Laufgemeinschaft der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung e.V.

12h und 24h Sri Chinmoy Self-Transcendence Lauf Basel (Schweiz)

„Run and Become. Become and Run. Run to succeed in the outer world. Become to proceed in the inner world“

(Sri Chinmoy 1931-2007)

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1. die „Verpflegungsstraße“

Ein Lauf jenseits von Grenzen, Nationalitäten, Vereinen – gelebte Ultralaufkultur vom Allerfeinsten. International, fair und in einer ganz besonderen Atmosphäre.

Die Aussicht, dass 6 Leutchen aus meinem Laufclub da sein würden, war prima. Dina Böhm unterstützte mich von Anfang an, während des Laufes und hinterher alle von LG Ultralauf, die Hilfe benötigten, obgleich sie gar nicht unserer Laufgemeinschaft angehört; sie bot Hilfe an – unkompliziert.

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2. Elisabeth Ploch und Dina Böhm

Am Freitag sah ich mir das Gelände an. Idyllisch gelegen, mit malerischer Bergkulisse im Hintergrund, um nicht zu sagen: Fast schon luxuriös, denn von solchen Sportanlagen kann manche Stadt in Deutschland nur träumen.

Am Samstagvormittag entdeckte ich Edda Bauer in der Umkleide, die sich ein paar Tage nach dem 6 Tage-Ungarnlauf spontan nachmeldete und so versuchten wir LGU´ler uns zu finden. Ein komplettes Gruppenbild mit allen 6 LGU Leuten war nicht möglich, da wir zu viele Läuferinnen und Läufer waren und so machten wir Fotos, wie die Situation es zuließ. Ein Kollege startete im 12h-Lauf nachts.

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3. Ursula Jedele, Jonathan Gakstatter, Elisabeth Ploch

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4. v.l.n.r: Edda Bauer, Elisabeth Ploch, Ursula Jedele, Werner Kempken

Während des Laufes nickten wir uns fröhlich zu, doch stellte ich sehr bald fest, dass dies ein besonderer Lauf war und irgendwann begriff ich, dass ich mitten drin war, an einem großartigen Ereignis teilhaben zu dürfen. Nele Alder-Baerens nahm teil und versuchte Rekorde aufzustellen. Wer ihren Namen hört, verbindet Bestzeiten und alle, die wollten, konnten auch sehen, wie sehr sie kämpfen musste. Bis zum Schluss fieberten wir auf der Laufstrecke mit. Sie versuchte, den 12h-Rekord zu knacken. Dass sie noch mehr schaffen würde, war zunächst gar nicht klar, denn das Wetter war nicht optimal. Nele musste in die Nacht hineinlaufen und nur wer eine Sehschwäche hat, versteht, wie schwer das für Nele ist, die eine manifeste Seheinschränkung hat.

Ich selbst gehöre zur Fraktion derjenigen, die gerne auf dem Weg sämtliche Schlaglöcher mitnehmen, den Boden gelegentlich gerne mal horizontal begrüßen, Bäume unfreiwillig umarmen, sämtliche Stehlampen abknutschen und hinterher mit blauen Erinnerungen nach Hause fahren. Die Strecke war nachts sehr gut ausgeleuchtet – an wichtigen Stellen standen Schilder mit motivierenden Sprüchen, doch erfordert ein Lauf in die Nacht hinein, wenn man müde ist und die Koordination nachlässt, höchste Konzentration.

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5. tagsüber war es warm

Ab km 54 setzte mir das Wetter zu. Ich verlor mehr Flüssigkeit als ich zu mir nehmen konnte und so musste ich einen Arzt aufsuchen, der mich schonend unterstützte. Das flüssige Laufen wurde zu einem Gehen und später zu einem langsamen Tippeln, um nicht noch mehr Flüssigkeit zu verlieren – von Runde zu Runde. Die Temperatur war mit 21 Grad tagsüber angenehm, wenn nur nicht die hohe Luftfeuchtigkeit gewesen wäre.

Zwischen 3.30 Uhr und 7.00 Uhr bei 10 Grad regnete es in Strömen, doch da waren alle anderen, die genauso litten, schwitzten, um jede Runde kämpften. Ursula Jedele (LGU) kämpfte gegen die Müdigkeit an, Edda Bauer (LGU) gegen die wunden Füße, Werner Kempken (LGU) gegen das Unwohlsein, ich verhandelte mit meinem Kreislauf, Jonathan Gakstatter (LGU) hatte nach 101 km um 23 Uhr den Lauf für sich selbst gefinished , Sören Michel (LGU) hatte nach einem Marathon morgens um 4 Uhr „genug“, der seinerseits im 12h-Lauf um Mitternacht gestartet war. So verblieben die 24h LGU´ler Werner, Edda, Ursula und ich auf der Strecke. Ein unausgesprochenes Commitment herrschte: „Wir machen das.“ Wir sahen uns an, ohne Worte immer wieder: „Na, eine Runde ist geschafft. Supersache!!!“ Zum Schluss hatten alle 5, die im 24h Lauf von LG Ultralauf gestartet waren, über 100 km geschafft. Dreistellige Zahlen zu erlaufen ist keinesfalls eine Selbstverständlichkeit. Edda und Ursula gewannen sogar ihre Altersklasse.

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6. Edda Bauer, Elisabeth Ploch

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7. Werner Kempken, Ursula Jedele, Edda Bauer, Elisabeth Ploch

 

Was ist so motivierend bei solch einem Lauf?

Die fleißigen Helferinnen und Helfer an der „Verpflegungsstraße“, die jeden freundlich begrüßten – egal, wie weit man war.

Jede Leistung wurde gleichermaßen kommentiert und honoriert, fröhliche Zurufe, Musik und verständnisvolle Blicke.

Man war willkommen, egal wie die Leistung war – es wurde wertgeschätzt, dass man lief und sich bemühte, ein Ziel zu erreichen, dass man nicht aufgab . Die Atmosphäre war suuuuuuuuper!  

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Vor dem Baustellenzaun war das Schild: „Never give up!“ und an den blühenden Bäumen in der Kastanienallee waren Smileys angebracht, damit man nicht vergaß zu lächeln und dass mit einem Lächeln die Welt schöner ist. Die kleinen, liebevollen Details am Rande. Die Verpflegung war liebevoll gemacht, und wer nichts zum Essen fand, der hatte selber Schuld.

Corrine Balhadere und Philippe Herbert aus Frankreich, die immer wieder ein: „Ca va???“ für mich übrig hatten. „On marche.“ „Qui, on y va.“ Die dänische Kollegin Diana Kämpe (12h-Lauf) oder die Ehefrau von Edward de Leng (24h-Lauf), die immer wieder freundlich lächelten und uns zeigten, dass egal, woher wir sind, wir allesamt eine besondere Zeit verbringen und mitfühlend dabei waren. Antje Krause (Ultra Sport Club Marburg) sprach mir aufmunternde Worte zu, während sie selbst tapfer die Runden abspulte und den Gesamtsieg über die 12h erlief.

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Nele Alder-Baerens (Ultra Sport Club Marburg) hatte nach 6h 80,85 km W40 WR und W40 DR; nach 12h 148,141 km und somit W40 WR und W40 DR und nach 13:13:15 h den W40 WR und W40 DR über 100 Meilen. Sie finishte um 01:13:15 Uhr und ich gratulierte ihr von Herzen – auch an dieser Stelle. Respekt für diese wunderbare Leistung!!!! Jeder würde jetzt denken, dass sie sich feiern ließ. Nele war morgens wieder an der Laufstrecke und jubelte uns zu, fieberte mit und bedanken möchte ich mich vor allem bei ihr! Sie war diejenige, die mir bei km 93,4 zur Seite stand – im Tippelschritt mit mir ging. Sie stellt sich auf die Bahn und sagte nur: „Elisabeth, komm!“ Konnte ich sie stehen lassen und aufgeben? Nein!!!! Nele kann man nicht stehen lassen, denn wenn es um das Kämpfen für ein Ziel geht, dann weiß Nele, wie es geht. Ohne sie hätte ich aufgegeben und das ist keinesfalls übertrieben. In der linken Hand ein Becherchen mit Ingwertee und Salz und in der rechten Hand ein Becherchen mit Brühe. Begleitet von ganz lieben Worten und dem festen Glauben, dass die 100 km doch noch möglich sein sollten. Nele war müde. An ihrem festen Glauben und den unterstützenden, motivierenden Worten kam ich nicht vorbei – ich übte mich in Geduld und es wurden lange Stunden und irgendwann kam die magische Zahl 1-0-0 km!!! In meiner letzte Runde (km 113) gingen Nele und ich zusammen und wen trafen wir auf der Strecke? Gritta und Steffen Sens von LG Mauerweg. Sie waren spontan zu Besuch gekommen und auch sie begleiteten mich auf der letzten Runde. Wir gehören unterschiedlichen Vereinen an und doch sind wir alle Ultras.

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Wir leiden mit, wir fiebern mit, wir gehen den Weg mit, und wenn es nicht mehr geht, haken wir uns gegenseitig ein, finden Wörter und schieben uns den Weg entlang. Das ist gelebte Ultralaufkultur. Wenn Kollegen einem einen Platz anbieten, um die Sachen unterzustellen oder etwas zu trinken geben, obwohl sie nur den Namen auf der Startnummer sehen. Wenn die Hilfe ganz uneigennützig ist und man sich wie ein Honigkuchen-pferd darüber freut, dass es doch noch „weitergeht“ – ein Ründchen hier, noch ein bisschen Weg und man das Fähnchen am Ende im Ziel an einem schönen Ort ablegen darf. Bei mir war es am Beginn der Kastanienallee, wo ich umgeben war von tollen Menschen von besonderem Format.

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11., Elisabeth Ploch, Nele Alder-Baerens „das Laufen verbindet“.

Wie ihr seht, waren wir nicht nur Individualsportler, sondern eine große Gemeinschaft. Die Schwächeren wurden mitgezogen. Es waren viele kleine Augenblicke, die ich nicht missen möchte, die mir zeigten, dass es sich gelohnt hatte über 1700 km (insgesamt) an Fahrweg auf mich zu nehmen, um an diesem außergewöhnlichen, menschlich und sportlich bereichernden Ereignis dabei sein zu können.

DANKESCHÖN … für die 24h in Basel (Schweiz)!!!

Text: Elisabeth Ploch, Bilder: Elisabeth Ploch und mit freundlicher Genehmigung von Markus Imhof, Fotograf SCMT.

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Unsere fleißigen Kilometersammler beim 24h-Lauf: 

Edda Bauer, Ursula Jedele,

Jonathan Gakstatter und Werner Kempken und

die Autorin Elisabeth Ploch.

Von unserem 12-Läufer Sören Michel, der um 0 Uhr startete und um 4:15h bereits sein Rennen beendete, existiert leider kein Bild.

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Wie im Text erläutert, zeigte Nele Alder-Baerens (Ultrasportclub Marburg) einmal mehr eine Weltklasseleistung mit mehreren Deutschen und Weltrekorde. Aber auch die Siegerleistung der Männer und Frauen konnten sich sehen lassen: Aleksandr Sorokin (LTU) mit 272.708 km und Leonie Ton (NED) mit 219.914 km.

Aus deutscher Sicht gab es auch weitere, hervorragende Ergebnisse. Herausragend dabei ist die Leistung vom Zweitplatzierten Chritoph Lux (TG Viktoria Augsburg) mit 252.833 km.

Text: Michael Irrgang, Bilder: Markus Imhof, SCMT, 27.05.2019 

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