Laufgemeinschaft der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung e.V.

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Nachdem es uns beim 24-h-Lauf in Delmenhorst nicht gelungen ist, unseren Plan umsetzen, waren wir zunächst frustriert. Am Sonntagabend nach dem Lauf haben wir uns geschworen, dass wir nie wieder über den Mauerweg oder Läufe sprechen, die länger sind als 6 Stunden.

Dies sah am nächsten Morgen jedoch schon ganz anders aus. Wie immer wurde viel analysiert, überlegt, kritisiert und zudem tat uns irgendwie auch gar nichts weh, obwohl wir 120 km gelaufen sind. Tja, irgendwie waren wir „angefixt“. Es entstand der Wunsch, es doch noch mal zu probieren. Um so besser, dass für das 1. August-Wochenende der Ballonlauf in Bönen ausgeschrieben war. 100 Meilen standen auf dem Plan, jedoch nicht wirklich an einem Stück.

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Der Vor- und auch Nachteil dieses Ballonlaufes ist, dass man insgesamt 4 Strecken läuft: 5 Meilen, 10 Meilen, 15 Meilen, 20 Meilen und danach das Ganze wieder in umgekehrter Richtung, also 20, 15, 10, 5 Meilen. Der Start erfolgt immer wieder gemeinsam zu einer festgesetzten Zeit.

Nun also die schwere Frage: langsam laufen und die Pause eher kurzhalten oder schnell laufen, um möglichst viel „Regenerationszeit“ zu haben?

Unsere Gedanken kreisten dabei permanent um die Fehler aus dem 24h-Lauf in Delmenhorst. Dort sind wir definitiv zu schnell gestartet und haben zu wenig Pausen für eine ordentliche Nahrungsaufnahme gemacht. Dummerweise mussten wir uns für den Ballonlauf entscheiden, welchen der Fehler wir vielleicht beseitigen wollen, da beides nicht wirklich möglich war.

Der Plan war wie immer gut, aber die Umsetzung dann doch etwas schwerer. Die ersten 5, 10 und 15 Meilen, wurde unsere Pace irgendwie schneller, statt wie geplant langsamer. Dennoch gelang es uns, so zu laufen, dass wir immer mindestens 1 Stunde (oft auch mehr) zur Erholung hatten. Wir konnten uns in Ruhe an dem ausgiebigen Läuferbuffet bedienen, trockene Sachen anziehen und noch einen Moment dösen. Für die Nahrungszufuhr war das sicher gut, die Muskeln fanden das beim jeweiligen Wiederanlaufen irgendwann nicht mehr so lustig.

Die 20 Meilen „Königsrunde“ startet um 20 Uhr. Für die Nacht ausgerüstet starteten wir guter Dinge. Der Satz „Wenn ihr über einen Holzhaufen klettern müsst, seid ihr richtig“ hätte uns wohl warnen müssen. Wir brauchten eine Stunde länger als geplant und kamen erst um 1 Uhr wieder im Ziel an. Über Stock, Stein, Feld und Holz drückt es noch nett aus. Wir haben ziemlich geflucht, zumal wir große Teile der Strecke als „Pfadfinder“ für die Läufer hinter uns liefen und neben der Orientierung auch schwer damit beschäftigt waren, in kein Hasen-Loch und auf keine Maus zu treten. Ein bisschen zu viel Trail, für unseren Geschmack, zumindest bei geplanten 100 Meilen.

image3Zurück im Ziel entschieden wir auf Grund der Strecke, diese nicht noch einmal zu laufen und stattdessen schlafen zu gehen. Von den 50 Läufern, die diese Strecken laufen wollten, sind auch nur 9 erneut gestartet. Wir waren also nicht alleine. Sonntagmorgen hieß es dann erneut auf die 15, 10 und 5 Meilen-Runde zu gehen. Die 15 Meilen liefen noch gut, die 10 absolvierten wir aufgrund der Hitze und müden Beine in einem Lauf-Geh-Rhythmus. Umso erstaunter waren wir, wie wir die letzten 5 Meilen wieder durch den Wald gerannt sind. Insgesamt sogar schneller als die ersten 5 Meilen am Samstagmorgen.

Tja, es wurden zwar wieder keine 100 Meilen, aber dafür ein 3. Platz in der Gesamtwertung für Reimund und ein 4. Platz für mich. Zu dem bin ich erstmals in meinem Leben die erste Frau geworden. (Beim Schreiben kann ich es noch nimmer nicht glauben). Von den 111 Startern haben nur 2 Läufer wirklich die 100 Meilen geschafft. Also sind wir unterm Strich mit unserem Plan doch ganz gut durchgekommen. Und feststeht: die 100 Meilen sitzen drin.

Text und Bilder: Judith Sebastian, 07.08.2019

 

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