einfach online anmelden und dann vor Ort die 30 Euro bezahlen. Eine Nachmeldung vor Ort ist nicht möglich.

Ausschreibung: hier klicken

Anmeldung: hier klicken

Wir freuen uns sehr, den Lauf ausrichten zu können und freuen uns auf eine schöne Veranstaltung.

 

Text: Julia Specht, Fotos: Carsten Mathiaszyk von trail.view, 11.10.2020

Oder: Wie verträgt sich Lauflust mit Corona? Bei mir persönlich irgendwie gar nicht gut und ich hänge dieses Jahr wirklich in einem tiefen Motivationsloch.

J3Letztes Jahr bin ich viel gelaufen, ich bin meinen ersten, persönlichen und eigens organisierten 100er gelaufen, aber dieses Jahr war einfach der Wurm drin. Nach Problemen im Rücken, einem dicken Infekt, absoluten Leistungseinbruch und dem ganzen Corona Mist, der mich psychisch echt geschafft hat, hatte ich kaum noch Lust zum Laufen und habe mir ein bis zweimal pro Woche einen 10km Lauf aufgezwungen.

Ich kann gar nicht genau sagen, woran es lag, aber Laufen machte einfach kaum noch Spass. Durch Berichte und Postings bei Facebook habe ich gemerkt: „Okay, du bist nicht alleine mit diesem „Problem“....

Also blieb ich gelassen, machte einfach andere Dinge, die mir Spass machen (so habe ich dieses Jahr das Fotografieren und Radfahren für mich entdeckt) und das war gut so. Nun war es so, dass ich mich letzten Dezember noch ganz motiviert für ein Trailcamp für Mädels, organisiert von Laura Mathiaszyk von trail.view und Tanja Schönenborn, in Saalbach-Hinterglemm angemeldet habe, welches Anfang Oktober diesen Jahres stattfinden sollte.

Man muss ja auch mal was anderes ausprobieren. Anfang August diesen Jahres dachte ich: “Okay, vielleicht solltest du mal ein wenig trainieren“, denn mit meinem gefühlt schlechten Trainingszustand habe ich mich als absolute Flachland- und Asphaltläuferin definitiv nicht in den Bergen gesehen!

Sechs Wochen vorher war für mich klar: ich sag das ab! Ich würde die Gruppe nur bremsen und das würde mich persönlich noch mehr frusten.

Nach einem kurzen, aber sehr überzeugendem Gespräch mit Tanja habe ich mich dann doch entschieden, am Camp teilzunehmen. Falls es mit dem Laufen halt nicht klappt, geh ich halt wandern :-).

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Zum Glück habe ich mich dafür entschieden! Mein persönliches Ziel war es einfach, meine Lauffreude wieder zurück zu gewinnen. Es waren fünf wunderschöne Tage mit ganz tollen Mädels mit völlig unterschiedlicher Lauferfahrung (von der 15km Läuferin über Ultra- und Wüstenläuferin bis zur Ironman Teilnehmerin war alles vertreten), die in diesen wenigen Tagen zu einer tollen Gruppe zusammen gewachsen sind. Wir sind in den Tagen wunderschöne Trails mit atemberaubenden Ausblicken gelaufen, haben eine Sonnenaufgangswanderung gemacht, mega gut gegessen, viel gelacht und einfach Spass gehabt.

Highlights waren die Vorträge von Tanja und Rafael Fuchsgruber über ihre Wüstenläufe und von Laura und Carsten über ihre Trailläufe, unter anderem im Himalaya und Island, und Workshops zu verschiedenen Arten der Regeneration (Blackroll und Theragun) und Ernährung.

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Wir durften Trailschuhe von Salomon und Topo und Stöcke von Leki testen und es gab Geschenke von Ultrasports, X-Bionic und einen eigens fürs Camp entworfenen Buff (davon kann man ja nie genug haben ;-)).

Eine Einführung ins Trailrunning hat selbstverständlich auch stattgefunden. So waren wir Mädels gut gewappnet und hatten einen riesigen Spass in den Bergen! On top gab es noch ein Fotoshooting mit Carsten Mathiaszyk von trail.view, bei dem tolle Fotos entstanden sind. Danke dafür!

In der Summe kamen bei mir in vier Läufen ca. 50km und ca. 3000 Höhenmeter zusammen. Das war in diesem Jahr die höchste Kilometerzahl für eine Woche, die ich gelaufen bin... Und es hat trotz Trainingsdefizit gut funktioniert :-). Das war definitiv gut für meinen Kopf und meine Motivation.

Ein dickes Dankeschön und großen Respekt an Tanja Schoenenborn und Laura Mathiaszyk für die Durchführung und Organisation ihres 1. Trailcamp für Mädels, von dem es nächstes Jahr eine Wiederholung gibt. Infos darüber gibt es bei www.trail-view.de.

Zur Zeit werde ich mich erstmal auf vergleichsweise kürzeren Distanzen vergnügen, aber das Ultralaufen habe ich nicht ganz abgeschrieben. Ich nehme das Jahr ganz einfach als Off-Season Jahr hin und das fühlt sich gut an, wenn man es erstmal angenommen hat.

Text: Michael Irrgang, Alle Bilder: Michael Sommer, 07.10.2020

Am Wochenende, 3. und 4. Oktober 2020 fand in Bernau bei Berlin die DUV-Challenge statt, bei der einige Meisterschaftsschaftsstrecken in einer Veranstaltung angeboten wurden. Ein interessantes Konzept, was ein hochkarätiges Startfeld zusammenführte, auch, weil am Vorabend der Laufwettkämpfe die jährliche DUV-Mitgliederversammlung stattfand.

DC Petra

Text: Petra Fornacon

Die LG Ultralauf war durch ein kleines, dennoch erstklassiges Team vertreten, was die Erwartungen mehr als erfüllte. 

So konnte beispielsweise Petra Fornacon eine neue Bestleistung über 24h erzielen und damit sowohl ihre Altersklasse gewinnen als auch einen Beitrag zum Gewinn der Frauenmannschaftswertung leisten.

Carsten Bölke, Vizepräsident der LG, kümmerte sich um die Betreuung der Läuferinnen und Läufer, motivierte, versorgte und tröstete dort, je nach Situation. Für viele der Athleten war dieser Wettkampf der erste wichtige Wettkampf in diesem Jahr und entsprechend hoch waren die Erwartungen und die Motivation. Einige mussten zu optimistische Anfangsgeschwindigkeiten korrigieren, andere brachen ihr Rennen ab, andere kamen super durch - so brachten die Wettkämpfe die typische Spannung mit einigen Überraschungen.

In der Folge kommen Susanne Gölz und Ralf Gundermann zu Wort. Susanne gewann souverän den 6h-Lauf und Ralf konnte sich über den Sieg beim 12h-Lauf freuen.

 Alle Ergebnisse:

WK Weite Pl m/w Name AK Pl AK
6h 74,887 km 1 Gölz, Susanne W35 1
12h 126,247 km 1 Gundermann, Ralf M40 1
24h 166,170 km 8 Fornaçon, Petra W 60  1
24h 149,176 km 10 Kolter, Mechthild W 55  2
24h 128,892 km 24 Lauterbach, Alexander M 40  2
24h 123,972 km 28 Benz, Fabian M 30  3
24h 120,896 km 16 Bauer, Edda Hanna W 75  1
24h 117,027 km 31 Sittner, Falk M 35  4
24h 109,220 km 35 Simon, Ralf M 60  3
24h 83,404 km 40 Jancker, Hans-Dieter M 65  2

 

DC SusanneText: Susanne Gölz

Nach langer Wettkampf-Abstinenz stand am Samstag, den 03.10.20 endlich wieder ein Rennen für mich auf dem Programm. Durch eine Erkrankung fehlten mir in den letzten Monaten Luft und Kraft; viele meiner Läufe endeten in einem „Zwangs-Spaziergang“. Vor 9 Wochen kehrte die Energie jedoch zurück, ich erzielte schnell Fortschritte und so beschloss ich in Bernau alles auf eine Karte zu setzen. Mit einer optimistischen Pace von 4:30 rannte ich los. Das ging ca. 40 km lang gut (wie im Training) – dann war Schluss und der Lauf wurde zur Qual. Ich wurde immer langsamer, die leichte Steigung wurde gefühlt zum ausgewachsenen Berg, der Gegenwind zum Orkan. Ein ständiges stehen bleiben und trinken brachte mir die Energie auch nicht zurück. Die Betreuer taten ihr Bestes und nicht zuletzt verdanke ich es ihnen, dass ich die 6h noch durchgehalten habe. Von Anfang an war mir dieses Risiko bewusst und so freute ich mich zum Schluss dennoch über meinen Sieg mit einer Leistung von 74,887 km. 
Die Veranstaltung war trotz der besonderen Umstände sehr gut organisiert. Ich hatte viele nette Begegnungen, genoss den Wettkampf-Spirit und so trat ich meine Heimreise mit einem neuen, großen Motivationsschub auf zukünftige Rennen im Gepäck an.

DC RalfEine Ersatzveranstaltung, die sich gelohnt hat

Text: Ralf Gundermann

Da mein Jahreshauptziel, der Spartathlon, 21 Tage vor dem Start abgesagt wurde und damit die vielen entbehrungsreichen Trainingskilometer nicht umsonst sind, suchte ich mir eine alternative Veranstaltung heraus. Die DUV-Challenge eine Woche nach dem Spartathlon-Termin passte sehr gut und viele vom deutschen Spartathlon-Team hatten dieselbe Idee.
Für die 24 Stunden konnte ich mich nicht mehr motivieren, da ich nach der Absage schon sehr enttäuscht war. Aber über die 12 Stunden hatte ich nur eine Bestleistung von einer Zwischenzeit bei einem 24 Stunden-Lauf. 12 Stunden-Läufe werden sowieso recht selten angeboten, also warum nicht mal versuchen, die 12 Stunden auf Bestleistung zu laufen? Als Ziel hatte ich mir mindestens 120km gesetzt, und wenn alles gut läuft und zusammen passt (Form, Strecke, Wetter, usw.), wieso nicht auch 130km.
Der Start war um 22:00 und der Wettkampf ist in die 2. Hälfte der 24 Stunden integriert. D. h. ungefähr 9 Stunden Dunkelheit und 3 Stunden Tageslicht. Die erste Schwächephase kam schon nach 20km relativ früh, als ich schwere Beine fühlte. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich, dass kann ja heiter werden, der Wettkampf hat ja gerade erst begonnen. Allerdings musste das nur eine Einbildung gewesen sein, denn die Kilometer zwischen 30 und 80 verliefen wirklich flüssig und ich konnte mir einen komfortablen Vorsprung von 5 Runden (9km) in der Gesamtplatzierung herauslaufen. Nach ungefähr 6 Stunden Laufzeit hatte ich 2 Km auf mein Maximalziel von 130km Vorsprung, aber ich wusste jetzt schon, dass ich die nicht ins Ziel bringen werde, da die Strecke ihre Tücken hatte. Sehr viele 90° Kurven und ein langer leichter Anstieg, der sich aber mit zunehmender Rundenanzahl immer größer anfühlte.
Zum Ende des Rennes erwartete man die Morgendämmerung sehnsüchtig. Da die 24h-Läufer doch schon einige Kilometer in den Beinen hatten, war ich mittlerweile der schnellste im Feld, was mich zusätzlich motivierte. Den Vorsprung auf den 2. Platz konnte ich halten, aber ich hatte immer das Gefühl, das der Zweite auf einen plötzlichen Einbruch von mir hoffte. Also ausruhen und Gehpausen einlegen, wollte und konnte ich mir nicht mehr gönnen. Die letzten 4 Runden konnte ich nochmal mobilisieren und das Tempo anziehen. Auf der letzten Runde begleitete mich Vereinsmitglied und guter Freund Falk Sittner, was mich sehr freute.
Die Sirene erklang nach genau 12 Stunden und es standen 126,247km zu buche. Mindestziel erreicht und Maximalziel knapp verfehlt.
Nach einigen sehr guten AK-Platzierungen in der Vergangenheit, ist endlich der Knoten geplatzt und ich habe zum ersten Mal in meiner Laufkarriere den 1. Platz in der Gesamtwertung bei einer Laufveranstaltung. Es waren zwar nur 12 Läufer am Start, aber stolz bin ich trotzdem.
Ein großes Dankeschön geht an den Laufveranstalter, der eine schöne und anspruchsvolle Strecke heraus gesucht hat und sich bei der Organisation sehr viel Mühe gab. Mein besonderer Dank geht an die Verpflegungsstandbetreuer unsers Pavillons von der LG Ultralauf, welche immer motivierende Worte hatten und jede Runde unsere Wünsche erfüllten.

Am Ende kann dieser Wettkampf natürlich nicht den abgesagten Spartathlon in Griechenland ersetzen, mit seinem besonderen Flair und dem internationalen Läuferfeld. Aber mit einem 1.Platz in der Gesamtwertung und einer neuen persönlichen Bestleistung über 12 Stunden bin ich doch sehr zufrieden.

05.10.2020, Text: Michael Irrgang, Bilder: Cathrin Haake, Michael Irrgang, Logo Veranstalter Axel Holl

Nix 6-Tagelauf in Ungarn, Spartathlon in Griechenland oder DUV-Challenge in Bernau – Nein: Nach Rettert sollte es gehen, wo Alex Holl einen feinen Backyard Ultra organisiert hat.

BU 0Bei diesem relativ neuem Laufformat geht es darum, möglichst viele Runden zu laufen, die genau 6,707 km lang sind und an Höhenmetern gemessen oder geschätzt irgendetwas zwischen 75 und deutlich über 100 haben. Gestartet wird zu jeder vollen Stunde. Wer nicht pünktlich zur neuen Runde am Start steht, ist raus. Wenn eine Runde nicht in unter 1 Stunde beendet wurde, zählt diese sogar nicht. Nach 24h ist man so genau 100 Meilen gelaufen, garniert mit ca 2000 Höhenmetern. 6,7 km in einer Stunde klingt machbar, selbst, wenn ein Großteil des Weges unbefestigt ist, aber dieses Format ist alles andere als einfach. Und wenn man die Höhenmeter nach üblichen Formeln in Längenkilometer umrechnet, wäre die Leistung mit 180km in 24h zu bewerten und schon recht ordentlich.

Die spannende Frage der Renntaktik ist: Lieber schneller laufen und eine längere Pause haben oder mehr gehen und kürzer pausieren? Kann eine Pause zu lang oder zu kurz sein? Geht man in der Pause auf Toilette oder nach dem Start oder gar unterwegs? Isst und trinkt man in den Pausen genug oder sollte man sich in den Pausen ausruhen und unterwegs essen und trinken? Fragen über Fragen. Da der Erfahrungsschatz begrenzt ist, gilt es also, sich selbst eine Taktik zu überlegen und sie dann empirisch zu validieren. Dabei muss man gar nicht alle Erfahrungen selber machen, sondern es ist schon recht interessant, das Lauf- und Pausenverhalten der anderen Teilnehmer einfach nur zu beobachten.

Bereits vor der Anmeldung muss man für sich die Frage beantworten, was man da überhaupt will. Oft läuft es auf eine Mindestleistung heraus, was ich problematisch finde. Die Frage nach der Zielsetzung ist auch deswegen recht schwierig ist, weil man nicht weiß, wie lange das Rennen überhaupt dauert, denn sobald der Vorletzte ausgeschieden ist, muss der letzte Teilnehmer noch eine zählbare Runde laufen, um zu gewinnen.

Einen wirklich langen Kampf kann es daher nur dann geben, wenn lange Zeit der Zweite, der auch Assist genannt wird, die Hoffnung hat, noch gewinnen zu können. Insofern hat der Lauf viel mit Psychologie zu tun. Stärke demonstrieren, Schwächen zeigen, Sprüche kloppen - alles wirkt auf jeden. Die Beobachtung von Rennverläufen lässt den Eindruck entstehen, dass kaum einer aufhört, weil er nicht mehr kann, sondern weil er die Ausweglosigkeit seiner Situation akzeptiert.

Wenn ich von „er“ schreibe, meine ich natürlich auch „sie“ – mache das nur, der besseren Lesbarkeit wegen, aber tatsächlich ist es durchaus diskussionswürdig, ob die anatomische Veranlagung von Frauen nicht sogar ein Vorteil ist. Spätestens seitdem im letzten Jahr mit Maggie Guterl eine Amerikanerin nach unglaublichen 68 Stunden die Weltmeisterschaft für sich entschied.

Das Spannende an dem Rennen ist, dass es kaum möglich ist, Favoriten zu benennen. Im Livetracking gibt es zwar eine Bestenliste aus der Addition der Nettozeiten, aber zu schnelle Runden sind meistens unklug und nicht selten leert sich die Liste von oben und von unten gleichermaßen schnell. Eine kluge Renneinteilung erkennt man eher daran, dass gleichmäßig schnelle Runden gelaufen werden.

Doch nun zum Rennwochenende. Ich reiste mit Jens Allerheiligen an, der extra aus Hannover angereist war, um die Läufer unseres Vereins zu unterstützen. Schnell war für den Pavillon ein Platz auf dem Acker gefunden und alles ausgeladen und aufgebaut. Dann ging es ins Hotel zum Ausruhen und Essen. Erst eine Stunde vor dem Start wollten wir wiederkommen.

Als wir wiederkamen, trauen wir unseren Augen nicht. Zunächst sah es aus, als sei unser Pavillon weg, aber dann erkannten wir, dass er schön zusammengelegt in unserer Parzelle lag. Es stürmte in der Zwischenzeit so sehr, dass sich Heringe lösten und Pavillon einfach wegflog. Umsichtige Teilnehmer halfen zur Rettung des Materials. Nun war guter Rat teuer!

BU 2

Zugegebenermaßen bot unser großer Pavillon eine recht große Angriffsfläche für die vereinzelten Windböen. Letztendlich verließen wir den Acker und bauten unseren Pavillon an der Seite des Geländes auf, recht nah an der Verpflegung und mit der Möglichkeit der Befestigung am Zaun, Baum und Auto.

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Kurz vor dem Start stellte sich unser Team zum Foto auf:

Ich, Klaus Haake, Michael Frenz und Jens Allerheiligen. Wir waren schon voller Neugier und Zuversicht, aber dass der Wettkampf später sich so super entwickeln würde, vermuteten wir nicht.

Um Punkt 20 Uhr starteten fast 190 Läuferinnen und Läufer in die erste Runde. Das Wetter hätte besser nicht sein können. Zwar war es dunkel, aber weder kalt noch windig und manchmal konnte man sogar neben dem Mond den Mars erkennen, wenn man es sich denn leisten konnte, in den Himmel zu schauen.

Die erste Runde verlief unspektakulär. Einfach hinten im Feld mitschwimmen und aufpassen, bloß nicht zu schnell zu sein. Michael Frenz, der bereits dort im letzten Jahr lief, meinte 55er Runden seien perfekt und lief selbst eine 49er Zeit. Meine 52:xx gefielen mir ganz gut und fortan war beschlossen, alle Runden zwischen 52 und 53 Minuten zu versuchen, was mir ganz gut gelang, bis auf wenige Runden, in denen ich vor lauter Quatschen meine Gehabschnitte vergaß.

BU 5Nach Beendigung der Runden ging ich am VP vorbei, der an der Außenseite des Gemeinschaftshauses absolut coronagerecht aufgebaut war, nahm mir irgendetwas zu essen und ging in unseren Pavillon, wo die anderen schon auf mich warteten. Dann gab es einen Becher Kaffee oder Tee und noch einen Schluck Iso und nach einer fünfminütigen Sitzpause ging es dann auch schon schnell weiter. 5 Minuten hinsetzen war eine echte Wohltat, genug zum Ausruhen, zu kurz zum Auskühlen. Drei Minuten vor dem nächsten Start erfolgte der erste Pfiff vom Veranstalter und dann im Minutenabstand die nächsten. Nach ein paar Runden hatte ich mir meine Wegpunkte mit idealen Zwischenzeiten gemerkt. Bei der ersten großen Kurve war ich normalerweise nach 24 Minuten und nach 42 Minuten war ich am höchsten Punkt, von wo aus ich ca 10 Minuten ins Ziel brauchte, davon von einem bestimmten Baum 3 Minuten, wenn ich ab da ging.

Das ganze fühlte sich wie in einer Endlosschleife an und die ersten Runden denkt man tatsächlich, man könne das endlos schaffen. Meist startete ich hinten und blieb auch ziemlich am Ende. Erst bei dem letzten abwärtsführenden Teilstück überholte ich ab und zu einige Teilnehmer. Dennoch war offensichtlich, dass längst nicht alle Teilnehmer in einer Kann-ich-endlos-Schleife waren, denn die Zahl der gestarteten Läufer wurde von Runde zu Runde geringer.

Das erste Stück verlief durch den Ort und dann ging steil eine Wiese runter mit hoher Umknickgefahr. Am Ende der Senke folgte der Wiesenanstieg, steil, kurz, windanfällig, perfekt, um oben angekommen die richtige Betriebstemperatur zu haben. Dann kam ein langes Stück mit einigen Wellen. Hier versuchte ich nach einem wechselnden Rhythmus Geh- und Laufabschnitte einzulegen, so dass ich genau nach 24 min an der Kreuzung ankam, an der der lange Anstieg begann. Ich freute mich darauf, denn ab hier konnte ich einen Kilometer in 10 Minuten einfach nur langsam den Berg hoch wandern ohne eine Sekunde darüber nachdenken zu müssen, einen Schritt zu laufen. Oben folgte dann noch ein welliger Abschnitt bis man aus dem Wald herauskommend den letzten Kilometer bergab über Straße rennen konnte, bevor die letzten Höhenmeter einen wieder auf das Veranstaltungsgelände führte.

Nach 12 Runden war die Nacht vorbei und man konnte die Lampe weglegen. Dennoch hatte man erst 80,46 km auf der Uhr stehen. So langsam zeigte sich die Müdigkeit und man sah auch, dass die Strecke im Wald eher langweilig war. Zum Glück, denn so war die Gefahr sich zu verlaufen geringer.

In die 13. Runde starteten nur noch 53 Männer und Frauen. Wir drei sind gut durch die Nacht gekommen und waren recht zuversichtlich, noch einige Runden zu können. Ich genoss die fünfminütigen Pausen in unserem Zelt. Es war vorrübergehend unser Wohnzimmer, warm und behaglich, die Stimmung war ebenfalls prima. Jens versorgte uns mit allerhand Informationen, half uns, wann immer sich Bedarf anstellte und schickte uns immer motiviert in die nächste Runde. Früh morgens ging er dann ins Hotel, um sich auszuruhen und wenig später kam Cathrin, um den Betreuungsjob ebenso perfekt zu übernehmen. Im Vorfeld konnte ich den Wert einer Betreuung nicht richtig einschätzen, im Nachhinein halte ich sie für extrem hilfreich. Eide sind sehr erfahrene Betreuer, packen an, wo etwas zu tun ist und finden stets die richtigen Worte. Vielen, vielen Dank für die großartige Unterstützung ihr zwei.

So verging Stunde um Stunde. Plötzlich tauchte Colin auf der Runde neben mir auf. Colin Keuker-Sample, ein Vereinsmitglied, den ich zuletzt beim Chiemgauer Trail getroffen hatte, war vor Ort, aber in der Dunkelheit nicht zu erkennen gewesen. Nun passten die Rundenzeiten und wir liefen eine Runde gemeinsam. Er hatte schwer zu kämpfen, um sein Ziel zu erreichen, zum ersten Mal in einem Wettkampf mehr als 100km zu schaffen.

Jens holte mit ihm die wichtigsten Sachen aus seinem Zelt und so zog er bei uns ein. Die letzten drei Runden würden wir schon gemeinsam schaffen. Und so kam es auch. Mit einer 53er Zeit beendete er die 15 Runde und wird mit 100, 580km gewertet. Herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle.

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Mittlerweile schaffte ich zwar noch die geplanten Zeiten, aber ehrlich gesagt, hätte ich auch kaum schneller laufen können – es wurde langsam, aber sicher anstrengend. Während Michael Frenz sich gefühlt jede Runde irgendwie umzog, vermittelte Klaus ebenfalls einen souveränen, hellwachen Eindruck, als ob er den nächsten Start kaum erwarten konnte. Ich brauchte jede Sekunde Pause und konnte den Aktionismus der anderen beiden nicht so recht teilen. In dieser Phase entstanden witzige Dialoge, wir motivierten uns gegenseitig und pushten uns. Das Wort „Aufhören“ fiel nie, ganz im Gegenteil entstand die Idee, dass wir eine Zeltchallenge machen und uns war klar, dass der Sieger des Zeltes auch in der Gesamtwertung weit vorne würde landen können.

Irgendwann kam der kritische Moment, ich glaube, es war nach der 18. Runde. Es begann zu regnen! Eine Fügung des Schicksals meinte es gut mit mir und durch eine einmalig schnelle 50er-Runde konnte ich vor dem Regen das Zelt betreten, aber leider hörte er am Ende der Pause nicht auf, sondern bescherte uns eine Regenrunde. Also Regenjacke an und sich über die erfrischende Abwechselung freuen.

Zum Glück war es tatsächlich nur eine einzige Runde. Danach war zwar das Gras nass, aber der Regen war weg. Und? Es kam, wie es kommen musste. Meine Füße signalisierten Blasenanbahnung. Also war Sockenwechseln, Eincremen und Schuhwechsel erforderlich. In 5 Minuten??????? Dann fiel mir ein, dass die Socken zwar in meiner Tasche, die Schuhe aber im Auto waren und den Schlüssel hatte Jens und der ist im Hotel! Die Zeit reichte gerade so, um einen Fuß zu versorgen, so lief ich fortan mit einem schwarzen und einem orangenen Socken in nassen Schuhen. Leider kam ich nicht auf die Idee zu schauen, aber das Auto war gar nicht abgeschlossen. Etwas ärgerlich. Fürs erste war Ruhe, aber die Gewissheit noch viele Runden drehen zu können, war plötzlich weg. Nur 17 Leute waren nach 18 Runden noch im Rennen und wir drei waren körperlich und mental noch ziemlich gut dabei.

BU 4

Nur 10 Leute, davon 3 der LG Ultralauf standen an der Startlinie, als um 19 Uhr abends die 24. Runde gestartet wurde und die zweite Nacht einläutete. „Nur“ ist dabei angesichts der Startzahl vielleicht gering, aber viele Backyard-Rennen sind nach einem Tag bereits entschieden und hier sahen noch einige Teilnehmer so aus, als wollten sie noch viele Runden drehen und eine zweite Nacht durchlaufen. Und wir waren mit dem ganzen Zelt-Team dabei!

Obwohl die Strecke vergleichsweise schwer ist, deutete sich an, dass sich hier ein großes Rennen entwickelt! Wer hatte noch Lust und Kraft, durch die zweite Nacht zu rennen? Alle sahen angeschlagen aus, aber 6,7 km sind nicht unmöglich, wenn der Wille stark genug ist. Das Problem ist die unterschiedliche Wahrnehmung. Anderen sehen stark aus und man selbst fühlt sich schwach. Zweifellos sind 24h eine ganz starke Leistung und eine Top10-Platzierung aller Ehren wert. Wenn man jetzt aufhört, könnte man noch im Restaurant sogar noch etwas zu essen bekommen…..

Damit ich nicht auf dumme Gedanken komme, habe ich mir rein vorsorglich auch für die zweite Nacht kein Hotelzimmer genommen. Mein Zustand war seit Stunden schlecht, ist aber irgendwie auch nicht wesentlich schlechter geworden. Und die 52er Zeiten klappten ja auch noch – also weiter.

Klaus beendete nach der 24. Runde den Wettkampf. Großartige Leistung. Nie geklagt, immer hilfsbereit, bis zum Schluss in der Lage eine sub50 zu laufen, keine Zipperlein, nichts. So fit will ich auch einmal wieder sein. Wir sind einige Runden zusammengelaufen und es waren sehr angenehme Runden.

Bei mir meldeten sich die Füße wieder. Ich konnte jetzt nur noch von Runde zu Runde planen, aber auf gar keinen Fall wollte ich aufhören, ohne nicht absolut sicher zu sein, keine weitere Runde zu schaffen. Also ab in die 25. Noch 6 Leute sind im Rennen. Irgendwie bin ich diesmal schon beim Verlassen des Geländes hinten und kann schon nach kurzer Zeit keine Lampe mehr vor mir sehen. Zweimal schaue ich auf den Track, ob ich noch richtig bin. Irgendwie nimmt der Weg diesmal kein Ende. 3,5 Minuten länger als sonst benötige für das erste Stück. Hui, das wird schwer, auch nur noch diese Runde zu finishen. Oben bin ich dann nach 48 Minuten, von wo ich im frischen Zustand etwa 10 Minuten brauche. Jetzt heißt es die Beine in die Hand nehmen, so schwer es fällt. Diese Runde muss unbedingt noch in die Wertung. Panik macht schnell und ich schaffe es. Die Frage nach einer weiteren Runde stellt sich nun definitiv nicht mehr, die Füße können nicht mehr. Von der Müdigkeit und vom Willen her, wäre es möglich gewesen, aber das Problem des Formates ist halt die Begrenzung der Pause. Hier fehlt die Zeit für Hygiene und längere, notwendige Pausen.

Michael Frenz wollte eigentlich auch nach 25 Runden aufhören, was auch für ihn ein toller Erfolg ist, aber Jens vermochte ihn wieder zum Aufbruch zu ermuntern. Dann kümmerte er sich um mich, buchte ein Hotelzimmer und begleite mich dorthin. Dann ging er schnell zurück, damit der andere Michael nicht aus Versehen aufhörte. Mittlerweile waren nur noch 3 Personen im Rennen und kurz danach waren es nur noch Marina Kollassa und er. Beide sahen stark genug aus, um die komplette Nacht noch durch den Taunus zu rennen.

Plötzlich und unerwartet, die beiden befanden sich in der Startaufstellung zur 32. Runde, sagte Michael zu ihr, dass er nicht mit loslaufen würde und gratulierte ihr zum Sieg. Völlig überwältigt von der unerwarteten Wendung des Rennens flossen erst ein paar Tränen, dann lief sie ihre schnellste Runde. Das Duell der beiden war wirklich großer Sport. Beide waren auf höchstem Niveau physisch wie mental topfit und haben das Rennen von Anfang bis zum Ende wirklich clever gestaltet.

Für uns als Verein sind die Plätze 2, 5-6 und 7-10 ungeahnt gut. Ich bin davon überzeugt, dass wir durch unsere Teamstrategie und -harmonie unser Potential ausgeschöpft haben. Und es hat echt Spaß gemacht. Schon in Nacht öffnete Alex Holl, der die Veranstaltung wunderbar organisiert hatte, die Anmeldung für den nächsten Backyard Ultra im nächsten Jahr und einige Teilnehmer brauchten nicht viel Bedenkzeit, um sich wieder anzumelden.

Für mich persönlich ist Anfang Oktober nicht die richtige Jahreszeit, zu kalt, zu nass und zu lange dunkel. Aber wer weiß, gefühlt ist das nächste Jahr noch ganz weit weg. Und eins muss man diesem Format lassen: Der Wettkampf ist komplett anders als andere Formate, z.B. ein 24h-Lauf. Eher schwerer. Ich kann es daher jedem Ultraläufer nur empfehlen, an einem derartigen Wettkampf einmal teilzunehmen. Wer eine schwere Strecke nicht scheut, ist in Rettert bei Alex sehr gut aufgehoben.

Ergebnisse 2020: Link

Anmeldung 2021: Link

 

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