Laufgemeinschaft der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung e.V.

2 Wolfgang von hinten Bernath

Bild 1: Wolfgang in seinem Element

Im Heidelberger Regenwald

Als 2013 zum ersten Mal der Heidelberger "Trail-Marathon" ausgetragen wurde, war klar, dass ich dabei sein wollte. Die Runde über die drei "Berge" - Heiligenberg, Weißer Stein und Königstuhl - war nett und bot schon einige Höhenmeter. Mir hat es gefallen, die "Spezialisten" fanden es nicht "trailig" genug. Seitdem arbeiten die Veranstalter (die auch den Mannheimer "Dämmermarathon" im Program haben) daran, die breiten Wege durch schmale Pfade und die gemäßigten An- und Abstiege durch Steileres und Steinigeres zu ersetzen. Der Heidelberger Odenwald hat da ja schon etwas zu bieten. So wurde die Strecke mit der Zeit deutlich anspruchsvoller.

Als dieses Jahr dann der "Long Distance Trail" mit 50 Kilometern und 2000 Höhenmeter dazu kam war klar, dass ich mal wieder mitlaufen wollte. Prinzipiell klang mir das erstmal nach einem "Jokertrail" im Oktober, bei näherer Betrachtung sind die Unterschiede aber dann doch beträchtlich. Die "Berge" werden in umgekehrter Reihenfolge passiert und es gibt kaum gleiche Streckenabschnitte. Die etwas "wilderen" Abschnitte des Joker fehlen und natürlich auch die Unwägbarkeiten eines Traillaufs im Februar.

1 Briefing am Samstag

Bild 2: Briefing auf dem Karlsplatz in Heidelberg

Als es am 6. Oktober dann los ging, war schonmal das Wetter sehr "trailig". Es regnete praktisch von Startschuß bis zum Zielschluss. Die Wege waren also gut präpariert, es sollte schließlich niemand mit staubigen Schuhen nach Hause kommen. Start und Ziel sind mitten in der Altstadt auf dem Karlsplatz, entstanden im 19. Jahrhundert, als man das mittelalterliche Franziskanerkloster kurzerhand abriss. Neu gestaltet und mit Tiefgarage unterfüttert wurde der geräumige Platz dann im 20. Jahrhundert. Logistisch ist das nicht schlecht, auch die Bergbahn auf den Königstuhl für die Staffelläufer ist gleich vor Ort. Der erste Kilometer führt über Kopfsteinpflaster durch die Altstadt und über die alte Brücke, dann geht es gleich steil aufwärts. Wer richtig schnell sein will, sollte sich vorn aufstellen und den "Anlauf" zügig absolvieren, denn hier droht gleich ein kleiner Rückstau. Ein kurzes Stück führt die Strecke dann über den Philosophenweg, wer es nicht flach und geteert mag, kann wenigstens kurz den Ausblick genießen, denn nirgends hat man einen schöneren Blick auf Altstadt, Schloß und Neckar. Dann geht es zügig nach oben durch die sogenannte "Thingstätte". Eine Art Amphitheater aus der Nazizeit.

Kaum auf dem "Heiligenberg" angekommen (die Klosterruine wird nicht direkt angelaufen, wer aufpasst sieht die Hinweistafel auf den noch erkennbaren keltischen Ringwall), geht es auch wieder schön trailig nach unten. Nach gut sechs Kilometern dann die erste Verpflegungsstelle. Es gibt Iso und Wasser, Banane und Müsliriegel. Die nächsten zehn Kilometer sind so abwechslungsreich mit auf und ab, wechselnden Untergründen, alles auf Pfaden, dass ich ganz überrascht bin, als schon der "Weiße Stein" auftaucht. Auf der Kuppe (548m) steht ein weithin sichtbarer Fernmeldeturm und eine beliebte Ausflugs-Gaststätte. Heute sind die Läufer dank Regenwetter fast ganz unter sich. Auch hier gibt es Verpflegung - man muß bei diesem Lauf eigentlich nichts selbst mitschleppen. Die nächste Landmarke ist der "Lange Kirschbaum", auch dem Teilnehmer beim "Jokertrail" wohlbekannt. Der Wanderparkplatz bietet ideale Bedingungen für VP und Staffelwechsel.

Ging es von hier aus bei den früheren Austragungen erholsam aber etwas langweilig wieder bergab Richtung Neckar, haben die Streckenplaner sich jetzt etwas Spannenderes ausgedacht. Es geht über Trails runter aber immer wieder auch bergauf. Von steinig und verblockt über wurzelig bis hin zu fetten Downhill-Matschpassagen ist alles dabei. Vor allem bei letzteren bin ich recht stolz auf mich, dass ich das ohne unfreiwilligen Bodenkontakt schaffe. Wenigstens sehe ich nur von den Knieen abwärts aus wie ein frisch gesuhltes Wildschwein. Die Straßenlaufschuhe an meinen Füßen sind hier sicher nicht ideal. Trailschuhe die sich mit meinen Füßen gut verstehen werden jedoch noch gesucht.

So bleibt man immer voll konzentriert und ruckzuck ist man wieder im Neckartal. Auch dort gibt es wieder Verpflegung, es muß also niemand darben. Wir laufen durch das Stift Neuburg (der Abt hat's erlaubt) und kommen durch eine Unterführung direkt auf den Leinpfad am Neckarufer. So laufen wir nach rund 27 Kilometern jetzt gut 20 Zentimeter über dem Wasserspiegel. Ein ganzer Trupp von DLRG-Leuten und ein zugehöriges Boot sorgen dafür, dass keiner von uns absäuft. Als ich an ihnen vorbeilaufe kauen die meisten auf lecker duftenden Pizzastücken rum. Man könnte neidisch werden. Für die meisten dürfte sich aus dem Gang unterhalb der Straße, am Wasser entlang, eine ganz neue Sicht aufs Neckartal ergeben. Ich erinnere mich vor längerer Zeit bei Sommerhitze hier mal gelaufen zu sein. Wie auch immer, man spart sich eine Passage durch den Ort Ziegelhausen. Nur wenn der Neckar noch ein bischen höher steigt (was gelegentlich der Fall ist) wird man wohl auf eine parallel verlaufende Straße ausweichen müssen.

Die Flußquerung über die Brücke nach Schlierbach teilt der Lauf mit dem Joker (andere Richtung) und dem örtliche Halbmarathon. Die einzige Alternative hieße hier Schwimmen. Man hält sich aber nicht lange mit der Ortschaft auf sondern ist ruckzuck wieder im Wald, wo es gleich wieder ordentlich aufwärts geht. Auf dem Weg zur "Himmelsleiter" passiert man nach einer Weile die Stelle, wo die Extraschleife des "Long Distance Trails" wieder auf die Marathon-Runde trifft. Es ergibt sich somit ein relativ kurzer Streckenabschnitt, den man zweimal läuft.

Besagte Himmelsleiter - eine krummbuckelige Natursteintreppe, angelegt 1844, mit zum Teil recht hohen Stufen - tangiert man insgesamt drei Mal. Den ersten kurzen Abschnitt vor und nach der Extraschleife und den Hauptabschnitt beim finalen Aufstieg auf den Königstuhl. Sie führt über insgesamt 270 Höhenmeter vom Heidelberger Schloß zum Gipfel des Königstuhls, der höchsten Erhebung im Umkreis (568 m). Wenn man sich in der Heidelberger Altstadt aufhält und Bewegungsdrang verspürt kann man auch auf Treppenstufen von ganz unten über das Schloss zum höchsten Punkt der Gegend aufsteigen, das sind dann circa 1600 Stufen. Bevor ich nach oben darf, steht aber die 8 Kilometer lange Zusatzschleife an, die aus dem Marathon einen Ultra macht und rund 500 zusätzliche Höhenmeter bringt. Optisch empfinde ich das Felsenmeer immer wieder als Highlight. Ich bleibe meistens mal kurz stehen, damit ich mich in Ruhe umschauen kann ohne dabei auf die Nase zu fallen. In meinem Geschwindigkeitsbereich ist hier nicht gerade viel Verkehr. Nachdem ich auf den ersten zwei Dritteln der Strecke etwas zügiger unterwegs war, weil ich die cut-off Zeit an der Abzweigung in die Extraschleife nicht so richtig abschätzen konnte bei den herrschenden Wetterbedingungen, habe ich mich auf dem letzten Abschitt etwas zurückgenommen. Letztlich hätte ich dann genug Zeit gehabt, die Extraschleife zweimal zu laufen. Aber man soll ja nichts übertreiben. Trailtechnisch ist die Schleife nicht besonders schwierig, denn der steile Abschnitt durch das "Felsenmeer" bietet soliden und überwiegend griffigen Untergrund. Geröllhaltige Abschnitte fehlen aber auch nicht. Sollte man auf dem letzten Teil der Schleife dann doch noch ausrutschen, fällt man wenigstens zielsicher wieder auf die Marathonstrecke.

Die kleine Doppelung hat mich nicht gestört. Die Himmelsleiter empfinde ich persönlich nicht als besonder schwer. Nach den ganzen Matschpassagen habe ich es eher genossen, soliden Stein unter den Sohlen zu haben. Hoch laufen zu wollen, wäre nicht sehr sinnvoll, ich steige zügig und überhole auch so ständig. Auf dem Königstuhl angekommen gibt es bei schönem Wetter einen sehr netten Ausblick zu bewundern. Diesmal ist es eher diesig, aber ich wohne praktisch am Fuß des Königstuhls und kenne das Panorama zur Genüge. Dafür gibt es noch einmal Verpflegung. Die in Stücke geschnittenen Müsliriegel sind vom Regen gut eingeweicht und rutschen um so besser durch die Speiseröhre. An den letzten beiden VPs gibt es auch Cola. Die derzeit hier zu bewundernde Baustelle ist nicht so dekorativ und mein Versuch, unten in der Stadt mein baldiges Kommen telefonisch kund zu tun, läuft ins Leere. Kein Empfang. Ich passiere also die Endstation der Bergbahn und mach mich so locker, wie es halt noch geht, denn jetzt kommt der letzte aber nicht gerade der einfachste Downhill.

Gut, dass ich den in den letzten Wochen ein paarmal geübt hatte, denn solche technisch anspruchsvolleren und doch schon recht steilen Bergabpassagen gehören nicht grade zu meinen Lieblingsübungen und werden von mir sonst gerne gemieden. Heute kommt noch ordentlich Wasser dazu. Im allgemeinen finde ich das eher hilfreich. Wo Wasser fließt ist der Gripp in der Regel besser, da Sand und Schmodder ja weggewaschen werden. Die Füße sind eh seit langem schon nass. Weiter unten gibts dann einen letzten Gegenanstieg und nochmal einiges an Matsch. Davon hab ich jetzt doch die Faxen dicke und zieh' das Tempo nochmal ein bischen an. Am Schloss vorbei geht es schließlich durch den zugehörigen Garten, die Überreste des vor 400 Jahren hochgerühmten "Hortus Palatinus". Dann noch einige nasse Treppenstufen und ein bischen Kopfsteinpflaster und schon kommt der Karlsplatz wieder in Sicht. Der Zieleinlauf geht durch das Zelt, in dem auch die Gepäckaufbewahrung untergebracht ist.

Ich bin nicht wasserscheu, zumal beim Laufen, aber jetzt freu ich mich doch, aus dem ewigen Gepiesel rauszukommen. Zum Schluß gibts noch ne Medaille um den Hals und auch "Gelita 2019" ist gelaufen. Der Hauptsponsor verdient übrigens sein Geld mit Gelatine - ob es deswegen unterwegs mal Gummibärchen gab? Nachdem bei mir dieses Jahr viel Erholung und wenige Läufe auf dem Programm stand und ich mich auch nur relativ kurz spezifisch vorbereitet hatte, bin ich mit meiner Zeit von 5:53 sehr zufrieden. Das Kontingent von 150 Startplätzen für die 50Km-Variante war im Vorfeld ausgeschöpft worden. Dass nur 90 Ankommer in der Liste stehen mag dem Wetter geschuldet sein, aber man unterschätzt einen solchen Lauf auch leicht. 50Km höhren sich erstmal nach nicht viel an aber die grünen Hügel des Odenwaldes mit viel Auf und Ab können doch ganz schön Kräfte zehren. Der Sieger Nikki Johnston - ein Schotte aus Düsseldorf - hat die Sache in beeindruckenden 3:44 runtergerissen. An einigen Stellen der Strecke hätte ich ihm heute gerne zugesehen.

3 Im Ziel

Bild 3: Wolfgang im Ziel

Auch wenn es bei schönem Wetter - letztes Jahr gab es "goldenen Oktober" pur - natürlich netter ist, fand ich den Lauf sehr schön und habe es genossen. Aber ich laufe auch sonst gar nicht ungern bei Regen durch den Wald. Man hat seine Ruhe und alles glänzt so schön grün und frisch gewaschen.

Für süddeutsches Mittelgebirge bietet der Lauf ganz ordentlich Höhenmeter und Trailpassagen sicher auch nicht schlecht als Vorbereitung auf Höheres. Ansonsten gibt es Wald und Mehr. Die Streckenmarkierung ist sehr gut, auch wenn der stellenweise vorhandene Nebel dichter geworden wäre, hätte sich hier sicher niemand verlaufen. Viele Streckenposten harren am Wegrand aus bis auch der letzte durch ist. An kürzeren Strecken sind auch Runden mit 9 und mit 30 Kilometern (hier "Halftrail" genannt) im Angebot und natürlich der Marathon. Ich hoffe, auch der 50er wird uns in den nächsten Jahren erhalten bleiben.

16.10.2019 Text: Molfgang Metzger Bilder: Wolfgang Metzger, Wolfgang Bernath, Karin Zimmermann

 

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