Laufgemeinschaft der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung e.V.

LogoZu Beginn der Veranstaltung gab es ein wenig Theorie zur GPS-Navigation und zum Laufen mit Stöcken. Danach standen aber die Laufetappen im Vordergrund, bei denen man den kompletten Natursteig Sieg kennenlernen konnte. Am Freitag gab es die 21,4 km lange Gewöhnungsetappe „Rund um Herchen“, bei der die Teilnehmer sich schon einmal an die typischen Wege und Markierungen gewöhnen konnten. Der Begriff „Warming up“ kann auch im übertragenen Sinne verwendet werden, denn es war mit 35 Grad so richtig heiß.

„Das könnt ihr nicht wirklich vorhaben“, sagte Herr Funk, Leiter der Bildungseinrichtung „Waldhaus Herchen“, der auf langjährige Erfahrung als Rettungssanitäter zurückblicken kann und sicher so manch einen überforderten Läufer bei einem kurzen Vokslauf bei niedrigeren Temperaturen ins Krankenhaus brachte.

„Doch, doch, die Teilnehmer können das“, antwortete ich etwas verunsichert. Zur Vorsorge habe ich dann auf der Tour eine kleine Wasserstelle nach 12 km eingerichtet, die dankbar angenommen wurde.

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Die Teilnehmer reisten aus ganz Deutschland und der Schweiz an und lernten sich in der Grillhütte kennen.

Dem Vernehmen nach war es für viele der schwerste, bzw. der langsamste Halbmarathon, den sie je gelaufen sind. Zu der Hitze kam, dass die Strecke nicht speziell markiert war, sondern die Teilnehmer sich überwiegend an den Natursteig Sieg-Markierungen orientieren konnten, aber letztendlich nach Track laufen mussten, da ich den Weg an drei Stellen ändern musste. Naja und 500 Höhenmeter rauf und runter, teils steil gab es natürlich auch.

Eins der wesentlichen Merkmale des Natursteiges ist, dass der Weg unregelmäßig mit kleinsten Abbiegungen überrascht. Dadurch kommen zwangsläufig Mehrkilometer zustande, die aber in den Kleingruppen der Läufer eher zur Erheiterung beitrugen, als das sich dadurch Frust anstaute.

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Aaron Dorn und Karsten Meißner kamen als erste ins Ziel.

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Später wurde die Zeit noch von Phillip Sahm unterboten, der etwas später gestartet war. Damit die gesamte Gruppe nicht zusammenlief, konnte nämlich jeder innerhalb einer Zeitspanne starten. 

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Eine Gruppe, die mit viel Spaß flott unterwegs war. Hans-Dieter Jancker, Jonathan Gakstatter, Ramin Madani und Frank Gehle.

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Konrad Vogl, Michael Massar, Kerstin Conrad, Peter Hübner und Kamilla Holtkamp kurz nach ihrer gemeinsamen Zieleinkunft.

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Auch bei Nina mischte sich die Freude der eigenen Leistung mit der Erleichterung, es geschafft zu haben. Obwohl sie super die Berge hoch und runter gekommen ist und auch den Weg einwandfrei gefunden hatte, reiste sie am nächsten Morgen vorzeitig ab. Die Hitze hatte ihr doch arg zu schaffen gemacht und an den Folgetagen waren ja ebenfalls Temperaturen von über 30 Grad vorausgesagt.

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Ramin Madani, Kathy Bey und Jens Erler. Die beiden Letztgenannten wollten am Samstag auf den Natursteig gehen und verzichteten auf die Freitagsetappe.

Nach dem Lauf saßen wir dann noch in der Grillhütte und warteten auf das Essen. An dieser Stelle sei die Küche vom Waldhotel ausdrücklich gelobt. Sie hatte sich wunderbar auf die Gruppe bezüglich Zeiten, Menge und Vorlieben eingestellt. So wurden auch die Vegetarier und Veganer gut satt. Nach dem Essen gab es noch ein kurzes Briefing, in dem ich viele Bilder von der Strecke zeigte und einige Besonderheiten erläuterte.

Am Samstag stand eine Etappe von Siegburg nach Herchen an. Zunächst führte die Strecke vom Bahnhof Siegburg durch die Stadt zum offiziellen Start des Natursteiges Sieg, dann sollte es weiter über den Natursteig bis nach Herchen gehen. Versorgungspunkte waren in Stadt Blankenberg und Bohlscheid bei Eitorf geplant.

Aufgrund der Wärme hatten wir uns entschlossen, zusätzlich zu den zwei geplanten Versorgungspunkten noch zwei weitere „Wasserstellen“ zu organisieren, was logistisch gut zu organisieren und für die Läufer wichtig war.

Aufgrund von Gleisarbeiten im Siegtal war die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln etwas komplizierter, klappte aber gut. Die Genießergruppe startete etwa gegen 8:15 Uhr.

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Auf dem Bild sind vorne: Thorsten Klenke, einer der Organisatoren des Köln-Pfadlaufes. Er lief das Stück bis Stadt Blankenberg und half dann bei der Betreuung der Läufer mit. Karsten Meißner, an dessen Wohnungsort wir heute vorbeilaufen und Dirk Stangneth. Stehend: Ich mit meinen Listen, mit denen wir am Start, am Ziel sowie an den VPs die Zeiten notiert haben. So konnten wir recht gut einschätzen, wo sich die Läufer befanden und wann sie am nächsten VP erwartet wurden. Karen Keller, die als Besenläufer vorhatte, Leute mit Motivations- und Navigationsproblemen ins Ziel zu bringen. Diesbezüglich hatte sie wenig zu tun, sondern konnte die Etappe recht locker genießen. Dahinter die sehr erfahrene Constanze Escher, die ihrem Ruf als Navigationsexpertin gerecht wurde. Vorne Kerstin Conrad, die mir am Abend vorher mitteilte, dass sie Mitglied bei der LG Ultralauf geworden ist, worüber ich mich sehr gefreut habe. Dina Bohm, die extra zur Samstagsetappe aus der Schweiz angereist war. Marie Jordan, die Österreicherin, die heute ihren ersten Ultra lief und sich für ihre Premiere eine wahrlich nicht einfache Aufgabe aussuchte. Kamilla Holtkamp hatte schwer zu kämpfen, erreichte dennoch dank ihrer aufmunternden Begleitung das Ziel. Ganz hinten steht Aaron Dorn, der sich mit der Freitagsetappe zufriedengab und die restlichen Tage die Organisation unterstützte. Etwas verdeckt steht Markus Meinke, der nach dem Eiger noch nicht fit ist, aber es sich nicht nehmen ließ, wenigstens eine Etappe mitzulaufen. Der großartige Michael Massar, der trotz Schwierigkeiten stets mit einem Lächeln unterwegs war und sich immer zu helfen wusste. Peter Hübner möchte in zwei Wochen den Mauerweglauf laufen und wollte das Wochenende für einen letzten Belastungsblock nutzen. Rainer Wachsmann hat, was das Verlaufen angeht, an diesem Tag den Vogel abgeschlossen, weil er Bohlscheid einfach  nicht fand. Nach einigen Rückschlägen konnte Kathi diesen Lauf zufrieden finishen und zeigte dabei eine sehr gute läuferische Leistung. Der Deutschlandlauf-Finisher Konrad Vogl ist ein Teilnehmer, wie man ihn sich als Veranstalter wünscht, immer gut gelaunt und ohne irgendwelche Probleme. Am Rande steht noch unser unglaubliches Urgestein Franz Holzleitner. Er ist so sympathisch anders, dass er stets aufs Neue meine Fantasie bereichert. Beispielsweise läuft er nach „akustischen Hinweisen“, ähnlich, wie man es vom Auto kennt. Wie man nach Sätzen wie „bei nächster Gelegenheit links abbiegen“ den Weg finden kann, ist mir allerdings ein Rätsel. Eine total interessante Gruppe hatte sich hier gefunden und lief gemeinsam durch die noch etwas verschlafene Kreisstadt.

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Eine Stunde nach den Genießern, starteten die Schnellen. Zunächst auf den flachen Passagen deutlich im Vorteil war Jens Erler mit dem Rad. Daneben Frank Gehle, der sich an den VPs die meiste Zeit gönnte und lieber mit einem Spurt der Gruppe folgte, als das fünfte Stück Melone zu verschmähen. Ramin Madani, den zuvor keiner kannte, der sich aber wunderbar in die Gruppe integrierte. Jonathan Gakstatter ist gleichermaßen jung und erfahren. Auch am Samstag führte er „seine“ Gruppe ohne grobe Umwege ins Ziel. Der in Norwegen lebende Aaron ist einer unserer schnellsten Läufer, belegte bei der DM im Ultratrail den hervorragenden 13. Platz und fühlte sich auch als Betreuer in der Gruppe sehr wohl. Philipp Sahm, ein hervorragender Triathlet und Trailläufer war an diesem Wochenende der mit Abstand schnellste Läufer und konnte alle drei Tagesetappen gewinnen. Er brachte sogar das Kunststück fertig im letzten, sehr technischen Abschnitt Jens mit dem Mountain-Bik zu überholen und vor ihm im Ziel zu sein! In unserem Verein haben wir ja viele super Läufer. Wenn aber einer ein bisschen herausragt, dann Hans-Dieter Jancker, der in seiner Altersklasse Weltklassezeiten läuft. In 5 Wochen nimmt er an der Senioren-Weltmeisterschaft in Kroatien teil und ich bin schon jetzt megagespannt, wie er sich bei solch einer Veranstaltung schlägt. Heute ging es darum, bei etwa 25 bis 35 Grad 68 km mit 1800 Höhenmeter zu laufen.

Etwa bei Kilometer 15 gab es einen kleinen Versorgungspunkt (Wasserstelle) und bei Kilometer 27 einen größeren Versorgungspunkt an der Kunstwerkstatt in Stein am Fuße der Burg Stadt Blankenberg.

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Hier konnten die Läufer ausreichend essen, trinken sowie sich ihre Vorräte auffüllen. Die zweite Wasserstelle folgte in Merten und schließlich gab es noch einen großen Versorungspunkt in Bohlscheid. Von dort ging es noch etwa 20 km bis ins Ziel.

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Unsere neueste Vereinsanschaffung ist ein wasserdichter Pavillon, der seine Bewährungsprobe mit Bravour bestand, denn kaum hatte Aaron mit Martina den Unterstand aufgebaut, fing es kräftig an zu regnen. Zweimal sollte es an diesem Tag heftiger regnen, was die Natur sicher erfreute und die Läufer nicht störte.

Thorsten hatte in Stadt Blankenberg seinen läuferischen Einsatz beendet und mir den Staffelstab weitergegeben, damit ich die Etappe nach Bohlscheid laufen konnte. So lief er im Trockenen, ich im Regen und am Ende waren wir beide naß.

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Ein Glücksfall war das zufällige Treffen mit Herrn Poll, als wir vor einigen Wochen Bohlscheid erkundeten, denn der interessierte Nicht-Läufer stellte seinen Parkplatz zur Verfügung, bot den Läufern eine kalte Wasserdusche und und unterstütze uns prächtig.

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Dirk und Frank stärkten sich.

Die Läufer hatten nun 48 km und zwei Regenschauer hinter sich und noch 20 km bis zum Ziel vor sich. Das sind schon drei gute Gründe, um bei dem Obst, Salzgebäck und Keksen kräftig zuzulangen.

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Conny genießt eher die kühlen Getränke.

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Wieder war das Ziel an der Grillhütte, wo die Läufer insbesondere mit viel Getränken versorgt wurden, denn wenn man bei ständig um die 30 Grad 8 bis 10 Sport treibt, kann man gar nicht so viel trinken, wie man verschwitzt.

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Am Ende des Feldes führte Conny eine Dreiergruppe an, die rechtzeitig zum Essen das Ziel erreichte. Mit dabei waren Rainer und Marie.

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Den größten Jubel erzeugte dabei Marie, die unter respektvollem Applaus aller Teilnehmer ihren ersten Ultramarathon finishte. Nie zuvor war sie länger als einen Marathon gelaufen, noch nie so lange unterwegs gewesen- und das bei diesem schweren Lauf. Klasse gemacht! Herzlichen Glückwunsch!

Vergleicht man die Anforderungen der Samstagsetappe mit der Strecke der DM im Ultratrail vor zwei Wochen, so war die Strecke auf dem Natursteig vom Profil vergleichbar, aber etwas länger, etwas mehr Höhenmeter und zu den über 30 Grad, kam noch vereinzelt Regen dazu, die Strecke war nicht markiert und die Versorgung seltener.

Wer nun denkt, es müsse jetzt ein Ruhetag folgen, der täuscht sich, denn am Sonntag stand die Königsetappe an: Etwa 119 km mit 4.000 Höhenmeter sind die nackten Zahlen, aber den Erlebniswert dieses Abenteuers kann man natürlich nicht messen. Wenn man diese Etappe noch beendet, so bekommt man dafür für die LG Ultralauf Leistungsmedaille in Gold, für Silber gibt es zwei Varianten. Wer am Samstag gelaufen ist, muss mindestens 90 km schaffen, als Etappenläufer die gesamten 119km.

Die Idee der Leistungsauszeichnung ist typisch für die LG Ultralauf: Wir wollen durch unsere Aktionen satzungskonform den Spitzensport im Ultralaufbereich fördern ohne den Konkurrenzgedanken zu schüren. Daher sollten die schnellsten Läufer nicht gesondert geehrt werden, sondern alle, die die Gesamtdistanz schaffen, sollen gleichwertig eine Medaille in GOLD bekommen.

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Unsere LG Ultralauf Leistungsmedaillen in Gold, Silber und Bronze.

Am Samstag Abend gab es dann im Rahmen eines gemütlichen Beisammenseins die Verleihung der Urkunden und Medaillen. Dabei bekamen die Finisher der Tagesetappe die Leistungsmedaille in Bronze verliehen.

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Am Sonntag fuhren wir mit Autos und dem Zug gemeinsam nach Brachbach. 10 Männer waren noch im Rennen um Gold und mit Katja Dasbach gesellte sich eine mutige Etappenläuferin dazu, die einerseits mit der Referenz kommt, den Etappenlauf Bergische 5 gewonnen zu haben, andererseits nichts Längeres als den Rennsteiglauf in ihrer Ultravita stehen hat.

Auf dem Bild sind: Ich, Katja, Dirk, Michael, Hans-Diete Frank, Jonathan, Ramin, Peter, Philipp, Aaron, Franz und Konrad. Wir hatten größere Planänderungen vorgenommen. Die Verlegung des Starts von Mudersbach nach Brachbach, weil der vorgesehene Anschlusszug nicht fuhr, schien leider zu naiv gedacht nur geringe Auswirkungen zu haben. Auf den gleichzeitigen Start in Alsdorf für die 93km-Läufer verzichteten wir und wollten stattdessen zwischen den geplanten VPs zusätzliche Wasserstellen anbieten.

Für eine Silbermedaille sollte man statt der Strecke Alsdorf – Herchen die Strecke Brachbach-Bachmühle laufen. Auch diese Idee hielt der Praxistauglichkeit nicht stand und wurde im Laufe des Rennens modifiziert. Ist so eine Veranstaltung für die Teilnehmer ein Abenteuer, so gilt das gleichermaßen auch für die Veranstalter, insbesondere gilt das für die Premiere. Da passieren halt ständig irgendwelche unvorhersehbare Ereignisse, beispielsweise, dass die Schnellen zu schnell und die Langsamen zu langsam laufen. Die meisten Planabweichungen sind schlecht, aber einige sind echt gut und bieten neue Chancen. Wir hatten an dem Tag reichlich von allem.

So konnten wir die zeitlichen Auswirkungen eines gemeinsamen Startes aller Läufer bei geplanten 7 statt 4 VPs nicht im Vorfeld genau durchrechnen. Nach kurzer Ansprache schickten wir dann die Läufer auf die Piste. Da sie nun in Brachbach starteten, waren die ersten 900 m nicht auf dem Track. Aber die waren auch recht einfach: Immer geradeaus zu einer Kreuzung. Dort trifft man auf den Natursteig. Rechts geht es über eine Brücke zum offiziellen Startschild des Natursteiges, nach weiteren 100m folgt der Bahnhof Mudersbach, wo der Track beginnt. Der richtige Weg geht aber natürlich nach links durch den Ort und dann nach ca 1 km in den Wald. Aber wer hört beim Briefing schon zu? Nach 900 m steht die Gruppe auf dem Natursteig, der Track zeigt in beide Richtungen. Irgendetwas war da doch mit Brücke, also rüber und weiter. So kam es, dass einige schon vor dem ersten Kilometer Strecke einen Kilometer Umweg auf der Uhr hatten!

Die Wegfindung im Ort ist wirklich etwas tricki und führte zu weiteren wenngleich kürzeren Umwegen. Da ging der Spaß dann so richtig los, bevor man überhaupt auf den kleinen Pfaden im Wald war. Danach waren aber auch alle wach und konzentriert im Rennen.

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Rainer Wachsmann wollte heute nicht mehr starten und half bis zu seiner Abreise am „Wasserstand“ Freusburger Mühle mit. Frank genießt den Service. Er hatte sich zur Feier des Tages sogar das Vereinstrikot angezogen, weil es hilft, nicht aufzugeben, wenn es schwer wird.

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Am Ende des Feldes kamen Konrad und Peter. „Wir waren sogar einmal kurz in Führung“, sagten sie lachend, weil die erfahrenen Hasen natürlich auf die Erkundung der anderen Brückenseite verzichteten. Peter hatte sich leider gestern Blasen gelaufen und auf der anderen Seite zwickte die Wade.

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Der nächste VP war in Alsdorf. Und zu meiner Überraschung kamen Philipp und Jonathan gemeinsam an. Bisher war Philipp immer vorne alleine, während Jonathan in einer Vierergruppe der einzige war, der ein GPS-Gerät hatte und an schwierigen Stellen navigieren konnte. Eigentlich ist der Natursteig sehr gut markiert, aber in dem Wort eigentlich steckt z.B. drin, dass nicht alle Markierungen von den schnellen Läufern gesehen werden und es manchmal durchaus Interpretationsmöglichkeiten gibt. Und im Dunkeln geht ein „Laufen nach Markierung“ überhaupt nicht. Alles sprach dafür, dass es ein wirklich spannender Tag werden würde.

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Meine liebe Frau Martina, ohne die die Veranstaltung nie zustande gekommen wäre. Sie ist diejenige, die im Vorfeld alle Besorgungen macht und auch die Dinge einpackt, die ich vergessen habe, auf die Listen zu schreiben. Während des Laufes fährt sie rum, bestückt die VPs, betreut die Läufer in ihrer motivierenden, freundlichen Art. Danke!

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Recht flott und alleine kam Katja daher. Stapelte sie morgens noch etwas tief, sie könne nicht schnell und würde vor lauter Quatschen sich ständig verlaufen, so schien es beinahe, als hätte sie sich heute etwas vorgenommen. Wie gesagt, an Überraschungen war es kein armer Tag!

Schließlich kamen Peter und Konrad. Peter ging es gar nicht gut. Seine Wade schmerzte immer mehr. Vermutlich eine kleine Zerrung. Wenn er jetzt aufhören würde, würde er den Schaden in Grenzen halten…. Meine zaghaften Versuche, ihn dahin zu bewegen, hat er kopfschüttelnd abgelehnt. Er wolle es probieren, weiterzumachen. OK, aber wie? Wir entschieden uns für einen Druckverband. Wozu hat man einen Erste-Hilfe-Koffer? Also zack-zack Wade gewickelt. Und nun? Das Klebeband klebte leider nicht mehr. Ja, so ist das mal wieder. Es geht stets auf und ab, es gibt Hochs und Tiefs, Hoffnung und Frust. Aber irgendwann hatten wir klebendes Klebeband gefunden, Peter versorgt und ihn wieder auf die Bahn geschickt.

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Michael genoss den Tag. Morgens schon platt wie eine Flunder wollte er mal sehen, wie weit er an dem Tag kommen würde.

Nun war es mittlerweile so spät und das Feld lag bei km 25 schon so weit auseinander, dass wir mit unseren beiden Autos die Versorgung nicht mehr sicherstellen konnten. Daher haben wir kurzerhand Michael und Dirk ins Auto gepackt und einen Teil des Weges mitgenommen.

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Das war natürlich auch leichter gesagt als getan, denn wir hatten neben Pavillon, Tischen und Unmengen von Getränken und Speisen auch ohne Gäste das Auto voll.

Wir haben die beiden dann nach ganz kurzer Fahrt in Oberhövels (oder so ähnlich) wieder auf den Natursteig geschickt und sind weiter nach Wissen gefahren, wo der zweite große VP sein sollte.

Auch hier passierten die tollsten Geschichten. Zunächst lernten wir Andreas, Katjas Mann, kennen. Er brachte ihr unter anderem neue Socken mit, da ihre gerissen waren. Ramin und Hans-Dieter liefen gemeinsam nach Markierung. Sagten sie noch in Alsdorf auf die Frage, wie das klappt „geht so“, so war ihnen nun doch der Frust unverkennbar anzusehen. Kurzerhand gab ich ihnen mein Dakota, stellte alles ein und aktivierte die Tastatursperre, denn Ramin, der Spontan-Chef-Navigator, hatte zum ersten Mal so ein Gerät in der Hand. Leider habe ich mir die Konfiguration nicht genau angeschaut und andere Tracks wurden ebenfalls angezeigt, z.B. von der ersten Runde „Rund um Herchen“ - mit bösen Folgen – ihr ahnt es sicher schon.

Die Zeitplanung war mittlerweile mehr als schwierig. Das Auto musste dringend nach Bitzen, um vor Philipp da zu sein, der ein Höllentempo vorlegte, während noch vier Leute am VP erwartet wurden.

Thorsten war vor von seiner Wasserstelle mittlerweile mit Peter nach Birken-Honigessen gefahren. Peter ging es wieder besser und er konnte beschwerdefrei wandern. Mit diesem Zeitsprung war er wieder im Rennen und konnte in seinem Tempo weiterwandern und laufen. Am Ende ist er mit dem Verband ca 70 km gewandert! Eine unglaubliche Willensleistung!

Logistisch wurde es nun etwas kompliziert, aber außer, dass Philipp am letzten VP etwas warten musste, konnten alle Läufer bei allen geplanten und ungeplanten Versorungsstellen betreut werden.

Wahnsinniges Glück hatte ich, dass mein Handy die bergige und kurvenreiche Strecke von Wissen nach Bitzen auf dem Autodach liegengeblieben ist, nachdem ich mich einmal umgezogen hatte. Weniger erfreulich ist, dass das nicht das Einzige war, was ich auf das Autodach gelegt hatte. 

Ein Higlight zu später Stunde war der VP in Bitzen. Hier hatten wir im Vorfeld bei der Erkundung Gefallen dran gefunden, aber die Kontaktaufnahme gestaltete sich zunächst schwierig. Nachdem wir dann hingefahren sind und Leute getroffen haben, lief die Abstimmung super.

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Frau Bewer vom Gemeinderat und stellvertretende Vorsitzende des Bürger- und Nachbarschaftsverein war persönlich vor Ort, begrüßte die ersten Teilnehmer und unterstützte uns prima. Vielen Dank!

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Ramin und Hans-Dieter waren heute die KM-Könige und liefen deutlich über 130 km. Aber mit der Navigation klappte es eigentlich ganz gut. Ramin strahlte hier Zuversicht aus, denn es war ja von hier aus nur noch ein Marathon.

Zur guten Versorgung der Läufer war wichtig, dass der VP in Bitzen nicht nur eine Parkbank war. Die Läufer waren hier schon mindestens 75 km seit morgens 8:50 Uhr unterwegs. Hier ist eine Sitzgelegenheit und eine warme Speise absolut notwendig. Der VP wurde übrigens um 0:20 Uhr aufgelöst, als mit Franz der letzte Läufer durch war.

Das hätten wir ohne Andreas Dasbach nur schwer geschafft, der eigentlich nur gekommen war, um seiner Frau Socken zu bringen, sich dann spontan bereit erklärt hat, die VP-Ausrüstung von Wissen nach Bitzen zu fahren und dann die halbe Nacht vor Ort blieb. Eigentlich wollte er einen Freund besuchen. Eigentlich wollte Katja ja auch bis nach Herchen laufen, aber plötzliche Kreislaufprobleme zwangen sie zu einem vorzeitigen Abbruch. Dennoch ist ihre Leistung aller Ehren wert. Sie war noch nie so lange unterwegs und ist etwa 70 km gelaufen. Ganz toll gemacht. Herzlichen Glückwunsch! Katja und Andreas:

Vielen, vielen Dank für eure spontane Hilfe!

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Der letzte Versorgungspunkt war am Gasthaus „Zur Bachmühle“ und war einerseits am perfekten Standort und bot andererseits eine super Infrastruktur mit Tischen, Stühlen, Licht und Strom und war überdacht. Vielen Dank an die Besitzer, die die Veranstaltung durch die Nutzungserlaubnis unterstützten.

Auch hier verbrachten die Helfer viele Stunden, denn der erste, Philipp kam gegen 20 Uhr, Dirk verließ gegen 1:45 und Konny und Frank gegen 2:15 die Station. Franz fehlte zu dem Zeitpunkt noch, aber auf ihn konnte ich nicht mehr warten, sondern stellte ihm ein paar Lebensmittel auf den Tisch.

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Kurz nach 0 Uhr kam Philipp ins Ziel und eine halbe Stunde später Jonathan. Statt Abendessen hatte das Hotel Kuchen und leckere Salate in einen eigens für diesen Zweck aufgestellten Kühlschrank bereitgestellt. Leider waren die meisten Läufer zu müde zum Essen. Aber den beiden schmeckte es. Nachdem sie geduscht und gegessen hatten, warteten sie noch auf die nächsten. Ich war ziemlich überrascht, als ich gegen 3 Uhr zum Hotel kam, die beiden mit meiner Frau quatschend anzutreffen. Obwohl die beiden stehend ko waren, wollten sie unbedingt beim Zieleinlauf der Folgenden dabei sein. Ich hatte kurz vor meiner Ankunft mit Ramin telefoniert, der mir mitteilte, dass sie die Abzweigung nach Herchen verpasst hatten und nun wieder auf der Runde rund um Herchen waren. Ich konnte ihnen die Stelle der Abzweigung beschreiben und sie mussten wohl oder übel ein paar „Meter“ zurücklaufen.

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Ist ja eigentlich auch schöner, im Hellen anzukommen. Dann kann man nämlich dieses Plakat besser lesen. Das dachten sich auch ein paar von uns und kamen im Laufe des Morgens an.

Plötzlich ein Anruf von Franz, der längst im Ziel erwartet wurde. Er sei in Herchen, aber hier sei kein Bahnhof und auch keine Brücke. „Immer stromabwärts laufen, du schaffst das, denn es ist nicht mehr weit“, munterte ich ich auf. Auch ihm konnte geholfen werden.

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Wärend sich einige Teilnehmer ein wenig ausruhten … …

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schrieb ich mit Ramins Unterstützung noch schnell die Urkunden.

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Nun waren wir etwas unentschlossen.

MO 4Einerseits konnten wir unmöglich mit der Siegerehrung starten, solange nicht Franz im Ziel war. Andererseits war die Siegerehrung gegen 9 Uhr angesetzt und mussten einige zum Zug. Aber Franz ist und bleibt eine geniale Wundertüte. Gut gelaunt und strahlend erreichte er um Punkt 10 Uhr das Ziel.

Genau in dem Moment, in dem die Küche schließt und wir mit der Siegerehrung beginnen wollten. Er ist dann, so wie er war, einmal am Büffet vorbei gegangen, füllte den Teller und startete gleich zur Ehrung durch.

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Die Medaillengewinner vom Sonntag: Vorne: Jonathan, Franz, Hans-Dieter (alle Gold) Mitte: Ramin, Frank (Gold), Michael (Bronze) Oben: Konrad (Gold), Dirk, Peter (beide Silber), Philipp (Gold)

Mein Fazit: Ich bin froh, dass alles gut geklappt hat, denn trotz aller Vorfreude hatte ich doch eine große Anspannung und Respekt vor der Aufgabe. Ich hatte nur wenige Dauer-Helfer an Bord, aber die haben richtig gut zusammengearbeit. Vielen Dank an Martina, Thorsten und Aaron. Ihr wart wirklich großartig. Dass es eine richtig familäre Veranstaltung wurde, liegt sicher auch daran, dass sich viele schon kannten und die anderen sehr schnell integriert wurden. So wurden nicht nur sportliche Höchstleistungen erzielt, sondern gemeinsam Abenteuer bestanden und Freundschaften geschlossen. Das war der Nährboden dafür, dass einige Teilnehmer förmlich über sich hinauswuchsen. Die Hilfsbereitschaft untereinander und mir gegenüber war enorm. Möglicherweise hat sich hier eine Gruppe gefunden, die in absehbarer Zeit einmal den Versuch starten wird, den Natursteig nonstop zu laufen. Erste Pläne wurden bereits geschmiedet.

Auch hat mich die Hilfsbereitschaft und das respektvolle Interesse anderer Beteiligten begeistert. Ein Unbekannter hatte einen Eimer mit Getränken und einem Schild „Für die Elan-Läufer“ zur Freude unserer Läufer an der Strecke platziert. Manchmal werden die Ultraläufer ja komisch angesehen und beurteilt. Davon habe ich in zahlreichen Gesprächen nichts bemerkt. Von den Mitarbeitern des Waldhaus Herchen, die ausnahmslos sehr zuvorkommend waren, über die verantwortlichen Leute, die uns an den Verpflegungspunkten geholfen haben, bis zum Rheinsiegkreis, hier insbesondere der für Natursteig verantwortliche Mitarbeiter Felix Knopp, habe ich eher das Gegenteil erlebt.

Insgesamt war das Ganze natürlich ein wenig Arbeit und ein wenig Stress, hat aber auch Spaß gemacht. Letztendlich gibt es für derartige Veranstaltungen keine Vorbilder, einen Dreitageslauf mit fast 210 km und 6000 Höhenmeter in der Verteilung 20, 70, 120 km, einen Lauf mit einer Unterkunft, die dreimal das Ziel der Etappenläufe ist und das Ganze eingebettet in ein Trainingslager, bei der es nicht um das Gewinnen geht, sondern um Ultralauftechniken, um gemeinsame super anstrengende Trainingsläufe, das Verschieben von Leistungsgrenzen, das Sammeln neuer Erfahrungen. Als Anreiz für alle Teilnehmer wurde das Finishen mit einer wertvollen Leistungsmedaille belohnt. Und eins ist auch klar: Die Latte für Silber und Gold liegt verdammt hoch.

Das sind alles ziemlich neue Konzepte, aber das erste Feedback der Teilnehmer war ermutigend, diese Veranstaltung zu wiederholen. Dann aber sicher von Donnerstag bis Sonntag, einen Termin gibt es allerdings nicht, muss aber mit dem Haus abgestimmt werden, da es als wichtigster Baustein gesetzt ist.

Links: Vorbericht, Ergebnisse

Text und Bilder: Michael Irrgang, 1.8.2018

UTGK 0Auch Christoph Janthur war bei der Premiere dabei und berichtet seine Erlebnisse:

Angemeldet habe ich mich eigentlich, weil der Name seit etwa 20 Jahren bei mir quasi Programm ist. Dazu kam, dass er relativ nah liegt und in einer Gegend stattfindet, die ich noch nicht kannte. Nördlicher Taunus- Nassauer Land. Ich hatte es in den südlichen Westerwald verortet, der hört aber an der Lahn auf, wie ich lernen durfte. Der Lauf wurde mit 66,66 k und etwa 1450Hm angekündigt. Am Ende stimmten die 66 sicherlich ganz gut die Hm lagen aber eher bei 1680, wie alle, die ich fragte, bestätigten. Der Lauf war mit dem Maintalultra eine Woche zuvor also von den Eckdaten her relativ ähnlich. Er wirkliche Unterschied lag in den Traileinlagen. Beide sind von guten Läufern komplett laufbar, aber der Grauen Kopf hat viel mehr Trailanteile. Und diese sind schlicht traumhaft.

Es gibt einen tollen Wechsel zwischen Wäldern mit Wurzeln, Felsen und irren Downhills in Serpentinen oder einfach steil bergab. Dann wieder Wiesen mit schulterhohem Bewuchs neben den körperbreiten Pfaden. Das immer laufbar mit unglaublichem Cruisfaktor. Dann wieder breitere Waldwege oder auch Asphalt. Hier können Kilometer gemacht werden und der Kopf beruhigt sich, weil die Konzentration nicht mehr so hoch sein muss. Aus meiner Sicht eine ideale Mischung.

Vps (Versorgungspunkte): gibt es zwei. Einen Doppel-Vp bei 31/33 zwischen der eine ordentliche Bergetappe mit steilem Downhill zu bewältigen ist und ein weiterer bei etwa 57, also 24 km später! Zusätzlich einen Wasserstand bei km 15. An den beiden Vps sieht man, dass der Lauf von einem gestandenem Ultraläufer organisiert wird. Neben den üblichen Melonen, Keksen, Äpfeln, Süßkram, Kartoffeln, Iso, Salzkram, etc gibt es eisgekühltes Bier als Pils (mit und ohne) und Weizen (ohne) vom Sponsor (der Braumeister wird 5.!), sowie EIS AM STIEL! Da weiß jemand, was ihm schmeckt und was andere vielleicht wollen. Aber die wenigen Vps führen natürlich zu einer ganz anderen Logistik als beim Maintal.

ChristophMein Lauf: zunächst lief es gut. Ich hatte keinerlei Ambitionen und freute mich auf den Lauf. Die Strecke liegt mir und so konnte ich lange mit Georg K. durch die Wälder und Täler streifen. Ab etwa 30k wollte Georg aber schneller laufen und mir war es das nicht wert, ich wollte den Lauf und die Landschaft weiter genießen. Also zog er davon und eierte hinter ihm her. Etwa bei 37k holte mich dann Stefan O. ein, der den langen Anstieg lief, ich hatte mich dazu entschieden zu gehen. Oben wartete er auf mich und wir liefen bis zum Ende gemeinsam. Eine tolle Partnerschaft!

Auf der langen Etappe organisierten wir in einer Garage Wasser, bei Wanderern Apfelschorle und an einem Bach ein kühles Kopfbad. Irgendwo bei 50 holte uns Jonathan ein (später Platz 2). Sehr entspannt und doch ambitioniert. Da haben wir wirklich einen tollen Nachwuchs im Verein. 21 Jahre und den Kopf, um sich so lange konzentriert, freundlich und mit viel Spaß durch das Brett zu bringen. Da wächst was ran! Nach 1-2k tauchen Stefan und ich Blicke aus, lassen ihn laufen und machen wieder unser Ding. An Vp 2 machten wir gut 20 Minuten Pause, tranken, aßen und entspannten. Mit einem Eis in der Hand zockelten wir wieder los. 9k to go. 4 k Asphalt zum Rollen kann auch für einen Trailer ein Vergnügen sein! Der letzte lange Anstieg - wir wandern und sehen uns abwechselnd um. 3 to go, unten taucht eine rote Gestalt auf (Der Braumeister-wie wir später erfahren). Ende der Wanderung und der wirklich entspannten Stimmung, wir müssen laufen und tun es eben. Naja, ist ja eine Laufveranstaltung. Danke Stefan!

Der Veranstalter: Alex Holl und das Team brennen! Er ist immer wieder an der Strecke, immer wieder für die Läufer da und am Ende empfängt er jeden Läufer. Ist am Geschehen und der Strecke interessiert und will verbessern. Da gibt es allerdings nicht viel. Das Team füllt auf, bietet an, fragt, redet, organisiert. Viel Engagement und aufbauende Worte. Ausblick Einzig die Markierung ist nicht immer optimal. Aber das ist wie schon ein anderer Läufer sagte, Kritik auf höchsten Niveau. Ansonsten einer der besten Läufe / Strecken Deutschlands. Ich vermute, in 3-4 Jahren wird dort die Deutsche Meisterschaft im Traillauf stattfinden. Wenn er sich das antuen will.

Text: Christoph Janthur, Logo: Veranstalter, Bild: Michael Irrgang (vom MTUT), 24.7.2018

 

UTGK 01. Ultratrail Grauer Kopf – quer durchs Nassauer Land

Nach dem Start bei der Ultratrail-DM am 14.07.18 begann für mich wieder eine volle Trainingswoche. Im Hinblick auf die 24h-DM im September hatte ich für das Wochenende freitags einen 30er und sonntags einen 40KM-Traingslauf geplant. Am Donnerstag sah ich dann auf Facebook einen Beitrag zum Ultratrail Grauer Kopf in dem der Race Director Alex Holl noch freie Plätze anbot. Ich hatte den Lauf schon länger im Blick, doch war mir eigentlich die Regenration zwischen dem Maintaltrail und dem ELAN zu kurz – doch diesem Angebot konnte ich dann nicht widerstehen und ersetzte die Trainingsläufe durch den UTGK.

Also am Samstag morgen um kurz nach 4 Uhr losgefahren nach Holzhausen an der Haide und nach ca. 2h in strömendem Regen angekommen. Sogleich begab ich mich zur Startunterlagenausgabe. Dort bezahlte ich noch die Meldegebühr und erhielt meine Unterlagen. Bereits jetzt herrschte super Stimmung und es wirkte eher wie ein Klassentreffen als wie bei einem Wettkampf.

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Es waren wirklich tolle Läufer am Start wie Georg Kunzfeld oder Peter Kaminsky und noch viele weitere. Um 7:30 Uhr hielt Alex ein kurzes Briefing in dem er auf die Streckenmarkierung und einige Besonderheiten der Strecke hinwies. Alex ist selbst ein fantastische Ultraläufer und hat dieses Jahr unter anderem die Tortour sowie den Kölnpfad erfolgreich gefinisht (Kölnpfad 1. Mann). Er hatte sich die Mühe gemacht die komplette Strecke mit Wanderzeichen auszustatten und zusätzlich Flatterband und Sprühpfeile angebracht.

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Organisator Alex Holl hatte die Strecke gut markiert und mit einigen motivierenden Schildern aufgehübscht.

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Um Punkt 8 starteten der Lauf und es bildete sich schnell eine sehr schnelle Führungstruppe aus ca. 6 Personen. Dieses Tempo konnte und wollte ich nicht mitgehen und lief mein eigenes Tempo. Von Anfang an ging es durch den Wald über teilweise schöne Trails aber auch Waldwege hinauf zum Grauen Kopf, welcher nach knapp 10km erreicht wurde. Danach ging es über relativ einfach zu laufende Wege sanft bergab bis KM 26. Der leichte Regen hatte jetzt komplett aufgehört. Hier konnte man wirklich zügig laufen und die Strecke sowie die Aussichten waren wirklich toll. Einzig der „Berg der Tränen“ war hier wirklich ein anspruchsvoller Anstieg. Bei KM 26 begann dann langsam der Aufstieg zur ersten offiziellen VP bei KM 30,5. Bei KM 15 gab es bereits eine Station an der es Wasser gab.

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Nach dem VP1 (Versorgungspunkt) bei KM 30,5 ging es einen Anstieg hinauf, der direkt in einem technisch wirklich anspruchsvollen Abstieg endete. Bei KM 33 traf man erneut auf den VP1 und konnte sich nochmals stärken. Im Anschluss ging es ca. 4km auf Asphalt am Fluss entlang. Dann folgte ein erster kleiner Anstieg zum Wald hinauf. Ich bin hier konsequent hochgegangen und erkannte weit vor mir Vereinskollege Christoph Janthur, der ein wirklich klasse Rennen lief. Am Ende des Anstiegs ging es über Felder zu einem fantastischen und steilen Downhill bergab zur nächsten Stadt. Nachdem man die Stadt durchquert hatte, folgte der Anstieg zur Burg Nassau.

Hier musste ich mir dann eingestehen, nicht vollständig regeneriert zu sein und musste mich da hoch quälen. Oben wartete Alex und begrüßte mich auf der Burg Nassau.

Danach ging es steil die Burg wieder hinab und nochmal über Asphalt zurück in den Wald. Zum Beginn des Waldabschnitts bei ca. Km 47 hatte ich eine kleine Krise, denn der 2VP war erst bei KM 57 und ich war wirklich fertig und mein Getränkevorrat neigte sich dem Ende. Mehr stolpernd als laufend kam ich voran und durfte dann die „12 Kehren zum Fischweiher“ hinabrennen. Kurz danach traf ich für mich relativ überraschend auf Christoph und Stefan, die auch etwas zu kämpfen hatten. Die beiden meinten, nur noch Georg wäre vor ihnen und ich war überrascht, so weite vorne im Feld zu sein.

Ich setzte mich etwas ab und war froh, endlich den 2. VP zu erreichen. Auf den letzten Kilometern wartete nochmal ein Anstieg über knapp 3 KM (60-63), der für mich nur noch wandernd zu bezwingen war. Danach ging es über einen Feldweg wieder zurück zum Start- und Zielbereich.

Kurz vor dem Ziel wartete bereits der Sieger Georg Kunzfeld, der eine halbe Stunde Vorsprung vor mir hatte. Ich lief auf den Sportplatz, drückte eine Klingel als Zeichen für die Zielankunft und war sehr froh angekommen zu sein. Das ich dann auch noch Platz 2 erreicht hatte war ein toller Bonus. Knapp 10 min später waren Stefan und Christoph dann auch im Ziel und konnten Platz 3 sichern.

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Nach Dusche und einigen Gesprächen ging es für mich dann auch wieder heim da ich ja eine etwas längere Fahrt vor mir hatte. Nun wartet der ELAN auf mich und ich freue mich sehr auf diese Herausforderung und bin gespannt, was meine Beine zur erneuten Belastung sagen.

UTGK 6Fazit zur Veranstaltung: Eine rundum fantastische Veranstaltung, die mit sehr viel Herzblut von einem erfahrenen Ultraläufer veranstaltet wird. Sie wird auch im nächsten Jahr stattfinden, allerdings unter anderem Namen, da der Begriff Ultratrail als Qualifikationsrennen für den UTMB nicht verwendet werden darf. Die Strecke mit 66KM und 1600HM war zusätzlich zum GPX-Track super markiert und trotz morgendlichem Regen überall gut zu finden. Die herausfordernden Trails sowie gut laufbare Wege machten eine tolle Mischung und der Lauf war wirklich eine tolle Erfahrung, die ich jedem ans Herz legen kann. Im Januar findet der Lauf als Winterversion statt. Dann wird in die andere Richtung gelaufen und ohne Markierung.

Text: Jonathan Gakstatter, Bilder: Jonathan Gakstatter, Alex Holl, 22.07.2018

 

Die LG Ultralauf verantaltet am kommenden Wochenende ein besonderes Trainingslager. Mittelpunkt ist der kleine Ort Herchen an der Sieg.

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Die Sieg ist ein etwa 150 km langer Fluss, der im Rothaargebirge entspringt und bei Bonn in den Rhein fließt. Er prägt eine Region, die den Wandel vom Bergbau zur Erholungsregion geschafft hat und seit einigen Jahren sowohl über einen schönen Radweg als auch über einen Qualitätswanderweg verfügt, der den Namen „Natursteig Sieg“ hat. Er ist 195 km lang bei 5700 Höhenmeter.

Für Ultraläufer bietet die Strecke eine perfekte Basis für ein anspruchsvolles Trainingslager. Ultraläufer sind Läuferinnen und Läufer, deren Wettkämpfe üblicherweise länger als die Marathondistanz sind. In den letzten Jahren stieg deren Anzahl stetig an, insbesondere von denen, die bevorzugt durch die Natur laufen und dabei auch keine Höhenmeter scheuen.

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Unsere Unterkunft Waldhaus Herchen liegt direkt am Wanderweg und bietet uns eine optimale Logistik

Am kommenden Wochenende findet nun in Herchen ein Camp statt, an dem etwa 25 gestandene Ultraläuferinnen und -läufer teilnehmen. Es wird von der LG Ultralauf organisiert und hat den programmatischen Namen ELAN und der steht für „Etappenlauf am Natursteig“. Im Theorieteil lernen sie essenzielle Themen wie „Navigation mit GPS“ und „Laufen mit Stöcken“ kennen. Gerade die Navigation stellt für den praktischen Teil eine notwenige Kompetenz dar, will man sich Extrakilometer und Zeitverlust ersparen, denn als schneller Läufer übersieht man die Markierung leicht.

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Der Natursteig Sieg führt über schöne Wege an vielen Aussichtspunkten und Sehenswürdigkeiten vorbei

Im Kern geht es an diesem Wochenende aber darum, in drei Trainingseinheiten den gesamten Natursteig kennenzulernen und durch diese hohe Belastung einen Grundlagenreiz für die anstehenden Herbstwettkämpfe zu setzen. Einige Teilnehmer bereiten sich aktuell auf den Mauerweglauf im August vor, einem 100-Meilenlauf entlang der ehemaligen Mauer in Berlin, andere starten bei der deutschen 24h-Meisterschaft, die Anfang September in Bottrop stattfindet oder bei der 100km-Weltmeisterschaft in Kroatien im September.

Die Teilnehmer sind definitiv keine Laufanfänger, sondern eher Spitzenläufer in diesem Bereich. Da ist beispielsweise Hans-Dieter Jancker aus der Nähe von Dresden. Er ist mittlerweile über 65 Jahre alt und in seiner Altersklasse zigfacher deutscher Meister und Weltklasse. Jonathan Gakstatter aus der Stuttgarter Gegend ist erst 21 Jahre alt und einer der jüngsten Ultraläufer in Deutschland. Dennoch nicht unerfahren. So gewann er bereits einen 100km-Lauf und nahm letztes Jahr erfolgreich an der 24h-Meisterschaft teil, wo er fast 200 km lief. Peter Hübner beendete im letzten Jahr den Spartathlon erfolgreich, einen Lauf über 246 km bei heißen Temperaturen von Athen nach Sparta. Philipp Sahm ist eigentlich Triathlet, der bereits mehrfach sich beim Ironman auf Hawaii in die Finisherliste eintragen konnte. Kerstin Conrad ist in der Region aufgewachsen, sie wurde vor einem Monat beim Kölnpfadlauf über 171 km zweite Frau. Karsten Meißner wohnt sogar in Eitorf und kennt einen Teil des Natursteiges als seine Hausstrecke, Kirsten Althoff hat im letzten Jahr einen Mehrtageslauf in der Wüste Namib gewonnen und Konrad Vogl den Deutschlandlauf gefinished. Die weiteste Anreise hat übrigens Dina Bohm aus der Schweiz. Sie läuft die Samstagsetappe mit, möchte aber unbedingt dabei sein. Und und und. Wir haben über 20 Teilnehmer und jeder hat seine spezielle, interessante Geschichte - es ist eine ganz tolle Gruppe, die sich zu diesem Trainingscamp angemeldet hat, wovon sich viele bereits kennen.

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Die Etappe "Rund um Herchen" gilt unter den 14 Wanderetappen als eine der schönste

Wird am Freitag nur die 22km-Etappe „Rund um Herchen“ gelaufen, die in erster Linie dazu dient, sich mit der Markierung und Wegebeschaffenheit vertraut zu machen und sich gegenseitig kennenzulernen, so steht am Samstag bereits eine anspruchsvolle Strecke auf dem Programm. Start ist in zwei Gruppen am Siegburger Bahnhof und gelaufen werden etwa 68 km mit knapp 1800 positiven Höhenmeter zurück zum Hotel in Herchen. Einige der Teilnehmer waren erst letzte Woche bei der Deutschen Meisterschaft im Ultratrail, die in der Nähe von Würzburg stattfand. Die Meisterschaftsstrecke hat ein vergleichbares Profil, allerdings ist sie etwas kürzer gewesen, hat etwas weniger Höhenmeter, aber die wichtigsten Vergleichspunkte sind, dass die ELAN-Etappe überhaupt nicht markiert ist und es nicht alle 7 bis 10 km eine voll ausgestattete Verpflegungsstation gibt. In Summe ist die ELAN-Etappe deutlich schwieriger.

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Der Weg führt am Samstag mitten durch die Burg der Stadt Blankenberg

Die Teilnehmer müssen den Weg selbst finden und sich ihren Bedarf an Essen und Trinken in einem Rucksack mitnehmen, denn Versorgungsstationen gibt es nur alle 20 bis 25 Kilometer. An diesen „Oasen“ wird dann kurz ausgeruht, gegessen, getrunken und die Vorräte aufgefüllt, bis man wieder aufbricht und weiterläuft. Am Samstag werden die Teilnehmer vermutlich zwischen 7 und 12 Stunden brauchen, bis sie wieder im Hotel ankommen.

Der Wetterbericht sagt Temperaturen von deutlich über 30 Grad voraus. Lautet die allgemeine Volksweisheit für derartiges Wetter „Anstrengungen möglichst zu vermeiden“, so gilt für die Läufer eher „mehr trinken & kühlen“ und etwas langsamer laufen.

Wer denkt, nach so einer Strapaze benötigt man eine Woche oder zumindest einen einzigen Tag Pause, der täuscht sich, denn nach dem Warming-Up am Freitag und der Gewöhnungsetappe, folgt am Sonntag die Königsetappe von Mudersbach nach Herchen!

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Der Druidenstein - einer der ersten Höhepunkte der dritten Etappe

Der GPS-Track weist eine Länge von etwa 118 km bei etwa 3.600 Höhenmeter aus. Vermutlich wird keiner die Strecke in unter 16 Stunden schaffen und einige werden deutlich über 20 Stunden benötigen. Bei einem Start gegen 8:30 Uhr werden alle Läufer der Gesamtstrecke in der Nacht ankommen.

Sind einige Abzweigungen bei Tag schon schwer zu finden, so ist die Laufen nach Markierungen im Dunkeln nahezu unmöglich. Auch für die Experten der Zunft stellt diese Strecke möglicherweise eine zu hohe Herausforderung dar, zumal auch am Sonntag Hitze vorausgesagt wurde, ggf. mit Gewittergefahr. Daher gibt es auch die „kurze Variante“ von nur 91 Kilometer, die in Alsdorf beginnt.

Wer sich für den Lauf interessiert, aber wem der Anspruch zwei Nummern zu groß ist, kann auch nur eine Etappe mitlaufen oder die Etappen abkürzen, denn das schöne am Natursteig Sieg ist ja, dass der Weg entlang des Flusses verläuft und es im Tal sowohl eine Straße als auch eine gute Bahnverbindung gibt.

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Jeder, der bestimmte Strecken schafft, erhält für seine großartige Leistung eine Medaille in Gold, Silber oder Bronze

Das Ganze ist keine Laufveranstaltung und erst recht kein Wettkampf. Daher gibt es auch keine Startnummern und keine Pokale für die Sieger. Dennoch werden natürlich die Zeiten notiert und Urkunden ausgestellt und jeder, der eine bestimmte Leistung schafft, bekommt eine Leistungsmedaille. Für diejenigen, die die gesamten 200km schaffen, gibt es die „LG Ultralauf Leistungsmedaille“ in Gold, für Silber muss man entweder am Sonntag 118 km laufen oder am Samstag 68km und am Sonntag 91km. Die Anforderungen für Bronze sind deutlich geringer.

Typischerweise läuft man solche langen Trainingseinheiten in kleinen, homogenen Gruppen weit unterhalb seines Leistungspotentials. Diese Läufe machen viel Spaß, denn sie haben einen Hauch von Abenteuer: Man kann sich verlaufen, man kann stürzen, man kann Blasen oder Scheuerstellen bekommen, die Batterien können leer sein und vieles mehr. Wichtig ist, immer einen kühlen Kopf zu bewahren, um jederzeit kluge Entscheidungen treffen zu können.

Gerade dieses Krisenmanagement ist für spätere Wettkämpfe sehr wichtig, denn auch dort wird es Situationen geben, die man sich eigentlich anders vorgestellt hat. Dann muss man Lösungen finden. Die letzte Option ist immer der Rennabbruch, aber da hoffen wir einmal, dass das beim ELAN nicht vorkommt.

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Manche Stücke sind anstrengend, manche fallen einem leicht, andere sind einfach nur schön

Die Aufgabe an die Teilnehmer ist weit komplexer als nur von A nach B zu laufen. Natürlich sind die körperlichen Anforderungen sehr hoch, aber körperliche Fitness ist erst die Hälfte der notwendigen Kompetenzen. Wegfindung sowie das Wissen, was und wieviel man essen und trinken muss, sind ebenfalls entscheidend, denn die Läufer verbrennen eine unglaubliche Menge an Kalorien und verlieren ebenfalls viel Flüssigkeit. Auch eine Überhitzung stellt eine ernsthafte Gefahr dar.

Aber so eine Aufgabe fördert auch die mentalen Fähigkeiten, denn man sagt: „Ultras läuft man mit dem Kopf“. Was macht man, wenn man sich das zehnte Mal verlaufen hat und weiß, dass man nicht rechtzeitig zum Essen am Hotel ankommt? Was tun, wenn man eine Blase hat, wo noch nie eine war? Wenn man Hunger, aber nichts mehr zu essen hat? Aufgeben? Nur als allerletzte Option! Vorher gilt es, alles Mögliche und Unmögliche auszuprobieren! Und da ist eine Gruppe von Vorteil, denn vielleicht hat einer noch einen Riegel oder ein Blasenpflaster.

Man tauscht seine Ausrüstung und sein Wissen aus und kann daher bei so einem Lauf so viel lernen. Die Gemeinschaft und Hilfsbereitschaft unter den Ultraläufern ist riesengroß. Und bei so einem Abenteuer alle Schwierigkeiten gemeinsam überstanden zu haben, schweißt so eine Gruppe für Lebzeiten zusammen. Das sind Lebensereignisse, die man nie vergisst.

Dieses Camp findet dieses Jahr zum ersten Mal statt. Und man darf sehr gespannt sein, ob und wie alles klappt. Vermutlich werden wir auf unserer Homepage immer mal wieder Zwischenergebnisse und kurze Berichte veröffentlichen oder auf unserer Facebookseite mit euch diskutieren.

Wir freuen uns alle riesig auf das Wochenende!

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Was tun, wenn der Tag, aber nicht die Laufstrecke geschafft ist? Weiterlaufen!

Text und Fotos: Michael Irrgang, 21.07.2018

Der USU (Ultimativer Saar Ultra) ist eine Laufveranstaltung entlang der Saar, veranstaltet vom HartfüßlerTrail e.V. Es wird dabei immer auf dem Saarradweg gelaufen. Start ist in Saargemünd an der Bliesmündung, das Ziel ist in Merzig (65 km) oder in Konz an der Mündung der Saar in die Mosel (111 km). Der Lauf findet in Semi-Autonomie statt, d.h. es gibt an der Strecke nur fünf Verpflegungspunkte des Veranstalters (nach 30 km, 52 km, 65 km, 87 km und 99 km). Der Lauf fand am 8./9. Juli zum 2. Mal statt.

Grundsätzlich ist der eigentliche Ausgangspunkt in Saarbrücken. Dort gibt man seine Tasche (Dropbag mit Wechselkleidung und Nahrung) ab, diese wird nach Merzig bzw. dann weiter nach Konz transportiert. Dann fährt man gemeinsam mit der Saarbahn nach Saargemünd. Als Startschuss zählt das Öffnen der Saarbahntüren, ca. 00:10 Uhr.

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Saarbrücken bei Nacht

Wir haben uns am Freitag in einem Hotel direkt am Hauptbahnhof in Saarbrücken einquartiert, so dass wir ganz gemütlich zum Treffpunkt um 23:00 Uhr am Haupteingang des Bahnhofs gehen konnten. Dort waren schon ein paar weitere Läufer/Läuferinnen anzutreffen, darunter auch unser Laufkollege Rainer Leyendecker, der bereits einmal diesen Lauf in der Winteredition als Erster finishen konnte. Insgesamt waren es 29 Teilnehmer! Man zahlte direkt vor Ort und bekam eine schöne laminierte Startnummer. Nach einem kurzen Briefing („eigentlich immer links der Saar halten bis…“) ging es gemeinsam zur Saarbahn.

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Am Bahnhof vor dem Start

Dort wurde schnell ein Startfoto gemacht und dann ging es mit der Bahn nach Saargemünd. Wie angekündigt, war der Startschuss das Öffnen der Türen und wir mussten sehen, dass wir den Läufern hinterherkamen, die sich wohl alle auskannten und sich schnell auf dem Weg zur Saar machten. Sobald angekommen auf dem Radweg konnten wir ein gemütlicheres Tempo anschlagen und los ging es für uns. Das Startfeld hat sich schnell entzerrt und wir sahen bald nur noch einige Rücklichter in der Ferne.

Der Lauf nachts an der Saar noch auf französischer Seite hatte irgendwie auch was Unwirkliches fast Mystisches an sich, das Wasser spiegelte sich mal schwarz, dann waren wieder Nebelschwaden zu durchlaufen. Die Temperatur war immer noch angenehm warm, die Ärmlinge kamen bald runter. Immer wieder liefen wir an aufgestellten Angeln vorbei, meist daneben das Zelt des jeweiligen Fischers. Ich hoffe, wir haben sie nicht alle geweckt. Nach 20 km waren wir zurück in Saarbrücken, dann ging es weiter nach Völklingen, wo es nach 30 km die erste Verpflegung unter einem Brückenpfeiler gab.

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Morgenstimmung an der Saar

Dort gab es alles, was man sich so vorstellt als Läufer: Melone, Apfel, Kuchen, Iso, Cola auch Kaffee wurde angeboten. Nach einer kurzen Rast liefen wir weiter durch die Industriegebiete von Völklingen: auf der einen Seite Saar-Stahlwerke, Flammen aus Kaminen, Kühltürmen und auf der anderen Seite die Autobahn…hatte eher etwas von Endzeitfilmen. 

Irgendwann wurde es landschaftlich wieder schöner und es begann auch zu dämmern, so dass wir uns unserer Beleuchtung und den Warnwesten entledigen konnten. Wir begannen uns nach der nächsten Verpflegung zu sehnen, die allerdings nicht wie von uns gedacht, nach 50 km sondern erst etwas später an einer Staustufe auftauchte.

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Dort wurden wir wieder liebevoll empfangen und verpflegt. Zu dieser Zeit hatte ich auch schon für mich beschlossen, in Merzig nach 65 km aufzuhören und habe von der Betreuerin erfahren, dass ich nicht die einzige bin. Guido wollte sich mit seiner Entscheidung noch Zeit lassen bis Merzig.

USU7Also ging es weiter auf die letzten Kilometer, die sich dann noch in einer endlosen Geraden nach Merzig erstreckte. Es war nun auch schon abzusehen, dass es wieder ein sehr heißer Tag werden würde. In Merzig angekommen trafen wir wieder Rainer an, der hier verletzungsbedingt ausstieg. Guido hat der drohende Hitzelauf nun auch vom Weiterlaufen abgehalten.

Daher bekamen wir hier (da wir gekniffen haben) die Kneifzange als Medaille umgehängt. Im Zielbereich von Merzig blieben wir dann noch eine Zeit lang sitzen (man konnte sich in einer Hütte mit Toilette umziehen), haben uns mit den anderen Kneifzangen unterhalten und die nach uns eintreffenden Läufer willkommen geheißen. Einer der Läufer hat hier auch seinen 500 Ultra/Marathon mit dieser Veranstaltung beendet.

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Dann sind wir zum ca. 1,5km entfernten Bahnhof marschiert, die Bahnen fahren dort stündlich zurück nach Saarbrücken. Dort angekommen haben wir den Tag dann noch nach einer kurzen Ruhepause schön genießen können, mit viel Eis und Pasta bw. Pizza.

Das Ziel in Konz haben schließlich 7 Männer und eine Frau erreicht und dort für die 111 km ebene Strecke die Flachzange erhalten – welch wunderbare Idee für Medaillen!

Insgesamt war es eine gelungene schöne, kleine, auch verrückte Veranstaltung, die uns sehr gut gefallen hat. Am 28./29. Dezember gibt es die Winteredition, den sog. Ultimativen Ultimo Ultra, kurz UUU, den wir schon fest in unseren Kalender eingetragen haben. Vielleicht wird es dann sogar eine Flachzange, mal sehen.

Homepage des Veranstalters: https://www.hartfuessler.de

Text und Bilder: Evi Piehlmeier, 18.07.2018

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