Laufgemeinschaft der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung e.V.

Ein Projekt des neuen gemeinnützigen Vereins „Sport supports Sauerland e.V.“

„Schatz, wir müssen reden!“, so eröffnete Domenico Krämer seiner Freundin Anna-Lena Reuter 2018, dass er nächsten Sommer mit dem Rad auf die griechische Insel Kos fahren wolle. Die Idee entstand schon vor zwei Jahren auf Kos als Domenico im Robinson Club Daidalos arbeitete und auf der Suche nach einer neuen sportlichen Herausforderung war. Nachdem die Idee über Monate reifte und Anna-Lena anfängliche Zweifel, ob das wirklich so eine gute Idee sei, überwunden hatte, begannen die zwei erste Überlegungen anzustellen.

Domenico 1Ziemlich schnell war klar, dass aus der Radtour eine Spendenaktion gemacht werden soll. Damit diese und weitere Aktionen auch nachhaltig sein können, gründeten Anna-Lena und Domenico den gemeinnützigen Verein „Sport supports Sauerland e.V.“. Dieser soll durch gemeinsame sportliche Aktivitäten Aufmerksamkeit und dadurch Spendengelder generieren, welche genutzt werden, um etwas für die Heimat, das Sauerland, zu tun. Dabei verfolgt der Verein den Leitsatz „Global denken, lokal handeln“. 

Domenico 2Die Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz sind uns in den vergangenen Jahren immer bewusster und wichtiger geworden. Es besteht Handlungsbedarf! So haben wir überlegt, was man im Kleinen tun kann, außer ein bisschen CO² zu sparen, indem wir mit dem Rad in unseren Sommerurlaub radeln. Wir wollten Bäume pflanzen. Bäume sind nicht nur extrem wichtig, um unsere Luft zu reinigen, da sie CO² binden, sondern sind auch großartig, weil an vielen Bäumen leckeres Obst wächst. So riefen wir die Aktion „Frische Luft und Obstsalat“ ins Leben. Dafür sammelten wir auf der Tour Spendengelder für das Pflanzen von Obstbäumen. Die Idee der Aktion: Bäume selbst Pflanzen, erleben, wie sie wachsen, Obst ernten und zu Marmelade oder Kuchen weiterverarbeiten. Dies ist nicht nur für junge Menschen, sondern für alle Generationen ein schönes Ereignis. Wichtig war uns, dass die Kinder sich um die Bäume kümmern, einen Bezug zum Thema Nachhaltigkeit erlangen und zukünftig die Früchte ihrer Arbeit ernten. Neben dem der „Frischen Luft“ wird es dann bald auch „Obstsalat“ geben. Mit der Unterstützung des Bürgermeisters wurden daher zahlreiche Einrichtungen in Brilon angeschrieben und über Brilon hinaus bis Meschede und sogar Hamm erreicht. Fünf Kindergärten, acht Schulen, zwei Altenheime, zwei Jugendhilfeeinrichtungen und ein Mehrgenerationenhaus haben sich bei der Aktion beworben. Das war unsere Motivation loszuradeln.

Doch bevor es auf den Sattel ging, musste noch einiges geplant werden. Die alten Drahtesel ersetzten wir durch stabilere Tourenräder und statteten diese mit Radtaschen aus, um all das Gepäck inklusive Zelt mitnehmen zu können. Wichtige Tipps gab es hierzu im Vorfeld von erfahrenen Freunden und Bekannten, ohne deren Erfahrungswerte wir sicherlich das ein oder andere Mal dumm geguckt hätten. Z. B. wurden wir schmunzelnd darauf hingewiesen, dass wir definitiv keine schwere Jeans brauchen, sondern eine leichte Treckinghose. Auch den Hinweis, doch die größeren Campingtöpfe mitzunehmen, sorgte dafür, dass wir unterwegs satt wurden.

Die Frage, was alles mitgenommen werden durfte, war einfach zu beantworten: nicht viel und möglichst nichts Schweres! Schließlich wollten wir mit viel Leichtigkeit losradeln. Trotzdem, einiges muss dann doch mit: Neben ausgeliehenen Schlafsäcken und geliehenem Zelt, Isomatten und dem Campingkocher benötigten wir natürlich ein Radfahr- und ein Abendoutfit sowie ein Minimum an Hygieneartikeln und Werkzeug. Außerdem durften Badesachen nicht fehlen, wir wollten ja schließlich ans Meer. Es ist wenig, was man wirklich braucht, was wir auf der Tour selber erfahren durften und sogar ein Paket aus Verona nach Hause schickten, um überflüssigen Ballast abzuwerfen.

Los ging es direkt zu Beginn der Sommerferien. Die erste Etappe von Brilon bis Züschen war nicht lang, aber wie sehr einen die dicken sauerländer Regentropfen durchnässen können, durften wir schon hier erfahren. Pitschnass bis auf die Haut kamen wir bei einem Fußballkollegen unter. Seine Vermieterin ließ uns rein mit den Worten: „Ach, ich habe gerade noch im Radio von zwei verrückten Radfahrern gehört, die wollen bis nach Griechenland fahren, aber das seid ja nicht ihr.“ Wir waren es doch. Glücklich, im Trockenen übernachten zu dürfen und ohne jegliche Vorstellung wie die nächsten Tage und Wochen werden würden, freuten wir uns über unseren Urlaubsstart.

Am nächsten Morgen mussten wir feststellen, dass unsere Kleidung noch nicht wieder ganz trocken war. Trotzdem ging es aufs Rad, wir hatten schließlich noch über 2000 Kilometer vor uns. Daher hieß es, sich warm zu trampeln und bald kam auch schon die Sonne durch. Über wunderschöne Feld- und Waldwege radelten wir raus aus dem Sauerland bis nach Marburg. Dort waren wir zum Mittagessen mit einem alten Freund aus Brilon verabredet. Gestärkt und mit neuer Energie radelten wir an diesem Tag bis Lich, einem schönen Städtchen in Hessen.

Am dritten Tag erlebten wir eine echt spannende Begegnung: zwei Radfahrer, Steffi und Andi, die bereits seit dreieinhalb Jahren mit dem Fahrrad unterwegs waren. Mit über 50.000 gefahrenen Kilometern über den gesamten Globus standen sie nahezu am Ende ihrer Reise und hatten viele nützliche Tipps für uns Anfänger. Trinkwasser z. B. ist in Deutschland auf jedem Friedhof zu finden. Das ist für heiße Tage ein wirklich hilfreicher Hinweis. Übrigens hilft auch ein Eis für Anna-Lena Wunder. Nach 90 Kilometern über Hügel und durch Täler an Tag 4 war ein Eis nötig, um weitere 27 Kilometer bis zum Zeltplatz in Rothenburg ob der Tauber zu stemmen. Hier hatten wir Glück, dass es zwei Campingplätze nebeneinander gab, da der erste komplett ausgebucht war. Auf dem zweiten Campingplatz bekamen wir glücklicher Weise noch ein Plätzchen. Leider war es mit unserer dünnen Ausrüstung bei sechs Grad nachts im Zelt doch noch sehr kalt – zu kalt für zwei Frostbeulen. Doch mit den ersten Sonnenstrahlen am Morgen und nach einer Portion selbstgekochtem Porridge ging es mit neuem Elan aufs Rad. Nachdem der erste Berg aus dem Tal erklommen war, rollten wir die nächsten 113 Kilometern unter dem Sonnenhimmel bis Eichstädt. Besonders für Anna-Lena war es unglaublich, was man an einem Tag an Strecke schaffen kann. Spätestens jetzt war der sportliche Ehrgeiz geweckt.

Unser nächstes heißersehntes Ziel hieß Erding: Dort erwartete uns Familie Fellermeier, Freunde, die wir beim Arbeiten auf Kos im Vorjahr kennengelernt hatten. Es war wahnsinnig schön, so herzlich empfangen und erwartet zu werden. Neben einem entspannten Grillabend mit viel Schokolade zum Nachtisch und weiterem Besuch von Kos-Arbeitskollegen genossen wir den kompletten nächsten Tag ohne Fahrradfahren im Garten der Fellermeiers. Auch die Chance unsere Kleidung einmal ordentlich zu waschen blieb nicht ungenutzt.

Nach einem Tag Pause hatte sich der Po wieder ein wenig erholt und es ging weiter nach Rosenheim. Dort kamen wir wieder bei Freunden aus der gemeinsamen Kos-Zeit unter. Abends feierten wir mit ihnen ein Rosenheimer Gaufest, natürlich stilecht in geliehener Lederhose und Dirndl. Durch die ein oder andere Maß ging es am nächsten Tag erst mittags, nach einem ausgiebigen gemeinsamen Frühstück bei unseren Freunden, weiter Richtung Innsbruck. Auf dieser Etappe begleitete uns sogar noch ein Freund, der ursprünglich auch aus Brilon kommt. Kurz vor Innsbruck kamen wir bei Segelfreunden von Domenicos Papa unter, die wir bis dato selbst nicht kannten. Da es am nächsten Tag aus Eimern schüttete, entschieden wir uns dazu, einen Tag Sightseeing in Innsbruck einzulegen und einen weiteren Tag bei unseren super freundlichen Segelgastgebern zu bleiben.

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Am nächsten Morgen folgte die Brenner-Etappe nach Italien. Trotz anfänglicher Sorgen stellte sich diese Etappe zum Glück als weniger anstrengend als befürchtet dar. Die sauerländer Berge waren das perfekte Training. Dennoch war es deutlich angenehmer den Brenner auf der anderen Seite Richtung Sterzing hinunterzufahren. Vom Campingplatz in Sterzing ging es zum nächsten Segelkollegen von Domenicos Vater nach Brixen. Auch hier wurden wir wieder herzlich willkommen geheißen. In den nächsten Tagen fuhren wir an der Adige (Etsch) entlang bis nach Verona. Auf dem Weg dorthin platzte an Domenicos Fahrrad nach ziemlich genau 1000 Kilometern der erste Schlauch. Dieser wurde dank Ersatzschlauch kurzerhand gewechselt. In der traumhaften Stadt Verona angekommen, wurde ein weiterer Tag Sightseeing eingelegt und der traumhafte Blick vom Campingplatz „Castle San Pietro“ oberhalb der Altstadt genossen. Getreu dem Motto „la dolce vita“ haben wir auch die Trinkflaschenhalter genutzt. (siehe Bild)

Von Verona aus ging es Richtung Ostküste über Ferrara bis ans Meer. Dieses erreichten wir nach genau 1337 Kilometer. Die nächsten Tage und Wochen arbeiteten wir uns die Ostküste Italiens hinunter. Dabei erlebten wir unendlich traumhafte Kilometer, aber leider auch einige mit extrem schlechten Straßen und definitiv viel zu viel Verkehr. Auch die meterlangen Müllberge entlang der Straßen schockierten uns immer wieder aufs Neue.

Auf unserer Reise Richtung Süden durften wir weitere tolle Begegnungen erleben. Eine dieser Begegnungen war der 73-jährige Heiner, der mit seiner roten Vespa den gesamten Stiefel Italiens umrundete und sich so seinen „little boys dream“ erfüllte.

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Weiter ging es an Ancona vorbei Richtung Apulien. Dort wollten wir eigentlich die Fähre von Bari aus nach Patras nehmen. Hier wurde uns einmal wieder bewusst, wie spontan man bei so einer Reise doch sein muss, denn alle Fähren für die nächsten Tage waren ausgebucht. Also radelten wir weitere Kilometer südlich bis nach Brindisi, um von dort aus nach Griechenland überzusetzen. Auf der Fähre wurden die Isomatten und Schlafsäcke ausgepackt, um uns am nächsten Morgen wieder ausgeschlafen in den Sattel schwingen zu können.

Domenico 5Nachdem der Hafen und das Stadtgetümmel von Patras hinter uns lagen, folgtenen 250 traumhafte Kilometer bis nach Athen. Neben der fantastischen Kulisse des Meeres pflasterten zahlreiche Baumarten wie Oliven, Zitronen und auch Feigen den Weg. Sofort schlug uns die griechische Fürsorge entgegen. Wir wurden lauthals von einem zwei griechischen Senioren zum Anhalten gerufen, um einen Schwung an Feigen zu pflücken und mitzunehmen. Uns wurden mit Händen und Füßen fachmännisch erklärt, wie diese Feigen richtig verspeist werden. So gab es immer frisches Obst. Auch das Nudelkochen im Campingkocher gelang inzwischen ohne Überkochen. Jedoch mussten wir noch lernen, dass Risottoreis definitiv zu den Dingen „weniger ist mehr“ zählt. Daher gab es den Reis dann nochmal kalt am nächsten Morgen zum Frühstück - natürlich mit einem traumhaften Blick aufs Meer.

Domenico 6Das sowohl in Italien als auch in Griechenland fast täglich die Mittagspause mit einem Sprung ins kühle Nass verbunden wurde, brauchen wir wohl kaum zu erwähnen. Schließlich war das Meer nie weiter als 300 Meter entfernt und dank öffentlicher Duschen ging es auch ohne Salzreste wieder frisch zurück auf den Sattel.

Über den atemberaubenden Kanal von Korinth radelten wir weiter bis nach Athen. Wir hatten es tatsächlich geschafft! Mit dem Fahrrad bis zur Akropolis; bis heute ein kaum zu beschreibendes Gefühl. Spätestens der Blick über Athen entschädigte jegliche Strapazen der letzten vier Wochen. Auch die vier weiteren Schlauchwechsel (3x an Domenicos und 1x an Anna-Lenas Rad) in den letzten 48 Stunden waren nun völlig egal.

Obwohl inzwischen auch die Mäntel der Reifen gewechselt worden waren, um die „Pannenproblematik“ letztendlich zu lösen, entschieden wir uns am nächsten Morgen sicherheitshalber dazu, neue Ersatzschläuche zu besorgen, bevor es im Hafen von Piräus auf die Fähre Richtung Kos ging. Diese Entscheidung machte sich bezahlt. Denn keine drei Kilometer vor unserm Ziel auf Kos, dem Robinson Club Daidalos, platzte Domenico tatsächlich noch einmal der Hinterreifen. Dieses, wie in einem schlechten Hollywoodfilm inszenierte Bild des reifenwechselnden Domenicos im Straßengraben, sorgte bei unseren ehemaligen Kollegen doch für sehr großes Gelächter. Sie wollten aus dem Auto heraus die letzten Meter mit der Kamera dokumentieren, nicht beim Reifenwechsel helfen.

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Aber auch dieses Problem konnte gelöst werden und nach genau 30 Tagen und 2306 Kilometern erreichten wir freudetrunken unser Ziel und feierten dies mit einem Sprung in den Pool.

Abschließend lässt sich sagen: auch wenn wir nur zu zweit auf den Rädern unterwegs waren, waren wir doch nie allein. Wir erhielten so viele liebe und motivierende Nachrichten von Freunden, Familien und weiteren Unterstützern. Aufmerksamkeit durch eine sportliche Aktivität, die über das normale Maß hinaus geht, zu erregen und dadurch Spenden zu generieren war der kleine Gedankenfunke zu Beginn. Aber was daraus entstanden ist, hätten wir uns niemals erträumen können. Tausend Dank an jeden einzelnen für all die Nachrichten, netten Worte und natürlich Spenden! Leute wie ihr motivieren uns, in Zukunft weiter zu machen und weitere Aktionen zu starten. Getreu dem Motto „global denken, lokal handeln.“

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Durch die Aktion „Frische Luft und Obstsalat“ konnten an 18 Standorten im Sauerland 100 Obstbäume und Sträucher gepflanzt werden.

Text und Bilder: Domenico Krämer, 26.11.2019 

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