Laufgemeinschaft der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung e.V.

Text: Michael Bohm, Bilder: Susanne Alexi, Michael Irrgang, Stephan Finster und Engelbert Resch 11.07.2020

Die Nachricht, dass der Chiemgau100 in diesem Jahr stattfindet, löste bei mir Vorfreude aus; aber auch Zweifel, ob ich den Anforderungen überhaupt gewachsen bin. Zwar bin ich schon alpin und in welligem Gelände gelaufen, aber noch nie "richtig" mit Startnummer, Zeitlimit und Stöcken. In solchen Situationen ist es hilfreich Michael Irrgang nach Tipps für die Vorbereitung und das Rennen zu befragen.

Anstelle eines fernmündlichen Coachings entwickelte sich bei Michael die Idee eines Trailrunning Wochenende zur gemeinsamen Vorbereitung. Das übertraf  natürlich all meine Erwartungen.
Wie schon beim BBQU, dem Wintertrainingslager für sehr lange Läufe im Februar in Bonn, kamen die Teilnehmer in den Genuss eines strukturiert aufgebauten Vorbereitungstrainings über drei Tage. Ob es an der kurzfristigen Ankündigung lag oder an den Sommerferien - es hatten sich nicht sehr viele dem Training angeschlossen. Aber alle Teilnehmer genossen es sichtlich.
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Michael, Kathi und Michael kurz vor dem Start (Bild: Michael)
Am Freitag hatten Kathi Bey von der LGU (LG Ultralauf) und ich ein Privattraining bei Michael. Miriam, sonst immer dabei, wenn in und um Bonn gelaufen wird, hatte leider private Verpflichtungen. Wir starteten um 17 Uhr Richtung Telegraphenberg in Troisdorf, Michaels "Hausberg". Nach dem Einlaufen zeigte uns der Trainer Mobilisierungs- und Lauf-ABC-Übungen und korrigierte die Bewegungsabläufe. Dann ging es los: 10x Bergsprint bis zum Maximalpuls! Wir starteten mit 5x eine Minute mit 6% Steigung. Ich versuchte mich zunächst mit 95% Einsatz, aber das ist den geschulten Blicken von Michael nicht entgangen. "Gib alles! Da sind noch 2 Sekunden drin", was dann auch tatsächlich funktionierte. Anschließend wurden die Sprints auf 3x 2  und 2x 5 Minuten verlängert. Gelernt haben wir den richtigen Beinhub und das Anfersen beim Bergsprint, um möglichst effektiv den Gipfel zu stürmen.
Auf die Sprints folgte ein schönes Fahrtspiel durch die Wahner Heide in welligen und zum Teil sandigen Gelände. Wir freuten uns über wunderschöne Ausblicke auf die Landschaften, die wir in den nächsten zwei Tagen noch genauer kennenlernen sollten. Nach dreieinhalb Stunden, 26 km und 460 hm waren wir zurück bei Michael, wo uns Martina mit leckerem Abendessen erwartete.
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Bereit für eine lange Tour: Michael, Miriam und Michael  (Bild: Michael)
Am Samstag standen 62 km und 1280 hm rund um die Wahnbachtalsperre auf dem Programm. Die Runde hat Michael dreigeteilt konzipiert. So konnten Läuferinnen und Läufer mit anderen Zielen auch Teilsegmente unter die Sohlen nehmen. Miriam Kudermann von der LGU holte uns um 8 Uhr ab und wir liefen zu dritt 20km zum VP1.
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Durch die Wahner Heide und den Lohmarer Wald ging es nach Heide.(Bilder: Michael)
Am Parkplatz, der uns als Versorgungspunkt diente, warteten die LGUler Michaela Kirchner und Stephan Finster sowie Olaf Sajitz und  Engelbert Resch aus dem Troisdorfer Verein mit einer willkommenen Versorgung aus Snacks und Getränken. Gemeinsam ging es um die Wahnbachtalsperre.
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Teils heftig, teils abenteurlich: Unterwegs auf dem Talsperrenweg. (Bilder Engelberg (2), Michael)
Das Höhenprofil glich in diesem Segment einem Sägeblatt mit sehr vielen kurzen An- und Abstiegen. Eine gute Gelegenheit ohne Stöcke die Technik des Berglaufs zu trainieren.
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Am Aussichtspunkt Pinn mit Engelbert, Olaf, Michaela, Stephan, Miriam, Michael, Michael (Bild: Michael)
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Tolle Sicht über die Talsperre (Bild: Stephan)
Aber auch die Taktik: da mir dieses Gelände so viel Spaß gemacht hat, bin ich die Downhills oft schneller gelaufen, als ich es hätte tun sollen. Gegen Ende der 26km Runde um die Talsperre verließen mich rapide die Kräfte und ich zählte im Geiste die Kilometer bis zur ersehnten Pause runter. "In den Bergen mit dem Kopf laufen, nicht nur mit dem Herzen". Ein wichtiger Hinweis für den Chiemgau-ultratrail, wenn die Euphorieschübe kommen.
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Am VP, ich (links unten) bin platt (Bild Michael)
Nach dem VP2, bei dem uns Martina mit Muffins, Kaffee, Snacks, 0% Bier, Schokolade u.v.m. versorgte, ging es zum "Auslaufen" zurück. Die Gruppe, die das anspruchsvolle Mittelstück mitlief, lief zurück zum Parkplatz und das Starttrio zurück zu Michael ca 16 km.  Für Miriam und Michael wurde es unfreiwillig ein Intervalltraining, da sie ständig auf mich warten mussten. Der Tribut für den Überschwang im Gelände musste bezahlt werden. Michaela, Stephan und Martina erwarteten uns am Ende der Etappe. Die Dusche, das leckere Essen und die sehr schönen und interessanten Gespräche am Abend ließen die Strapazen vergessen.
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Ehrung für Michaela (Bild: Stephan)
Nebenbei ehrte Michael Michaela für ihre langjähre Präsidiumsarbeit, da sie an der letzten Mitgliederversammlung nicht teilnehmen konnte. Als Vizepräsidentin gestaltete sie den Verein in der schwierigen Aufbauphase mit, wofür ihr Michael herzlich dankte.
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Vor dem Start der Königsetappe. Drei waren schon vorher müde. Susanne, Miriam, Michael, Iris, Jürgen, Michael, (Bild: Michael)
Durch die beiden ersten Tage hatten wir eine gute Vorermüdung für den Sonntag erreicht, um spezifisch für die Chiemgau 100 zu trainieren. Um 8 Uhr trafen wir uns am Kloster Heisterbach, um eine längere Runde im Siebengebirge zu laufen. Mit Miriam und Susanne Alexi aus Köln liefen wir die gesamte Runde von 39 km und 1920 hm Iris Jaschky und Jürgen Titze, langjährige Lauffreunde von Michael, begleiteten uns einen Großteil der Strecke. Das Motto der Tour war, jeden Berg  und jedes Highlight des Gebirges mitzunehmen, um lange Anstiege und Singletrails zu trainieren, Stockeinsatz lernen, immer die steilste Variante nehmen, rauf wie runter, Landschaft und Ausblicke genießen. Michael zeigte uns den Stockeinsatz in verschiedenen Situationen. Beim Laufen bergan mit kraftvoller Armunterstützung, bergab zum Entlasten der Gelenke. Wann nützt ein Doppelstockeinsatz, wann sollte die Armfrequenz zur Schrittfrequenz halbiert werden, wie unterstützen Stöcke zur Überwindung von Hindernissen u.v.m.
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Der erste Anstieg führte uns zum Petersberg (Bild: Susanne)
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Am Aussichtspunkt Dreisehenblick (Bild: Michael)
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Nach der Löwenpunkt, einem Höhepunkt, der den Namen verdient, ging es durch das Tretschbachtal einem wunderschönen Downhill bergab, wobei es einige Hindernisse zu überwinden galt. Bilder (Michael (2), Susanne)
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Nach dem Abstieg über die Breiberge ging es nach Rhöndorf, wo man sich kühlen, trinken und stärken konnte (Bild: Michael)
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Bestes, kühles Trinkwasser kommt aus dieser Quelle (Bild: Michael)
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Ein gekonntes Serfie von Susanne
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Der Track führte an vermutlich sämglichen Aussichtspunkten vorbei. Dieser war auf dem Anstieg zum Drachenfels. (Bild: Susanne)
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Na klar, nach dem Drachenfels kommmt die Wolkenburg, wo dieses Bild entstand. (Bild: Susanne)
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Und nach der Rosenau folgt der Ölberg, wo wir uns eine kurze Pause verdient hatten. (Bild: Michael)
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Um den Stenzelberg gibt es einen schönen Rundweg - man kann aber auch drüber laufen, Kletterpassage beim Abstieg eingeschlossen. (Bild: Susanne)
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Stenzelberg, Susanne und Miriam (Bild: Michael)
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Der letzte Anstieg führte auf den Nonnenstromberg. (Bild: Susanne) 
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Endlich glücklich im Ziel. (Bild: Michael)
Auf flachen Passagen änderten wir Winkel und Abdruck der Stöcke um den Vortrieb zu unterstützen. Die Teilnehmer hatten unterschiedliche Erfahrungen in bergigem Gelände und wir konnten uns dementsprechend gegenseitig prima unterstützen und Michael individuell auf uns eingehen. Es hat riesigen Spaß gemacht! Für mich war das Landschaftserlebnis in Kombination mit dem Lauf- und Techniktraining und den Gesprächen mit den Lauffreunden ein wunderbarer Urlaub. Durch den Familienanschluss bei Martina und Michael wurde das Urlaubsgefühl noch verstärkt.
Für Chiemgau fühle ich mich nun sehr gut vorbereitet. Die Zweifel dem Rennen möglicherweise nicht gewachsen zu sein sind zerstreut, aber der Respekt vor den Anforderungen bleibt.

Text: Michael Irrgang, Bilder: Ausschnitte der Internetseite kmspiel.de, 06.07.2020

Das Team „LG Ultralauf“ konnte in der am vorletzten Sonntag zu Ende gegangenen Saison nach einem spannenden Finale den zweiten Platz erzielen. Obwohl unser Team die letzten vier Meisterschaften gewonnen hat, hingen dieses Jahr die Trauben deutlich höher. Auch unsere zweite Mannschaft – Die Verfolger – konnten sich über einen 6. Platz freuen.

Mit dem KM-Spiel hat Oliver Seyffert alias Olzo eine Plattform geschaffen, auf der man u.a. die Anzahl seiner Trainingseinheiten und gelaufenen Kilometer erfassen und Teams gutschreiben kann. Es gibt hunderte von Teams, natürlich von Vereinen, aber auch nach regionalen Gesichtspunkten, Berufen, Sternzeichen oder Angewohnheiten. Als Mitspieler kann man sich maximal 4 Teams zuordnen, aber nur eins in der ersten Liga unterstützen. Gewonnen hat das Team, dessen Mitspieler am Ende der Saison, die 6 Monate lang ist, die meisten Kilometer eingetragen hat.

Olzo schreibt einen regelmäßigen Blog und erläutert besondere Ereignisse. Zum Saisonabschluss schrieb er:

kmspielblog

Was war das Besondere in diesem Jahr? Vieles verrät die folgende Statistik:

Saisonabschluss

Die letzten drei Spalten zeigen die Ergebnisse der vorangehenden Saison. LG Ultralauf konnte damals mit nur 49.496 km mit 3.000 Vorsprung gewinnen, die LG Ultralauf Verfolger erreichten mit 42.847 wie in dieser Saison den 6. Platz. Laufsport-Jaeckel ist aufgrund einer Sonderregel von der dritten Liga direkt in die Erste Liga gesprungen. Damals hatten sie die Liga mit etwa 25.000 km dominiert.

beVegt und Running Company waren auch im letzten Jahr sehr gut dabei und haben sich Anfang des Jahres enorm verstärkt. 70 Personen können maximal in einem Team mitlaufen und beide Teams hatten diese Zahl erreicht und belegten lange Zeit die ersten beiden Plätze. Auch Laufsport-Jäckel hat sich im Laufe des Halbjahres gut verstärkt.

So kam es, dass wir uns plötzlich mit respektablem Abstand auf Platz 4 wiederfanden. Da Platz 4 blöd ist, starteten wir eine Werbekampagne, noch nicht erfasste Kilometer nachzutragen oder sich neu dem Team anzuschließen.

April Stand

Das Unglaubliche passierte: Innerhalb von wenigen Stunden sprangen wir auf Platz 1! Die Mitglieder von Laufsport-Jaekel wunderten sich. Einer fragte im Forum:

forum

In der Tat hat sich Miriam im KM-Spiel neu angemeldet und ihre Kilometer für die letzten Wochen nachgetragen, was uns sehr geholfen hat. In der Einzelwertung belegte sie am Ende der Saison Platz 1 mit über 5.000 gelaufenen Kilometern – wohlgemerkt in 6 Monaten.

Im Mai hatten wir etwa 3.000km Vorsprung auf unsere Verfolger und so schien sich die Saison gut zu entwickeln, aber im Juni waren auch andere Teams in Bezug auf Verstärkung aktiv.

Laufsport-Jaekel hatte sich um über 10 Läufer verstärkt und dadurch uns erst überholt, Anfang Juni einen Vorsprung von ca 1.000 km aufgebaut und bis kurz vor Schluss gehalten.

Nun hatten wir nur noch eine kleine Chance, die wir nutzen wollten.

Viele wissen natürlich, dass man bis zu 10 Wochen rückwirkend seine Kilometer erfassen kann und viele tragen sie am Montag für die vergangene Woche nach. Was nicht alle wissen, ist, dass nur die Kilometer für die Meisterschaft zählen, die bis zum Sonntag, 28.Juni 23 Uhr, erfasst sind.

Saisonablauf

Zur Nutzung des Überraschungseffektes hatten wir auf unserer vereinsinternen Seite auf Facebook am Sonntagnachmittag aufgerufen, dringend fehlende Kilometer nachzutragen.

Und der Plan funktionierte! Unsere Team-Mitglieder erfassten fleißig die Kilometer und der Abstand wurde immer geringer. Gegen 20 Uhr konnten wir sogar die Führung übernehmen!

Allerdings nur kurzfristig. Offensichtlich waren unsere Mitstreiter ebenfalls regelkundig und verfügten über eine funktionierende Kommunikation. Und beobachteten die Entwicklung genau.

Auf jeden Fall war nach einer Stunde der alte Abstand wieder hergestellt. Wir hatten unser Mögliches getan, mehr als die erreichten 69.000 km waren nicht drin. Immerhin hatten wir unsere Teamleistung um 20.000 Kilometer gesteigert.

Der Glückwunsch geht an Laufsport-Jaeckel, die als Aufsteiger eine tolle Saison abgeliefert haben. Auch nach einer Woche der neuen Saison hat sich das Team sofort wieder an die Spitze gesetzt. Da werden wir uns wieder richtig strecken müssen, wenn wir im Kampf um die Meisterschaft mitreden wollen. Und das wollen wir eigentlich schon.

Wer die Meisterschaft und unser Team verfolgen will: Link zur 1. Liga

 

 

Plakate BUF 2020 Absage

02.07.2020

Das Bottroper Ultralauf Festival kann aufgrund der Corona-Pandemie in diesem Jahr nicht ausgerichtet werden. Wir bedauern diese Entscheidung sehr. Trotz intensiver Bemühungen ist das geplante Konzept nicht umsetzbar. Die Corona-Lage ist zu unsicher, um die Planungen weiter voranzubringen.

In den letzten Tagen haben die Verantwortlichen der ausrichtenden Vereine Adler-Langlauf Bottrop und LG Ultralauf viel über die Möglichkeiten zur Minimierung des Infektionsrisikos und über die gemeinsame Verantwortung gegenüber den Läufern, Helfern und Besuchern diskutiert. In den 2 Monaten bis zu unserem geplanten Veranstaltungstermin Anfang September könnte sich zwar noch Vieles – auch zum Positiven verändern. Das Risiko bleibt. Trotz der seit Jahren starken Unterstützung durch die Stadt Bottrop kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Genehmigung der Veranstaltung als sicher angenommen werden. Eine Planung ist dadurch nicht realisierbar.

Wichtiger Hinweis für alle gemeldeten Teilnehmer:

Die Startgebühren werden vollständig erstattet. Dazu erhaltet ihr in den nächsten Tagen noch gesonderte Informationen. Durch die automatisierten Buchungen kann es noch zu einem Bankeinzug kommen. Bitte widerruft diesen nicht und bucht nichts selbst zurück – dadurch entstehen dem Verein extra Kosten.

Nach vier BUFs mit zuletzt zwei wunderbaren Meisterschaften werden wir in diesem Jahr pausieren. Aber wir werden uns wiedersehen, vielleicht schon zum Herbstwaldlauf in Bottrop im November. Und bestimmt zum BUF 2021.

Bis dahin wünschen wir euch, dass ihr gesund bleibt und euch die Freude am Laufsport erhaltet.

Für das Organisationsteam

Markus Sobolewski und Michael Irrgang (Sportwarte von Adler-Langlauf Bottrop und LG Ultralauf)

 

ttdr1Text und Bilder: Ilona Thöß, 04.06.2020

Vor dem Lauf

Planen und packen, VPs organisieren und Drop Packs sinnig verteilen, immer im engen Austausch mit der Crew. Kurzer Zwischenstopp beim Dealer, der auch auf der Strecke sein wird. Lieben Gruß an Rolli!

 

Hang loose - oder die Leichtigkeit des Seins 

 

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Der Smiley ist auf dem Handrücken gemalt, um mich auch in schweren Zeiten daran zu erinnern, nicht die Leichtigkeit zu verlieren. Vorfreude pur!

Ich habe das große Glück mit meiner Muse laufen zu dürfen, Rainer, der auch perfekt organisiert ist und für uns ein Roadbook erstellt hat.

Ich gehe mit einem breiten Grinsen an den Start und rocke mit Rainer die 100 K. Das Ziel ist orange! Dopamin ist jetzt reichlich freigesetzt, nun freue ich mich darauf, reichlich Endorohine verschütten zu dürfen.

Ach hab ich s schon erwähnt? Ich habe mich gedehnt! In diesem Sinne einen Gruß an den Trainer: vielen Dank für dein Briefing, Michael.

Das war der Plan, jetzt zur Realität

Auf der Autobahn Richtung Duisburg macht mein Auto merkwürdige Geräusche. Auf dem Parkplatz Rheinorange soll es als VP im Ziel stehen. Der Parkplatz ist jetzt eine Baustelle und ich stehe dann auf einem Radweg und die Kupplung hat sich von mir verabschiedet. Die Bauarbeiter mit Klemmbrett unter dem Arm sind nicht amused und fordern mich auf zu fahren... Rainer, jetzt auch mein Retter, schleppt mich auf einen regelkonformen Parkplatz ab. Das Abschleppseil habe ich mir zwischenzeitlich geliehen.

Weiter gehts nach Hagen. Dort sammeln wir ein Crewmitglied ein und fahren weiter nach Werl zu Michael und Naina für weitere Orga. Unser Zeitplan gerät ins Wanken.

Rainer und ich fahren weiter nach Salzkotten. Dort warten wir auf den Anruf von Michael mit der Info, wann er in Hagen sein wird.

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Um 4.15 Uhr steigen wir ein, um Michael von Hagen aus für einen HM zu begleiten. Er hat zu dem Zeitpunkt bereits 60 k in den Beinen und ist die Nacht durchgelaufen. Wir ziehen ihn zu seiner Crew, die mit einem mobilen VP wartet. Rainer und ich sind dann zu zweit weiter.

Das Wetter war gut und wir haben die schönen Aussichten genossen, die das Ruhrgebiet zu bieten hat und Brücken und unser Projekt, einfach Alles!

Die Stimmung war bestens, die Kondition und mentale Stärke ebenfalls. Ein paar Zipperlein gab es natürlich auch. Bis zum VP von Wat läuft? wurden wir mit verpflegt. Dann wurde der Abstand zu groß und wir haben nach Rainer's Roadbook die VPs aufgesucht: Bäcker, Kaufland, Tennisclub Haus Scheppen. Da wir ohne Prolog gestartet sind, haben wir so die fehlenden km wieder wett gemacht.

Die Zeit haben wir uns genommen und die vielen Kalorien haben wir durch zusätzliche Treppenläufer wieder ausgeglichen, denn sooo einfach sollten die VPs nicht zu erreichen sein. Es gab ja auch die ein oder andere Durststrecke in der prallen Sonne zu bewältigen.

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Nach 100 k haben wir glücklich das Rheinorange erreicht.

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Startzeit : 4.17 Uhr Dauer: 14.36. 50 h Distanz: 100 km

Da waren wir ... aber wie jetzt wegkommen? Mit meinem Auto sicherlich nicht. Schlußendlich sind wir mit 2% Restakku mit dem Zug nach Dortmund, mit dem Taxi nach Hagen und mit Rainers Auto nach Salzkotten gefahren. Ein ereignisreiches, wunderschönes TTdR Wochenende neigte sich dem Ende zu.

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Aber da war ja noch der 8. und letzte Ballonathon ... ergo sind wir um 6 Uhr wieder auf und sind nach Bönen gefahren. Dort haben wir uns noch bei Jan Philipp bedanken können und sind eine Runde halb gelaufen und halb gewandert, da etwaige Zipperlein nun doch sehr präsent waren. Es war fantastisch!

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Das Auto habe ich von meinem Schrauber aus Dortmund abschleppen lassen. Es bekommt eine neue Kupplung ...

Sportliche Grüße, Ilo

... oder zu Fuß auf der Bertha Benz Memorial Route von Mannheim nach Pforzheim

Text und Bilder: Fabian Benz, 01.06.2020

01 Einleitung
Hintergrund:
02 EinleitungMit dem Benz Motorwagen Nr. 3 fuhren am 1. August 1888 früh morgens, als Carl noch schlief und so nichts mitbekam, Bertha und ihre beiden Söhne von Mannheim los. Nach etlichen Herausforderungen auf der Strecke (z.B. „Benzin wurde in Apotheken gekauft, Öl in der Zigarrenfabrik, kleinere Reparaturen erfolgten mit Haarnadel und Strumpfband, an einem zu steilen Berg musste geschoben werden) kommen sie am selben Tag spät abends bereits bei Dunkelheit in Pforzheim an. Damit ist die erste Fernfahrt mit einem Auto gelungen.
Bei mir:
Vorweg die „reinen“ Fakten:
etwas mehr als 106 km, 900 hm, knapp 12 Stunden, Temperatur von durchschnittlich 25 °C (Min. 19°C, max. 33°C). Gelaufen wurde fast überwiegend auf dem Radweg parallel der Bundesstraßen B3 und B10. Entlang der gesamten Strecke gibt es zahlreiche Supermärkte/Tankstellen etc. zur Verpflegungsmöglichkeit. Anreise per Bahn nach Mannheim Hbf, Abreise von Pforzheim Hbf.
03 Wasserturm Mannheim
Mein Lauftag begann schon um kurz nach 6 Uhr mit der Anreise von Bruchsal mit der Bahn zum Hauptbahnhof Mannheim. Von dort sind es zu Fuß noch ca. 1 km bis zu meinem anvisierten Startpunkt, dem Benz-Denkmal an der Augustaanlage in der Nähe des Wasserturms. Das Denkmal ist eine Bronzenachbildung des ersten Automobils in Originalgröße. (Anmerkung: das Denkmal ist teilweise auch sehr umstritten, weil im Jahr 1933 eingeweiht und von einem Künstler, der dem NS-Regime nahestand. Aber das soll hier nicht weiter thematisiert werden).

04 Weg
Nach dem Start führte die Strecke dann mit immer mal wieder kurzen Streckenabschnitten am Neckar gen Osten über Ilvesheim-Ladenburg bis zur B3 in Schriesheim (ca. km 18). Über die gesamte Strecke hinweg findet man immer wieder Beschilderungen mit „Bertha-Benz-Memorial-Route“.

05 Museum
In Ladenburg führt die Strecke auch an dem Dr.-Carl-Benz-Museum vorbei, welches bis in die 1920er Jahre als Fabrikhalle für die Herstellung von Fahrzeugen diente. Heutzutage kann man hier diverse original Fahrzeuge und Werkzeuge oder Nachbauten begutachten.)

06 Route
Von Schriesheim führt die Strecke letztendlich entlang der B3 in Richtung Süden bis nach Grötzingen bei Karlsruhe (ca. km 80). Fast über die gesamte Strecke hinweg führt auch ein separater Radweg nebenher. So ging es dann nach Dossenheim, Heidelberg, Rohrbach, Leimen, Nußloch nach Wiesloch. Eine weitere Sehenswürdigkeit ist hierbei die Stadt-Apotheke in Wiesloch (ca. km 38).

07 Apotheke

Diese gilt auch als die erste „Tankstelle“, denn Bertha musste damals den leeren Tank auffüllen mit Ligroin, welches in der Apotheke erworben werden konnte.

08 Stein

Danach führt die Strecke weiter über Mingolsheim, Langenbrücken, Stettfeld, Ubstadt, Bruchsal, Untergrombach, Weingarten bis nach Grötzingen. Bis hierher sind bereits 80 km geschafft, fast überwiegend ohne relevante Höhenmeter.

09 Route

10 Schloss Bruchsal

Schloss Bruchsal

11 Eis

Das verdiente Eis

12 Gymnasium

"Alma Mater"

13 Durchatmen

Durchatmen, bevor jetzt die Höhenmeter kommen

Dies wird sich jetzt ändern, ab nun geht es zunächst noch moderat, spätestens ab km 90 dann auch knackiger bergan. Die Steigung machte damals Bertha und dem Gefährt zu schaffen, sodass abschnittweise bergan von Hand geschoben werden musste.

14 BenzstrasseDie Strecke führt weiter Richtung Osten auf der B10 bis nach Pforzheim mit Zwischenetappen in Berghausen, Söllingen, Kleinsteinbach, Wilferdingen, Königsbach, Stein, Eisingen. Von den insgesamt ca. 900 positiven Höhenmeter über die gesamte Strecke erstrecken sich ca. 600 hm auf den letzten 15 km. Die letzten ca. 5 km führen dann wieder bergab in den „Talkessel“ von Pforzheim.

Als Ziel habe ich das Benz-Denkmal in Pforzheim am Weisenhausplatz auserkoren bzw. der Fluss Enz. Nach knapp 12 Stunden erreichte ich auch das Ziel, jedoch muss ich auch ehrlich zugeben, dass ich durchaus erschöpft war. Der lange Tag mit warmen Wetter, praller Sonneneinstrahlung und teils knackigen Anstiegen auf den letzten 15 km sind nicht zu unterschätzen. Umso froher war ich sitzend im Zug bei der Abreise vom Pforzheimer Hbf zurück nach Bruchsal.

15 Pforzheim

Wie lange letztendlich Bertha und die beiden Söhne für die gesamte 106 km lange Strecke benötigten ist nicht eindeutig überliefert, beziehungsweise es gibt widersprüchliche Angaben von 12-15 Stunden. Überliefert ist jedoch, dass sie früh morgens losfuhren und am selben Abend bereits bei Dunkelheit in Pforzheim ankamen, und zwar Anfang August im Jahr 1988 (selbst der genaue Tag ist nicht eindeutig überliefert).
Die Rückfahrt von Pforzheim wieder nach Mannheim trat Bertha Benz übrigens 3 Tage später an. Diese Route führt auf einer anderen Strecke ca. 90 km über u.a. folgende Orte: Pforzheim-Bretten-Bruchsal-Hockenheim-Schwetzingen-Mannheim. Somit habe ich auch noch ein weiteres Laufziel für einen nächsten langen Lauf vor mir  
Weitere Informationen für Interessierte:
Bertha Benz Memorial Route e. V. und den Bertha Benz Memorial Club e. V
(Nachtrag: bevor jetzt diverse Autogrammanfragen kommen: ich bin natürlich nicht der Nachkomme von Bertha und Carl Benz, zumindest nicht in einem mir bekannten direkten Verhältnis)

 

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