Laufgemeinschaft der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung e.V.

 

48 Stunden Berlin – Fliegender Wechsel zwischen Mauerweglauf und Leichtathletik-EM

Wie schrieb bereits einst der  römischer Dichter und Philosoph Seneca?

"Non exiguum temporis habemus, sed multum perdidimus." - zu deutsch: "Es ist nicht wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist viel Zeit, die wir nicht nutzen." (Zitat aus De Brevitate Vitae (Von der Kürze des Lebens).

Gemäß diesem Motto reiste ich am Freitag Nachmittag nach Berlin mit einem recht straffen Zeitplan im Gepäck:

Freitag, ca. 16 Uhr: Ankunft am Hauptbahnhof in Berlin.

Freitag, ca. 16:30 Uhr: In der Nähe vom Olympiastadion hole ich meine Volunteer Unterlagen für die Leichtathletik EM für Sonntag ab. Direkt am Olympiastadion kaufe ich mir noch ein Ticket für die Abend Session der EM für Samstagabend.

Freitag, ca. 17:15 Uhr: Im H4 Hotel am Alexanderplatz hole ich meine Startunterlagen für den 100 Meiler Mauerweglauf ab, nutze die dortige Pastaparty und höre mir das Briefing für den Lauf an.

Freitag, ca. 20:30 Uhr: Ich checke in einem Backpacker Hostel ein.

Samstag, ca. 5 Uhr: Frühstück im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark.

Bild1Samstag, 6 Uhr: Start für den 100 Meilen Mauerweglauf. Die ersten Kilometer sind gekennzeichnet durch Abschnitte im Stop-and-Go Tempo aufgrund unzähliger Roten Ampeln im Stadtzentrum, später folgen dann landschaftlich sehr schöne Abschnitte in kaum/weniger besiedelten Gebieten Berlins und Umgebung. Alle 5-8 km gibt es VPs mit einem unglaublichen Angebot an Naschereien, die einem dazu verleiten immer viel zu lange Pause zu machen

Samstag, ca. 18 Uhr: Knapp 116 km bin ich in den letzten 12 Stunden gelaufen. Das reicht mir auch als „langen Trainingslauf“ für den anstehenden Spartathlon. Ich teile den Helferinnen am VP mit, dass ich für die nächsten Stunden den Lauf unterbrechen werde und ziehe mir meine Wechselklamotten an. Jetzt gilt es möglichst schnell ins Olympiastadion zu kommen. Glücklicherweise kann mich ein Angehöriger einer VP-Helferin mit dem Auto nach Spandau mitnehmen, von dort nehme für den Rest der Strecke die U-Bahn.

Bild2Samstag, ca. 19:10 Uhr. Ich bin am Olympiastadion angekommen, esse erstmal 2 Hacksteak-Brötchen und organisiere mir noch eine Packung Popkorn und 2 Cola. Pünktlich um kurz vor 20 Uhr sitze ich auf meinem Platz im Stadion… die „Spiele“ beginnen, die Deutschen sahnen richtig ab und die Stimmung im Stadion ist einfach unbeschreiblich… Malaika Mihambo und Mateusz Przybylko gewinnen Gold im Weit- bzw. Hochsprung, dazu im Diskus noch Silber und Bronze durch Nadine Müller und Shanice Craft.

Bild3Samstag, kurz nach 22 Uhr: direkt nach den 4x400 m der Männer und Frauen ist die Abend Session der EM schon Geschichte und ich winke mir auf der Straße vor dem Stadion ein Taxi herbei. Der Taxifahrer fährt mich (da er nicht nach außerhalb Berlins fahren möchte) zu einem weiteren Taxi in Spandau, welches mich letztendlich nach Schönwalde bringt.

Samstag, kurz vor 23 Uhr: Ich bin wieder an dem VP zurück, wo ich mich vor einigen Stunden „zur Pause abgemeldet“ habe. Ich melde mich bei den VP-Helferinnen zurück und setzten dem Mauerweglauf fort… es ist bereits dunkel, Stirnlampe und Warnweste sind nun Pflicht… für die noch zu laufenden knapp 45 km plane ich jedoch mit einer Zielankunft für 5 Uhr, d.h. knapp 6 Stunden „Wandern“ (eine frühere Ankunft bringt mir nichts, da mein nächster „Berlin Programmpunkt“ für 6 Uhr terminiert ist und ich in der Nacht eh nicht schlafen werde…eine spätere Ankunft würde die „Pause“ für Duschen etc reduzieren).

Samstag, 5 Uhr: Nach nahezu exakt (wie geplant) 23 Stunden (23:00:03 Stunden um genau zu sein) überquere ich die Ziellinie, 100 Meilen, also 161,9 km, sind geschafft, ganz nebenbei auch noch meine zweitlängste jemals „am Stück“ (trifft das überhaupt jetzt zu?) gelaufene Strecke .

Samstag, 5:30 Uhr: Die warme Dusche im Hostel fühlt sich unglaublich gut an.

Samstag, 6 Uhr: Die Rezeption im Hostel öffnet, ich kann auschecken, mein Gepäck darf ich jedoch bis zum Nachmittag im Hostel lassen (da man als Volunteer keinen Koffer mit zur Marathon-EM-Strecke mitnehmen darf).

Samstag, 6:45 Uhr: Ich stehe zusammen mit weiteren Volunteer zwischen Brandenburger Tor und Potsdamer Platz und wir werden auf unsere anstehenden Aufgaben während des Marathonlaufs im Rahmen der EM vorbereitet. Der Start der Frauen folgt um 9:05 Uhr, die Männer eine Stunde später… es sind jeweils 4 Runden zu laufen mit einer kleinen Extraschleife in Runde 4. Ich freue mich sehr für Fabienne Amrhein (11. Platz), die mich in den letzten Wochen bei meinem allwöchentlichen Bahntraining häufig überholte.

Bild4Samstag, kurz nach 13 Uhr: Der Volunteer-Einsatz ist vorbei, ich fahre zum H4 Hotel am Alexanderplatz und esse dazwischen auch noch etwas zu Mittag.

Samstag, kurz nach 14 Uhr: Die Siegerehrung beginnt, jedoch etwas später als geplant und mit vielen „Dankes-Worte“ und „Gruß-Gesprächen“ zu Beginn.

Samstag, 14:45 Uhr: Bisher ist auf der Siegerehrung noch kein Läufer/in geehrt worden, sodass ich leider die Siegerehrung verlassen muss ohne Finisher-Medaille und Buckle, da ich ansonsten zeitliche Probleme bekommen würde mit meiner Heimreise.

Samstag, 15 Uhr: Ich hole mein Gepäck vom Hostel ab.

Samstag, kurz nach 16 Uhr: Ich steige in den ICE Richtung Heimat. Ein kurzes, aber ereignisreiches Wochenende liegt hinter mit. Ich glaube ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass ich die zurückliegenden 48 Stunden Aufenthalt in Berlin maximal genutzt habe…Seneca wäre sicherlich stolz gewesen.

 

Text und Bilder Fabian Benz 14.08.2018

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