Laufgemeinschaft der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung e.V.

Ein Projekt des neuen gemeinnützigen Vereins „Sport supports Sauerland e.V.“

„Schatz, wir müssen reden!“, so eröffnete Domenico Krämer seiner Freundin Anna-Lena Reuter 2018, dass er nächsten Sommer mit dem Rad auf die griechische Insel Kos fahren wolle. Die Idee entstand schon vor zwei Jahren auf Kos als Domenico im Robinson Club Daidalos arbeitete und auf der Suche nach einer neuen sportlichen Herausforderung war. Nachdem die Idee über Monate reifte und Anna-Lena anfängliche Zweifel, ob das wirklich so eine gute Idee sei, überwunden hatte, begannen die zwei erste Überlegungen anzustellen.

Domenico 1Ziemlich schnell war klar, dass aus der Radtour eine Spendenaktion gemacht werden soll. Damit diese und weitere Aktionen auch nachhaltig sein können, gründeten Anna-Lena und Domenico den gemeinnützigen Verein „Sport supports Sauerland e.V.“. Dieser soll durch gemeinsame sportliche Aktivitäten Aufmerksamkeit und dadurch Spendengelder generieren, welche genutzt werden, um etwas für die Heimat, das Sauerland, zu tun. Dabei verfolgt der Verein den Leitsatz „Global denken, lokal handeln“. 

Domenico 2Die Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz sind uns in den vergangenen Jahren immer bewusster und wichtiger geworden. Es besteht Handlungsbedarf! So haben wir überlegt, was man im Kleinen tun kann, außer ein bisschen CO² zu sparen, indem wir mit dem Rad in unseren Sommerurlaub radeln. Wir wollten Bäume pflanzen. Bäume sind nicht nur extrem wichtig, um unsere Luft zu reinigen, da sie CO² binden, sondern sind auch großartig, weil an vielen Bäumen leckeres Obst wächst. So riefen wir die Aktion „Frische Luft und Obstsalat“ ins Leben. Dafür sammelten wir auf der Tour Spendengelder für das Pflanzen von Obstbäumen. Die Idee der Aktion: Bäume selbst Pflanzen, erleben, wie sie wachsen, Obst ernten und zu Marmelade oder Kuchen weiterverarbeiten. Dies ist nicht nur für junge Menschen, sondern für alle Generationen ein schönes Ereignis. Wichtig war uns, dass die Kinder sich um die Bäume kümmern, einen Bezug zum Thema Nachhaltigkeit erlangen und zukünftig die Früchte ihrer Arbeit ernten. Neben dem der „Frischen Luft“ wird es dann bald auch „Obstsalat“ geben. Mit der Unterstützung des Bürgermeisters wurden daher zahlreiche Einrichtungen in Brilon angeschrieben und über Brilon hinaus bis Meschede und sogar Hamm erreicht. Fünf Kindergärten, acht Schulen, zwei Altenheime, zwei Jugendhilfeeinrichtungen und ein Mehrgenerationenhaus haben sich bei der Aktion beworben. Das war unsere Motivation loszuradeln.

Doch bevor es auf den Sattel ging, musste noch einiges geplant werden. Die alten Drahtesel ersetzten wir durch stabilere Tourenräder und statteten diese mit Radtaschen aus, um all das Gepäck inklusive Zelt mitnehmen zu können. Wichtige Tipps gab es hierzu im Vorfeld von erfahrenen Freunden und Bekannten, ohne deren Erfahrungswerte wir sicherlich das ein oder andere Mal dumm geguckt hätten. Z. B. wurden wir schmunzelnd darauf hingewiesen, dass wir definitiv keine schwere Jeans brauchen, sondern eine leichte Treckinghose. Auch den Hinweis, doch die größeren Campingtöpfe mitzunehmen, sorgte dafür, dass wir unterwegs satt wurden.

Die Frage, was alles mitgenommen werden durfte, war einfach zu beantworten: nicht viel und möglichst nichts Schweres! Schließlich wollten wir mit viel Leichtigkeit losradeln. Trotzdem, einiges muss dann doch mit: Neben ausgeliehenen Schlafsäcken und geliehenem Zelt, Isomatten und dem Campingkocher benötigten wir natürlich ein Radfahr- und ein Abendoutfit sowie ein Minimum an Hygieneartikeln und Werkzeug. Außerdem durften Badesachen nicht fehlen, wir wollten ja schließlich ans Meer. Es ist wenig, was man wirklich braucht, was wir auf der Tour selber erfahren durften und sogar ein Paket aus Verona nach Hause schickten, um überflüssigen Ballast abzuwerfen.

Los ging es direkt zu Beginn der Sommerferien. Die erste Etappe von Brilon bis Züschen war nicht lang, aber wie sehr einen die dicken sauerländer Regentropfen durchnässen können, durften wir schon hier erfahren. Pitschnass bis auf die Haut kamen wir bei einem Fußballkollegen unter. Seine Vermieterin ließ uns rein mit den Worten: „Ach, ich habe gerade noch im Radio von zwei verrückten Radfahrern gehört, die wollen bis nach Griechenland fahren, aber das seid ja nicht ihr.“ Wir waren es doch. Glücklich, im Trockenen übernachten zu dürfen und ohne jegliche Vorstellung wie die nächsten Tage und Wochen werden würden, freuten wir uns über unseren Urlaubsstart.

Am nächsten Morgen mussten wir feststellen, dass unsere Kleidung noch nicht wieder ganz trocken war. Trotzdem ging es aufs Rad, wir hatten schließlich noch über 2000 Kilometer vor uns. Daher hieß es, sich warm zu trampeln und bald kam auch schon die Sonne durch. Über wunderschöne Feld- und Waldwege radelten wir raus aus dem Sauerland bis nach Marburg. Dort waren wir zum Mittagessen mit einem alten Freund aus Brilon verabredet. Gestärkt und mit neuer Energie radelten wir an diesem Tag bis Lich, einem schönen Städtchen in Hessen.

Am dritten Tag erlebten wir eine echt spannende Begegnung: zwei Radfahrer, Steffi und Andi, die bereits seit dreieinhalb Jahren mit dem Fahrrad unterwegs waren. Mit über 50.000 gefahrenen Kilometern über den gesamten Globus standen sie nahezu am Ende ihrer Reise und hatten viele nützliche Tipps für uns Anfänger. Trinkwasser z. B. ist in Deutschland auf jedem Friedhof zu finden. Das ist für heiße Tage ein wirklich hilfreicher Hinweis. Übrigens hilft auch ein Eis für Anna-Lena Wunder. Nach 90 Kilometern über Hügel und durch Täler an Tag 4 war ein Eis nötig, um weitere 27 Kilometer bis zum Zeltplatz in Rothenburg ob der Tauber zu stemmen. Hier hatten wir Glück, dass es zwei Campingplätze nebeneinander gab, da der erste komplett ausgebucht war. Auf dem zweiten Campingplatz bekamen wir glücklicher Weise noch ein Plätzchen. Leider war es mit unserer dünnen Ausrüstung bei sechs Grad nachts im Zelt doch noch sehr kalt – zu kalt für zwei Frostbeulen. Doch mit den ersten Sonnenstrahlen am Morgen und nach einer Portion selbstgekochtem Porridge ging es mit neuem Elan aufs Rad. Nachdem der erste Berg aus dem Tal erklommen war, rollten wir die nächsten 113 Kilometern unter dem Sonnenhimmel bis Eichstädt. Besonders für Anna-Lena war es unglaublich, was man an einem Tag an Strecke schaffen kann. Spätestens jetzt war der sportliche Ehrgeiz geweckt.

Unser nächstes heißersehntes Ziel hieß Erding: Dort erwartete uns Familie Fellermeier, Freunde, die wir beim Arbeiten auf Kos im Vorjahr kennengelernt hatten. Es war wahnsinnig schön, so herzlich empfangen und erwartet zu werden. Neben einem entspannten Grillabend mit viel Schokolade zum Nachtisch und weiterem Besuch von Kos-Arbeitskollegen genossen wir den kompletten nächsten Tag ohne Fahrradfahren im Garten der Fellermeiers. Auch die Chance unsere Kleidung einmal ordentlich zu waschen blieb nicht ungenutzt.

Nach einem Tag Pause hatte sich der Po wieder ein wenig erholt und es ging weiter nach Rosenheim. Dort kamen wir wieder bei Freunden aus der gemeinsamen Kos-Zeit unter. Abends feierten wir mit ihnen ein Rosenheimer Gaufest, natürlich stilecht in geliehener Lederhose und Dirndl. Durch die ein oder andere Maß ging es am nächsten Tag erst mittags, nach einem ausgiebigen gemeinsamen Frühstück bei unseren Freunden, weiter Richtung Innsbruck. Auf dieser Etappe begleitete uns sogar noch ein Freund, der ursprünglich auch aus Brilon kommt. Kurz vor Innsbruck kamen wir bei Segelfreunden von Domenicos Papa unter, die wir bis dato selbst nicht kannten. Da es am nächsten Tag aus Eimern schüttete, entschieden wir uns dazu, einen Tag Sightseeing in Innsbruck einzulegen und einen weiteren Tag bei unseren super freundlichen Segelgastgebern zu bleiben.

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Am nächsten Morgen folgte die Brenner-Etappe nach Italien. Trotz anfänglicher Sorgen stellte sich diese Etappe zum Glück als weniger anstrengend als befürchtet dar. Die sauerländer Berge waren das perfekte Training. Dennoch war es deutlich angenehmer den Brenner auf der anderen Seite Richtung Sterzing hinunterzufahren. Vom Campingplatz in Sterzing ging es zum nächsten Segelkollegen von Domenicos Vater nach Brixen. Auch hier wurden wir wieder herzlich willkommen geheißen. In den nächsten Tagen fuhren wir an der Adige (Etsch) entlang bis nach Verona. Auf dem Weg dorthin platzte an Domenicos Fahrrad nach ziemlich genau 1000 Kilometern der erste Schlauch. Dieser wurde dank Ersatzschlauch kurzerhand gewechselt. In der traumhaften Stadt Verona angekommen, wurde ein weiterer Tag Sightseeing eingelegt und der traumhafte Blick vom Campingplatz „Castle San Pietro“ oberhalb der Altstadt genossen. Getreu dem Motto „la dolce vita“ haben wir auch die Trinkflaschenhalter genutzt. (siehe Bild)

Von Verona aus ging es Richtung Ostküste über Ferrara bis ans Meer. Dieses erreichten wir nach genau 1337 Kilometer. Die nächsten Tage und Wochen arbeiteten wir uns die Ostküste Italiens hinunter. Dabei erlebten wir unendlich traumhafte Kilometer, aber leider auch einige mit extrem schlechten Straßen und definitiv viel zu viel Verkehr. Auch die meterlangen Müllberge entlang der Straßen schockierten uns immer wieder aufs Neue.

Auf unserer Reise Richtung Süden durften wir weitere tolle Begegnungen erleben. Eine dieser Begegnungen war der 73-jährige Heiner, der mit seiner roten Vespa den gesamten Stiefel Italiens umrundete und sich so seinen „little boys dream“ erfüllte.

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Weiter ging es an Ancona vorbei Richtung Apulien. Dort wollten wir eigentlich die Fähre von Bari aus nach Patras nehmen. Hier wurde uns einmal wieder bewusst, wie spontan man bei so einer Reise doch sein muss, denn alle Fähren für die nächsten Tage waren ausgebucht. Also radelten wir weitere Kilometer südlich bis nach Brindisi, um von dort aus nach Griechenland überzusetzen. Auf der Fähre wurden die Isomatten und Schlafsäcke ausgepackt, um uns am nächsten Morgen wieder ausgeschlafen in den Sattel schwingen zu können.

Domenico 5Nachdem der Hafen und das Stadtgetümmel von Patras hinter uns lagen, folgtenen 250 traumhafte Kilometer bis nach Athen. Neben der fantastischen Kulisse des Meeres pflasterten zahlreiche Baumarten wie Oliven, Zitronen und auch Feigen den Weg. Sofort schlug uns die griechische Fürsorge entgegen. Wir wurden lauthals von einem zwei griechischen Senioren zum Anhalten gerufen, um einen Schwung an Feigen zu pflücken und mitzunehmen. Uns wurden mit Händen und Füßen fachmännisch erklärt, wie diese Feigen richtig verspeist werden. So gab es immer frisches Obst. Auch das Nudelkochen im Campingkocher gelang inzwischen ohne Überkochen. Jedoch mussten wir noch lernen, dass Risottoreis definitiv zu den Dingen „weniger ist mehr“ zählt. Daher gab es den Reis dann nochmal kalt am nächsten Morgen zum Frühstück - natürlich mit einem traumhaften Blick aufs Meer.

Domenico 6Das sowohl in Italien als auch in Griechenland fast täglich die Mittagspause mit einem Sprung ins kühle Nass verbunden wurde, brauchen wir wohl kaum zu erwähnen. Schließlich war das Meer nie weiter als 300 Meter entfernt und dank öffentlicher Duschen ging es auch ohne Salzreste wieder frisch zurück auf den Sattel.

Über den atemberaubenden Kanal von Korinth radelten wir weiter bis nach Athen. Wir hatten es tatsächlich geschafft! Mit dem Fahrrad bis zur Akropolis; bis heute ein kaum zu beschreibendes Gefühl. Spätestens der Blick über Athen entschädigte jegliche Strapazen der letzten vier Wochen. Auch die vier weiteren Schlauchwechsel (3x an Domenicos und 1x an Anna-Lenas Rad) in den letzten 48 Stunden waren nun völlig egal.

Obwohl inzwischen auch die Mäntel der Reifen gewechselt worden waren, um die „Pannenproblematik“ letztendlich zu lösen, entschieden wir uns am nächsten Morgen sicherheitshalber dazu, neue Ersatzschläuche zu besorgen, bevor es im Hafen von Piräus auf die Fähre Richtung Kos ging. Diese Entscheidung machte sich bezahlt. Denn keine drei Kilometer vor unserm Ziel auf Kos, dem Robinson Club Daidalos, platzte Domenico tatsächlich noch einmal der Hinterreifen. Dieses, wie in einem schlechten Hollywoodfilm inszenierte Bild des reifenwechselnden Domenicos im Straßengraben, sorgte bei unseren ehemaligen Kollegen doch für sehr großes Gelächter. Sie wollten aus dem Auto heraus die letzten Meter mit der Kamera dokumentieren, nicht beim Reifenwechsel helfen.

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Aber auch dieses Problem konnte gelöst werden und nach genau 30 Tagen und 2306 Kilometern erreichten wir freudetrunken unser Ziel und feierten dies mit einem Sprung in den Pool.

Abschließend lässt sich sagen: auch wenn wir nur zu zweit auf den Rädern unterwegs waren, waren wir doch nie allein. Wir erhielten so viele liebe und motivierende Nachrichten von Freunden, Familien und weiteren Unterstützern. Aufmerksamkeit durch eine sportliche Aktivität, die über das normale Maß hinaus geht, zu erregen und dadurch Spenden zu generieren war der kleine Gedankenfunke zu Beginn. Aber was daraus entstanden ist, hätten wir uns niemals erträumen können. Tausend Dank an jeden einzelnen für all die Nachrichten, netten Worte und natürlich Spenden! Leute wie ihr motivieren uns, in Zukunft weiter zu machen und weitere Aktionen zu starten. Getreu dem Motto „global denken, lokal handeln.“

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Durch die Aktion „Frische Luft und Obstsalat“ konnten an 18 Standorten im Sauerland 100 Obstbäume und Sträucher gepflanzt werden.

Text und Bilder: Domenico Krämer, 26.11.2019 

Am Anfang diesen Jahres hätte ich nicht gedacht, dass dieses Jahr ‚mal ein „Frankreich Jahr“ werden würde. Anfang Januar hatte ich das Glück, für einen der raren UTMB-Startplätze (in meinem Fall den CCC) ausgelost worden zu sein.

Irgendwann im Februar stieß ich dann auf den „SaintéLyon“ Ende November und meldete mich spontan an. Und dann ergab sich im März, dass der diesjährige Familienurlaub in den Herbst fiel und wir ‚mal nach Südfrankreich fahren wollten.

Die Rahmendaten waren aufgrund der Ferientermine fix und so blieb aufgrund der langen Abreise (für uns Nordlichter zwei Tage) eigentlich nur eine Teilnahme am Freitag des „Festival des Templiers“ übrig.

Beim „Festival des Templiers“ handelt es sich um ein (Ultra-)Trail Festival mit 19 verschiedenen Strecken rund um das südfranzösische Millau als zentralem Zielort. Mit ca. 10.000 Teilnehmern handelt es sich gem. Veranstalter um die zweitgrößte Veranstaltung dieser Art in Frankreich nach dem UTMB. Leider waren die Ultrastrecken für den Freitag schon alle ausgebucht, so blieb mir ‚nur‘ die Teilnahme am „Marathon du Larzac“ mit 38 km aber immerhin 1.500 Hm. Das passte dennoch gut, hatte ich ja Ende August den CCC erfolgreich gefinished und noch in den Knochen stecken.

Wir näherten uns am Tag vor dem Rennen Millau von Süden und konnten so bereits bei der Anfahrt einen Eindruck vom Larzac (einem Hochplateau südlich des Zentralmassivs) und dem Tal des Dourbie (das im Rahmen des Marathon du Larzac durchquert werden sollte) verschaffen. Insbesondere der von der Straße erkennbare Schlussanstieg kurz vor Millau (ca. 350 Hm) war ‚eindrucksvoll‘. Im Tal des Dourbie konnten wir bereits viele der in der Region beheimateten Gänsegeier sehen und hören, während des Rennens konnte ich sie am nächsten Tag nur hören und leider nicht sehen. Beim Bezug des Hotels wurde bereits klar, was die Veranstaltung für Millau bedeutet: ein Plakat der Veranstaltung begrüßte die Läufer und das Hotel-Restaurant bot ein spezielles Menü für Läufer an – so etwas würde ich mir auch ‚mal in Deutschland wünschen 😊

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Es folgte die obligatorische Startnummernausgabe – hier gab es dann das erste Mal in diesem zweiwöchigen Frankreichurlaub echte Sprachprobleme: zwar bekam ich meine Startnummer ausgehändigt, aber Nachfragen zu Details (z.B. „Wo fährt mein Bus zum Start nachts ab?“) konnte mir niemand verständlich beantworten; mein Französisch reichte zwar für die Fragen aus, aber die Antworten verstand ich nicht und es dauerte eine ganze Weile, bis sich jemand fand, der Englisch sprach. Das ganze war aber sehr nett und vergnüglich – später bekam ich von einem Franzosen, der scheinbar nicht aus der Gegend stammte zu hören, dass „die Leute hier ein wenig eigentümlich sind“ …

Der anschließende Besuch der Trail Messe war verlockend, aber die Urlaubsgeldbörse war zum Glück schon leer und so beschränkten sich die Ausgaben auf ein paar sehr günstige Socken …

Der absolute Hammer waren die Frühstückszeiten im Hotel: am Freitag ab 2.00 Uhr nachts stand das sehr gute Frühstücksbuffet zur Verfügung und es war sogar ausreichend Personal anwesend. Zusätzlich gab es eine Auwahl an Nudel- und Kartoffelgerichten!

Nach dem opulenten Mahl (ich gebe es zu: ich habe mehr gegessen als sonst vor einem Lauf) ging es zu Fuß ca. 25‘ Minuten zum Abgangsort der Busse. Die Organisation war ein wenig chaotisch, fuhren doch die Teilnehmer von zwei verschiedenen Läufen vom selben Bushalteplatz zu unterschiedlichen Startorten. Aber auch ich landete schließlich in einen Bus, der mich zum richtigen Startort „auf den Larzac“ fuhr. Man wurde dort mitten im Nichts ‚ausgeladen‘ und ich trottete den französischen Läufern zum eigentlichen Startplatz auf einem Bauernhof hinterher. Dort wurde mit viel Musik die Stimmung angeheizt, auch gab es noch für den, der wollte einen heißen Kaffee. Pünktlich um 7.00 Uhr wurden wir im Dunkeln auf die Strecke geschickt. Die ersten Meter wurden noch u.a. durch Bengalos beleuchtet, aber bald war die eigene Stirnlampe der beste Freund. Unbefestigte landwirtschaftliche Wege wechselten sich mit spannenden Single Trails entlang von Hecken und Mauern ab. Auch der Untergrund wechselte permanent: rutschige, lehmige Abschnitte wechselten sich mit steinigen und tlw. geröllhaften  Strecken ab, jeder Schritt musste im Voraus abgewogen werden.

Wir Ultraläufer erleben ja viele schöne Momente in der Natur, aber der Sonnenaufgang bei diesem Lauf ist im Nachhinein kaum zu beschreiben: die Gipfel der umgebenden Berge tauchten durch Nebelschwaden und in vielen unterschiedlichen Pastelltönen auf.

Nach dem ersten Verpflegungspunkt (es ging durch ein kleines Dorfgemeinschaftshaus und auch hier war der Lauf mit Sicherheit der Jahreshöhepunkt des Dorflebens) auf Single Trails oberhalb des Doubier, der teilweise noch im Nebel steckte.

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Bei km 15 stürzte ich dann auf einem schwierigen, glitschigen Schräghang das erste Mal in meinem Trailläuferleben. Zum Glück nichts ernstes, aber auch nach über drei Wochen habe ich noch erhebliche Probleme mit dem kleinen Finger meiner linken Hand.

Ab- und Aufstiege wechselten sich permanent ab, es ging durch Buchsbaumwälder (ich wusste vorher nicht, dass es so etwas gibt), über Geröllfelder und durch Bachläufe, es wurde nie langweilig. Bei km 30 erreichten wir Läufer die Sohle des Doubier, es folgte der schon eingangs erwähnte Schlussanstieg. Hier holte ich das erste und einzige Mal die Stöcke aus dem Köcher und ‚zog‘ mich die 350 Hm hinauf. Viele andere Teilnehmer hatten hier erhebliche Probleme und der eine oder andere saß neben dem Trail und hatte sichtlich zu kämpfen. Aber auch ich hatte noch einige Herausforderungen zu meistern: erwartete ich auf den letzten ca. 5 km einen schnellen, einfachen Downhill ins Ziel, musste ich doch an der einen oder anderen Stelle im Steilhang nicht nur stoppen und tlw. wieder bergan, sondern als Höhepunkt ging es sogar durch eine (dunkle!) Höhle.

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Die anvisierte Zielzeit von weniger als 5 Stunden überschritt ich mit 5:06 zwar leicht, aber der Fokus der letzten Kilometer und nach dem Sturz war es, heile ins Ziel zu kommen. Hatte ich beim Zieleinlauf noch den Gedanken, mich mit meiner verstauchten Hand bei den Sanitätern zu melden, gab ich das aufgrund des Andrangs dort schnell wieder auf. Alle paar Minuten fuhr ein Krankenwagen mit Blaulicht vom Zielgelände in Richtung Millau …

Der Lauf war ein toller Abschluss meines Urlaubs. Ich kann zur Teilnahme an diesem oder einem anderen Lauf des „Festival des Templiers“ nur raten: neben der tollen Landschaft, der Stimmung an der Strecke und der speziellen Atmosphäre der Region gibt es eine Menge fürs (Start-)Geld, u.a. ein tolles Trailshirt und eine Finisherweste. Abschreckend ist nur die weite Anreise (mehr als 600 km ab/bis Freiburg), aber in Kombination mit einem Urlaub in Südfrankreich (ca. 2 Stunden sind es bis zum Mittelmeer) ist dies für den einen oder anderen ggf. machbar.

Und am 30.11. geht dann ins letzte Kapitel meines „Frankreich Jahrs“, zum „SaintéLyon“ – davon in einem späteren Bericht mehr.

13.11.2019 Text und Bilder von Jens Kruse

Patrick Hösl nahm am vergangenen Wochenende bereits zum vierten Mal an einer internationalen Meisterschaft teil und belegte mit einer sehr guten Leistung von 247, 473 km als bester deutscher Läufer in einem hochklassig besetzten Teilnehmerfeld einen sehr guten 20. Platz.

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Die Teilnahme an einer Weltmeisterschaft ist für alle Sportler ein besonderes Ereignis. Meist lassen sich die Veranstalter richtig etwas einfallen mit einer Flaggenparade, Eröffnungsfeier, Pressekonferenzen und einer gigantischen Siegerehrung in großen Hallen. Auch die Veranstalter in Albi, wo bereits 2016 die Europameisterschaft und im letzten Jahr die französische Meisterschaft stattfand, setzten mit ihrer Organisation Maßstäbe.

Nachdem sich Patrick in Delmenhorst souverän für die Weltmeisterschaft qualifizierte, bereitete sich unser Vereinsmitglied akribisch auf die Meisterschaft vor und tüftelte sich eine für ihn passende Rennstrategie für die WM aus. 

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Das Team Germany bestand aus 6 Läuferinnen, 5 Läufer sowie einige Betreuer, die sich hier kurz vor dem Start zum Gruppenfoto versammelten. Noch nie gab es eine WM mit so vielen Teilnehmern, insgesamt waren fast 400 Läuferinnen und Läufer auf der ca 1,5km langen Strecke. In der Spitze ging nach dem Start wie immer die Post ab, als sollte der Weltrekord gleich scharenweise pulverisiert werden. Tatsächlich konnte die Gewinnerin aus Amerika Camille Herron ihren eigenen Weltrekord um ca 8 km verbessern und lief nun unfassbare 270 km mit einer Durchgangszeit von genau 8 Stunden für 100 km!

Patrick ist jemand, der sich das Rennen genau einteilt und für ein konstantes Tempo bekannt ist. Wie kaum ein anderer kann er sein Potential richtig einschätzen und sich seine Kräfte auf die 24h gleichmäßig einteilen. 

Nach 3 Stunden befand er sich unter den 205 gestarteteten Männern etwa auf Platz 150, aber während alle etwas langsamer wurde, konnte er sein Tempo halten und sich immer weiter in der Platzierung verbessern. Die Zuschauer zu Hause konnten das Rennen in einem Liveticker recht gut verfolgen, dazu gab es Kommentare im DUV-Forum, teils als Analysen der Zwischenergebnisse, teils von Leuten, die vor Ort waren und das Rennen live kommentierten. 

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Bei den Frauen und Männern wurden unglaubliche Zwischenergebnisse erzielt, doch die Befürchtung, dass bald ein kollektiver Einbruch erfolgt, blieb aus. Kritisch ist immer die zweite Hälfte der Nacht. Zum einen haben die Läufer bereits zig Kilometer in den Knochen und die muskuläre Ermüdung macht sich spürbar, aber meist sind es auch die kältesten Stunden des Tages und Kälte mögen die Meisten in dieser Phase überhaupt nicht. Weil der Start bereits um 10 Uhr Ortszeit erfolgte, kam die Nacht auch sehr spät im Rennverlauf. Es wurde für alle recht schwer und kaum einer konnte sein Tempo halte. Nach 11 Stunden Laufzeit habe ich einmal Prognosen für die Spitze und die deutschen Teilnehmer erstellt und für Patrick 248km ausgerechnet. Meine Anmerkung dazu lautete etwa, dass dies eher eine optimistische Prognose ist, die nur erreicht wird, falls kein Einbruch erfolgt. Während diese Befürchtung sich für viele, insbesondere für die anderen deutschen Männer mehr oder weniger bestätigte, konnte Patrick seinen Plan umsetzen und diese Weite beinahe exakt erreichen. Teilweise lief er die schnellsten Rundenzeiten, denn auch die Top-Platzierten wurden gegen Ende deutlich langsamer. Insgesamt ist sein Plan voll aufgegangen und entsprechend zufrieden äußerte er sich auch über seine Leistung. Das war schon ziemlich perfekt! Respekt!

Mit dieser Leistung setzt er sich auf Platz 2 der deutschen Jahresbestenliste und krönt damit ein sehr erfolgreiches und spannendes Laufjahr.

Hervorgehoben werden muss natürlich noch Nele Alder-Baerens, die nicht nur die Silbermedaille holte und damit die Grundlage für den dritten Platz des Frauenteams legte, sondern mit ihrer Leistung von 254,288 km einen neuen deutschen Rekord aufstelle.

Herzlichen Glückwunsch allen WM-Teilnehmern! Das war kollektiv großer Sport und es hat uns viel Freude bereitet, dass Rennen am Computer zu verfolgen!

Ergebnisse der WM: Link

DUV-Forums-Eintrag zur WM: Link

Text: Michael Irrgang, Bilder: Sandra Küter, 29.10.2019

 

Am 5. September 2020 startet der kleine Jubiläums-BUF, immerhin schon die 5. Austragung. Nach zwei Meiserschaften in den letzten Jahren wollen wir wieder etwas kleiner und familiärer werden. Als eine Neuigkeit führen wir beim 24h-Lauf eine einzigartige Teamwertung ein, die im DUV-Sportausschuss einmal als Variante zur Mannschaftswertung diskutiert wurde. Die Besonderheit besteht darin, dass sie geschlechtsunabhängig ist, d.h. das Dreierteam kann sich beliebig aus Frauen und Männer zusammensetzen. Die Frauen bekommen bei der Berechnung einen Ausgleich von 10 Prozent. Diese neue Mannschaftswertung ermöglicht einen Wettbewerb von vielen Mannschaften und wir werden uns für die Siegermannschaften schöne Preise überlegen. Um an der Teamwertung teilzunehmen, müsst ihr nur bei der Anmeldung den Vereinsnamen identisch schreiben. Der Name muss kein Vereinsname sein. So könnt ihr auch mit euren Freunden oder Verwandten oder Arbeitskollegen ein Team bilden. Einzige Bedingung ist, dass alle Teammitglieder mindestens 45km laufen, was bei einem 24h-Lauf eigentlich kein Problem sein sollte. Wir sind sehr gespannt, wie viele Teams zustande kommen. Wir hoffen natürlich auf ganz viele und versuchen bei den Zwischenergebnissen auch Zwischenstände zu berechnen.

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Ein paar Dinge sind außerdem noch geändert. So vereinfachen wir die Abläufe, in dem wir auf den Nachtlauf verzichten. Es gibt nun nur einen gemeinsamen Start der 6- und 24-Stundenläufer. Wieder ins Programm aufgenommen sind die 6h-Staffeln und die bewährten 24h-Staffel bleiben im Angebot.

Details könnt ihr der Ausschreibung entnehmen.

Die Anmeldung werden wir dann in den nächsten Tagen freischalten. Bis zum Jahresende gibt es den günstigen Frühbuchertarif.

Wer nicht so genau weiß, was ihn genau im Batenbrockpark in Bottrop erwartet, kann sich gerne einmal die Bilder ansehen und Berichte durchlesen, denn immerhin haben wir ja schon 4 Veranstaltungen erfolgreich durchgeführt. 

Hier haben wir alle Infos zusammengestellt: https://lg-ultralauf.de/bottroper-ultralauf-festival.html

Auch im nächsten Jahr werden die bewährten Teams von Adler-Langlauf Bottrop und LG Ultralauf sich für euch wieder einiges einfallen lassen!

Text und Logo: Michael Irrgang, 21.10.2019

2 Wolfgang von hinten Bernath

Bild 1: Wolfgang in seinem Element

Im Heidelberger Regenwald

Als 2013 zum ersten Mal der Heidelberger "Trail-Marathon" ausgetragen wurde, war klar, dass ich dabei sein wollte. Die Runde über die drei "Berge" - Heiligenberg, Weißer Stein und Königstuhl - war nett und bot schon einige Höhenmeter. Mir hat es gefallen, die "Spezialisten" fanden es nicht "trailig" genug. Seitdem arbeiten die Veranstalter (die auch den Mannheimer "Dämmermarathon" im Program haben) daran, die breiten Wege durch schmale Pfade und die gemäßigten An- und Abstiege durch Steileres und Steinigeres zu ersetzen. Der Heidelberger Odenwald hat da ja schon etwas zu bieten. So wurde die Strecke mit der Zeit deutlich anspruchsvoller.

Als dieses Jahr dann der "Long Distance Trail" mit 50 Kilometern und 2000 Höhenmeter dazu kam war klar, dass ich mal wieder mitlaufen wollte. Prinzipiell klang mir das erstmal nach einem "Jokertrail" im Oktober, bei näherer Betrachtung sind die Unterschiede aber dann doch beträchtlich. Die "Berge" werden in umgekehrter Reihenfolge passiert und es gibt kaum gleiche Streckenabschnitte. Die etwas "wilderen" Abschnitte des Joker fehlen und natürlich auch die Unwägbarkeiten eines Traillaufs im Februar.

1 Briefing am Samstag

Bild 2: Briefing auf dem Karlsplatz in Heidelberg

Als es am 6. Oktober dann los ging, war schonmal das Wetter sehr "trailig". Es regnete praktisch von Startschuß bis zum Zielschluss. Die Wege waren also gut präpariert, es sollte schließlich niemand mit staubigen Schuhen nach Hause kommen. Start und Ziel sind mitten in der Altstadt auf dem Karlsplatz, entstanden im 19. Jahrhundert, als man das mittelalterliche Franziskanerkloster kurzerhand abriss. Neu gestaltet und mit Tiefgarage unterfüttert wurde der geräumige Platz dann im 20. Jahrhundert. Logistisch ist das nicht schlecht, auch die Bergbahn auf den Königstuhl für die Staffelläufer ist gleich vor Ort. Der erste Kilometer führt über Kopfsteinpflaster durch die Altstadt und über die alte Brücke, dann geht es gleich steil aufwärts. Wer richtig schnell sein will, sollte sich vorn aufstellen und den "Anlauf" zügig absolvieren, denn hier droht gleich ein kleiner Rückstau. Ein kurzes Stück führt die Strecke dann über den Philosophenweg, wer es nicht flach und geteert mag, kann wenigstens kurz den Ausblick genießen, denn nirgends hat man einen schöneren Blick auf Altstadt, Schloß und Neckar. Dann geht es zügig nach oben durch die sogenannte "Thingstätte". Eine Art Amphitheater aus der Nazizeit.

Kaum auf dem "Heiligenberg" angekommen (die Klosterruine wird nicht direkt angelaufen, wer aufpasst sieht die Hinweistafel auf den noch erkennbaren keltischen Ringwall), geht es auch wieder schön trailig nach unten. Nach gut sechs Kilometern dann die erste Verpflegungsstelle. Es gibt Iso und Wasser, Banane und Müsliriegel. Die nächsten zehn Kilometer sind so abwechslungsreich mit auf und ab, wechselnden Untergründen, alles auf Pfaden, dass ich ganz überrascht bin, als schon der "Weiße Stein" auftaucht. Auf der Kuppe (548m) steht ein weithin sichtbarer Fernmeldeturm und eine beliebte Ausflugs-Gaststätte. Heute sind die Läufer dank Regenwetter fast ganz unter sich. Auch hier gibt es Verpflegung - man muß bei diesem Lauf eigentlich nichts selbst mitschleppen. Die nächste Landmarke ist der "Lange Kirschbaum", auch dem Teilnehmer beim "Jokertrail" wohlbekannt. Der Wanderparkplatz bietet ideale Bedingungen für VP und Staffelwechsel.

Ging es von hier aus bei den früheren Austragungen erholsam aber etwas langweilig wieder bergab Richtung Neckar, haben die Streckenplaner sich jetzt etwas Spannenderes ausgedacht. Es geht über Trails runter aber immer wieder auch bergauf. Von steinig und verblockt über wurzelig bis hin zu fetten Downhill-Matschpassagen ist alles dabei. Vor allem bei letzteren bin ich recht stolz auf mich, dass ich das ohne unfreiwilligen Bodenkontakt schaffe. Wenigstens sehe ich nur von den Knieen abwärts aus wie ein frisch gesuhltes Wildschwein. Die Straßenlaufschuhe an meinen Füßen sind hier sicher nicht ideal. Trailschuhe die sich mit meinen Füßen gut verstehen werden jedoch noch gesucht.

So bleibt man immer voll konzentriert und ruckzuck ist man wieder im Neckartal. Auch dort gibt es wieder Verpflegung, es muß also niemand darben. Wir laufen durch das Stift Neuburg (der Abt hat's erlaubt) und kommen durch eine Unterführung direkt auf den Leinpfad am Neckarufer. So laufen wir nach rund 27 Kilometern jetzt gut 20 Zentimeter über dem Wasserspiegel. Ein ganzer Trupp von DLRG-Leuten und ein zugehöriges Boot sorgen dafür, dass keiner von uns absäuft. Als ich an ihnen vorbeilaufe kauen die meisten auf lecker duftenden Pizzastücken rum. Man könnte neidisch werden. Für die meisten dürfte sich aus dem Gang unterhalb der Straße, am Wasser entlang, eine ganz neue Sicht aufs Neckartal ergeben. Ich erinnere mich vor längerer Zeit bei Sommerhitze hier mal gelaufen zu sein. Wie auch immer, man spart sich eine Passage durch den Ort Ziegelhausen. Nur wenn der Neckar noch ein bischen höher steigt (was gelegentlich der Fall ist) wird man wohl auf eine parallel verlaufende Straße ausweichen müssen.

Die Flußquerung über die Brücke nach Schlierbach teilt der Lauf mit dem Joker (andere Richtung) und dem örtliche Halbmarathon. Die einzige Alternative hieße hier Schwimmen. Man hält sich aber nicht lange mit der Ortschaft auf sondern ist ruckzuck wieder im Wald, wo es gleich wieder ordentlich aufwärts geht. Auf dem Weg zur "Himmelsleiter" passiert man nach einer Weile die Stelle, wo die Extraschleife des "Long Distance Trails" wieder auf die Marathon-Runde trifft. Es ergibt sich somit ein relativ kurzer Streckenabschnitt, den man zweimal läuft.

Besagte Himmelsleiter - eine krummbuckelige Natursteintreppe, angelegt 1844, mit zum Teil recht hohen Stufen - tangiert man insgesamt drei Mal. Den ersten kurzen Abschnitt vor und nach der Extraschleife und den Hauptabschnitt beim finalen Aufstieg auf den Königstuhl. Sie führt über insgesamt 270 Höhenmeter vom Heidelberger Schloß zum Gipfel des Königstuhls, der höchsten Erhebung im Umkreis (568 m). Wenn man sich in der Heidelberger Altstadt aufhält und Bewegungsdrang verspürt kann man auch auf Treppenstufen von ganz unten über das Schloss zum höchsten Punkt der Gegend aufsteigen, das sind dann circa 1600 Stufen. Bevor ich nach oben darf, steht aber die 8 Kilometer lange Zusatzschleife an, die aus dem Marathon einen Ultra macht und rund 500 zusätzliche Höhenmeter bringt. Optisch empfinde ich das Felsenmeer immer wieder als Highlight. Ich bleibe meistens mal kurz stehen, damit ich mich in Ruhe umschauen kann ohne dabei auf die Nase zu fallen. In meinem Geschwindigkeitsbereich ist hier nicht gerade viel Verkehr. Nachdem ich auf den ersten zwei Dritteln der Strecke etwas zügiger unterwegs war, weil ich die cut-off Zeit an der Abzweigung in die Extraschleife nicht so richtig abschätzen konnte bei den herrschenden Wetterbedingungen, habe ich mich auf dem letzten Abschitt etwas zurückgenommen. Letztlich hätte ich dann genug Zeit gehabt, die Extraschleife zweimal zu laufen. Aber man soll ja nichts übertreiben. Trailtechnisch ist die Schleife nicht besonders schwierig, denn der steile Abschnitt durch das "Felsenmeer" bietet soliden und überwiegend griffigen Untergrund. Geröllhaltige Abschnitte fehlen aber auch nicht. Sollte man auf dem letzten Teil der Schleife dann doch noch ausrutschen, fällt man wenigstens zielsicher wieder auf die Marathonstrecke.

Die kleine Doppelung hat mich nicht gestört. Die Himmelsleiter empfinde ich persönlich nicht als besonder schwer. Nach den ganzen Matschpassagen habe ich es eher genossen, soliden Stein unter den Sohlen zu haben. Hoch laufen zu wollen, wäre nicht sehr sinnvoll, ich steige zügig und überhole auch so ständig. Auf dem Königstuhl angekommen gibt es bei schönem Wetter einen sehr netten Ausblick zu bewundern. Diesmal ist es eher diesig, aber ich wohne praktisch am Fuß des Königstuhls und kenne das Panorama zur Genüge. Dafür gibt es noch einmal Verpflegung. Die in Stücke geschnittenen Müsliriegel sind vom Regen gut eingeweicht und rutschen um so besser durch die Speiseröhre. An den letzten beiden VPs gibt es auch Cola. Die derzeit hier zu bewundernde Baustelle ist nicht so dekorativ und mein Versuch, unten in der Stadt mein baldiges Kommen telefonisch kund zu tun, läuft ins Leere. Kein Empfang. Ich passiere also die Endstation der Bergbahn und mach mich so locker, wie es halt noch geht, denn jetzt kommt der letzte aber nicht gerade der einfachste Downhill.

Gut, dass ich den in den letzten Wochen ein paarmal geübt hatte, denn solche technisch anspruchsvolleren und doch schon recht steilen Bergabpassagen gehören nicht grade zu meinen Lieblingsübungen und werden von mir sonst gerne gemieden. Heute kommt noch ordentlich Wasser dazu. Im allgemeinen finde ich das eher hilfreich. Wo Wasser fließt ist der Gripp in der Regel besser, da Sand und Schmodder ja weggewaschen werden. Die Füße sind eh seit langem schon nass. Weiter unten gibts dann einen letzten Gegenanstieg und nochmal einiges an Matsch. Davon hab ich jetzt doch die Faxen dicke und zieh' das Tempo nochmal ein bischen an. Am Schloss vorbei geht es schließlich durch den zugehörigen Garten, die Überreste des vor 400 Jahren hochgerühmten "Hortus Palatinus". Dann noch einige nasse Treppenstufen und ein bischen Kopfsteinpflaster und schon kommt der Karlsplatz wieder in Sicht. Der Zieleinlauf geht durch das Zelt, in dem auch die Gepäckaufbewahrung untergebracht ist.

Ich bin nicht wasserscheu, zumal beim Laufen, aber jetzt freu ich mich doch, aus dem ewigen Gepiesel rauszukommen. Zum Schluß gibts noch ne Medaille um den Hals und auch "Gelita 2019" ist gelaufen. Der Hauptsponsor verdient übrigens sein Geld mit Gelatine - ob es deswegen unterwegs mal Gummibärchen gab? Nachdem bei mir dieses Jahr viel Erholung und wenige Läufe auf dem Programm stand und ich mich auch nur relativ kurz spezifisch vorbereitet hatte, bin ich mit meiner Zeit von 5:53 sehr zufrieden. Das Kontingent von 150 Startplätzen für die 50Km-Variante war im Vorfeld ausgeschöpft worden. Dass nur 90 Ankommer in der Liste stehen mag dem Wetter geschuldet sein, aber man unterschätzt einen solchen Lauf auch leicht. 50Km höhren sich erstmal nach nicht viel an aber die grünen Hügel des Odenwaldes mit viel Auf und Ab können doch ganz schön Kräfte zehren. Der Sieger Nikki Johnston - ein Schotte aus Düsseldorf - hat die Sache in beeindruckenden 3:44 runtergerissen. An einigen Stellen der Strecke hätte ich ihm heute gerne zugesehen.

3 Im Ziel

Bild 3: Wolfgang im Ziel

Auch wenn es bei schönem Wetter - letztes Jahr gab es "goldenen Oktober" pur - natürlich netter ist, fand ich den Lauf sehr schön und habe es genossen. Aber ich laufe auch sonst gar nicht ungern bei Regen durch den Wald. Man hat seine Ruhe und alles glänzt so schön grün und frisch gewaschen.

Für süddeutsches Mittelgebirge bietet der Lauf ganz ordentlich Höhenmeter und Trailpassagen sicher auch nicht schlecht als Vorbereitung auf Höheres. Ansonsten gibt es Wald und Mehr. Die Streckenmarkierung ist sehr gut, auch wenn der stellenweise vorhandene Nebel dichter geworden wäre, hätte sich hier sicher niemand verlaufen. Viele Streckenposten harren am Wegrand aus bis auch der letzte durch ist. An kürzeren Strecken sind auch Runden mit 9 und mit 30 Kilometern (hier "Halftrail" genannt) im Angebot und natürlich der Marathon. Ich hoffe, auch der 50er wird uns in den nächsten Jahren erhalten bleiben.

16.10.2019 Text: Molfgang Metzger Bilder: Wolfgang Metzger, Wolfgang Bernath, Karin Zimmermann

 

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